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Itg LI. AM 1928

Hl JBtetfcflltoe Seitmtg* et» «ectet sechsmal wöchentlich. Ve- pgffttie monatlich 2 GM. au* Aeßl. ZustellnngSgebübr. durch H^?e(t255 SM.Aür etwa infolge ettttte. Maschinen defekt» oder ^wertetet Ereignisse ausfallende ffKimeta wird kein Ersatz go» yftet Verlag v. Dr. §. Hitzeroth, «pnttf der Unid.-Duchdruckerei d» g* Äug- Koch. Markt 21/23. g^nsprecher: Rr. 54. n. Kr. 55. «.stscheckkonto: Amt Frankfurt ff. <Rt. 5615. Sprechzeit w gstdaktion von 1011 «nd »1,11 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Ar. 94 63. Mrs. Marburg o.£ahn

Da Anzeigenpreis beträgt für Yen 10 gespult. Zeilenmillimeter 0.08 DM. kleine Daran,eigen 0.06 DM- amtlich« eit» aus­wärtig« Anzeigen 0.10 DM. VS schwierigem Sa» sowi« bei Pietz, tzorichrift 60*1. Aufschlag. Sammeian^ge» 100 X Huf- schlag. Reklamen der Millim 0,40 DM- 3tf>« Rabatt gilt aU Darradatt. Zw» 6 lagt. Belege Werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Deschäftallelle and Zusendung der Angebote. Er füllungeorr Marburg.

Goidmark '/«^Dollar

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen ffir Stadt nnd Kreis Marburg.

E!m ftamSMe Role rum Scrtolag Moggs

SlelckzMg in Setlin und London übemichlIrankreM Kami für keine MiUlürbündnlsse

Aach setTime s" enthält die gestern zberreichte französische Note nicht einen Vertragsentwurf, sondern führt gut eine Reihe von Gesichtspunkten an, die nach französischer Ansicht berücksichtigt »erden muffen, und wiederholt die Aus- Wrungen, die Briand in den Verhand­lungen mit Kellogg zur Begründung des ftanzösifchen Standpunktes gemacht hat.

Zur Ueberreichung des französischen Entwurfs eines Kriegsächtungspaktes be­merkt dieTägliche Rundschau": Die französische Rote wird zunächst im auswärtigen Amt geprüft werden, «ie es auch mit der Note des Staats­sekretärs Kellogg geschehen ist. Eine Veröffentlichung der Note ist von den Berliner amtlichen Stellen nicht vorgesehen, da es Sache der fran­zösischen Regierung ist, den Wortlaut der rste zur öffentlichen Kenntnis zu geben.

Ueberreichung der französischen Note auch in England.

st. London, 21. April. Der ftanzö- ische Botschafter hat gestern dem Foreign Lffice die französische Note über den Ab­schluß eines Kriegsverzichtspaktes Über­sicht.

*

: Zum franzö'iichen Entwurf eines Anti- ^negspaktes, der gestern in Berlin Über­sicht worden ist, schreibt derTemps", grabe weil Frankreich den aufrichtigen Sunsch habe und fest entschlossen sei, der koche des Friedens zu dienen, wolle es Lichts dem Zufall überlasten. Der mehr- titige Antikriegspakt müste ein Werk Uten Glaubens und der Klarheit sein. Sie Haltung der französischen Regierung t dieser ernsten Frage sei vollkommen on der Sorge geleitet, in keiner Weise ie Initiative der Bereinigten Staaten iu behindern, die von dem ersten Gedan- kn Briands ausgehe, weil diese Initia- kve in jeder Hinsicht einen großen mora- Üchen Fortschritt bedeute dadurch, daß ie die Bereinigten Staaten an den Be­mühungen zur Organisierung des Frie­rens beteilige.

Die Haltung der ftanzösifchen Regie­rung sei ferner geleitet von dem Wil- i len, in voller Loyalität gegenüber - dem Völkerbund zu bleiben, der 1 bet Angelounkt der oefamer. Frie­denspolitik bleibe.

Inter Derückstchtiaung dieses doppelten lesichtspunktes könne man sich über die latur und die Bedeutung des französi- fchen Entwurfes nicht täuschen.

Nach dem dem Quai d'Orsay nahe- IrhendenV e t i t Parisien" hat man Ü der Ueberreichung des französischen kgenvorschlags zum Kriegsverzichts- kktvorfchlag der Bereinigten Staaten ton dem ünsprünglich geplanten erklä- enden Begleitschreiben abgesehen, da da­durch die Gegensätze zwischen der Auffas- tog der Bereinigten Staaten und der rankreichs zu stark zum Ausdruck Qme. Der Neugorker Mitarbeiter des ilattes glaubt zu wissen, daß Kellogg «m französischen Vorbehalte in den Fra- Kn erberechtigten Verteidigung und der Weiterung des Paktes auf eine große nzahlt von Staaten ohne besondere Schwierigkeiten zustimmen werde.

i Der Hauptwiderstand werde sich - gegen den Vorbehalt Frankreichs s richten, wonach der Pakt die Der» .

pfllchtungen ftüherer Verträge nicht berühren soll.

Es wird bemerkt, daß diese Klausel sich auf die französischen Militär­bündnisse beziehe und demzufolge den Pakt hinfällig machen würde.

DerExeelsior" verlangt, daß die Verhandlungen zwischen den Hauptstädten der Großmächte über den Abschluß eines Kriegsverzichtspaktes Gewißheit darüber bringen mühten, wie die Vereinigten Staaten ihren Vorschlag, auf den Krieg ohne Ausnahme zu verzichten, mit den von ihnen in den verschiedenen Schieds-

aerichtsverträgen enhaltenen Vorbehalts­klauseln vereinbaren wollen;' ferner müsse sich bei diesen Verhandlungen Her­ausstellen, welche Aufnahme der ameri­kanische Senat dieser internationalen Verpflichtung bereiten werde, die auf sein Recht, Über Krieg und Frieden zu ent­scheiden, keine Rücksicht nimmt. Das Blatt schließt, es fei eine außerordentliche Enttäuschung, wenn ein Vielfeitigkeits- vertrag zustande käme und dieser nach den Präsidentschaftswahlen in den Ver­einigten Staaten vom amerikanischen Senat abgelehnt würde.

Plaut Ml schon den Müslus?

Sie ersten Berichterstatter und Motograrchen la SrsenlyWand

Aewhork, 20. April. (WTB.) Aach weiteren Depeschen derEanadian Preß ans Lake St. Agnes erfldrte Köhl dem Korrespondenten derEanadian Preß", James Stanton:Sobald unser Flugzeug ausaebesfert ist. flie­gen wir nach Aewyorl, wie zuerst beabsichtigt war. Unterwegs besuchen wir höchstwahrscheinlich Murray Bay und Montreal.

Deutschen haben den l^ftünbigen Besuch Ray Funstroms dazu benutzt, zahlreiche

Danach hosten wir den Flug von New­port nach unserem Heimatland aus­führen zu können".

Stanton. ein Berichterstatter desQuebec Chronicle and Telegraph", der derEa- nadian Preß" zur Verfügung gestellt wurde und Ray Fernstorn, ein Photograph der Paramount RewS" andAssociated Preß", landeten in einem Flugzeug der Eanadian Airways, gefteuert von dem Pi­loten Romeo Bachon auf dem Eise nahe bei Greenly Island. Köhl und Hünefeld, sehr erfreut, sie zu sehen, kamen chnen bis ans Ufer entgegen, um sie zu begrüßen und liehen sich von Fernstorn photv- graphieren. Diese Bilder wurden heute in aller @ile durch ein Flugzeug nach Aew- york befördett. Köhl und Hünefeld unter­hielten sich eingehend mit Stanton. Köhl hat bei der Landung derBremen" eine leichte Schnittwunde an der Sttrn davon- gettagen, die jedoch unbedeutend ist. Hüne- feld und Fitzmaurice kamen völlig unver­sehrt davon.

Der Besuch Funstrom, aus Sreenlep Island.

ft. Rewyork, 21. April.Associates Preß" veröffentlicht die Unterredung, di« Ray Funstrom, der Photograph der ..Paramount News" und desAstociates Preß", mit den deutschen Fliegern auf Ereenley gehabt hat. Die deutschen Flie­ger, so erklärte Funstrom, empfanden in ihrem Inselgefänanis keineswegs Lange­weile. da sie von dem Gedanken des Wei­terfluges mit derBremen" beseelt find. Keiner der beiden Flieger schien über irgend etwas klagen zu wollen. Auf alle Fragen bezüglich ihres persönlichen Wohl­befindens äußerten sie sich sehr zufrieden. Hünefeld sprach sich sehr entschieden dafür aus, daß die deutschen Flieger Ereenley Island nut mit derBremen" verlassen Die beiden deutschen Flieger haben mit Flaggen auf dem Eise die Landungsstelle gekennzeichnet. Funstrom äußerte sich wenig zuversichtlich über die Möglichkeit, dieBremen" von Ereenley Island aus zu starten. Die Insel falle steil zum Eise ab und es miisie große Schwierigkeiten be­reiten, das Flugzeug den Abhang hin­unter zu bringen. Euisinier lege eine Bretterrampe an, wobei ihn die Einheimischen unterstützen. Die beiden

Nachrichten nach Newyork zu senden.

Einladung der kanadischen Regierung an bttBre«en"-Flieger.

sis. üm.K, 21. April. Die kanadi­sche Regierung hat Fitz Maurice, Köhl und v. Hünefeld mitgeteilt, daß sie als Gäste der kanadischen Reaieru" werden: die Regierung hat außerdem jede mögliche Hilfe angeboten.

v. Hünefelds Fahrtfchilderung.

Die Morgenblätter bringen die ersten Bllder derBremen" auf Greenly Island. Man kann darauf deuttich die verbogene Propellerfpitze erkennen sowie die primi­tiven Dretterunterlagen und Stützstangen, 6* verhindern sollen, daß dieBremen" erneut die dünne Eisdecke der Landungs­stelle durchbricht. Die Fahrtfchilderungen v. Hünefelds werden fortgesetzt. Hünefeld hebt unter anderem hervor, daß eS Fitz- maurices Deschicklichkett zu verdanken ist, wenn es gelang, das Leck in der Oelzulei- tung auszubessern. Dies war besonders wichttg, da ein Andauern des Oelverlustes unfehlbar daS Derderben bedeutet Hütte. Kaum war diese Gefahr überwunden, als der Sturm eine solche Heftigkeit gewann, daß dieBremen" zeitweise nahezu auf­recht in der Lust stand.

Dalchen und Bennett sind nach Greenly Island aufgestiegen. Sie sind zunächst nach Murray Bay gestartet und Soffen in 12 bis 14 Stunden dorthin zu gelangen. Das Flugzeug, ein Ganzmetall­apparat mit einem Aktionsradius von 2000 Meilen, führt Werkzeuge und etwa 1 800 Liter Gasolin mit. Der Irit- puntt des Weiterfluges von Murray Bah nach Greenly Island, wohin Ersahtelle mitgenommen werden sollen, hängt von der Wetterlage ab, welche heute günftig ist. Fitzmaurice und ein Mechaniker wer­den ebenfalls nach Greenly Island fliegen. In Murray Bah erhütt das Flugzeug Kufen, die die Landung auf dem Eise von Greenly Island ermöglichen sollen.

Lustdroschken für Buenos Aires.

ff. Buenos Aires, 21. April. Hier wird demnächst ein Lustdrofchkendienst eingeführt werden, bei dem jeder Pasia- gier für die % Meile 60 Cents zu be. zahlen hat. Die Maschinen werden aus Italien bezogen.

«bstnitz eines italienischen MÄrtärstng- zeugcs.

ft. Rom, 21. April. Unweit Pola stürzte das Militär-Wasserflugzeug F. 59 ab. Drei Insassen tarnen ums Leben.

8Wen in Frankreich

Am Sonntag, dem 22. April, und an dem darauffolgenden Sonntag, dem 29. April, wird die neue Kammer gewählt werden. Im Gegensatz zu den letzten Wahlen vom Jahre 1924 ist eine eigentliche Entschei­dung über den polstischen Kurs in Frank­reich kaum zu erwarten, vielmehr kann es sich nur darum handeln, ob die zukünftige Zusammensetzung der Kammer gegenüber der heutigen mehr nach links oder mehr nach rechts neigt. Auf alle Fälle wird man mit einer Rückkehr des gegenwärtigen Ministerpräsidenten Poincare rechnen müs­sen. Die Sorge um das Schicksal des Franc beherrschte die alte Kammer in stärkstem Maße. Als sie im Jahre 1924 ihre Tätigkeit begann, wurde das englische Pfund mit 86 bewertet. Im Sommer 1926, als Herriot für zwei Tage die Minister- Präsidentschaft antrat, stieg das Pfund auf 248 Francs. Heute wird es mit 124 Francs bewertet. Die Stabilisierung ist aber bis heute an dem Widerstand Poin- caräs gescheitert, und Poincarö hat es ver. standen, dieses noch zu leistende Werk ganz auf feine Person abzustellen.

Das französische Parteiwesen weicht von dem deutschen und dem eng­lischen in sehr wesentlichen Punkten ab. Frankreich kennt keine großen, straff or- ganifierien Parteien. Eine Ausnahme machen nur die Gruppierungen der äußer­sten Rechten und der äußersten Linken, d. h. y* her Actton francaife (Rohr­listen) und die Sozialisten und Kommu­nisten. Den Gruppen in den beiden fran­zösischen Parlamenten, dem Senat und der Kammer, entsprechen daher auch keine or­ganisierten Patteigebilde im Lande, wie­derum mit den genannten Ausnahmen. Die Abgeordneten der einzelnen Parteien ge­hören den verschiedensten Gruppen in der Kammer an und umgekehrt. Eine Pattei­disziplin, etwa nach deutschem oder eng­lischem Muster, gibt es nicht.

Die im Jahre 1924 gewählte Kammer zählte zehn Gruppen:

1. Republikanisch - Demokratische Union (98 Abgeordnete, Pensrvnsminister Marin, Abg. Taittinger),

2. Demokaten (14 Abg., Balanrd),

3. Depublikanisch-Demokattsche Linke (32 Abg., Maginot, Reibet, Dokanowski),

4. Unabhängige Linke (1 Abg., Le Trocquer),

5. Republikanische Linke (32 Abg., Ma- rineminifter Lehgues, Dariac),

6. Radikale Linke (38 Abg., Loncheur, Ehappedelaine, Daniel-Dincent),

7. Radikale und Radikale Sozialisten (136 Abg. Da lädier, Herriot, Ackerbau- Minister Queuille, Georges Bonnet), 8. Republikanische Sozialisten (40 Abg., Briand, Painlevä, Admiral IaureS), 9. Sozialisten (95 Abg., Leon Blum, Bincent Auttol, Duisson, Aenaudel, Panl-Doncour),

10. Kommunisten (27 Abg., Eachin, Dvriot).

Innerhalb der Kammer waren feit Kriegsende wiederum drei große Gruppierunge n zu unterscheiden, die nacheinander die Regierungsgewalt inn» hatten. Die erste, der Rationale Block gelangte unter Poincare 1919 zur Herrschaft. Sie umfaßte alle republi­kanisch-bürgerlichen Paneien und war als eine ausgesprochene Kampszusammensas- sung gegen den Sozialismus gedacht. Auch die republikanischen Sozialisten, die durch­aus feine Sozialisten sind, gehörten ihr an. Je mehr sich jedoch der Rationale Block nach rechts entwickelte, umso mehr lockerte sich sein linker Flügel, bis Dann im Wahlkampf von 1924 auch die Radikalen und Republikanischen Sozialisten abfielen. Diese fochten gemeinsam mit Den Sozia­listen die Wahl von 1924 durch und halfen sich vielfach gegenseitig durch gemeinsame Wahllisten. Das Ergebnis war dis so­genannte Linkskartell mit einer Kammermehrheit von über 100 Stimmen,