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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.
Beginn der Berhandlungen über die ReglerungM-ung
— Brrsrühle Serüchle von btt Bildung einet liberalen Rille
in eine Koalition gehen, unter sich engere I
Fühlung halten würden." ।
Jtiter, „praktisch, wenn alle bürgerlichen .Witten, die mit der Sozialdemokratie
Bombenexplosion in Mexiko.
ff. Mexiko. 31. Mai. Gestern abend explodierte in dem Hauptwahlbüro des Generals Obregon eine Bombe. ES wurde nur geringer Schaden angerichtet. Personen kamen nicht y Schaden. -
Jedenfalls sehnt sich das Blatt nach einer großen republikanischen Partei, falls nicht die Demokratische Partei das Wunder eines neuen Aufstiegs vollbringt:
Wir sagen gerade heraus, daß die Partei alle Ursache hätte, in Berlin mit einem System aufzuräumen, dessen anscheinend noch aus der Zeit der Charlottenburger Kremserpartien stammende Verwalter und Gebieter ihre Siege immer nur einer tätilgen Presse verdankt haben und glauben, daß man ihnen die Kastanien aus dem Feuer holen müsse, auch wenn «s nicht die richtigen Eßkastanien sind... Man muh nun prüfen und überlegen, ob die Wähler in ruhigeren Zeiten wieder die vertossewe Stätte aufsuchen werden, die beinahe so eng geworden ist wie ein Weekendhäuschesl — mit dem Wahkspruch: „Klein, aber mein."
nommen. Wieviel Personen dabei verletzt wurden, ist bis zur Stunde noch nicht bekannt.
sk. B e l g r a d. 31. Mai. Im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen Italien sind in Spalato 50 Personen verhaftet und vom Polizeigericht zu Freiheitsstrafen von 7 bis 30 Tagen verurteilt worden. Jn Sebenieo wurden 20 Personen verhaftet. Eine gerichtliche Kommission überprüft bic in Spalato während der Demonstrationen an italienischen Geschäften angerichteten Schäden und stellt die Schadensumme mit 200 000 Dinar fest. Auch aus kleinen Orten Dalmatiens kommen Meldungen über Demostrationen. die sich gegen die Nettuno-Konventtonen richten.
Sanas berichtet aus Belgrad über neuerliche italienfeindliche Kundgebungen. In Serajewo wurden gestern lebhafte Protestkundgebungen gegen die Vorfälle von Zora veranstaltet.. Die Polizei mutzte bei der Gendarmerie um Hilfe nachsuchen. 25 Verhaftungen wurden vorgenommen. Subotitza war ebenfalls der Schauplatz von antiitalienischen Ausschreitungen. Die nationale Vereinigung, die sogenannte „Norodna Obbrana, organisiert für die kommenden orthodoxen Pfingstfeiertage eine Volkskundgebung gegen die faschistische Prova- kation.
Das "„Berliner Tageblatt" (Nr. 248) droht seinen Freunden in Berlin mit der Kündigung des letzten Restes von Wohlwollen, falls sie bet den nächsten Wahlen: nicht klüger wie diesmal geworden seien:
ff. Budapest, 31. Mai. Der Privatberichterstatter des „Pester Lloyd" aus Belgrad meldet, daß die antiitalienische Demonstratiouen gestern abend gegen 9 Uhr wiederum heftigen Charakter annahmen. Zn der Hauptstraße versammelte sich eine aug mehreren hundert Personen bestehende Menge. Es wurden sofort starke Gendarmerieabteilungen auf die Straße kommandiert und die Demonstranten in das auf der Hauptstraße gelegene Kaffeehaus Ruska Zor gedrängt. Hierbei wurde das Lokal vollkommen demoliert. Die Auslagefcheiben gingen in Trümmer, die Möbel wurden von den Demonstranten zur Abwehr verwendet und auf die Gendarmen geschleudert, die genötigt waren, sich zurückzuziehen und Verstärkungen abzuwarten. Die Demonstranten erbauten sodann auf der Hauptstraße eine Barrikade. Auch die aus- gerückten berittenen Gendarmerie-Abteilungen waren genötigt, fluchtartig den Schauplatz zu räumen. Gegen 10 Uhr abends wurde die Feuerwehr alarmiert, der es gelang, die Demonstranten unter Anwendung von Feuerspritzen in die Flucht zu schlagen. Bon den Demonstranten wurden mehrere Schüsse abgegeben. Die Gendarmerie hatte einen regelrechten Sturm mit Gewehrfeuer vorge-
Reue antiltallemM Demonstrationen in Belgrad
Gendarmerie und Feuerwehr müssen emgreisen
fehle. In der Deutschen Volkspartei hat man, soviel wir wissen, für diese Annäherungsbestrebungen gar kein Verständnis. Es versteht sich von selbst, datz bei etwaigen Regierungsverhandlungen mit der Sozialdemokratie alle in Betracht kommenden bürgerlichen Parteien zusammen- stehen müssen, um ihr Gewicht gemeinsam gegen die Sozialdemokratie in die Wagfchale zu legen. Aber eine engere Verbindung zwischen den Demokraten und der Deutschen Volkspartei gehört ganz gewitz nicht zu den Forderungen des Tages."
Mtnbutg empfängt totbt
Der Reichspräsident von Hindenburg wird kn Laufe des heutigen Tages dem Brauch des parlamentarischen Systems entsprechend als ersten den Reichstagspräsidenten L o e b e empfangen und sich von ihm ßber die politische Lage, wie sie durch den vahlausfall entstanden ist, berichten leffen.
Mit dem Empfang des Reichstagspräsi- denten durch den Reichspräsidenten werden die offiziellen Verhandlungen über die Bildung der neuen Regierung eröffnet, ohne daß ihnen bisher inoffizielle Verhandlungen oorangegangen »ören.
Die Presse aller Parteien ist angefüllt Mit Mitteilungen über die kommenden Regierungsverhandlungen. Tatsächlich liegt aber positives Material zur Beurteilung dieser Dinge im Augenblick überhaupt «och nicht vor. Die Parteigruppen formieren sich erst im Lause dieser und der nächsten Woche. Das Zentrum wird in einer erweiterten Sitzung des Reichs- parteivorstandes zu den Aufgaben, die der Kattei aus Anlaß des tÄgebnifses der Hkichstagswahlen erwachsen, Stellung nehmen, und dabei werden selbstverständlich auch die koalitionspolttischen Fragen Hre Erörterung finden. Es kann sich auch nur darum handeln, eine einheitliche Basis für die Beutteilung und Behandlung all lüeser Fragen int Laufe der nächsten Zeit zu finden, ohne daß der Entwicklung im einzelnen oder gar der sachlichen oder personalen Gestaltung der kommenden Reichs- «gierung vorgegriffen würde. Die So- üaldemokraten haben eine Tagung ihres Patteiausschusses auf den 6. Juni nach Köln berufen. Sie werden also dann schon ta Großen und Ganzen über die Meinung bes Zentrums unterrichtet sein. Andere Patteien haben im Augenblick überhaupt «och keine feste Bestimmung für die Berufung ihrer Patteiinstanzen getroffen.
Es war nicht nötig, daß den Demokraten in Groß-Berlin fast ein Drittel der früher erlangten Stimmen verloren ging. Wir haben nicht unterlassen, den Strategen der Wahlschlacht rechtzeitig und deutlich unsere Meinung über die Aussichten ihrer Kandidatenliste zu sagen, und wenn wir diesmal noch in einer Uebertreibung des Gemeinschaftsgefühls und in Pietät vor der Parteivergangenheit unsere Unterstützung gewährt haben, so kann man sicher fein, daß unter ähnlichen Umständen diese Geduldsübung sich nicht wiederholen wird.
Das Anlehnungsbedürfnis der Demokraten.
Eine der Leitung der Deutschen Volkspartei nahestehende Berliner Korrespondenz schreibt zu dem seit dem Wahlgang in demokratischen Kreisen, so auch in dem demokratischen „Kasseler Tageblatt", häufiger bekundeten B e - dürfnis der Demokraten nach Anlehnung oder Parteiverschmel- zung-.
„Auch die Demokraten leiden an den Wehen der Regierungsbildung. Es geht ihnen nicht wie dem starken, der sich am mächtigsten allein fühlt, sondern sie haben begreiflicher Weife nach ihrer Wahlniederlage etwas die Empfindung, isoliert zu fein und deshalb wird in ihren Reihen wieder einmal die Frage erörtert, ob sich nicht ein Anschluß an die Deutsche Bolkspartei emp-
lir.'ich-republikanischen Partei, die sich um lle Persönlichkeiten Dr. Streiemanns und w. Wirths gruppieren soll. An die Möa- mhkeit einer Realisierung dieser Jdec- He nr er selbst nicht recht zu glauben. Die 'Tägliche Rundscha u", das Berber Organ der Deutschen Volkspartei, belächlet bisher absolutes Schweigen. Ziem- mfi kühl tritt die Nationalliberale Korrespondenz an die Frage des Zusammem- Musses heran. Sie bemerkt, daß volks- eirteilicherseitS zu diesen Wünschen noch (Hhr hätte Stellung genommen werden wtneu, weil die Fraktionen noch garnicht Namm«ngetre:en sind und etn demokrali- Jer Antrag auch nicht vvrliegt. „Es wäre gleicht", so bemerkt di« Korrespondenz
Ter kurz nach den Wahlen zunächst nur bvtz einer kleinen Gruppe aufgeworfene Gedanke der Bildung eines liberalen Blocks der Mitte ist mittlerweile m weiten politischen Kreisen der Mitte ausgenommen Vörden. Die Annahme, daß sich die Wirtschaftspartei bereit finden konnte, sich in tinem engeren Zusammenschluß mit der deutschen Volkspartei und den Demokraten einzufügen, ist allerdings wieder fallen tlassen worden; dagegen bewegt sich die iskussion mit umso größerer Intensität tot die Idee einer Arbeitsgemeinschaft zwi- Mtn den beiden letztgenannten Partetcri, «er Deutschen Volkspartei und den Demo- ttoien.
Zurückhaltend verhält sich noch die Berater Presse. Während die Blätter des demokratischen Ullsteinverlages dem Gedenken eines liberalen Zusammenschlusses toscheiiiend nicht unsympathisch gegen- verstehen, erwähnt das „Berliner rage blatt" die liberalen Bestrebungen Mher überhaupt nicht. Sein Chefredak- Theodor Wolf vertritt vielmehr vor- tkft noch den Gedanken einer großen bür-
Sitzung beb RMSknbinM
fk. Berlin, 31. Mai. Das Reichs. Kabinett hielt gestern abend eine Sitzung ab, in der Staatssekretär v. Schubert Bericht erstattete über die auswärtige Lage und die Ausgaben der Iuni- tagung des Völkerbundsrates. Ferner beschäftigte sich das Kabinett mit laufenden Angelegenheiten, darunter auch mit dem Hamburger G a s u n g l ü ck.
Bedeutungslose Ratstagung im Juni.
Die Zusammensetzung der deutschen Delegation für die bevorstehende Tagung des Völkerbundsrates in Genf, die am Freitag nach dort abreist, steht nunmehr fest. Es werden der deutschen Delegation angehören: Staatssekretär v. Schubert und Ministettaldirektor Dr. Gaus als Delegierte, ferner als Begleiter und Sachverständige: der Leiter der Dftobteilung des Auswärtigen Amtes Geheimrat von Dirckfen, der Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes Gesandter a. D. Freytag, der Referent für Völkerbundsfragen int Auswärtigen Geheimrat von Weizäcker, sowie als Vertreter der Presse- abteilung Dr. von Twardowski.
Bon den 29 Punkten der diesmaligen Genfer Tagesordnung find zu nennen, der ungarisch-rumänische Dptantenftreit, die St. Gotthardasfäre, der polnisch-litauische Streit, die Beschwerde des deutsch-oberschlesischen Volksbundes zur Minderheitsschulfrage und die Erttchtung eines Bundesversammlungsgebäudes in Genf. Alle anderen Punkte der Tagesordnung find von untergeordneter Bedeutung. Auch in den eben genannten Fragen sind sensationelle Wendungen oder Beschlüsse nicht zu erwarten. Die am 4. Juni beginenbe Tagung des Rates wird spätestens am 9. Iunt wieder beendet fein.
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8et bem Bruch $oltn>8iknitn?
Die Veröffentlichung der Regierungs- betrete in Litauen, wonach die geplante Verfaffungsänderung Ersetz wird und Vi- tauen Wilna als seine offizielle Hauptstadt bezeichnet, hat in Polen ungeheuere Aufregung hervorgerufen. Wenn auch die umherschwirrenden Kriegsgerüchte als übertrieben anzusehen sind, so kann man doch einen völligen Bruch aller Verhandlungen mit Litauen als sicher entnehmen. Die Kommissionen in Warschau und Berlin, die jetzt ihre Verhandlungen unter« brochen haben, dürften kaum wieder zu- sammetttreten. Die wichtigste Bestimmung der litauischen Verfassungsänderung lautet wörtlich: „Die Hauptstadt Litauens ist Wilna, eine andere Stadt kann nur temporär durch ein Sondergesetz zur Hauptstadt gewählt werden."
Die polnische Presse kommenttert na* sittlich lebhaft diese Gesetzesdekrete. Besonders „Glos Prawdh", das Organ Pil- fudskis, sieht darin eine offene Provokation Polens. Litauen wolle seine Hauptstadt in Polen haben. Polen werde nicht umhin können, energisch dagegen Stellung zu nehmen. Das Regierungs- organ „Epoka" stellt nur fest, daß die Wilnafrage alle Derhandlungsbestre- bungen zunichte gemacht habe. Die Rechts-" blätter ftwdern die Regierung auf, endlich' mit dem Verhandeln Schluß zu machen und energisch gegen Litauen vorzugehen.
Reue Autonomisten-Prozeffe in Kalmar, und Straßburg.
ff. Paris, 31. Mai. Wie aus Kvl- m a r gemeldet wird, finden vor Dem dortigen Schwurgericht am 4. Juni die Verhandlungen gegen die flüchtigen Autono- misten Roos, P i n ck und Genossen statt. Baumann und Köhler haben sich vor dem Strafgericht in Straßburg wegen der. gegen sie geführten Anklagen der Spio-' nage zu verantworten. .