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ÄdLvhMsche taotiowtot Zeitung - Anzeiger fiir (das frühere kurhessrschej Oberhessen

St 103 63.80M Marburg a. Lahn

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t Dowmark '/^.Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nud Kreis Marburg.

MMN Ns colmnter Monomiftm-ProzeW

Praktische tinmSglichkrit für die Lerle digung, mit den Angeklaglea zn »rrdande n

Colmar, (Elsaß), 1. Mai. Der Pro­zeß gegen 22 elsässische Aulonomisten, trott denen gegen sieben, die sich tm Ausland tefinden, in contumaziam verhandelt wird, jat heute vormittag vor dem Schwurgericht Begonnen. Die zum Gericht führenden Prraßen sind mit Gendarmerie in Stahl­helmen und Militärposten besetzt. Die Hiaatsanwaltschaft hach 40 Zeugen geladen die Verteidigung 15. Bel d-er Aufrufung her Entlastungszeugen wird ReichSaußen- «inister Dr. Stresemann aufgerufen, hrns unter dem zahlreich anwesenden Publikum Rufe des Erstaunens auslöst. Alsdann wird die Anklageschrift verlesen, tie 15 Schreibmaschinenseiten umfaßt. Die Verlesung geschah in französischer und in deutscher Sprache. In der Einleitung heißt es:Die autonomistlsche 'Separa- tistenbewegung, die in Elsaß-Lothringen be­reits vor dem Waffenstillstand von deut­schen und deutsch-französischen Elsässern ge­schaffen worden war, hat stets ein für di« rationale Einheit außerordentlich gefähr­liches Ziel verfolgt, da sich ihre beständi­gen Anstrengungen aus einen vollkommenen Mruch zwischen Frankreich und den elsaß- lbthringischen Provinzen richteten." Als- stann folgen die den einzelnen Angeklagten Wr Last gelegten Taten, wie sie bereits «üher gekennzeichnet worden sind. Der Weneralstaalsanwalt erhebe gegen die 22 Kngeschuldigten Anklage, seit 1920 auf dem wtionalen Gebiet und besonders in den drei Departements Oberelsaß, Unterelsaß ®b Mosel sich untereinander verständigt ttb beschlossen zu haben,

die Regierung zn beseitigen oder $n ändern,

R Bürger oder Bewohner aufzureizen, gegen die Behörden zu bewaffnen, tobet das so geschmiedete Komplott be­reits in die Tat umgesetzt worden fct bezw. »rbereitende Handlungen vorgenommen torben waren.

Bon Seiten der Verteidigung wurde pro- r rt, daß die sogenannten Schutztruppen, nach einem Ueberfall am 22. August $926, dessen Opfer Ricklin geworden «r, gebildet worden waren, um Den Ver­mut lungsschutz zu sichern, in der Anklage- rift alsSturmtrupp" bezeichnet wor­den, was dem Begriffe der Schutztruppen licht entspreche. Außerdem haben die An­wälte der Angeklagten dagegen Einspruch Hoben, daß dreien der Angeklagten das hkifische Regime noch vorenthalten wird *b daß weiterhin ihnen nicht die gesetz- ch zulässige Möglichkeit eingeräumt wird, lder ihre Verteidigung sich untereinander I * verständigen. Die Verteidigung verlas kßerdem

ein Schreibe« der leiben neuen Ab- geordu.ten Rosse und Rükliu,

dem diese gegen die Beschneidung der ttkehrsmögilchkett der An-e'chuldigien un- teinanber heftigen Protest erheben. Ge- ralstaalsanwaft Fachot wendet sich gegen tfen Antrag der Verteidiger auf freien ttkehr zwischen den Angeklagten und auf toäfirung eines politischen Regimes für « drei restlichen Angeklagten und erklärt, wolle durch die Vorenthaltung bet tien Berkehrsmöglichkeir untereinander knie id en, daß die Angeklagten weiter sich 'm Zwecke der von ihnen angeblich ver- - Pien Ziele verständigten.

Zu Beginn der Nachmittagssitzung wurde h von der Verteidigung in der Vormit- tzssitzung gestellte Antrag auf Bewilligung kr Vergünstigungen fürpolttischeGe- 8 n g e n e für die drei in Untersuchung be­glichen Beschuldigten, die bie'e Rechte fch nicht genießen, abgelehnt. Eben- >bcr von der Verteidigung gestellte Antrag y roten Verkehr der Angeschuldigten un- * einander zwecks Vorbereitung ihrer Verteidigung.

4.Alsdann, begann das Verhör des an- Wchuldiglen Abgeordneten Rtcklin, der ff* allem seine spezifisch elsässische Gesin- Vr.g hervorhebt. Zn deutschen Kreisen habe Win ihn als Querkopf bezeichnet. Er be- Dnte, daß er aus dem Prozeß rehabili- Mrr hervorgehen wolle. Vor dem Kriege V6e er 7bie übermäßig« Verdeutschung Maß-Lothringens bekämpft, während man M jetzt von französischer Seite als Agenten

der Germanisierung hinstelle. Er habe für einen elsässischen AutonomiSmus stets gearbeitet. Der Vorsitzende stellte u. a. an Ricklin die Frage, ob es richtig sei, daß er zur Zeit der Kriegserklärung an den Borsitzenden des Reichstages geschrieben habe, er bedauere, daß er nicht mehr im Reichstag sitze, um für die Kriegskredite stimmen zu können. Ricklin erklärte darauf, daß eine Nichtannahme der Kriegskredite durch diesen oder jenen Abgeordneten gar nichts hätte verhindern können. Ricklin zitierte schließlich eine Aeußerung des Regierungspräsidenten von Eolmar, Putt- famer, der erklärt habe:Ricklin ist auch so einer, für den eS höchste Zeit war, daß er sich in die deutsche Uniform geflüchtet hat. Wir werden ihm aber schon Die Uniform ausziehen." Nach einer kleinen bedeutungslosen Auseinandersetzung zwi­schen dem Vorsitzenden und dem Ver­teidiger wurde die Verhandlung auf morgen vormittag vertagt.

PoiucarS bereitet eine neue Rede vor.

fk. Parts, 2. Mai. PoinciarS reist» heute abend für einige Inge nach seinem

(Einladungen »et SrMüdte -

Rewyork, 1. Mai. (WTB.) Vor dem Besuch im Madison Square Sarden, wo der Boxkampf Eharkeh gegen Delaney stattfand, wohnten die Ozeanflieger in Be­gleitung des Bürgermeisters Walker, der Konsuln Heuser und Klee und des irischen Handelsvertreters Crawford einer Revue­vorstellung in den Greenwich Billage Follies bei. Als die Flieger erschienen, wurde die Dorstellung unterbrochen und die Anwesenden brachen in tosenden Bei­fall aus. Bürgermeister Waller steifte die Flieger vor, die alle drei an das Publikum englische Ansprachen richteten, in denen sie ihre Erlebnisse bei dem Fluge derBremen" schilderten und dankbar des großartigen Empfanges durch die Aewhorker Stadt­verwaltung und Einwohnerschaft gedachten.

Die Morgenbläüer schützten die Menge der Zuschauer bei dem gestrigen Triumph­zug auf 2,5 Millionen. Trotz dieser ge­waltigen Menschenmenge haben sich nur drei leichte Unglücksfülle ereignet. Ver­haftungen brauchten nicht vorgenommen zu werden. Ein Leitartikel derWorld" be­zeichnet den Empfang derBremen" - Flieger als einen der glänzendsten, den die Stadt Rewhork jemals veranstaltet hat. Durch den den Fliegern berefteten Emp­fang habe die fteuüig erregte Wenge den Beweis erbracht, daß nunmehr die Er­innerung an den Krieg geschwunden sei. Die Empfangsfeier sei ein Fest vieler Rassen gewesen, die sich an den Flaggen der verschiedenen Länder und an ihren Liedern und Rationalhymnen in gleicher Weise erfreuten.

Das Bankett der Stadt Rewyork.

fk. Rewyork, 2. Mai. Das Bankett der" Stabt Rewyork im Hotel Eomrnodore brachte erneute herzliche Sunbgebunaen für DieBre­mens-Flieger und auch für den bcutichen Bot­schafter. Der vom Bürgermeister Walker als ein nicht mehr unbekannter East vorgestellt wurde. Der Botschafter gab feiner Freude über die spontane Herzlichkeit der Newyorker Bevölkerung Ausdruck, die sich bei dem gestrigen Umzug gezeigt habe, und äußerte die Hoffnung, daß der Flug derBremen" ein Freundschaftsbande zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten schaffen möge. Gou­verneur Smith telegraphierte Grüße int Na­men des Staates Rewyork, wobei er bemerkte, die Leistung derVremen"-Flieger fei ein Symbol für den internationalen guten Willen der Verständigung, die das einzige Mittel zur Lösung der Weltvrobleme darstelle. General­major Haskel! führte diesen Gebauten in einer längeren Rede aus; ebenso bet irische Gesandte Sniddy und mehrere andere Red-

Landsitz ab, um sich bann am kommenden Sonntag nach Metz zu begeben, wo er eine politische Rede halten wird, in der er sich nach demMntia" u. a. auch mit dem Autonom! st en-Problem befassen wird.

D»s alte neue Kabinett in Frankreich.

fk. Paris. 2. Mai. Der heutige Mi­nisterrat unter dem Vorsitz Poincar^s wird sich mit der durch den Ausgang der Wahlen entstandenen politischen Lage be- fasten Nach den Informationen des Journals" hat Poincar6 nur die Ab­sicht, den Arbeitsminister F-llieres zu ersetzen, der nach seiner Wahlniederlage von einem Posten zurückgetreten ist. Zm übrigen wüncht Poincar^ die gegenwärtige Zitt mmensetzung der Regierung aufrecht zu erhalten und sich mit ihr am 1. Juni der neuen Kammer vorzustellen.

Drr Empfang in WaWagwa

ner, die gleichfalls den Flug derBremen" in feiner Bedeutung für die Internationale feierten. Dem Bankett wohnten 3500 Ver­treter bundesstaatlicher Behörden und der Ge­schäftswelt bei. Unter ihnen Ochs, der Ser- ausgeber der NewyorkerTimes", die Ban­kiers Otto Kahn und Felix Warburg, ferner die konsularischen Vertreter Deutsch­lands, Oesterreichs, Irlands und anderer Staaten. Das Bankett wurde mit der ameri­kanischen, der deutschen und der irischen Na­tionalhymne eröffnet. Ein Scheinwerfer be­leuchtete eine Komposition au3 der deutschen, Der Newyorker und der irischen Flagge, mit Der amerikanischen Flagge als Hintergrund.

Die Feierlichkeiteu in Washington.

ft. Washing t on, 2. Mai. Das Pro­gramm für den Empfang derDremen"- Flteger in Washington steht nun fest. Die Flieger werden heute früh mit der Dahn hier eintreffen, da die Benutzung des Flugzeuges angesichts des für jede Mi­nute des eintägigen Aufenthaltes fest- gelegten _ Programms Schwierigkeiten bringen könnte. Die Flieger fahren zu­nächst zum Hotel und werden um 10 Ahr auf dem Flugplatz Dollingfield eintreffen, wo kurz vorher der deutsche Botschafter und der irische Gesandte, mit Salutschüssen empfangen, angekmomen sein werden. Die Flieger werden zunächst im Auto an den Tribunen der Regierungsmitglieder, des diplomatischen Korps und des Publikums vorbeifahren. Dann werden sie von Staats­sekretär Kellogg im Aamen der Regie­rung offiziell begrüßt. Die Rednertribüne ist mit der amerikanischen, der deutschen und der irischen Flagge geschmückt. Von einer -Kavallerie - Eskorte be­gleitet fahren die Flieger sodann zum Hotel zurück, wo ihnen unter den Klängen einer Militärkapelle ein Chrensalut dargebracht wird.

Nach einem Empfang der Presse be­geben sich die Flieger um 12 zum Wei­st e n H a u s. Dort wird der deutsche Bot­schafter sie dem Präsidenten Coo- lidge vorstellen, der ihnen das Kreuz für hervroragende Flugleistung überreichen ®lr£- Für 1 Uhr ist ein Frühstück beim Präsidenten vorgesehen. Am Aachmftteg werden die Flieger, begleitet von Brigade- general Williams, mit großem miti- ia.ii$cm Gefolge einen Kranz an dem ©ra5e des unbekannten Sol» d ut e n auf dem Rationalfriedhof von Ariington niederlegen, wo die Komman-

(Soxtfeeune ftcfcc §«U« 2.)

Maistiem

Berlin. 1. Mai. Der Parole Der Ge­werkschaften folgend, ben 1. Mai zu feiern, herrschte beute in der Industrie Arbeitsruhe, der sich auch die technischen Arbeiter und An­gestellten der großen Berkebrsunternebmungen angeschlossen haben. Straßenbahn. Hochbahn und Äutogesellschaft, wie auch Stadt-, Ring- und Vorortbahnen haben dagegen in ihrem fahrplanmäßigen Verkehr keine Aenderung eintreten lasten. Lediglich die Straßenbahn konnte morgens die Zahl der Anhängewagen beschränken, weil die Arbeiter ihren Arbeits­stätten fernblieben.

Infolge des prächtigen Wetters war die Be­teiligung an der Maifeier sehr stark. Bereits in ben Morgenstunben sammelten sich sonntäg­lich gekleibete Männer, Frauen unb Jugend» liche an ben durch bie Parteizeitungen be­kanntgegebenen Plätzen und zogen dann mit zahlreichen Musikkapellen, an der Spitze mit roten Fahnen und geschmückt mit der roten Nelke nach der Treptower Spielwiese, wo mit­tags eine gemeinsame Feier stattfand. Daß dabei besonders an den verkehrsreichen Plätzen der Stadt Unterbrechungen und Störungen im Wagen- und Fußgängerverkehr eintraten, war unausbleiblich. Eine besondere Note erhielt der 1. Mai dadurch, daß, abgesehen von den Morgenzeitungen, keine weiteren Blätter er­schienen.

Ausschreitungen bei der Wiener Maifeier.

fk. Wien, 2. Mai. Del dem von der Sozialdemokratischen Partei veranstalteten Aufmarsch kam es am Opernring zwischen Teilnehmern.^ des Zuges und Zuschauern zu Tätlichkeiten, bei denen mehrere Personen verletzt wurden. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen, vor.

Der 1. Mai i- Paris.

Paris, 1. Mai. Das Stadtbild von Paris weist heute am 1. Mai kein besonderes Ge- vräge auf. Auch der starke volizeiliche und militärische Ordnungsdienst trat in den Vor­mittagsstunden so gut wie gar nicht in die Er­scheinung. Von den Verkehrsmitteln streiken nur die Autodroschken. Autobusse, Slraben- babnen und Untergrundbahnen verkehren wie sonst. Das Geschäftsleben geht seinen nor­malen Gang: Auch in den Vororten mit star­ker Arbeiterbevölkerung macht sich der 1. Mai wenig bemerkbar, bauvtsächlich desbalb, weil nur ein kleiner Teil der Betriebe die Pforten geschlosten bat. Bis zum Mittag wurden zehn Autos und Motorräder, die für die Beförde­rung von Propagandaflugschriften bestimmt waren, beschlagnabmt, darunter ein Wagen, in dem sich zwei kommunistische Gemeinderäte be­fanden. Festgenommen wurden zwei Sekretäre der Transportarbeitergewerkschaft, bie im Auto zu Provagandazwecken bie Straßen durcheilten, ferner 84 Personen wegen Be­lästigung unb Behinberung von Arbeite willigen.

Di« Maifeier i« Moskau.

Moskau, 1. Wal. Die Maiseier begann mit einer Militär da rav e auf Vern Roten Platz, die der Kriegskommiffar Wo­roschilow im Beisein der Mitglieder der Re­gierung und des Diplomatischen Korps ab­nahm. Sodann fand eine Kundgebung statt, an der Millionen teilnahmen. Für den Abend ist ein Karnevalsfackelzug vorgesehen

Schießerei aulätzlich der Maifeier in Warschau.

Warschau, 1. Mai. Bei der heutigen Maifeier tim es, wie im letzten Jahre, zu Zusammenstößen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten. Am Theaterplatz stieß ein kommunistischer Zug gegen d:e von einem sozialistischen Stoßtrupp geschützte Aachhui eines sozialistischen Umzuges vor. Hierbei kam es zu einem Kamps zwischen den So­zialisten und den Kommunisten, der auch mit Schußwaffen ausgetragen wurde. Rach den vorläufigen Meldungen sind zweiPer - fönen getötet und 50 verletzt worden. Die Kämpfenden wurden durch die Polizei getrennt.

Die blutige Maifeier in Warschau.

fk. Warschau, 2. Mai. Die Gesamtzahl der Opfer der gestrigen Zusammenstöße zwischen Sozialisten und Kommunisten stellt sich auf vier Tote und 280 Verletzte, davon. 40 Schwerverletzte. Etwa 50 Personen sind von der Polizei verhaftet worden.