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Freitag, ttn N. Avril 192$

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Anzeiger für (bas frühere kurhessischej Oberhessen

St. 99 63.3068t. Marburg kl. Lahn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg. 4»m<D

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Ein mmS ErmiillungSvrrkahren MeMaufrollung bis RordvroMS Srlllng?

Berlin, 26. Avril. Zu Beginn der Heu- tigen Verhandlung im Disziplinarverfahren gegen Kölling u. Hoffmann beantragte Verteidiger Professor Finger, den Bericht des Knadenbeauftragten zur Verlesung zu brm- $en. Gcneralstaatsanwalt Rohde bezeichnete diese Verlesung als unerheblich. Hoffmann »erde sich an den Gedanken gewöhnen müssen, $a& Schröder der Täter ist.. Ob der Gnaden- heaustragte der Meinung sei, dab vielleicht in irgend einem Punkte Haas doch mitschuldig sei, sei für dieses Verfahren völlig gleichgültig.

Angeschuldigter Hoffmann wendet sich gegen die Bemerkung des Eeneralsiaats- anwalts, er werde sich an den Gedanken ge- »öhnen müssen, daß Schröder der Täter ist. Nie ist mir, so erklärt Hoffmann, in den Sinn gekommen, daß Schröder nicht der Täter sei. Die Frage ist aber,

unter welchen Umständen sich der Mord zugetrageu hat.

Der Bericht des Gnadenbeauftragten wird »mH hier den Eindruck einer äußerst sorgfäl­tigen, im Bestreben größter Objektivität ab- gefa'Bten Arbeit darstellen. In dieser Darstel­lung bringt der Enadenbeauftragte eine Reibe bedeutsamer gravierender, überzeugender Erhebungen, die er dabin rusvitzt, dab die Fest­stellungen darüber, dab stch der Mord in diesem Hause zugetragen habe, eine ganze Sn zahl hoher Unwahrscheinlich- kri ken und einige vollkommene Un­möglichkeiten enthalte.

Rechtsanwalt Schaper hält es für unbedingt «otwendig, dab diese.Dinge im Interesse der Lngelchuldigten erörtert werden.

Das formulierte und zurechtgewnchte Ge­ständnis Schröder» vor den «riminal- beamten sei nicht richtig,

bei Mord könne sich nicht so abgespielt haben. Das ergebe sich schon aus einigen Tatsachen, die der Gnadenbeauftragte anführt.

Der Senat zieht sich darauf zur Beratung zurück. Rach eineinbolbstündiger Beratung verkündete Präsident Tigges folgende Ent­scheidung: Der Grobe Disziplinarsenat hat be- schlosien, die Angelegenheit

auf unbestjmmte Zeit zu vertagen und er­neut Ermittelungen anzuordnen.

Der Antrag der Verteidigung, so erklärt Prä­sent Tigges weiter, beschränkte sich darauf, bin Bericht des Enadenbeauftragten verlesen iu lasten. Mit der Verlesung dieses Berichtes vürde die Angelegenheit nicht wesentlich ge­ordert werden können. Der Antrag der Ver­teidigung berührt aber einen Punkt, der im Sein der ganzen Angelegenheit zur Erörterung steht. Den Angelchuldiaten sei vorgeworfen Pordcn, aus einem gewissen Eigensinn heraus Mt Mitwirkung der von Berlin entsandten Kommissare abgelehnt und aus Starr­sinn heraus jemanden, der un­schuldig sei lange Zeit in Unter­suchungshaft gehalten zu haben. Eigen diesen Vorwurf hätten sie sich immer, so euch heute, gewehrt. Die Grundlagen, ob und te welchem Umfange eine Anschuldigung in diesem Punkte möglich sein könne, seien bisher nicht genügend geklärt. Namentlich bezüglich des Strafmaßes könne man nur zu einem wirklich gerechten Urteil kommen, wenn in einem neuen Verfahren selbständig und Stündlich diese Singe erörtert worden find, die in der Voruntersuchung nicht zur Sprache tarnen. Noch ein zweiter Gesichtspunkt zwinge rur Ausdehnung des Verfahrens, es seien

schwere Beschuldignngen gegen Verwal­tungsbehörde«

«hoben worden, und die Beteiligten hätten stch zu diesem Punkt in der Voruntersuchung Noch nicht äußern können. Auch das müste Nachgeholt werden, wenn man zu einer ge­rechten Entscheidung kommen wolle. Deshalb sti es nötig gewesen, die Entscheidung weiter binauszuschteben und mit den weiteren Ermittelungen K ammergerichts- tat Keil zu beauftragen. Der Große Disziplinarsenat habe sich nicht dazu entschlie- Ben können, ein Amtieren Hoffmanns in Mag­deburg jetzt nach der Vertagung für möglich zu Salten namentlich auch mit Rücksicht darauf, Veil Kölling in Magdeburg Richter sei und Veil ein Zusammenarbeiten dieser beiden Herren nach dem, was in der Oeffentlichkeit bekannt geworden sei und was man bier ge­sehen habe, mit dem Ansehen, da» Richter zu Hrer gedeihlichen Amtsführung nötig haben.

nicht vereinbar sei. Deshalb habe der Große Senat beschlosten, die

Amtsenthebung Hoffmanns fortbeftehen zu lassen.

Der Präsident schloß darauf die Sitzung.

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Central Robke beim SeldMfibenten

Berlin, 26. April. Amtlich wird mit» geteilt: Reichspräsident v. Hindenbura empfing heute den Führer des italienisch G Polarluftschiffes, General Mobile. 2m Laufe der Unterhaltung sprach General Ao» Eile dem Herrn Reichspräsidenten seinen Dank für die Unterstützung und den Empfang aus, den er und sein Lust- Lfchiff in Deutschland gefunden habe. Der

Reichspräsident beglückwünschte General Ao» brle zu seinem bisherigen großen Erfolg und gab in herzlichen Worten der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck, daß auch fern Aord- po lflug von Gelingen und Erfolg gekrönt fern werde. Dem Empfang wohnte der königliche italienische Botschafter Conte Aldrvvandi Warescottr, sowie Staatssekretär Dr. Meißner bei

General Aobile ist mit seinen Begleitern heute nachmittag 2,35 Uhr vom Stettiner Bahnhof wieder nach Stolp abgeretst. 3m Gegensatz zu vielfach verbreiteten Aach- richten, daß General Aobtle schon Ende dieser Woche nach Spitzbergen von Strip abfltegen werde, ist festzustellen, dah der Abflug nicht vor der ersten Maiwoche stattfinden wird, ans dem einfachen Grunde, weil das Luftschiff .Stella" nicht abfliegt bis das Schiff Sitte di Milano" in der Kingsbah einge­troffen ist.

Die Szeanflleger aus dem Wege nach Newnvrk

Sie nehmen heute an bee SeetMgnna Nennet« in «eltngten teil

31 ew not!, 26. April. DieBremen"- Flieger" haben gestern mit dem Ford, Flugzeug Ereeuly-Isl^nd »er, lassen. K

Wie au« Elarke Citq gemeldet wird, ist dort das Fordflug zeug aufdem Wege nach Rewyork gesichtet worden. Hünefeld hat Frl. Funkers ge­drahtet, dah das Flugzeug i u d e r M u r, ray-Lay zwischenlande« will. Die Landungsplätze von Murray-Bay und Lake St. Agnes sind durch Schneepflüge heute in Ordnung gebracht worden. Das Flugzeug dürfte nachts auf dem Zwischeu- lauduugsplatz verbleibe«, um erst heute früh nach Rewyork weiterzufliegeu. Die Eisverhältnisie im amerikanischen Norden haben sich so verschlechtert, dah der Abflug des Fordflugzeuges unbedingt notwendig war. Auch die »Bremen" soll auf de« schnellsten Wege per Schiff von Ereenly Island weggebracht werden. Es steht nun» mehr fest, datz mit dem dreimotorigen Fordflugzeug «ebenden drei Ozeanfliegern auch Cuisinier und der Zettungs- korrespondent Murphy mitfliege«. Es ist aber noch fraglich, ob die Ozeanflieger mit dem Ford-Flugzeug nach Rewyork kommen werden, oder mit der ihnen e«t- gegeulommendeu Iuukersmafchine 13 des Pilote« Melchior.

DieBremerr"-Flieger in Seven Island.

ft Quebec, 27. April. DieBre- men"-Flieger, die gestern früh in einem Ford-Flugzeug Ereenley Island verlassen haben, sind nachmittags 3.52 Uhr ameri­kanischer Zeit in Seven Island gelandet. Sie werden heute früh nach Wafhing- ton fliegen, um der Beisetzung Bennetts beizuwohnen. An der Trauerfeierlichkeit wird auch der deutsche Botschafter von Prittwitz-Eaffron teil­nehmen.

Kurz« Zwischenlandung derBremen". Flieger.

fk. Hartford (Connecticut),27.April. Auf dem hiesigen Flugplatz Brainardfield traf aus Seven Island die Nachricht ein, datz das Ford-Flugzeug mit denBre- men"-Fliegern heute hier für einige Mi­nuten landen werde, um Benzin cinzuneh- men. und dann nach Washington weiter fliegen werde.

fk. Rewyork, 27. Sprit Das Ford- Flugzeug mit derBremen"-Mannschaft'

[ an Bord wird wahrscheinlich auf dem , Fluge von Lake Saint Agnes nach Washington in der Umgebung von New- york eine kurze Zwischenlandung vorneh­men, um Brennstoff einzunehmen, und dann sofort nach Washington weiter zu fliegen. Der Landungsort wird streng ge­heim gehalten, weil die Flieger vor der Beisetzung Bennetts unnötigen Feiern aus dem Wege gehen wollen. Di« Zeitun, gen loben den Entschluß der Ozeanflieger, zunächst an der Beisetzung ihres Kame­raden teilnehmen zu wällen. In Washing­ton werden inzwischen die letzten Vorbe­reitungen M der Trauerfeier für Bennett getroffen. Die Leiche Bennetts wird in wahrhaft fürstlicher Weise beigesetzt wer­den. Die Beisetzung auf dem National­friedhof in Arlington wird gegen 5 Uhr stattfinden. Die Ozeanflieger beabfichtt- gen, die Flaggen am Grabe Bennetts nie­derzulegen, die sie auf dem Ltzeanflug mit sich führten.

Der Rückflug der Ozeanflieger.

Fitz Maurice schreibt in derNewyork Times", die Ozeanflieger beabsichtigten innerhalb der nächsten 10 Tage nach Is­land und dann nach Deutschland weiter zu fliegen. (?)

Flieger-Ehrungen i« Amerika.

ff. Washington, 27. April. Dem Senat ist eine Vorlage unterbreitet wor­den. durch die Präsident Coolidge ermäch­tigt werden soll, die höchste amerikanische Auszeichnung für Flieger, dasDisttngui- shed Flying Groß" denBremen", Fliegern sowie den Fliegern C o st e s, Lebrix und de Pinedo zu verleihen.

Der französische Transozeanflug.

Paris. 26. April. Die beiden fron* zösifchen Marineflieger Guilbaud und de Cuverville find mft dem zu dem Transozeanflug bestimmten Wasserflugzeug .Latham" heute früh in Le Bvurget zu einem letzten Prvbeflug vor dem Ozeanstart aufgestiegen. An Bord des ziveimotorigeir Flugzeuge?, das auf seinem tteberseefluge mit 8 200 Ki o belast:! sein tetrfc. befindet sich außer den beiden Piloten, den beiden Mechanikern und einem Funker Ad­miral Frochet, der Leiter der Marineluft- schiffahrt. DaS Flugzeug soll einen 18 stündi­gen Flug in Richtung ParisMarse.lle und zurück zurücklegen.

Absturz eines Riesenflugzeuges.

Paris. 26. April. Wie aus Samt Aa» Saite gemeldet wird, stürzte das fünfmotorige Diesenwasserflugzeug »Richard Penhoe 1" beim Ueberfüegen der Reede von Aazaire auS unbekannten Gründen ins Meer. Don den nr*t Insassen tonnten drei gerettet werden. Der T^ert des untergegangenen Flugzeuges Wird. auf annähernd 8 Millionen Franken geschätzt.

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England in» Snmkkei H

Außenpolitische Erklärungen Chamberlains.

fk. London, 27. April. In einer Rroe auf dem Iahresefsen der englisch-fran» zösifchen Gesellschaft in Birmingham sagte Ehamberlain. die Freundschaft zwi­schen Frankreich tmd England bilde die Grundlage, aus der bessere Beziehungen zwischen oen europäischen Stationen und insbesondere bessere Beziehungen der bei­den genannten Staaten zu Deutschland in den letzten 4 Jahren begründet wurden. In den letzten Tagen hat die amerikanische Republik einen neuen Vorschlag zu dem selben Zweck der Erhaltung des Friedens, zuerst an Frankreich und jetzt an uns selbst und an die anderen Großmächte gerichtet.

Ich bi« der festen Ueberzeuguug. daß die Freundschaft zwischen Frankreich «nd Großbritannien ein wesentlicher

Faktor für den Weltftiriten ist. \ Richt allein die Interessen der Leiden Rationen machen eine engere Freundschaft und ein herzlicheres Einvernehmen zur Pflicht, dies war sogar die einzige Be­dingung, unter der die Feindschaft, die in jüngster Zeit Eropa zersplitterte, im Der- lauf der Zeit beseitigt werden konnte und unter der ein neues Europa errichtet wer­den kann, mit der Sicherheit gegen eine Wiederholung dessen, was es durchgemacht hat. AichtS hat mich bei den Llnterhal- tungen in Locarno, so fühtte Chamberlain weiter aus, mehr erfreut, als die Gelegen­heit, wo ich einem von Deutschlands her­vorragenden Vertretern gegenüber der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß im Laufe der Zett die dott unternommenen Schritte zu einer wirklichen Freundschaft zwischen den Mächten, die erst kürzlich in Waffen einander gegenüber gestanden hätten, führen möchten. Ilm jedoch kein Mißverständnis aufkommen zu lassen, fügte ich damals hinzu: »Euere Exzellenz wird nicht an­nehmen, daß ich eine alte Freundschaft zu opfern gedenke, um eine neue Freundschaft zu gewinnen." Der deutscheVertreter er­widerte mir, niemand werde ihn solcher Gedanken verdächttgen und fügte hinzu, die Deutschen würden dies auch gar nicht wünschen, »denn wir sehen in Eurer Freundschaft die Sicherhett für unser eige­nes Boll".

Der ftanzösische Botschafter der an dem Essen teilnahm, erklätte in einer Rede, dah die vom brittschen Staatssekretär des Aeuheren zum Ausdruck gebrachten Ge­fühle von seinen Landsleuten herzlich er­widert werden würden.

Di« Tanger-BevhmMnnge«.

fk. Paris, 27. April. Gestern nach­mittag haben die französischen, englischen, spanischen und italienischen Sachverstände- aen die Prüfung der Forderungen der ita« uenischen Regierung hinsichtlich der Der» änderunaen des Tanger-Statuts ausgenom­men.Malin" schreibt, man könne er­klären, daß es zwar richtig sei, datz die italienischen Forderungen geographisch nicht aus dem Rahmen von Tanger herusrreten, daß sie jedoch indirekt gewftse Fragen auf- wersen, die von Paris und Madrid als durch die früheren Verträge endgülttg ge­löst angesehen werden.

BriandS erfetattintg.

fk. Paris, 27. April, lieber den Ge-, fundheitSzustand Briands weis die kommu­nistischeH u m a n i t S" zu berichten, datz er weiterhin sehr beängstigend fei. Briand leide unter Blutandrang in die Lungen, der noch durch eine Harnvergif­tung verschlimmert werde.

«Sfchiedsrsse« für de« afghanischen König.

Reichs au ßenminister Dr. Stresemann gab1 gestern abend ein Abschiedsessen für da- afghanische Königs paar, an dem außer dem KönigSpaar der stellvertretende afghanische Außenminister, der afghanische Gesandte in Berlin sowie das Gefolge des Königs, fer­ner von deutscher Seite der ftellvertretrtnde' Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor Köpve, der Ches de« Protokolls, Gesandter von Koester, einig« Herren des Auswärtigen Amtes untz 8er- tretet- der-rtfchast teilnahmen. -j