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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
Die Bernchmuns -es Arrtsnomiften NLckSm
Standpunkt der Roßbacher Unschuldiger getötet worden sei: Schmidt habe nichts verraten und Habe auch nicht die Absicht gehabt, etwas zu verraten. Hinzu komme, daß Seines nicht habe annebmen können, daß Schmidt habe Waffen verraten sollen.
Staatsanwaltschaftsrat Frantzki wandte sich in eingehender Beleuchtung der Rechtslage zunächst gegen die Bemühungen der Verteidigung. für ihre Mandanten in ihrer Eigenschaft als Soldaten die Anwendung der Militärstraf- gesetze in Anspruch zu nehmen, oder aus ihrer Handlungsweise Notwehr oder vermeintlich« Notwehr zu folgern. Die Roßbacher seien im Jahre 1920 weder Rekchsuxbrsoldaten im Sinne des Gesetzes aus dem Jahre 1919 über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr, noch sog. Quasi-Soldaten gewesen. Diez beweise die ernstgemeinte Auflösung der Organisation in Güstrow. Auch die diesbezüglichen angeblichen Besprechungen mit Reichswehrdienststellen, auf die sich die Angeklagten berufen, hätten sich als nicht stichhaltig erwiesen. Das gelte auch von der Waffenfrage. Dir Organisation Roßbach sei nach der Beweisaufnahme nie Treuhänder der Reichswehr für Waffenlager gewesen. Auch über die eigenmächtige Urteilsfvrechung Roßbachs durch das von ihm eingesetzte Standgericht hätten General v. Pawelsz und Oberoräsident Livv- mann ein geradezu vernichtendes Urteil gesprochen. Roßbach habe sich damals außerhalb sämtlicher Gesetze gestellt und könne daher aus diesem Grunde keinen Anspruch erheben, Angehöriger einer gesetzlichen Einrichtung wie der Reichswehr zu sein.
I Stettin, 3. Mai. In der heutigen Ver- handler im Rosenfelder Femcmordprozeß be-
I antragte Oberstaatsanwalt Saß gegen den An- I geklagten Heimes und O t t o w wegen I Mordes die Todesstrafe, gegen die An- I geklagten Fräbel und Bergfeld wegen I Beihilfe zum Morde je 4 Jahre und gegen I die Angeklagten Krüger, Vogt, Ban- I demer und Bär ebenfalls wegen Beihilfe I zum Morde je 3 Jahre Zuchthaus. Sämt- I lichen Angeklagten soll die Untersuchungshaft I angerechnet werden.
In seinem Plaidover führte der Oberstaats- I anwalt u. a. aus, daß Heines und Ottow der überlegten und absichtlichen Tötung des Schmidt schuldig seien. Zu den sonst in der Beweisaufnahme erörterten Fragen erklärte der Oberstaatsanwalt, daß er die Verdienste Roßbachs in Oberfchlefien hoch anerkennen mülfa umso peinlicher sei es ihm, daraus Hinweisen »u müssen, daß Roßbach oft zum Lügen gezwungen worden | sei. So habe er in einem Brief an den Stettiner Polizeipräsidenten im Jahre 1920 ab- | gestritten, daß er Waffen besitze. Er versuche jetzt eigene Schuld auf die Reichswehr abzu- wälzen. Ueber den Angeklagten Heines sagte der Oberstaatsanwalt, daß et ihn für einen Phantasten und Wirrkopf halte, er traue ihm aber Handlungen aus Eigennutz nicht su. Ms mildernde- Umstände'bezeichnete der Oberstaatsanwalt die Jugend der Angeklagten, ferner die ganzen Zeitverbältnisse, die Irreführung durch ungesetzliche Führer usw. Andererseits aber fielen zwei schwerwiegende Momente in die Wagschale, das sei zunächst die erschütternde Tatsache, daß ein auch vom
Die StrafanSrSse im Femeprszeß
Mit gegen Seines und Sllew ieanlragt
300 Personen verbrannt.
fk.London, 4. Mai. Wie aus Schanghai ^meldet wird, ist die in der Nähe von Schanghais gelegene Stadt P o o t u n g auf der östlichen Leite des Flusse, Wangvu zum Teil niedergebrannt. Auf einem Gebiet von einer Ouadratmeile wurden Häuser bis auf den Grund vernichtet. Mindestens 300 Personen p-itB. tote man «nnimmt, in den Flammen urn- gekommen. ... -
hätten, daß deutsches oder fremdes Geld die Bewegung unterstütze" antworte^ Rick- l i n : „Wenn ich geglaubt hätte, Deutschland zu dienen, würde ich für die autonomistische Sache keinen Schritt unternommen haben. Ich erkläre darüber hinaus, daß wenn die Deutschen oder andere Ausländer Gelder in die Bewegung hineingesteckt hätten, dieses Geld zum Fenster hinausgeworfen wäre." Ricklin präzisiert zum Schluß seine Aussage, er habe seit dem Kriege nicht einmal irgend einer ihm bekannten deutschen politischen Persönlichkeit Fühlung genommen, er habe nicht einmal seinem Freunde Dr. Wirth, der doch ein Pazifist sei, auch nur einen einzigen Brief geschrieben.
Alsdann begann die
Vernehmung des Angeklagten Schaft,
29 Jahre alt, ehemaliger Redakteur bei der Zeitschrift „Die Zukunft". Schall gibt über die Gründung dieses Blat-
JSit lehnru jede Befreiung durch Deutschland ausdrücklich afc*
Mle Entgegnungen auf deutsche Aeuße- rungen ließen durchblicken, daß das Elsaß nur innerhalb des französischen Staates strebt ^Ematrechte geltend zumachen Be* Die weitere Verhandlung wurde auf Freitag vormittag vertagt.
tes Aufschluß, indem er erklärt, das Programm der „Zukunft" fei gewesen, sich auf den Boden des Versailler Vertrags zu stellen, ober von den Heimatsrechten Elsaß- Lothringens zu wahren, was zu wahren sei. Das Erstrebenswerteste fei gewesen, daß das Elsaß das wieder erlange, was es vor dem Kriege gehabt habe, nämlich die provinzielle Autonomie. Als Gründungskapital habe er, Schall, 80 000 bis 90 000 Frank für notwendig gehalten, aber man habe sich mit der Summe von etwa 30 000 Frank begnüoen müssen. Die hätten aber auch genügt, da die Geltendmachung der Heimatrechte im Elsaß bestimmend gewe-en sei. Dieses Geld sei einwandfreier Herkunft. W flamme von 5 bis 6 Personen aus dem El'aß. MS- dann verliest Schall eine lange Reihe von Artikeln der „Zukunft", die die Tendenz des Blattes bezeugen sollen, so aus dem ersten Satze der ersten Runnyer: •
Im übrigen erklärte der Staatsanwalt auf eine 5sage, ob die Untersuchung sich auch auch auf das rot-weiß-schwarze Plakat erstrecken werde, das von den Gegnern Rick- lins veobreitet wurde, er könne nicht jedes Wahlplakat verfolgen.
Rechtsanwalt Jaegle erklärte bann, eS handele sich doch hier um einen Prozeß wegen Komplottes bezw. einer Dor- bereitung zum Komplott. Man müsse also zur Sache kommen und beispielsweise den Angeschuld'igten Schall fragen, wieviel Mitglieder die Autonomistenpartei zahlt.
Ten» wdnn die Mitgliedschaft zu v te- fet Partei, die etwa 500 Mitglieder gezählt habe, ei« strafbares /breche« sek, daun müßten alle jere 500 auf der Anklagebank sitze«, nicht aber nur Ricklin.
Auf die Frage eines Anwaltes: „Was Hätten Sie gemacht, wenn Sie geglaubt
K o l m a r, 3. Mar. Kaum hat die heutige Aonmtiagsfitzung des Autonomistenprozesses begonnen, entwickelte sich schon ein neuer Zusammenstoß zwischen der Der. Uibtgung und den Dichtern. Dies- «al ist es Rechtsanwalt Fournier, der scharf das Wort führt. Die Stimmung rst äußerst gereizt. Es handelt sich um einen Aufruf, der heute morgen in fast allen Mssischen Städten angeschlagen und aus Seifort datiert ist, in dem gegen die Dahl Ricklins und Rosses zu Ab- geordneten protestiert wird. Beide Verden als .Boches-Kandidaten" bezeichnet. Iournier verlangt vom Staatsanwalt fo- strtiges Einfchre:1en gegen den Aufruf. Es sei eine Minderheit französischer Krie^steil- wr, die hinter diesem Aufruf stehe, außer- sei es feige und hinterhältig, gegen scheu vorzugehen, die feit Monaten tm ngnis säßen. Das Gericht müsse sich jegen jede Beeinflussung von außen schützen.
Ser Vorsitzende lehnte diesen Antrag kühl dB. Darauf bittet die Verteidigung den keneralstaatsonwalt, zu dem Vorfall Stellung !pl nehmen. Auch dieser lehnt den Antrag ab.
Bei den weiteren Verhandlungen erklärte Licklin auf eine Frage des Vorsitzenden, daß er bei der zweiten Gründungsversamm- img des Heimatbundes dafür gesorgt habe, aß die Worte
„im Rahme« Frankreichs"
8 das Manifest aufgenommen wurden. Auf Ef Frage des Vorsitzenden, was das Elsaß >lle. antwortete Ricklin: „Die Verwaltungs- d gesetzgeberische Autonomie."
Dann läßt der Vorsitzende einige Briefe riefen, die Ricklin im März und Mai 1926 i einen gewissen Rihe geschrieben hat. i einem dieser Briefe befindet sich jene in r Presse oft zitierte Stelle, daß man den asdruck „im Rahmen Frankreichs" ja eines dges fallen lasten könne. Der zweite B-ief, stiert vom 3. Mai 1925, enthält eine De- irünfruntT, weshalb in dem Heirnatbundmam« !ft das Wort „im Rahmen Frankreichs" auf» itfrt erhalten werden müsse. Der Ausdruck tiffe deshalb aufrecht erhalten erben, weil man sonst. da der Heimatmd keine politische Partei fei. dem staatSanwalt die Möglichkeit an ie Hand gebe gegen die Heirnst- lvnd-Bewegun g wegen Hochver- ■ pts vorzugehen und außerdem des- llb. weil nur in diesem Falle die Beamten H der Heimatbundbewegung anschlreßen tonten.
Ricklin erklärte zu dem ersten Brief, die Ricklin erklärte zu dem ersten Briet. Hirnen, und um Rihe zu beruhigen, habe r es für richtig gehalten, so zu tun. als ob er ine Gedanken völlig teile, um ihn in ver- i Saftige Tabnen le'ten zu können und ihn ftie zur Vernunft zu bringen. 3n De- ittrortung einer F-age des Vorsitzenden er» =rt Ricklin. er habe nie daran gedacht, die Beamten etwa deshalb für den Heimatbund l tre-Een. um sozusagen die Staatsmaschine t zerstören, tote es die Frage deS Vor- Henden gewissermaßen unterstelle.
.Der Vorsitzende fragte: „Sie waren sich i trüber klar, baß Sie sich Verfolgungen aus- | ‘ Sten, wenn Sie die Worte „tm Rahmen stenkreichs" wegließen?"
^Ricklin antwortete unt Ja. Ricklin tritt itn den Beweis dafür an. daß die Formel n Rahmen Frankreichs" feiner bisherigen »ficht entsprochen habe Zum Beweise läßt I : k einen Brief an Rihe vom 17. Mai 1926 I triefen, in dem es heißt: I
.»Mir erblicke« die Rettung in 6er politi- I
ichen Autonomie, damit wir aas selbst I
| regieren können, aber der politische Zn- I gketmenbone bleibt 3« diesem Zweck I 1*08 Frankrei chin seiner Verfassung Aen- I | derunge« vornebmen." I
MLu Beginn der Nachmittagssitzung er- I Märte der Generalstaatsanwall, daß das I ote früh von der Verteidigung vorgelegte I «kat betreffend die Wahl von autonomisti- j tn Bochekandidaien nirgends in einem I r drei ihm unierstelllen Departements I geschlagen worden fei, daß er, aber eine I st Versuchung anstellen lassen werde. I !« Rechtsanwälte Fournier und Berthon I efen darauf hin, daß doch der Urheber I 6 Plakates mit Namen gezeichnet I be. Die Bereitschaft der Staatsanwalt- I «ft fetzt auf einmal nach den Urhebern I 6 Plakates zu suche«, sei eigenartig. I
| Re „MM" in MM gelangt
fk. vadsö, 4. Mai. Das Luftschiff „Italia" ist heute vormittag nach einet stürmischen Nachtfahrt in Badsö ge- landet. Von hier aus soll die Fahrt nach Spitzbergen in den nächsten Tagen angetreten werden.
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Nach de« Bericht einer Korrespondenz aus Stolp hatte General Nobile bei seiner Abfahrt vom Luftschiffhafen Seddin mit den Funkstationen in Stolp und im Luft« schiffhafe« vereinbart, daß et möglichst in feder Stunde seinen gegenwärtigen St« ndortangeben werde, so daß er für den Fall, daß er in Nebel oder schlechtes Wetter gerate, durch eigene Pei. lung und durch Peilung fremder Stationen stets in der Lage sein könne, festzustellen, wo et sich befinde. Diese Absicht habe Genetti Nobile jedoch nicht vetwitk. lichen können. Die „Zttiia" sei von so so vielen Seiten angetufen worden, daß die Funkstation an Bord des Luftschiffes zunächst überhaupt nicht dazu gekommen sei, die notwendigsten Arbeiten vornehmen zu können. Alle möglichen Stationen, sogar amerikanische Eroßftationen hätten versucht, mit dem Luftschiff in Verbindung zu treten, ohne selbst die Möglichkeit zu haben. Nachrichten von ihm aufzufange«. Die letzten Meldungen, die nach der llcber- fliegung Stockholms von den deutschen Stationen aufgefange« werden konnten, lauteten dahin, daß an Bord alle» «ohl sei und daß die „Italia" bei verhältnismäßig schwachen Gegenwinden auf nördlichem Kurs gute Fahrt mache. Am frühen Nachmittag sei noch ein Telegramm Nobile« an seine Gattin in Stolp eingetroffen. in dem er kurz meldet, daß au Bord alle, wohl sei und in dem er Grüße für ddr deutschen Kameraden in Stott sende.
Neuer Angriff auf de« bisherigen Dauer- flagrekord.
fl. Newhvrk, 4. Mai. Leutnant Tyamas macht gegenwärtig über dem Roosevellfield den Versuch, einen neuen Tauerrekord aufzustellen. Um 4.20 Uhr nachmittags hatte er die Hälfte der dazu erforderlichen Zeit erreicht. Er befindet sich allein im Flugzeug.
Flugunfallstatistik der ®reinigte« Staaten.
fk. Washington, 4. Mai. Die Lustfahrtstatistik des Handelsdepartements hol gestern ihre erste Statistik veröffentlicht. Danach ereigneten sich im Jahre 1927 in den Bereinigten Staaten 200 ernste Flugunfälle, die 164 Menschenleben forderten. In 48 Prozent der Fälle wird die Uv- sache auf Fehler der Piloten zurückgeführt.
Zum Raketenslug des Kasseler Flieger« Raab.
Kassel, 3. Mai. Wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, beruhen die in den letzten Tagen in einem großen Teil der deutschen Presie erschienenen Meldungen und Informationen Über den bevorstehenden Raketenflug des Äafielet Piloten Raab zum allergrößten Teil auf reinen Kombinationen der betreffenden Berichterstatter. Wir erfahren in dieser Angelegenheit von Herrn Raab folgendes:
In einem vor einigen Tagen zwischen Herrn Fritz v. Ovel-Rüsielsbeim und Herrn Raab abgeschlossenen Vertrag hat sich letzterer verpflichtet, die von Fritz v. Opel beschriebene Steife in die Stratosphäre mit einem dfe Erfindung des Raketensostems Valier-Sander» ausnutzenden, von Herrn Raab selbst konstruierten Leichtflugzeug su unternehmen. Für dieses Proberaketenflugzeug hat man den Tns „R. K. 9 Grasmücke" gewählt, des ein Leergewicht von nur 260 kg h«t. Das Flugzeug wird durch ein Eoanteu« system, das von dem Stieger im Flugzeug bs»