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SonneeAng, len io. Mal 1928

Hl .ObetfrffW Seihmg* * es- |^dnt («bemal wöchrntlüb ®e- yy«g>ttie monatlich 2 GM. au<- ffclieBL Sufitdungegeblbt. durch h^PoftLLL EM.Aür rttoa infolge Ktrriks, Majchinendefekte oder Mmentarer Lreignisie au «fallend« -kmmnern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag». Dr. § Kttzerottz, Druck der Univ.-Buckdruckerei 6. geh, Slug. 9k och. Markt 21/23. Eernsdrecher: Rr. 54. u. Rr. 65. -tzstscheckkonto: Amt Frankfurt «, M. Rr. 6015. — Gvre»,eit der Redaktion von 10—11 and •/,!—! Uhr.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Anglaubwür-ise Kronzeugen Frankreichs

tom znMtnWe im Kolmarer Pro-H — SnmzöMt Srefidlimmtn zu len 7erhnnNnagkmelI>sden

Kalmar, 9. Mai. In der heutigen Lormittagssitzung deS Kolmarer Slutono; mistenprozesses gibt der Präsident zunächst bekannt, daß der Gerichtshof die gestrigen Anträge der Verteidigung gegen die Me­thoden der Prozeßführung des Vorsitzen­den und Generalstaatsanwalts, die dem Justizministerium zur Entscheidung über­mittelt worden sind, uneingeschränkt abgeleh nt hat. Hierauf kommt es so- £ct zu einem Zusammenstoß, als i>66 Fatzhauer dem Ge.ichtshof dre Auf­nahme einer Hypothek von 100 000 Schwei­zer Frank während der Inflation des fran­zösischen Frank auseinanderzusetzen sucht.

Die Verteidigung, die fortgesetzt vermit­telt und den Gerichtshof ausklären will, f wird vom Präsidenten durch unentwegtes

Schwinge« der Glocke ,um Schweigen gebracht.

Faßhauer, der deutsch spricht, läßt sich je­doch durch die Erregung des Präsiden:«« nicht stören und fordert die Geschworenen auf, den Gerichtshof über die von ihm bereits mehrfach dargetegien geschäftlichen Vorgänge aufzuklären. Der Präsident ver­bittet sich erregt diesen Ton und fordert einen hinter Fatzhauer sitzenden Gen­darmen auf, den Angeklagten H.um Schweigen zu bringen. Der Mer-L'Shof w.itt in der Wifndtzme '»er Hypothek einen Zusammenhang mit dem angeblichen Komplott gegen die Staats­sicherheit sehen, während Verteidigung und Abbe Fatzhauer immer wieder den sach­lichen Hintergrund zu klären suchen. Ter Vorsitzende richtet dann an Abbe Fatz­hauer eine Reih« von Fragen wegen der Aufnahme einer Hypothek in dec Schweiz. Aus der Art der Fragestellung des Vor­sitzenden wird dabei ersichtlich, daß dre,er immer wieder versucht, den Nachweis einer deutschen Herkunft dieses Geldes zu erbringen.

Es kommt zu immer erregteren Ausein­andersetzungen.

And die Verteidigung teilt schließlich, mit, daß sie neue „conclusions" sSchlußfolge- rungen) vor legen will. Hierauf wird die Sitzung für einige Minuten unterbrochen.

Tie NachmiuagSverhandlung verlief wiederum un er ungewöhnlicher Erregung und neuen schweren Zusammenstößen, die manchmal einen tumultartige n C h a - ratter annahmen. Es handelt sich um die Zeugenaussage des Polizeikommissars Bauer. Rechtsanwalt Iägle ries schließlich m höchster Erregung: „Unsere Empörung über einen derartigen Menzchen ist zu groß, wir können nicht schweigen." Der Verteidiger Feillet rief:

*3« achtstündigen Aussagen hat Pokizei- kommissar Bauer noch nicht ei« halbes

Wort über das Komplott vorgebracht."

Tie Verteidigung gibt dann bekannt, daß die Liga für Men'chenrechte gegen dre un­erbittlichen Ve folgungen der Elsässer Autonomisten Beschwerde einiegt, auf die Ungeschicklichkeiten der Regierung aufmerk­sam macht und sofortige Freilassung sämt­licher Kolmarer Gesogenen ge'order: habe.

Rossd stellte an den Zeugen die Frage, ob er Beweise dafür habe, daß er, Rons, an der Streikbewegung des Jahres 1920 als Urheber teilgenommen habe. Baue.r erwiderte: „Wir haben Bewei'e." (er korri­giert sich» „wir haben Mitteilungen ernst zu nehmender Personen..." Tie Ver­teidigung springt erregt auf. Der Vor­sitzende ist gegenüber der wachsenden Em­pörung der Verteidigung und sämtlicher Angeklagten über die entstellenden Behaup­tungen Bauers völlig machtlos und versucht vergebens durch fortge eyies Schwingen der Glocke, die An^eklag en zum Schweigen zu bringen. Bet einer weiteren Aussage Bauers, die keinerlei Beweise bringt, steigert sich die Erregung immer mehr, sodaß

zeitweise kein Wort zu verstehe« ist. Ross« gibt sodann einen kurzen histo­rischen Hebe blick über die Entwicklung des Gedankens der nationalen Minderheit und führt aus, daß das ganze Gebäude der An­klage deS Polizeikommissars Bauer, das auf der Theorie des Separatismus aufge- baut sei, zusammenstürze, wenn man sich

Tie Aussagen des Polizeikommissars Bauer vor dem Kriegsgericht in Kolmar veranlassen die „Volants" zu der Fest­stellung, daß sich der Kolmarer Gerichts­hof merkwürdiger Methoden be­diene. Die Ausführungen Bauers enthiel­ten im übrigen überwiegend mehr eigene Betrachtungen als Beweismaterial. Die „Humani!^ spricht von dem „Roma n" des Po i ,ei'ommi sars, während „Oeuvr e" meint, daß im Kolmarer Prozeß die Selbstgespräche den Rekord geschla­gen hätten. ...

Der Sondecherichtersiatter des .Oeuvre" in Kolmar kommt zu folgendem Urteil: Wer versteht nach 8 tägiger (Verhandlung noch etwas von diesem Prozeß? Man hat von -Anfang an alles so bur^enonder geworden, daß niemand ehr'icherwe se sagen könnte daß er einen Eindruck gewonnen habe es fei denn, den Eindruck des Versagens. Nach einigen Blättern soll n die Geschworenen die

Klarheit über das Wesen der nationalen Minderheiten-Bewegung verschaffe. Bauer fehle jede Kenntnis, er kenn« nicht einmal die Geschichte Frankreichs.

Der Präsident versucht immer wieder, im Saale Ruhe zu schaffen, um Bauer die Fortsetzung seiner Aussagen zu ermög­lichen. Er hält sein« Behauptungen auf­recht. Rosss sei der geistige Urheber der Streikbewegung vom Jahre 1920 gerne en. Rossö und die Verleidigung weisen dem Zeugen Bauer bei jedem einzelnen Punkt die 'U nricht igkeit seiner Behaup­tungen nach.

$o« einer sachliche« Weitersiihrnng bee Prozesses kan« unter diesen Umstände« keine Rede mehr sei«.

Bauer zieht sich bei jedem Angriff des Angeklagten Rosss darauf zurück, daß die von ihm unter Eid gemachten AuS-agen auf Angaben dritter Personen beruhen.

Wiens Anttorrt auf die Mogg-Rm

Sn» ßnn'oib ist regen die vvibtret ende Mittenkonstkknz

fl. Lvndsn. 16. Mai. Die

meldet: Der Wortlaut der italienischen Antwort aus die Kelloqg-Rote wird heute vormitfag verSfsentlicht werden. Sie wird vom Staatsdepartement als im allge­meinen ermutigend b «zeichnet. da Mn'lolini erklärt, daß Italien pefreu der Politik, die es ftänd-g »erfolgt, Kelloggs Initiative mit wohlwollender Snmpathie begrüßt hat und sei« herzliche Mitarbeit zur Erreichung einer Verein­barung sehr bere twillig andentet. Eeoen Ende der Rote wird daran erinnert, daß „ein Vorschlag betref end eine vorbe­reitende Konferenz juristi­scher Sachverständiger in Erwä­gung gezogen ist" und es wird an"ere"t daß ein juristischer Sachverständiger der Bereinigten Staaten an einer fof*en Kon­ferenz teilnehmen sollte, da ihr Ausgang wnst zweifelhaft wäre.

Der „Time «"-Korrespondent sagt: Nach Ansicht des Staatsdepartements würde die 9lcte viel wen wer ermutigend ?e:n. wen« nicht inzwischen e «getretene Ereignisie. d'e Bedeutung dieses lebten Teiles der ita'i-nischen Note verrin­gert hätten. Was unter dielen inzwi-

lchen Mfngetretenen Sreigni'^en zu ver­stehen ist. wird nicht oelaot. aber man darf annehmen, daß Großbritannien nicht länger geneigt ist. diele Iuristenkonferenzzn begünsti­gen. Das Staatsdepartement scheint in­folgedessen der M^nuna zu lei«, daß die­ser PaNus der italienischen Antwort die ßervßrragende Bedeutung eingebüßt bat die er andernfalls gehabt holte. Die Ver­öffentlichung de« fraglichen Jettes wurde trotzdem von der ifoficnit^en Regierung gewünscht und dies hat auch Kelloag Ge­legenheit gegeben, feine Ansicht zu wieder­holen, daß >ie angeregte Konfe­renz unnötig ist und unterbleibt.

Wiederherstellung der divlomatilchen Be­ziehungen zwischen Prag und Moskau?

Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" will erfahren haben, daß die tschechoslowakische Regierung den baldigen Abschluß eines Vertrages mit Sowiet-Rußland erwägt, der die vollen diplo­matischen Beziehungen zwilchen Bros und Moskau wieder Herstellen würde Der Korre­spondent lagt, tatsächlich hätten beide Länder 'chon einmal unmittelbar vor dem Ablchlyß eines solchen Vertrages gestanden, aber Prag Hobe damals im Hinblick auf den gerade er­folgten englisch-russischen Bruch die Verhandlungen aufgeschoben.

Absicht hoben den Gerichtshof zu ersuchen, die Debatte aözukütz n.

Zwei Erklärungen.

Der Oberprä'idenl von Hessen-Nassau, Dr. Schwander, in der letzten Kriegs- ;eir Statthalter von Elsaß - Lothringen, teilt mit:

Nach Zeitungsmeldungen soll der Polt- zeikommiisar Bauer int Autonomistenpro- zeß in Kolmar ausgesagt haben, daß durch mich ein irredentisti cher Eisässe.bund ins Leben gerufen worden iei und daß ich diese Tätigkeit von Deutschland aus fortgesetzt hätte. Ich erkläre, daß an dieser Behaup­tung kein wahres Wort ist.

*

Der Verein für das Deutschtum im AuSlaude gibt folgende Erklä.ung ob:

Aus der Press« erfahren wir, daß im Kolmarer Prozeß gegen die sogenannten Eliatz Lothringischen Autonomisten von der Siaatsanwaltichaft die Beschuldigung erho­ben wurde, daß die Bewegung vom Verein

für das Deutschtum im Ausland« auSge- gangen sei. Ter V. D. A., der, völlig unpolitisch, nur für Unterhaltung deutscher Schulen und Kultureinrichtungen im AuS lande sorgt, ist weder um eine solche lln- '.erstütziingstätigkeit gebeten worden, noch hat er je eine solche Unterstützung gewährt.

Mobiles Flugvlan.

Kingsbay, 9 Mai Hebet den Flug- vlan General Nobiles wird bekannt daß zu­nächst ein erster Erkundungsklug um den P o l beabsichtigt ist sodann ein Flug nach Kaiser Nikolaus ll -Land und Lenin- Land, anschließend ein direkter Vorstoß »um Nordpol.

Fliegerleutnant Thomas abgestürzt.

Newyork, 10. Mai. Der amerikanische jliegcileutnant Thomas, 6er in der vergan­genen Woche den Versuch gemacht batte, den Weltdou.rilugrekotv zu brechen, ist mit einem Begleiter abgestürzt und getötet.

Ki z; Sagen um Ne Erde

Ataki Sieger im Wettbewerb „die schnellste

Reise um die Welt".

fl. Tokio. 10. Mai. Der japanische Weltreisende Toichiro Araki ist heute hier eingetroffen. Er hat die Rei'e um die Welt in östlicher Richtung in der Re­kordzeit von 33 Tagen 16 Stun­den 26 Minuten zurückgelegt und damit seinen zum gleichen Zweck in westlicher Richtung abgereiften Mitbewer­ber Ruy ichi Mat un geschlagen. Bekannt­lich war diese doppelte Weltreise von der Zeitung „3Hi Shimpo" veranstaltet worden.

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toiuz Carei soll M beeilen

fk. London, 10. Mai. Dem Prinzen Carol ist persönlich mitgeteilt worden, daß. falls er das Land nicht sobald wie möglich verläßt, der Ausweisungs­befehl durchgesiihrt wird.

Sie Kämpfe in 66an:ung

ff. London. 10. Mai. W e aus Nau. ' kiug gemeldet wird, ist gestern Tftn- a n f u drei Stunden lang von der japanischen Artillerie beschossen wor­den. 500 Menschen sollen dabei um- gekommen sein.

Wie aus Tsinanfu gemeldet wird, hat der japanische Brigade-General To­yama bei den Kämpfen mit starken, von General Tschentiayuan geführten südch ne- sischen Truppen vor Tsinanfu 4 Tote und 20 Verlegte zu verzeichnen. Die Chinesen erlitten schwere Verluste. Tie Kämpfe dauern noch an.

ft. Schanghai, 10. Mai. Die Ja­paner setzen die Entwaffnung der chine­sischen Truppen in Tsinanfu und Umge­gend fort. Sie haben die Brücke über den Selben Fluß und andere strategische Punkte besetz. Die 28. japanische Brigade geriet mit Truppen der Südarmee bei Kotien, 24 Kilometer östlich von Tsinanfu, in einen Kampf und entwaffnete eine große Anzahl der chinesischen Truppen.

tone AnMlNgmmn gegen Ne A. e. 6.

Moskau, 9. Mai. (WTB.) In der bereits gestern teilweise veröffentlichten Anklageschrift gegen die wegen der Schachty-Angelegenheit Verhafteten wird auf den Zusammenhang hutgeweisen, der zwischen den gegenrevolutionären Hand­lungen und der russischen Abtei­lung der A. E. G. bestehe, wo ein Bru­der des Angeklagten Baschkin, ein russi­scher Emigrant, arbeitet. Diese russische Abteilung wird geradezu als der Mittel­punkt der gesamten Verschwö­rung bezeichnet. Direktor Bleimann wird beschuldigt, einen bestimmten Prozentsatz aus den Bestellungsgewinnen der Der- schwörungsorganisation zugesichert zu ha­ben. Auffallend erscheint hierbei, daß unter solchen Umständen Bleimann vor kurzem von russischer Seite die Einreise erlaubniä nach Rußland e rhal- t e n hat. Otto und Maier wird vor- gewvrfen. daß sie auf Grund von Be­ratungen bei der ACG„ die Derschwörer- zwecken gedient hätten, nach Rußland ab- kommand.en worden seien. Wagner habe das dem Angeklagten Baschkin mitgeteilt, der von Maier Unterweisung erhalten habe, wie eine aufgestellte Turbine be­schädigt werden könne. Für die Vornahme der Beschädigung habe Baschkin von Maier