Einzelbild herunterladen
 

Mitas een 25. Rat 1928

ete ^vberhefstsche Zettmig" et* fötint sechsmal wöchentlich. Ve- pigsprets monatlich 2 GM. au<- ^hiieß!. ZustellungSgebübr, durch hi«Post2L2 SM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte »der «lemeniarer Ereignisse ausfallende Kummer» wird kein Ersatz ge» Met. Verlag v. Dr. §. Hitzeroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei b. Aoh. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54. u. Rr. 56. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «, W. Rr. 5015. — Sprechzeit Kt Redaktion von 10—11 und

*/,!—! Uhr.

Äb-chMschc

««tarnt Mch 4fA O 4M| M mm $oe6taroM / ■ 87 । L AA 3 B UW toM-tiim

Anzeiger für (das frühere kurhessische) OVerhefsen

Rk.122 Kl.Mkg. Marburg 6.80»«

9e> Anzetgrupreio betrtg» fit den 10 gespalt. Zellenmillimeter 6.08 SSL. Ceh* varaozeigeo •.06 SSL. amtliche nab aus­wärtige Anzeigen 0.10 DM. Set schwierige» Satz sowie de! Platz- tzorschrtft 60*1, «ufs-H^S- - SamnMvkKige» tOO*?* Auf­schlag. Reklamen der Mllllm. e.4O SM. Jeder Rabatt M «M Sarradatt. Ziel » Lage. Beleg, werde» berechnet, ebenso Auskunft durch die SeschLflsfielle eV öejctumiifl per vuigtoöite w

füllungSvrt Marburg.

« Goldmark * '/«Dollar.

O638? Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg. Asssr'D

Das Schanöurleil im Kolmarer Aulsnomiftendrozeß

Sttängnis WM« des JmW Segen den fkmiKMen sinnt - MassenknnbMbnngen - SÄ Ao» singt: .s ötmWmg.»Straßburg-

Kolmar, 24. Mar. Der .Kolmarsr Autonomrsteir-Prozeß ist heute zu Ende gegangen. Das mit großer Spannung er­wartete Urteil wurde in den späten Nachmittagsstunden gefällt, nachdem die ganze Vormittags- und ein Teil der Nach- mirtagssitzung noch mit dem Prädoher des letzten Verteidigers, des Pariser Rechts­anwalts Berthon, ausgesüllt worden waren. Bevor sich die Geschworenen zurückzogen, wird den Angeklagten nochmals das Wort «teilt. R i ck l i n erklärte, daß die Tage seines Lebens gezählt seien, daß er aber die Gewißheit ent in den Tod n-ehmen werde, daß er niemals ein Ver­brechen gegen Frankreich began- -gen habe. Alle anderen Angeklagten ga­ben nur kurze Erklärungen ab. Der Vor­sitzende brachte dann die 17 Schuldfragen zur Verlesung. Darauf erfolgte die Rechts­belehrung, der Geschworenen, die sich nun« mehr endgültig zur Beratung zurückzogen. Wach lu'zstündiger Beratung kehrten die Geschworenen in den Gerichtssaal zurück Md verkündeten das Ergebnis ihrer Berg- ttzng. Die Frage, ob ein

Komplott gegen die SichertlM deS französischen Staatcs

itarliegc, wurde bei Ricklin, Schall, FaS- Hsuer und Rosse besäht, jedoch mil« dernde Umstände bewilligt. Die Ange- ilsgien Hautz, Schlegel, Baumann, Kohler, Würtz, Herl, Reisacher, \ Vhgemann . Do Ideen und Schweitzer wurden f r e i g e s p r och e n. Sie werden sofort in Freiheit gesetzt, falls sie nicht Wegen anderer Vergehen in Haft bleiben Müssen. Nach abermaliger kurzer Bera- tong erscheint der Gerichtshof wieder im Saal und verkündet als Urteil

str Dr. Ricklin, Rossß, Fashauer und | Schall je ein Jahr Gefängnis

Zuvor hatte sich der Generalstaats- «nwalt von seinem Platz erhoben und erklärt, „die französische Gerichtsbarkeit ssr streng, aber auch großherzig" (!). Als er Tür die vier Verurteilten mildeste Anwen- twng Les Gesetzes beantragte, ereignete iüh lwas Unerwartetes. Der junge Rechts­anwalt F e i I l e t sprang von der Deröeidi- Strüank auf und schrie dem Präsidenten zu: »Eine Verurteilung von Män­nern wie Ricklin, Ross6, Fas- Sauer und Schall ist un möglich!" Er konnte jedoch nicht weiter reden, da er Kon einem -Weinkrampf erstickt, auf .»er Berleidigerbgnk buchstäblich zusammen- Wadj. Im Saal erhob sich zustimmendes "sschrei, Bravorufe und Händeklatschen, *®ie es in dieser stürmischen Form während ter ganzen Prozeßverhandlungen noch nicht tergekommen war. Von der Straße «rangen

«nausgesetzt stürmische Temonstrattv»«« ter nach Tausenden zählenden Menge zum derichtssaal empor. Die Aufregung wuchs ten Minute zu Minute: Während draußen vn den Straßen das Lied „O Straßburg! i Straßburg!" ertönte, wurde der Ge- tuhlssaal mit sämtlichen- Beteiligten von *r Polizei geräumt, die die Ausgänge tesetzie. Endlich erschien der Gerichtshof •t-b gab die schon kurz mitgeteilte Fest- itzung des Strafmaßes bekannt. Alle tot Angeklagten wurden zu 1 Jahr Ge- üvgnis, unter Anrechnung der fünf­monatigen UntersuchungShaft ver­urteilt. Ferner wurde ihnen

«vf die Dauer von fünf Jahre« der Aufenthalt im Elfah verboten

Huf welche Kreise sich das Verbot des Aufenthaltes bezieht, wird noch bekannt ^Seben werden. Der Präsident gab bar« tlf den Angeklagten bekannt, daß sieinner- ?*6 dreier Tage den Antrag wegen Kasfw- «n des Urteils beim Pariser Kassatrons- ofe einreichen zu können. Die Verteidi- ang versuchte mehrfach da? Wort zu er- reiien, wurde jedoch vom Präsidenten dar- » gehindert. Die Schlußansprache der itäitbenten an die Geschworenen ging

E a 11 g e nt e t n e n Sturm u n t er. Die t Angeklagten verabschiedeten sich von Iren Verteidigern und umarmten sich un- te größter Erregung des Gerichtssaales.

sei auch ein Land beseelt von Gefühlen für Frankreich. Mehr als irgendein anderes Land habe das Elsaß im Laufe seiner Ge­schichte die Greuel des Krieges erlebt und bte schwere Hand der Siegermächte zu fühlen gehabt. Aber nicht die Sprache schaffe öte Rationalität eines Landes. Der französische Einfluß habe bis zum Jahre 181 im Elsaß tiefe Wurzeln geschlagen. Das Elsaß fei seit Jahrhunderten mit Frank­reich solidarisch gewesen. Rur aus rein strategischen Gründen sei das Elsaß durch den Frankfurter Frieden dem deutschen Reiche eingegliedert worden und habe in den 50 Jahren bis zum Weltkriege stets einen Punkt der Schwäche des deutschen Kaiserreichs ge­bildet. Die Elsässer hätten in der Periode von 1871—1914 in ihrem Herzen stets einen Protest gegen die Los- reißung von Frankreich getragen. Dennoch wären sie loyale Untertanen Deutsch­lands gewesen. Berthon ging dann zu dem Verhalten Frankreichs gegenüber Elsaß-Loth- ringens nach dem Kriege über. Er kam auf

die ungeheure Verschwendung des elsäsii- schen Bolksvermögens

durch die scharfe Sequestrierung der deutschen

I Don draußen hörte man fortgesetzt noch, I das Schreien und Pfeifen der Menas.

Schon vorher hatte sich vor dem GerichtS- gebäude ein Zwischenfall ereignet. Der bekannte Abbe Haegh wurde beim Ver­lassen des Gerichtsgebäudes von einem französischen National ist en ange­fallen, der ihm einen Schlag auf den Kopf zu versetzen suchte. Die Menge stürzte sich jedoch auf die Angreifer und ver­hinderte die Ausführung des AttantatS. Der Angreifer selbst wurde von der Menge mißhandelt.

♦

Als letzter der acht Verteidiger im Au ton.o- misten-Prozeß sprach der Pariser Rechtsan­walt und Abgeordnete Berthon, der Wort­führer der Verteidigung. Er ging zunächst auf die Ursache des sogenannten „malaise alsacien" ein. Er stellte fest, bah eine Verurteilung der beiden Angeklagten-Depu- tierten im Elsaß Unruhe auslöfen, vielleicht sogar

einen Bürgerkrieg herbeisühren

könnte. Elsaß-Lothringen sei ein Land deutscher Sprache. Dies sei eine unbe­streitbare historische Tatsache. Aber das Elsaß

Mechstte Italienische SeraWordenmg

Sie ftalMhhe MW in zniMuck am Srtenktagr ter Krik-stMrung an SitenM

Innsbruck, 24. Mai. Heute findet in Italien die Feier der 13sährigen Wiederkehr des Tages der Kriegserklärung an Oe st erreich statt. Aus diesem Anlaß hat heute auch das italienische Konsulat in Inns- druck die Trikolore gehißt, was schon in den frühen Morgenstunden von der Bevöl­kerung als eine Provokation empfunden wurde. Um 10 Uhr vormittags marschierte ein großer Teil der Studentenschaft der Innsbrucker Uni­versität in geschlossenem Zuge vor dem Kon­sulat auf, wo die Studenten nationale Lieder fangen und sich in lebhaften Pfui-Rufen ergin­gen. Der Polizei gelang es, die Studenten ab­zudrängen. Ein großer Teil der Studenten begab sich dann in das Cafß „München", das sich im gleichen Hause befindet wie das italie­nische Konsulat und holte von dort aus die Trikolore herunter.

Bald nachdem die italienische Flagge vom italienischen Konsulat heruntergerissen war, legte der italienische Generalkonsul Ric­ca r t i beim Landeshauptmann und beim Bürgermeister der Stadt Innsbruck Protest e i n. Landeshauptmann Dr. Stumpf be­gab sich in das italienische Konsulat, um wegen des Zwischenfalles die Entschuldi- gung der Landesregierung vorzubringen. Die Erlerstraße, in der sich das italienische Kosulat befindet, ist andauernd durch Polizei abgesperrt. Um 1.15 Uhr marschierte vor dem italienischen Generalkonsulat ein Zug der Bundeswehr aus.

Durch «ine Mannschaft der Landesregie­rung wurde di« Trikolore «mporgezogen, worauf die Bundeswehr die Ehrende, zeugung (!!) leistete.

Die riesige Menge, die dies beobachtete, ver- hielt sich zunächst vollständig still. Als aber von den Zimmern des Konsulats aus die Trikolore mit dem faschistischen Gruß „Eviva 1'Italia" begrüßt wurde, bemächtigte sich der Menge eine große Empörung, die sich in lau­te« und stürmischen Rufen gegen Italien Luft machte. Nachdem die Bundeswehr ab­gezogen war, stimmte die Menge das Andreas Hofer-Lied an. Die Straße ist nach wie vor gesperrt, doch dauern die Ansammlungen hin­ter der polizeilichen Absperrung nach wie vor an.

Anläßlich der Vorgänge im italienischen Generalkonsulat in Innsbruck hatte der Tiroler Landtag geplant, eine Kundgeb­ung sämtlicher Parteien zu veran­stalten. Zu dieser Kundgebung kam es je­doch nicht, da

die Sozialdemokraten gegen die von den bürgerlichen Parteien geforderte Ent­schließung Protest erhoben

und sie für unnötig erklärten. Da der Land­tag nur eine Kundgebung aller Parteien ver­anstalten wollte, unterblieb dieselbe. Wie es heißt, soll der italienische Generalkonsul, be­vor er seine Forderungen wegen Genugtuung stellte, telephonisch mit Nom gesprochen haben. Der junge Mann, der die Fahne vom Konsu­lat heruntergerissen hat, wurde in der Per- fon des 22 Jahre alten Universitätshörers Herbert Kaiser, Mitglied der Studentenver­bindung „Germania", festgestellt.

Heute Nachmittag erschien ein höherer Funktionär des Bundeskanzleramtes in der italienischen Gesandtschaft, um dem Geschäfts­träger das Bedauern auszudrücken.

Industriewerte zu sprechen. Er stellte fest, daß man in Lothringen die Industriewerte, die mit rund 8 Mllliarden Franken etnge» schätzt wurden, für 180 Millionen ver­schleudert habe. Im Zusammenhang da­mit sind bekanntlich auch schwere Vorwürfe gegen den Ankläger im Kolmarer Prozeß, Generalstaatsanwalt Fachvt, der damals einen Teil der Sequestrierung des elsässischen Kalivorkommens leitete, erhoben worden. Es kommt zu einer äußerst erregten Ausein­andersetzung zwischen Berthon und dem Ge- neralstaatsanwaft. Berthon fährt dann fort: Die Elsaß-Lothringer mühten durchschnittlich

das 4- und Ssache der Steuersätze bezahlen, die man im Innern Frankreichs zu leisten habe.

Das sei auch eine Ursache der malaise. Die nach dem Elsaß geschickten französischen Be­amten hätten von diesen Schwierigkeiten keine Ahnung gehabt, sich aber auch feine Mühe gehen wollen, die Volksseele zu verstehen. Der GeneralstaatsaTUvalt hätte bei Beginn des Prozesses ehrlich aufstehen und erklären müllen, daß et die Angeklagten für unschuldig halte und die Anklage zurückziehe. Berthon fltot dann noch ktzrz eine Schilderung der

Person eines jeden Angeklagten und erzählt von den Umständen, die ihn unter Anklage gebracht haben.

In fier Rachmittagssitzung, in der daS Urteil gefällt wurde, war

das Gerichtsgebäude aufs schärfst, durch

Militär und Gendarmen in Stahlhelmen abgesperrt. 1

Dor dem Gebäude drängte sich eine ständig wachsende erregte Menge. Zunächst beendete Rechtsanwalt Berthon sein Plädoyer. Et erklärte nachdrücklichst, daß der Zweck des Prozesses ein Manöver fei, durch Aber­kennung der bürgerlichen Ehrenrechte d i e Wahl Ricklins und Rosses zu Abgeordneten zunichte zu machen. Autonomistische, ja sogar separatistische De- strebungen zu unterbinden, sei nach dem gegen­wärtigen Stande der Gesetzgebung nicht mög­lich. Deshalb habe man auf die aus der Kaiserzeit zurückgebliebenen Komplottpara­graphen des Strcffgesetzbuches zurückgegrisfen. Run sei aber ein Komplott an sich auch ju­ristisch nicht strafbar, sondern nach dem Wort­laute der Paragraphen 86 bis 89 des St. G. B. nur ein Komplott mit dem Ziele, die Regierung zu stürzen oder zu ändern. Diese Frage sei aber zu verneinen. Wenn eine Verurteilung erfolgen sollte, so werden wir. so rief Berthon aus,

vor dem Kassationshof den ganzen Elsässer Prozeß wieder aufrollen.

Die Männer, die auf der Anklagebank sitzen, sind keine Verbrecher, sondern Männer, die für ihr Land gearbei­tet haben. Die Schlußworte Derthons „Für das Glück des Elsaß und Frankreichs" wurden vom Saale mit Beifallsrufen und Händeklatschen aufgenommen.

Rach einer kurzen Pause gab der Vor­sitzende dem Generalstaatsanwalt F a ch o t rwchmals das Wort. Fachot faßte kurz noch einmal seine Anklage zusammen, um die Plai- doyms der Verteidiger zu widerlegen. Der Gerichtshof habe nicht die Absicht, die An­geklagten nach Cayenne zu schicken. Das Minimum der Strafe, 1 Iahr Gefängnis mit Anrechnung der Untersuchungshaft, habe er bereits in seiner Loyalität als möglich an­gedeutet. Unter deutschem Regime wäre eine Autonomie Elsaß-Lothringens möglich ge­wesen, da Deutschland ein Bundesstaat sei. Frankreich sei aber ein Unitarischer Staat. Das Komplott sei tatsächlich von Dr. Robert Ernst durch Pinck geleitet worden. Di« Freisprechung Ricklins und Rosse» würde nichts anderes bedeuten, als daß di, Geschworenen anerkennen, daß diese Leute die Herren oes Elsaß feien. Der Ge­neralstaatsanwalt schloß mit den Worten: „Macht nicht aus dem Elsaß em deutsches Elsaß!"

Die Worte des Generalstaatsanwalts riefen sofort Erwiderungen der Verteidiger hervor. Rechtsanwalt Feillet erklärte, daß, wenn die Angeklagten verurteilt würden, man an Stelle der Büste, die hinter dem Gerichtshof stehe, die Photographie des Spitzels Riehl setzen müsse. Rechtsanwalt Iägle betonte, daß eine entscheidende Stunde in der Ge­schichte Elsaß-Lothringens gekommen fei; wenn die Geschworenen die Angeklagten freisprächen, so würden ihre Ramen in der Geschichte Elsaß-Lothringens ruhmreich weiter fortleben. Als letzter der Verteidiger ergriff wiederum Rechtsanwalt Berthon in höchster Er­regung das Wort. Er könne die feierliche, ehrenwörtliche Erklärung abgeben, daß keiner der Angeklagten an eine Trennung Elsaß- Lothringens von Frankreich gedacht hätte. Der Generalstaatsanwaft habe ein schwer­wiegendes Wort ausgesprochen, wenn er eine Bewegung zur Rückführung Elsaß-Lothringens an Deutschland im Elsaß feststellte. Damit waren die Verhandlungen abgeschlossen.

Mtftimmtn

Eine Anzahl Berliner Blätter nimmt ein­gehend zu der Verurteilung der Eläffer Auto, nomisten im Kalmarer Prozeß Stellung.

Die „Germania" schreibt, wenn man glaube, daß dieses Urteil dem Prestige Frank, reichs nützlich sei, so werde man sich bald überzeugen können, daß dieses Prestige gro­ßen Schaden gelitten hat, Gerade Keil un»