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Anzeiger für (das frühere kurheffischej Oberheffen
MarSurger ragBanzelM
SberheUsche Zeitung ™
St. 129 63.au». Marburg a.Lal>n
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der SöahSheim m Kambueg nnö Wmssbers
12500# gronlWtn In Snmbutg — Ein riesiges ginget im : iadloark
Hamburg, 3. Juni. Die erste öffent- siche Kundgebung des „Stahlhelms" fand am Freitag abend um 20 Uhr in den beiden großen Festsälen des Etablissements ßagebiel statt. Die Polizei hatte starke Kräfte aufgeboten, um Zwischenfälle zu verhindern. Beide Säle waren überfüllt und mit schwarz-weitz-roten und den Landesfahnen geschmückt. Unter den Ehrengästen sah man zahlreiche ehemalige Seneräle in der alten feldgrauen Uni- orm. Nach dem Einzug der Fahnen ver- 06 der 2. Bundesführer Oberstleutnant >. Düsterberg die 2. Stahlhelm-Bot- chaft. Im Anschluß daran nahm der . Bundesführer, Franz Seldte, das Bort zu einer längeren Rede, in der er na. erklärte, daß der „Stahlhelm" allein lie Freiheit Deutschlands wünsche. Durch lie Stahlhelm-Botschaft von Hamburg sthe der Geist und das Streben des Stahlhelms" nach Macht. Einigkeit fei ne Grundlage aller inneren und äußern Politik. Der „Stahlhelm" erkläre, as deutsche Volk sein Schicksal ver- iene, wenn es nicht die Kraft aufbringe, n politischen Kampfe auch mit dem timmzettel das Lebensrecht feines Staa- » zu verteidigen. Der „Stahlhelm" er- läre, daß er sich der Einheitsfront für iefen Kampf bedingungslos zur Verfüg- Lg stelle. Die Kundgebung schloß mit em Deutschlandlied und einem dreifachen Front Heil". — Zwischenfälle haben sich, »weit bis jetzt bekannt, nicht ereignet. Höhepunkt und Abschluß des Stahlelmtages in Hamburg bildete am Sonnig der Appell im Stadtpark. Seit eir frühen Morgenstunden marschierten le Kolonnen an und um 13 Uhr glich die >rite Wiesenfläche im Stadtpark einem
einzigen riesigen Heerlager.
Ü Heilrufen begrüßt erschien die Bun- taleüung und schritt die Viereckfront die Rednertribüne ab. Die Feier be- »nn mit Ansprachen eines evangelischen »o eines katholischen Geistlichen. So- »M richtete der erste Bundessührer e l d t e Begrüßungsworte an die Mas- n- Nach seiner Angabe sind 125 000 Stahlhelmer dem Rufe nach
Hamburg gefolgt,
»e Teilnehmerzahl, welche alle Erwar- "lgen übertraf. Im Anschluß verlas der undesführer die bereits veröffentlichte weite Stahlhelmbotschaft". Nach Be- ^ßungsworten des zweiten Bundes- hrers, Oberstleutnant a. D. Düsteres, schritt die Bundesleitung die wnten ab. Der Vorbeimarsch vor nste und Düsterberg beschloß den ppell.
Eis Sonntag mittag ist es
$ größeren Unruhen nicht gekommen. ^Sonnabend abend und im Laufe der "ht-.um Sonntag kam es namentlich in ? Altstadt, auf St. Vauli und an der wnaer Grenze zu gelegentlichen An- Meien zwischen Stahlhelmern und wuschen Gegnern. Die Polizei griff Erall schnell ein und konnte die Ruhe $er Herstellen. Insgesamt wurden 1 Personen verhaftet und eine größere Ahl von Sistierungen vorgenommen. Ahl von Sistierungen vorgenommen. ■ Ausschreitungen in Harburg-Wil-
bürg, wo etwa 6000 Stahlhelmer gebracht sind, konnten am Sonn- md abend, nachdem die Polizei mit
Gummiknüppel^, eingeschritten war, wfalls schnell im Keime erstickt werden.
^Der Ostpreußische Stahlhelmtag.
^nigsberg.3. Juni. Nachdem am abend im Palastta-Stadion eine
we Kundgebung des Stahlhelms, an ^etwa 10 000 ostpreuhische Stahlhelm- I * teilnahmen, stattgefunden hatte, bil
dete den Mittelpunkt des ostpreußifchen Stahlhelmlages am Sonntag vormittag eine Weihe st unde auf dem Walter- Simon-Platz. zu der außer den ost- und westpreuhischen Ortsgruppen besonders zahlreich die Danziger Stahlhelmer erschienen waren, die wiederholt lebhaft begrüßt wurden. Zahlreiche Landesverbände aus allen Teilen des Reiches hatten kleine Abordnungen entsandt. Der Führer des Landesverbandes Ostpreußen, Graf zu Eulenburg-Wicken, gedachte nach Abschreiten der Front zunächst in kurzen Worten der gefallenen Brüder, die starben damit Deutschland leben sollte. Gemeinsamer Gesang, Gebet und Kranzniederlegung am nahen Heldendenkmal beendeten diesen Teil der Weihestunde.
Hierauf folgte eine Ansprache des Landcsverbandsführers, der noch einmal Zweck und Ziele der Stahlhelmbewegung
erläuterte und die Hamburger Stahlhelm- botfchast verlas. Bon den zahlreich eingegangenen Glückwünschen und Grüßen wurden die des Reichspräsidenten von Hindenburg, des Dundesfiihrers Seldte und Düsterbergs verlesen, die stürmischen Beifall auslösten. Mit einem Parademarsch vor dem Landes- verbandsführer und anschließendem Marsch durch die Stadt schloß die Kundgebung.
Am Nachmittag startete eine große Anzahl von Stahlhelmsportlern zu einer Heldengedenkstaffel. Gegen 6 Ahr begann dann der Abtransport der auswärtigen Teilnehmer in Sonderzügen. Zu Störungsversuchen und Zwischenfällen ist es am Sonntag bisher nicht gekommen. Die Schutzpolizei hatte umfassende Sicherheitsmaßnahmen getroffen und auch den Fuhr- werksverkehr frühzeitig in Nebenstraßen umgeleitet.
Tagung resM'chsverbanöes der deutschen Messe , Die 18. MMMWW Ker MÄeMMsrr der FsrzmMen
Köln, 3. Juni. Die heutige Fortsetzung der wieder aus allen Teilen -es Reiches besuchten Tagung des Re ichs- verbandes der Deutschen Presse begann mit einem Referat Georg Bernhards über die Tätigkeit der ReichS- aröeitsgemeinschaft. Bernhard hob hervor, dah das Schwergewicht der Arbeiten in die Bezirksarüeiisgemeinschaften gelegt werden müsse, deren Zusammensetzung von allergrößter Bedeutung sei. Erne Teilaufgabe der Bezirksarbeilsgemeinfchaft sei dre restlose Durchführung des Abschlusses von schriftltchen Arleiisverträgen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde die Frage der Auslandskorrelpondenz erörtert. Die Wahlen zum Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Presse hatten folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Chefredakteur Georg Bernhard, nachdem Baecker erklärt hatte, daß er nach sechsjähriger Tätigkeit eine Wiederwahl ablehne; 2. Vorsitzender Freund; 3. Vorsitzender Richter; 1. stellvertretender Vorsitzender Ackermann. In den Vorstand der ReichSarbettsge- me in schäft wurden gewählt als ordentliche Mitglieder Ackermann, Dr. Feder, Klüß, Bernhard, Freund, Richter, Henke. Das Oberste Schiedsgericht wurde folgendermaßen zusammengesetzt: Ackermann, Sarernus, Hartmann, Kayser, Schindt, Tönjes. In das Oberste
Ehrengericht wurden gewählt: Dr. Breslauer, Scheel, Osterhieber und 12 wettere Mitglieder.
Bei der Kundgebung des Reichsverbandes der Deutschen Presse führte der Reichspressechef, Minrsterialrat Dr. Z e ch l i n , nachdem er die Wünsche und Grütze des Reichskanzlers und der Reichsregierung übermittelt hatte, u. a. folgendes aus:
„Meine Beziehungen zur deutschen Presse sind alt, und ich weiß, wie schwer, wie verantwortungsvoll, wie nervenaufretbend und wie undankbar die Aufgabe des Journalisten ist. Ter Journalist ist gezwungen, die Ereignisse in ganz unverhältnismäßig
kurzer Zeit zu kommentteren, zu kritisieren, zu erklären, und damit überhaupt erst die Basis zu schaffen, auf der sich die öffentliche Meinung informieren kann. Aber diese Arbeit, so schwer sie ist, sie hat ein Aeguivalent, der deutsche Journalist und der Journalist überhaupt hat eine. Genugtuung: Er weiß die Macht und tue Bedeutung des Instrumentes zu schätzen, das er zu spielen berufen ist." Dr. Zech- lin brachte sodann zum Ausdruck, daß die Internationale Presseausstellung von Anfang an sich als ein ungeheurer Erfolg gezeigt habe, und sprach die Ueberzeugung ans, daß diese Ausstellung ein ErgÄnrs haben werde, daß alle, auch die kühnsten Erwartungen übertreffe. Der Redner betonte, Reichsaußenminister Dr. Stresemann bedauere sehr, daß er durch seine Krankheit verhindert sei, dem Berbandsorgan des Reichsverbandes rote bisher einen Beitrag zu liefern, und umgekehrt bedauere auch die gesamte deutsche Presse die Erkrankung Dr. Stresemanus und wünsche ihm aufs herzlichste baldige Genesung.
Bei dem Slbendessen, das sich an die Kundgebung des Reichsverbandes der Deutschen Presse anschlotz, begrüßte Ehefredak- teur Professor Georg Bernhard die Gäste namens des Reichsverbandes unp sprach den beiden anwesenden Ministern Grzesinski und Professor D. Dr. Becker den Dank des Reichsverbandes I aus, dem ersteren dafür, daß er, der Empfehlung des Reichsverbandes entsprechend, Dr. Dovifat die Professur für Zeitungs- wii;en,chaft an der Berliner Universität übertragen habe. Der Reichskommissar der Presta, Dr. .Külz, gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Reichsverchand der Deutschen Presse seine Vertoettrvev- sammlung in Köln abgehalten habe und dankte dem Verband für die heutige Kundgebung, die eine wertvolle Bereicherung ter Pressa dar stellt. Sein Hoch galt der Presse als Dienerin an Volk, Vaterland und Menschheit.
Mklng lit geräumt
fk. Peking, 4. Juni. Zn Peking herrschte gestern morgen vollkommene Ruhe. Sämtliche Soldaten haben die Stadt verlassen, in der jetzt Polizei und Gendarmerie die Ordnung aufrecht erhalten.
Attentat auf Tschantsolin.
fk. London, 4. Zuni. Aus Mnkden in Tokio eingegangenen Meldungen besagen, daß eine Brücke in die Luft gesprengt wurde, in dem Augenblick,
als der Sonderzug Tschangtso- l i n s darüberfuhr. Vier Wagen des Sonderzuges wurden zerstört. Die Zahl der Toten soll sehr groß sein. Tschantso- lin kam mit leichten Verletzungen davon.
Ein französisches Flugzeug abgestSrzt.
_ fk. K ö I n, 4. Juni. Sonnabend morgen stürzte auf dem Euver-Flugplatz ein französisches Flugzeug aus etwa 50 Meter Höhe ab, geriet in Flammen und wurde völlig zerstört. Die beiden Piloten waren sofort tot.
Nee Strittig
Unter den vielen Diplomaten, die in der (Öfter» Woche Italien überschwemmten und durch ihre Begegnungen mit Mussolini Anlaß zu einer großen politischen Aufregung in der internationalen presse gaben, befand sich auch der Außenminister der Angora-Türkei, Ruschdi Bey, der mit IHuffolini in lllailand mehrere Tage zusammen war. während andere Besuche, so der des polnischen Außenministers Zaleski, über den auch viel geredet wurde, offenbar ohne nachhaltige politische Wirkungen geblieben sind, hat die italienisch-türkische Aussprache, wie man bald nach Dstern horte, ein ganz positives, wohl schon von längerer ksand vorbereitetes Ziel gehabt, nämlich den Abschluß eines engen politischen Vertrags, der sich äußerlich zwar in der Form der setzt beliebten Schiedsgerichts- und Neutralitätsverträge hält, der aber feinem Wesen und seiner Tendenz nach eigentlich das ist, was man früher ein Bündnis nannte.
Dieser Vertrag ist nun schon vor vierzehn Tagen in allen feinen Einzelheiten festgelegt worden, und man wartete mit feiner Unterzeichnung und Veröffentlichung nur deshalb, weil auf italienische Anregung auch Verhandlungen zwischen Griechenland und der Türkei gepflogen wurden, durch den die alte Feindschaft zwischen diesen beiden Staaten begraben, die vielen einzelnen ShcitpunFte zwischen griechischen _ und' türkischen Interessen namentlich im Aegischen UTeer bcigelegt werden sollten, vom italienischen Gesichtspunkt aus aber lag das Bauptintereffe au einer solchen türkisch- griechüchen Einigung darin, daß damit unter italienischer Führung die Bauptmäcbte im östlichen Mittelmeer zu einem Block vereinigt worden wären, der sich bei der Regelung der politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten die'er Region von den konkurrierenden Einflüssen Oer europäischen Großmächte frei halten konnte. Diese sehr geschickte Konzeption der Diplomatie IHuffolinis hätte, wenn sie rollständig geglückt wäre, in Wirklichkeit die Vorherrschaft Italiens in der Levante aufgerichtet und vor altem den französischen Ein- fluß in Kleinasien vollständig zurückgedrängt. Durch diese geniale Rechnung ist nun fteilich Mussolini zunächst dadurch ein Strich gemacht worden, daß in Griechenland, gerade in 'dem Augenblick, als das griechische Kabinett »nd sein Außenminister Michalokopulos zum Vertragsabschluß mit der Türkei bereit waren, Denifelos, der alte Freund _ Frankreichs, sichtlich von diesem vorgeschickt, in die Bresche sprang und durch die Entfesselung , einer Regierungskrise die ‘ Verhandlungen mit der Türkei wenigstens vorläufig ' nm Stillstand brachte.
Italien und die Türkei mußten nun wohl oder übel dieser Situation Rechnung tragen und ihren Vertrag unterzeichnen, der an sich nur ein Teil und ein Stück eines größeren Vertragssystems fein sEe. Aber auch wenn man das Mißlingen des ganzen ursprünglichen planes als eine Schlappe der italienischen Diplomatie in Rechnung stellt, fo bletbt doch der jetzt in Rom von Mussolini und dem türkischen Botschafter Suad Bey unter» zeichnete Vertrag für beide Staaten ein unbeftreit» >arer Erfolg. Entsprechend wird er auch von der italienischen Presse gewürdigt, die darauf hinweift, daß er vor allem das ständig von Frankreich ge» nährte türkische Mißtrauen gegen Lie Äus- dehnungstendenzen der italienischen ©ricntpolitif beenden und zur Stabilisierung 'des von Kemal Pascha geschaffenen neuen türkischen -taat-. roefens beitragen werde. Dies ist in der Tat rieh- hg. Man erinnert sich, daß Italien durch feinen ungriff auf das türkische Tripolis im Jahre i q 11 den Prozeß der Auflösung des türkischen Reiches und der Verdrängung der Türkei aus ihrer eutcpai^en Großmachstellung eingeleitet hat, der I ■ nachher in den Balkankriegen fortsetzte und nach .dem Weltkrieg zur Reduzierung der' Türkei auf ihre kleinasiatifche Stellung führte. Lange Zeit fürchtete man in Angora wohl nut einigem Hecht, daß Italien zur Durcbfetzung seiner kolonisatorischen und wirtschaftlichen Interessen in Klemapen feine antitürkifche Politik wieder auf» nehmen könnte, was leicht zu einer völligen Der» Polung der Türkei hätte führen können. Auf wiche Tendenzen hat nun Mussolini durch seinen Vertrag seierlich verzichtet und es vorgezogen, im Bunde mit der Türkei und mit der Front geaen dw europäischen Großmächte, namentlich gegen Frankreich, künftig feine ©rientpläne zu verfolgen folgen.
Das besondere italienische Interesse an dem Vertrag liegt aber, abgesehen von den Vorteilen wirtschaftlicher Art mid aus dem Gebiete der Niederlassung und Bandeisbestätigung in einem ganz anderen punkte. Im Artikel , des Vertrags verpflichlen sich die beiden kleinen Parteien, feinem Uebcretnfommen politischer oder wirtschaftlicher Natur und keiner gegen einen von ihnen gerichteten Vereinbarung beizutragen; im Artikel 2 für den Fall, daß einer der Vertragspartner von einer oder mehreren Machten angegriffen wird, während der ganzen Dauer des Konfliktes die Neutralität zu bewahren. Durch diese Bestimmung des Vertrags hat es Italien erreicht, daß di« Tur»