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Anzeiger für (das frühere kurhessisch ej Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Lächerliches Anklayematerial in Kolmar

Sie Bernkhmuna brs iteeMen SclaslungSraigen zwMmWe MM« Sctiiümttm und StrteiMgttn

Kolmar. 15. Mai. Zu Beginn der heutigen Bormittagssitzung verlas der Vor­sitzende einen Beschluß des Gerichts, wo­nach der von Rosse gestellte Antrag auf kommissarische Vernehmung des wegen Krankheit ferngebliebenen Zeugen Bardoux, her in einem Artikel desTemps" Be­hauptungen über angebliche Waffenbestände der Auronomisten aufgestellt hatte, abge­lehnt wird.

Als letzter der Angeklagten wurde dann der Buchhalter d«rWahrheit", Kohler, verhört. Ueber sein« Beziehungen zu Leh erklärte er: Ley hab« sich in sämtliche Sachen eingemischt, die ihn nichts angingen. Kohler gab dann drei Erklärungen ab, in denen er die Behauptungen der ^Stratz- hurger Neuesten Nachrichten", er sei ein Spion, ein Polizist und steh« mit Hm- denburg in Verbindung, als falsch be- zeichnet.

Nachdem hiermit die Vernehmung der Lngeklagten abgeschlossen war, wurde das Verhör der Belastungszeugen wieder aus­genommen und zwar mit der Vernehmung des Polizeikommissars B e ck e r - Stratzbu^. ES kam gleich Bet den ersten Worten dieses Zeugen, der erklärt, in das Manifest des Heimatbundes seien die Worteim Rahmen Frankreichs" aus Furcht vor der französi- schen Justiz ausgenommen worden, zu

Zusammenstößen zwischen der Ver- teidigung und dem Vorsitzenden, da die Verteidigung den Vorsitzenden auf- fordert, dafür zu sorgen, daß der Zeuge sich eines Werturteils enthalte. Der Vorsitzende erklärte, er lasse die Aussage des Zeugen nicht weiter durch die Verteidigung unter­breche«.

Becker beschäftigt sich weiter mit dem Angeklagten Kunstmaler S o l v e e n, den et al» Mitarbeiter des wissenschaftlichen In­stituts der Elsaß-Lothringer im Reich in Frankfurt bezeichnet. Solveen habe seine Mitarbeiter für seinen auf Rechnung dieses Instituts herauSgegebenen Almanach unter »en schlimmsten Feinden Frankreichss ge­sucht unter den Elsaß-Lothringern im Reich, also den Renegaten. Becker warf dann Solveen sein

großes Interesse für deutsche Theater­vorstellungen

dor, worauf Rechtsanwalt Berthou fragte, weshalb nicht deutsche Theatervorstellungen abgehalten werden sollten, wo doch auch die komödie francaise auswärtige Gastspiele teranstaltete. Zum Schluß der Vormit- tagssitzung sprach Becker über den deutschen Schutzbund in Berlin und hebt hervor, daß dieser alle Minderheitenfragen, darun­ter auch die de- Elsaß bearbeite.

Zu Beginn der Nachmittagssitzung sprach der Zeuge von Verrätern der Sache Frankreichs, als welche er die tnt Aus.ande weilenden Roos, Pinck und Vastor Hirtzel, den Schatzmeister des Hei- «aibundes, bezeichnet. Decker überreichte eine aus derMünchen-Augsburger Abend- jeirung" entnommene Kart«, die Groß- Deutschland darstellt und e.klärt warnend, daß der Schutzbund mit der Schaffung eines Groß-Deutschland von 90 Millionen Ein­wohnern drohe.

Auf eine Frage der Verteidigung, ob die Malereien des Herren Solven auch aulonomistisch

seien, antwortete der Zeuge Decker unter allgemeinem Gelächter: ,3a. Ein gleiches Gelächter erhob sich, als der Zeuge auf die Stage der Verteidigung, was er von Albrecht Dürer halte, dessen Holzschnitte auch in einem von Solveen herausgegebenen Almanach iu finden seien, antwortete: .Albrecht Dürer befindet sich in Berlin.

3m weiteren Verlaufe der Verhandlungen »griff der Angeklagte Dr. Aicklin das Wort Und erklärt, was Decker heute vormittag über die Gründe, die ihn bewogen haben, in das Hecmatbundmanisest die Worte .im Rahmen Frankreichs aufzunehmen gesagt habe, sei Verleumdung. »Glauben sie denn. so tief Aicklin airf. .daß ich. der ich den .Lahmen Deutschlands verlassen habe, indem ich di« Tür hinter mir zuknallte, jetzt 6inten» herum auf der Dienstbotenlreppe wieder dort

hinernginge?" Zum Schluß entspann sich ein Kreuzverhör über die Authentizität der Aus­sage des Polizeiinspektors Becker über die Dersammlung zur Festsetzung des Heimat- bundmanifesteS, der der Polizeiinfpektor an einem Orte, den er anzugeben sich weigerte, beigewohnt haben will und von dem er alles, was er heute früh gesagt hat, gehört haben will. Der Zeuge berief sich bei der Der- weigerung der Aussage, welches dieser Ort gewesen fei, auf das Berufsgeheimnis. So­dann trat eine Pause ein.

3m weiteren Verlaufe der Aachmittags- sttzung stellte der Angeklagte Schall fest, daß

das Programm der Autonomisten- partei, von dem der Zeuge Becker ge­sprochen hat, niemals erschienen

fei, sondern nur ein Entwurf des Herrn Pinck, den dieser auf eigene Kosten habe drucken lassen, und zwar deutlich als Entwurf erkennbar, nämlich mit freier weißer Seite zur Aiederschreibung von Anmerkungen.

Auf Anfrage führte dann Polizeiinspektor Becker noch aus, daß ein gewisser Karl Walter, der den Aundsunk in Stuttgart organisiere, für die Autonomisten gearbeitet habe, wogegen Angeklagter Kunstmaler Sol» deen einen Brief verlas, der die Erklärung enthält, daß Karl Walter bei seinem Rund» funkprogramm sich mit elsässischem Dialekt, der elsässischen Literatur begnügte und jede Politik ausschaltete.

Den Schluß der heutigen Sitzung bildete

das Erscheinen des Belastungszeugen Henry Riehl,

Am Freitag abend veranstaltete die satt­sam bekannteDeutsche Liga für Menschenrechte" in Berlin eine Kundgebung, die durch ihren Verlauf wohl

das Skandalöseste, was wir bisher in diesem Wahlkamps erlebt haben,

darstellt. Die Veranstalter hatten sich den durch seine Deutschfeindlichkeit be­rüchtigten französischen Pazifi­sten Viktor Basch als Festred­ner verschrieben.Reichsbanner gab diesem dasEhrengeleit" undSaal­schutz", und der Leiter der Kundgebung, General v. S ch o e n a i ch, begrüßte Basch unter stürmischen Ovationen des anwesen­den Reichsbannervolkes alsunseren hochverehrten Freund Basch". Dieser be­antwortete nach den Berliner Blättern die Ovationen mit einer Rede, in der er erklärte, es sei ein großer Irrtum wenn die Deutschen behaupteten, sie hät­ten, weil sie ihre Verpflichtungen erfüllt hätten, ein Recht auf Rheinlandräumung. Ich frage", so fuhr Basch fort,

,chat denn Deutschland seine Ver­pflichtungen wirklich erfüllt? Hat es wirklich abgerüstet?"

Und nun geschah etwas ganz Unge­heuerliches, was jedem Deutschen die Schamröte ins Gesicht treiben muß, was man aber auch in jeder Wahlversamm­lung an den Pranger stellen sollte.

Die im Saale anwesenden Reichs­bannerpazifisten schrien auf die Frage

Baschs einmütig:Kein!

Das war das Zeichen für Basch, mit einer unerhörten Hetz - und Schmährede gegen Deutschland loszulegen. Ge­gen die deutsche Justiz, gegen die Reichs^ wehr, die Dehrverbände, gegen alles Ra­tionale hetzte dieser Franzose in einem Berliner, Saal unter zustimmenden Bei­fallsstürmen seiner Zuhörer. Nach den Berliner Presseberichten seien einige Stel-

29 Jahre alt, aus Mühlhausen gebürtig. Als der Vorsitzende den Zeugen Riehl ver­eidigen wollte, erhob RechiSanwalt Derthon Einspruch und wies daraus hm. daß nach den Bestimmungen des Gesetz«! Denun­zianten nicht vereidigt zu werden brauchen. Er richtete an den Präsidenten die Frage, ob er von dieser Freiheit nicht Gebrauch zu machen gedenke. Trotzdem be­stand der Vorsitzende auf Vereidigung beS Zeugen, die er dann auch vornahm.

Auf die üblichen Fragen des Vorsitzenden, ob der Zeuge mit irgend einem der Ange- klagten verwandt sei. antwortete Riehl: »Glücklicherweise nein. Riehl be­schrieb. wie er sich. Eingang in die Kreise der »Zukunsi" verschafft habe und überreichte dem Vorsitzenden zwei Briefköpfen, darunter die eines von Riehl selbst an den Geschäftsführer der .Zukunft, Matter, geschriebenen Briefes vom 4. März 1926. Der Brief enthält außer­ordentlich scharfe Sätze wie: »Der Vorbehalt int Rahmen Frankreichs muh fallen" oder »Die Franzosen sind in unseren Augen häß­liche Ungeheuer" oder »3m Rahmen Frank­reichs finden Wir niemals unser Heil oder »Das Elsaß im Rahmen Frankreichs ist eine Utopie". Der Brief strotzt von derartigen llebertreibungen, mit denen Riehl sich daS Vertrauen des Geschäfts­führers der .Zukunft" erwerben wollte. RechtSanwaft Derthonrefwähr nd der Verlesung in freu Saal: .Wir bringen unseren Abscheu zmn Ausdruck."

Zeuge Riehl wird feine Aussage am Mitt­woch fortfetzen.

len herausgegriffen. U. a. hat da Basch erklärt:

Die Besten von Euch Pazifisten wer­den von deutschen Richtern ins Gefäng­nis geschleppt, und warum? Weil sie ihre Pflicht erfüllten und die geheimen Rüstungen und Verletzungen des Versail­ler Diktates aufdeckten. Entweder, es ist unwahr, was jene Pazifisten sagten, dann war es kein Landesverrat, oder es ist wahr,

dann hat das ofsizielle Deutschland den Vertrag von Versailles verletzt und verraten!

Nach all den geheimen Verstößen Deutschlands gegen den Vertrag von Ver­sailles könne Frankreich kein Vertrauen mehr haben, könnten die französi­schen Pazifisten ihre Stimme nicht mehr für die Räumung der Rheinlande erheben. Schließlich er­dreistete sich Basch auch das Kapitel Polnischer Korridor" anzuschnei­den. Wir sollten doch ja nie vergessen, daß

die Deutschen aus den polnischen Kor­ridor gar kein Recht hätten, weil dott nachweislich fast gar keine Deut­schen, sondern Slawen wohnten!

Diese schamlose Provokation des deut­schen Volkes beantwortete Herr von Schoenatch, Mitglied derDeut­schen demokratischen Partei", nicht etwa mit einer geharnischten Gegen­erklärung, sondern mit einem

herzlichen Händeschütteln und einem

Dank für seine herrlichen Worte!

In einer deutschnationalen Wahlver­sammlung in dem noch von Franzosen besetzten Bad Kreuznach, die am Sonntag stattfand, und in der das oolks- fchädliche Treiben des Reichsbanners mit

tSottjetzung ftebc Seite 2J

M -aS auch national?

Sie Erkrankung Sr. Sltrtmannf

Der Zustand ist noch ernst.

B e r l i n. 15. Mai. Ueber die ErKraw kung des Reichsministers des Auswärti­gen Dr. S t r e s e m a n n ist heute abend von den behandelnden Aerzten folgende Mitteilung ergangen: Im Befinden des Reichsaußenministers Dr. Etresemann ist insofern eine Veränderung eingetreten, als die Magen und Darmerscheinun gen sich gebessert haben. Jndeflen hall die Störung der Nierentätig k e i 1 an. Abendtemperatur 37,6, Puls 80, Der Charakter der Erkrankung mutz auch heute noch als ernst angenommen roet» den. gez.: Prof. Dr. H. Zondeck, Santtäts- rat Dr. Gesivius, Dr. Schulmann.

Wie dieB. Z." meldet, sind die Aerztt der Ansicht, daß Lebensgefahr für bett Reichsaußenmimster im gegenwärtigen Augenblick nicht besteht. Augenscheinlich hat Dr. Stresemann gestern nachmittag eine Krise durchgemacht, die von den Aerz« ten als überwunden angesehen wird. Die Erkrankung des Ministers ist deshalb be­sonders ernst, weil diesmal beide Rie­ck e n in ihrer Tätigkeit stark gehemmt finöu Die eine Niere des Patienten ist seit lan­ger Zeit chronisch krank. Bei der bisher gesunden Niere ist inzwischen eine Entzündung aufgetreten, die außer­ordentlich schmerzhaft verlaufen ist, Gestern abend trat eine leichte Besserung ein, sodaß Dr. Strefcmrn nach Tagen wieder einige Nahrung zu sich nehmen konnte. Die Erkrankung ist umso ernster, als gleichzeitig hiermit Vergiftungserschei­nungen in Ma ge n un d D arm mit hef­tigem Erbrechen festgestellt werden muß­ten. Hinzu kommt, daß das Herz des Außenministers wieder arg geschwächt ist. Für die nächsten zwei bis drei Wochen wird der Minister an das Bett gefesselt sein.

Das Befinden des Reichsministers des Auswärtigen Dr. Stresemann erweckt in London allgemeine Anteil­nahme. Es wird der aufrichtigen Hoff­nung Ausdruck gegeben, daß eine baldige Genesung Dr. Stresemann instand setzen wird, sein Wirken im Interesse der euro­päischen Verständigung fortzusetzen. Der britische Minister des Auswärtigen, Cham­berlain, erkundigte sich bei dem deutschen Botschafter Sthamer eingehend nach dem Befinden des Reichsministers des Aus­wärtigen und drückte den herzlichen Wunsch nach Besserung seines Ge­sundheitszustandes und rascher Erholung aus.

firnes" schreibt, gegenwärtig ist es unwahrscheinlich, daß Briand und Strese­mann sich wohl genug befinden werden, um an der kommenden Tagung des Völ­kerbundes teilzunehmen. Aber in Lon­doner amtlichen Kreisen glaubt man nicht, daß ihre Abwesenheit, so bedauerlich sie auch ist, den britischen Staatssekretär des Aeutzern veranlassen wird, von seiner Ge­wohnheit, persönlich an jeder Ratssitzung teilzunehmen, abzuweichen. Den Haupt­punkt der Tagesordnung bildet wiederum der rumänifch-ungarische Streitfall, über den Sir Austen Chamberlain Bericht erstattet.

DerPetit P a r i s i e n" schreibt: In "rankreich, wo jedermann Stresemann als einen der Begründer der Politik von Lo­carno und als einen Verteidiger der fran= wsisch-deutschen Annäherung in seinem Lande kennt, werde jede Phase der Krank­heit mit Intereste verfolgt. Man hoffe, --ß die robuste Konstitution des Ministers T'lttfilid) über die ernste Erkrankung ob­siegen wird, damit er auch weiterhin dar­an arbeiten könne, das europäische Frie- denswerk, das er gemeinsam mit Cham­berlain unternommen habe, au konsoli­dieren.