■ Mittag, len 30. Avril 1928
^DOetfcefflto« 3*ttung" ev MfW fwbtot«! vichenUich. ®f ESp«ts monatlich 2 GM. au<- KtrfL Zustkllungogebübr, durch WPost2L5 SM.ffür tttoa Infolge CtteKi. Malchinrndefekt« oder gjeetentatrt Lreignisie ausfallend« Kmumern wird kein Ersatz go» Vfotu Derlag b. Dr. $. Hitzeroth» gwf der Untb.-Buchdrnckerei b. Zvtz. «eg. Aoch, Markt 21/23. Aernsbrecher: Nr. 54. n. Nr. 65. mgflfcheckkonto: Amt Frankfurt fiL Sir 6016. — Sprech »eit
Hl Redaktion von 10—13 und '<,1-1 Uhr.
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesse«
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt and Kreis Marburg,
Der Lrmmphzus der Szeanflieger m Rewyork
AMrik««iMd Sohlen — ein RnMnK« von loooo SKnlkinörrn — 11 Mote RwStolionen
Sternqotl, 28. Avril. Die „Sternen“, Meger treten um 6.10 Mr Vier ein. Sie wur- lett von den StedtbehSrden auf dem Sahnhof tegrüht. Unter dem Jubel bet Bevölkerung toten die Flieger «U Automobilen mm Ritz- Larlton-Sotel.
Die Sonntagsblätter bringen vielseitige Be- kichte über den gestrigen (Empfang der ,,Bremen"-Flieger. Eine riesenhafte Menschen- Wnge hatte sich am Bahnhofsgebäude ver- lentmelt.
Im Innern der Empfangshalle waren «Bein 10 000 Menschen rnsammengedräugt.
Ziele kletterten auf die hohen Stahlpfeiler ■ab Treppengeländer hinauf. Die 18 Ernv- dugsautos fuhren durch die 34. Strane unp die 5. Avenue durch eine doppelte Polizer- voftenkette »um Ritz-Earlton-Sotel. Dw Po- Kiei muhte immer wieder bte lauchrende Senge zurückdrängen.
Aller Berkebr rnbte, «ährend die Empfangsautos unter lautem Jubel und Konfettiregen, von einer Polizel- «korte begleitet, zum Hotel fuhren. In und hei dem Hotel herrschte ebenfalls Riesen- gebiänge, wo piele auf die Dekorationen und PalmentSpfe stiegen, um bester sehen su Ion» «en. In einem gestrigen Interview erklärte Fitzmaurice auf eine Frage, er glaube an bal- Mge Eröffnung des regelmähigen Flugdtenstes zwischen Amerika und Eurova, der nicht mehr ein technisches, sondern nur ein organt - latorisches Problem sei. Bürgermeister Talker, der niemals von der Seite der Flieger wich, warf die Frage ein, ob die Flieger jemals an ihrem Erfolg gezweifelt hätten, was Re verneinten.
Newvork, 29. April. Die Ankunft der ,Bremen“-Flieger gestaltete sich »u einem Tri- »mvhzug. Lange vor dem Eintreffen des Zuges versammelte sich trotz des Regenwetters eine kiesige Menge in der Umgebung des Vennsylvania-Vahnhofs an, die von einem gewaltigen Polizeiaufgebot in Schranken gehalten wurde. Auf dem Bahnsteig hatten sich Bürgermeister Walker, als weitere Ber- tretei der Stadtverwaltung die Herren Erover und Whalen, der Vorsitzende des städtischen Empfangskomitees Victor Ridder, Mar rtoehr und andere Komiteemitglieder, die Flieger Ehamberlin, Solchen und Byrd, sowie eine Abordnung der Staatsmiliz von Nostachussetts mit einer Einladung des Gouverneurs Fuller zu einem Defuch in Boston eingefunden Außerdem waren Konful Heuser, SBiiefonfuI Klee und der irische Kommissar Trowford erschienen. Sobald der „Bremen - 3ug hielt, begab sich Bürgermeister Walker in ben Salonwagen und begrüßte die „Bremen - Flieger, die sich sodann zahlreichen Blitzlichtauf- lahmen zur Verfügung stellten. Walker bereitete die Flieger ins Ritz-Carlton-Hotel. Das Empfangskomitee, die Zeitungsbericht- üftattei, Photographen und die anderen zum Empfang Erschienenen folgten den 18 städtischen Autos. Im Hotel sprachen die Flieger, »an Ehamberlin dem Radiopublikum vorge- siellt, durch ein dort aufgestelltes Mikrophon. Auch Bürgermeister Walker, Konsul Heuler und andere hielten Ansprachen. Die Ansprachen wurden pon Chenectady und Pitts- hitg nach Deutschland übertragen, ts folgten weitere Blitzlichaufnahmen und bann Interviews zahlreicher Reporter. Kohl erklärte u. a.: Wir senden Erverten nach Labrador, die den Motor, der „Bremen" untersuchen sollen. Falls sie flugtüchtig ist, gedenken wir in etwa zehn Tagen mit der „Bremen" hierher zu fließen, um dann die Möglichkeit bes Rückfluges nach Deutschland zu erwägen. Auf Grund der Erfahrungen des „Bremen"- Fluges werden an der „Bremen" verschiedene technische Neuerungen porgenommett werden, u. a. die Anbringung eines Funk- epparates und eines Sextanten. Der Kempaß eat zuverlässig Die „Bremen" ist durch magnetische Störungen in der Näh« von Labrador dach Norden abgetrieben worden.
Newvork, 29. April. Unter Massenandrang und Begleitung von Polizeieskorten besuchten die „Bremen"-Flieger heute vormittag den Gottesdienst, und »roar begaben sich Hauptmann Kohl und Fitzmaurice in die 6t. Patrikskirche, während t>. Sünefeld an dem Gottesdienst in St. Peter teilnahm v. Hüne- klb unterhielt sich dort längere Zeit mit den Tonntagsschulkindern. Die Schulbehörde wird ex bet morgigen Feiet in bet Cito Lall mit
einem Massenchor von 10009 Schulkindern teilnehmen; sie sieht jedoch von einem Schulfeiertag ab, um eine weitere Steigerung des Riesenandrangs zu vermeiden. Das Rote Kreuz hat bereits im Innern der Stobt elf Stationen für erste Hilfe errichtet. Unmittelbar nach der morgigen Ansprache des Bürgermeisters Walker in der Eitv Hall werden den „Bremen"-Fliegern 3 goldene Erinnerungsmedaillen überreicht werden. Am heutigen Sonntag herrscht in der Fifth Avenue festliches Gedränge. Das Ritz-Carlton-Hotel wird von großen Menschenmengen umlagert. Neben Dekorationen und zahlreichen Inschriften in deutscher Sprache leuchten auf einem Filmtheater auf dem Times Square in riesiden Lettern aus elektrischen Lampen deutsche und englische Willkommensworte.
St« Rnndftmk-Btgtnßmg
Die Hörer der Deutschen Stund« hatten Gelegenheit, den Empfang der Ozeonflieger vor dem Ritz-Earlton-Hotel in seinem Hauptteil mitzuerleben und auch die Flieger selbst und den Bürgermeister von Newvork, Walker, sprechen Su hören. Jedes Wort Walkers und der Flieger konnte gut verstanden werden. Bür
germeister Walker gab seiner Freude Ausdruck über die glückliche Ankunft der Flieger und sagte dabei, jetzt, wo er die Ozeanflieger vor sich sehe, sei es ihm klar, daß ihnen der Flug über den Ozean gelingen mußte. Dann trat Herr v. Hünefe 1 d an das Mikrophon, der unter dem stürmischen Beifall der Menge die Grüße Deutschlands überbringt und der hohen Freude Ausdruck gibt, daß der Ozeanflug gelang. Die Flieger würden sich gern der Leute erinnern, die ihnen die Initiativ« zu ihrem Flug gaben. Schließlich hört man klar und deutlich Hauptmann Köhl in deutscher Sprache seiner großen Freude über die sportliche Begeisterung der Amerikaner Über „diese kleine Reise über den Ozean" und seinen Dank für den begeisterten und herzlichen Empfang Ausdruck geben. Er schließt mit dem Wunsche, daß bald ein Luftverkehr über dem Ozean be- ( stehen werde. Als letzter der Flieger spricht * noch Fitzmaurice, der in launigen Morten wie v. Sünefeld in englischer Sprache den Flug von der „grünen Insel (Irland) nach Ereenly Island" kurz schildert und ebenfalls herzlich für den begeisterten Empfang dankt. Mit Ansprachen amerikanischer Persönlichkeiten, die ebenfalls die Heberquerung des Ozeans durch die deutschen Flieger und ihren irischen Gefährten feierten, endete die Uebertragung.
Poimarss Sieg bestätigt tfl »tr poeulätfte Mann in ganz Stankt*
ft. Paris, 80. April. Da» Ministerium des Inner» veröffentlicht um 5 Uhr vormittags das Ergebnis des 2. Wahlganges (ein Wahlergebnis ans de« Kolonien
steht »och aus): Rechtsstehende . ......3
Rechtsrepublikaner und kath^ische
Demokraten (Marin) .... 78
Linksrepublikaaer......60
Rechtsrepublikaner (Lonchenr) . 40
Radikale.........102
Sozialistische Republikaner ... 41
Sozialisten ........ 86
Kommunisten.......14
Sozialistische Kommunisten ... 2
Regionaliften.......3
Mit dem Ergebnis der 187 Wahlen, di« im ersten Wahlgang zustande kamen, ergibt sie jetzt folgendes Resultat:
Rechtsstehende.......15
Rechtsrepnbli.aner und katholische
Demokraten (Marin) .... 145
Linksrepublikaner ......106
Rechtsrepublikaner (Lonchenr) . 55
Radikale.........123
Sozialistische Republikaner... 47
Sozialisten........101
Kommunisten.......14
Sozialistische Kommunisten... 2 Regionalisten.......3
Gewählt find u. a. Kriegsminister Pein- levä. die Elsässer Peirotes, Frey und der Lozialisti G r u m b a ch, die beiden Autonomisten Dr. Ricklin. dieser mit 7740 Stimmen in Altkirch und der Autonomist B r o g l y in Mühlhausen mit 10 771 Stimmen. Unterlegen sind der Kommunist Hüber im Wahlkreis Straß- burg-Land und der Sozialist Weill in Straßburg.
Der Sozialist L ä o n Blum wurde von dem Kommunisten Duclos geschlagen.
Soweit die Presse des Ergebnis der Kammerwahlen beurteilt, stellt sie mit wenigen Ausnahmen den Steg Poincar^s fest.
Das „Journal" schreibt: Die Schlacht ist beesdet; sie ist nach dem Zusammenstoß
des ersten Wahlganges zum Vorteil der Politik Poincarss ausgegangen und gegen den revolutionären Extremismus.
Das „Oeuvre" erklärt, die Wahlen fanden statt auf den Namen PoincarSs. Poincars ist in ganz Frankreich mit sehr großer Mehrheit gewählt worden. Sein Erfolg ist nicht zweifelhaft. Er hat niemals eine so große Popularität gekannt wie jetzt Wenn Poincars nach den geltenden Gepflogenheiten nach denWahlen dem Präsidenten der Republik seinen Rücktritt erklärt. wird Dumergue ihm aufs neue die Kabinettsbildung über- traaen.
„Ere Nouveile" erklärt: Die Kammer von 1928 wird eine Kammer der republikanischen Konzentration sein. Die extremistischen Parteien sind geschlagen. Poincars wird mit den Linksrepublikanern im weiten Sinne des Wortes regieren können.
Der „Populaire" schreibt: Die neue Kammer wird eine Kammer der Rechten sein. Die nationalistische Einigung ist wieder zum nationalistischen Block geworden.
Die kommunistische „H u m a n i t ä“ schreibt: Die Wahlen von 1928 find für die kommunistische Partei das höchste Versprechen für die Zukui ft. Die kommunistische Partei wird auf Grund der 1100 000 Stimmen, die im ersten Wahlgang für sie abgegeben wurden, mit noch größerer Ent- schloffenheit den rücksichtslosen Kampf gegen die nationalistische Einigung fortsetzen.
Nur drei Blätter besprechen die Wahlen der Autonomisten im Elsaß, nämlich der „Motin", „Vic toi re" und Quoti- d i e n".
Der „Matin" schreibt: Eine einzige Wolke steht über dem Ergebnis, nätnl ch öie über Elsaß. Der schädliche Kommunist Huber ist zwar in Straßburg geschlagen worden, man wird aber 2 oder 3 Autonomisten als gewählt anfehen können. Tas ist der einzige dunkle Blick eines Tages, der so viel Ltchi- eiten für die aufweist, denen der Kampfgedanke der Einigung und des Daterlan des am Herzen liegt.
Omnium SngkmW nnAmstn
Den Blättern zufolge wurde gestern abend in Kairo dem ägyptischen Premierminister Nahas Pascha eine britische Note, die den Charakter eines Ultimatums hat, überreicht. „Daily Mail" zufolge wird darin gefordert' daß die ganze Vorlage über ösfent- liche Versammlungen, die bereits von der Kammer angenommen wurde, binnen 24 Stunden zurückge- zogen wird. Nahas Pascha sei entschlossen, nur zurückzutreten, wenn er dazu gezwungen werde.
Der diplomatische Korrespondent der „Daily Chronicle" spricht von der Möglichkeit, daß im Falle der Annahme der Gesetzesvorlage die ägyptischen Zölle mit Beschlag belegt werden würden. „Morning Post" spricht lediglich von einer sehr energischen Protestnote. Eine weitere Sonddrmeldung aus Kairo besagt, daß das ägyptische Kabinett gestern eine Sitzung abhielt, und daß der Premierminister im Anschluß daran ein« Audienz Beim König Fuad hatte. In politischen Kreisen war die Erwartung allgemein, daß die Erledigung der strittigen Gesetzesvorlage über die öffentlichen Versammlungen auf unbestimmte Zeit vertagt werden wird.
«tkgitoifft 018 StuckmiMl?
Bon Malta wird das Gerücht übermittelt, daß mehrere Kriegsschiffe Befehl erhalten hätten, nach Aegypten in See zu gehen, darunter die Linienschiffe „War- spite" und „Ballant" nebst einigen Kreuzern. Diese Schisse waren erst vor zwei Tagen nach Malta zurückgekehrt. Weiter wird berichtet, daß die noch vor Malta ankernden Kriegsschiffe Vorräte eianehrne«. In Londoner Marinekreisen wird die Richtigkeit dieser Gerüchte weder bestätigt noch bestritten.
Die Admiralität erklärt zu dem Gerücht über die Entsendung eines englischen Geschwaders nach Aegypten, hiervon sei ihr nichts bekannt. Sie fügt hinzu, daß der Befehlshaber der Mittelmeerflotte vollkommen berechtigt sei, in besonderen Fällen, rote z. B. bei dem Erdbeben in Korinth ?), von sich aus Schiffe zu entsenden.
Wuttil gegen zmi hohe Sowjetbeamle
Moskau, 29. April. Ter ehemalige Vorsitzende des Zentralexekutivkomitees der Krim, Weli Ibraimoff, und fein ehemaliger Stellvertreter Mustafa wurden vom Gericht in Simferopol zum Tode verurteilt unter Ausschluß der Vergünstigung der Amnestie. Dem Verfahren lag eine Anklage wegen Beziehungen zu Banditen. Mord und Unterschlagung zugrunde. Elf weitere Angeklagten wurden zu ver- schiedeneit Freiheitsstrafen verurteilt, drei wurden freigesprochen.
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Sie Lage in 6binn
.Times" meldet aus Schanghai vom 29. April: 3n Echantung haben die Kämpfe so gut wie auf gehört. Tschangkaifchet begab sich gestern zu einer Konferenz mit Feng- juhsiang nach ßanfeng. Die Dordteuppen sind jetzt bet Trinanfu und Tatanfu anscheinend derart verstärkt worden, daß die Aussichten der Nationalisten auf werteres Dorrücken sehr verringert sind. Die Rationalisten haben zweifellos im ersten Teil des Feldzuges schwer« Derluste erlitten.