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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen ffir Stadt nnd Kreis Marburg.
E!m ftamSMe Role rum Scrtolag Moggs
SlelckzMg in Setlin und London übemichl—IrankreM Kami für keine MiUlürbündnlsse
Aach set „Time s" enthält die gestern zberreichte französische Note nicht einen Vertragsentwurf, sondern führt gut eine Reihe von Gesichtspunkten an, die nach französischer Ansicht berücksichtigt »erden muffen, und wiederholt die Aus- Wrungen, die Briand in den Verhandlungen mit Kellogg zur Begründung des ftanzösifchen Standpunktes gemacht hat.
Zur Ueberreichung des französischen Entwurfs eines Kriegsächtungspaktes bemerkt die „Tägliche Rundschau": Die französische Rote wird zunächst im auswärtigen Amt geprüft werden, «ie es auch mit der Note des Staatssekretärs Kellogg geschehen ist. Eine Veröffentlichung der Note ist von den Berliner amtlichen Stellen nicht vorgesehen, da es Sache der französischen Regierung ist, den Wortlaut der rste zur öffentlichen Kenntnis zu geben.
Ueberreichung der französischen Note auch in England.
st. London, 21. April. Der ftanzö- ische Botschafter hat gestern dem Foreign Lffice die französische Note über den Abschluß eines Kriegsverzichtspaktes Übersicht.
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: Zum franzö'iichen Entwurf eines Anti- ^negspaktes, der gestern in Berlin Übersicht worden ist, schreibt der „Temps", grabe weil Frankreich den aufrichtigen Sunsch habe und fest entschlossen sei, der koche des Friedens zu dienen, wolle es Lichts dem Zufall überlasten. Der mehr- titige Antikriegspakt müste ein Werk Uten Glaubens und der Klarheit sein. Sie Haltung der französischen Regierung t dieser ernsten Frage sei vollkommen on der Sorge geleitet, in keiner Weise ie Initiative der Bereinigten Staaten iu behindern, die von dem ersten Gedan- kn Briands ausgehe, weil diese Initia- kve in jeder Hinsicht einen großen mora- Üchen Fortschritt bedeute dadurch, daß ie die Bereinigten Staaten an den Bemühungen zur Organisierung des Frierens beteilige.
Die Haltung der ftanzösifchen Regierung sei ferner geleitet von dem Wil- i len, in voller Loyalität gegenüber - dem Völkerbund zu bleiben, der 1 bet Angelounkt der oefamer. Friedenspolitik bleibe.
Inter Derückstchtiaung dieses doppelten lesichtspunktes könne man sich über die latur und die Bedeutung des französi- fchen Entwurfes nicht täuschen.
Nach dem dem Quai d'Orsay nahe- Irhenden „V e t i t Parisien" hat man Ü der Ueberreichung des französischen kgenvorschlags zum Kriegsverzichts- kktvorfchlag der Bereinigten Staaten ton dem ünsprünglich geplanten erklä- enden Begleitschreiben abgesehen, da dadurch die Gegensätze zwischen der Auffas- tog der Bereinigten Staaten und der rankreichs zu stark zum Ausdruck Qme. Der Neugorker Mitarbeiter des ilattes glaubt zu wissen, daß Kellogg «m französischen Vorbehalte in den Fra- Kn er „berechtigten Verteidigung und der Weiterung des Paktes auf eine große nzahlt von Staaten“ ohne besondere Schwierigkeiten zustimmen werde.
i Der Hauptwiderstand werde sich - gegen den Vorbehalt Frankreichs s richten, wonach der Pakt die Der» .
pfllchtungen ftüherer Verträge nicht berühren soll.
Es wird bemerkt, daß diese Klausel sich auf die französischen Militärbündnisse beziehe und demzufolge den Pakt hinfällig machen würde.
Der „Exeelsior" verlangt, daß die Verhandlungen zwischen den Hauptstädten der Großmächte über den Abschluß eines Kriegsverzichtspaktes Gewißheit darüber bringen mühten, wie die Vereinigten Staaten ihren Vorschlag, auf den Krieg ohne Ausnahme zu verzichten, mit den von ihnen in den verschiedenen Schieds-
aerichtsverträgen enhaltenen Vorbehaltsklauseln vereinbaren wollen;' ferner müsse sich bei diesen Verhandlungen Herausstellen, welche Aufnahme der amerikanische Senat dieser internationalen Verpflichtung bereiten werde, die auf sein Recht, Über Krieg und Frieden zu entscheiden, keine Rücksicht nimmt. Das Blatt schließt, es fei eine außerordentliche Enttäuschung, wenn ein Vielfeitigkeits- vertrag zustande käme und dieser nach den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten vom amerikanischen Senat abgelehnt würde.
Plaut Ml schon den Müslus?
Sie ersten Berichterstatter und Motograrchen la SrsenlyWand
Aewhork, 20. April. (WTB.) Aach weiteren Depeschen der „Eanadian Preß“ ans Lake St. Agnes erfldrte Köhl dem Korrespondenten der „Eanadian Preß", James Stanton: „Sobald unser Flugzeug ausaebesfert ist. fliegen wir nach Aewyorl, wie zuerst beabsichtigt war. Unterwegs besuchen wir höchstwahrscheinlich Murray Bay und Montreal.
Deutschen haben den l^ftünbigen Besuch Ray Funstroms dazu benutzt, zahlreiche
Danach hosten wir den Flug von Newport nach unserem Heimatland ausführen zu können".
Stanton. ein Berichterstatter des „Quebec Chronicle and Telegraph", der der „Ea- nadian Preß" zur Verfügung gestellt wurde und Ray Fernstorn, ein Photograph der „Paramount RewS" and „Associated Preß", landeten in einem Flugzeug der Eanadian Airways, gefteuert von dem Piloten Romeo Bachon auf dem Eise nahe bei Greenly Island. Köhl und Hünefeld, sehr erfreut, sie zu sehen, kamen chnen bis ans Ufer entgegen, um sie zu begrüßen und liehen sich von Fernstorn photv- graphieren. Diese Bilder wurden heute in aller @ile durch ein Flugzeug nach Aew- york befördett. Köhl und Hünefeld unterhielten sich eingehend mit Stanton. Köhl hat bei der Landung der „Bremen" eine leichte Schnittwunde an der Sttrn davon- gettagen, die jedoch unbedeutend ist. Hüne- feld und Fitzmaurice kamen völlig unversehrt davon.
Der Besuch Funstrom, aus Sreenlep Island.
ft. Rewyork, 21. April. „Associates Preß" veröffentlicht die Unterredung, di« Ray Funstrom, der Photograph der ..Paramount News" und des „Astociates Preß", mit den deutschen Fliegern auf Ereenley gehabt hat. Die deutschen Flieger, so erklärte Funstrom, empfanden in ihrem Inselgefänanis keineswegs Langeweile. da sie von dem Gedanken des Weiterfluges mit der „Bremen" beseelt find. Keiner der beiden Flieger schien über irgend etwas klagen zu wollen. Auf alle Fragen bezüglich ihres persönlichen Wohlbefindens äußerten sie sich sehr zufrieden. Hünefeld sprach sich sehr entschieden dafür aus, daß die deutschen Flieger Ereenley Island nut mit der „Bremen" verlassen Die beiden deutschen Flieger haben mit Flaggen auf dem Eise die Landungsstelle gekennzeichnet. Funstrom äußerte sich wenig zuversichtlich über die Möglichkeit, die „Bremen" von Ereenley Island aus zu starten. Die Insel falle steil zum Eise ab und es miisie große Schwierigkeiten bereiten, das Flugzeug den Abhang hinunter zu bringen. Euisinier lege eine Bretterrampe an, wobei ihn die Einheimischen unterstützen. Die beiden
Nachrichten nach Newyork zu senden.
Einladung der kanadischen Regierung an btt „Bre«en"-Flieger.
sis. üm.K, 21. April. Die kanadische Regierung hat Fitz Maurice, Köhl und v. Hünefeld mitgeteilt, daß sie als Gäste der kanadischen Reaieru" werden: die Regierung hat außerdem jede mögliche Hilfe angeboten.
v. Hünefelds Fahrtfchilderung.
Die Morgenblätter bringen die ersten Bllder der „Bremen" auf Greenly Island. Man kann darauf deuttich die verbogene Propellerfpitze erkennen sowie die primitiven Dretterunterlagen und Stützstangen, 6* verhindern sollen, daß die „Bremen" erneut die dünne Eisdecke der Landungsstelle durchbricht. Die Fahrtfchilderungen v. Hünefelds werden fortgesetzt. Hünefeld hebt unter anderem hervor, daß eS Fitz- maurices Deschicklichkett zu verdanken ist, wenn es gelang, das Leck in der Oelzulei- tung auszubessern. Dies war besonders wichttg, da ein Andauern des Oelverlustes unfehlbar daS Derderben bedeutet Hütte. Kaum war diese Gefahr überwunden, als der Sturm eine solche Heftigkeit gewann, daß die „Bremen" zeitweise nahezu aufrecht in der Lust stand.
Dalchen und Bennett sind nach Greenly Island aufgestiegen. Sie sind zunächst nach Murray Bay gestartet und Soffen in 12 bis 14 Stunden dorthin zu gelangen. Das Flugzeug, ein Ganzmetallapparat mit einem Aktionsradius von 2000 Meilen, führt Werkzeuge und etwa 1 800 Liter Gasolin mit. Der Irit- puntt des Weiterfluges von Murray Bah nach Greenly Island, wohin Ersahtelle mitgenommen werden sollen, hängt von der Wetterlage ab, welche heute günftig ist. Fitzmaurice und ein Mechaniker werden ebenfalls nach Greenly Island fliegen. In Murray Bah erhütt das Flugzeug Kufen, die die Landung auf dem Eise von Greenly Island ermöglichen sollen.
Lustdroschken für Buenos Aires.
ff. Buenos Aires, 21. April. Hier wird demnächst ein Lustdrofchkendienst eingeführt werden, bei dem jeder Pasia- gier für die % Meile 60 Cents zu be. zahlen hat. Die Maschinen werden aus Italien bezogen.
«bstnitz eines italienischen MÄrtärstng- zeugcs.
ft. Rom, 21. April. Unweit Pola stürzte das Militär-Wasserflugzeug F. 59 ab. Drei Insassen tarnen ums Leben.
8Wen in Frankreich
Am Sonntag, dem 22. April, und an dem darauffolgenden Sonntag, dem 29. April, wird die neue Kammer gewählt werden. Im Gegensatz zu den letzten Wahlen vom Jahre 1924 ist eine eigentliche Entscheidung über den polstischen Kurs in Frankreich kaum zu erwarten, vielmehr kann es sich nur darum handeln, ob die zukünftige Zusammensetzung der Kammer gegenüber der heutigen mehr nach links oder mehr nach rechts neigt. Auf alle Fälle wird man mit einer Rückkehr des gegenwärtigen Ministerpräsidenten Poincare rechnen müssen. Die Sorge um das Schicksal des Franc beherrschte die alte Kammer in stärkstem Maße. Als sie im Jahre 1924 ihre Tätigkeit begann, wurde das englische Pfund mit 86 bewertet. Im Sommer 1926, als Herriot für zwei Tage die Minister- Präsidentschaft antrat, stieg das Pfund auf 248 Francs. Heute wird es mit 124 Francs bewertet. Die Stabilisierung ist aber bis heute an dem Widerstand Poin- caräs gescheitert, und Poincarö hat es ver. standen, dieses noch zu leistende Werk ganz auf feine Person abzustellen.
Das französische Parteiwesen weicht von dem deutschen und dem englischen in sehr wesentlichen Punkten ab. Frankreich kennt keine großen, straff or- ganifierien Parteien. Eine Ausnahme machen nur die Gruppierungen der äußersten Rechten und der äußersten Linken, d. h. y* her Actton francaife (Rohrlisten) und die Sozialisten und Kommunisten. Den Gruppen in den beiden französischen Parlamenten, dem Senat und der Kammer, entsprechen daher auch keine organisierten Patteigebilde im Lande, wiederum mit den genannten Ausnahmen. Die Abgeordneten der einzelnen Parteien gehören den verschiedensten Gruppen in der Kammer an und umgekehrt. Eine Patteidisziplin, etwa nach deutschem oder englischem Muster, gibt es nicht.
Die im Jahre 1924 gewählte Kammer zählte zehn Gruppen:
1. Republikanisch - Demokratische Union (98 Abgeordnete, Pensrvnsminister Marin, Abg. Taittinger),
2. Demokaten (14 Abg., Balanrd),
3. Depublikanisch-Demokattsche Linke (32 Abg., Maginot, Reibet, Dokanowski),
4. Unabhängige Linke (1 Abg., Le Trocquer),
5. Republikanische Linke (32 Abg., Ma- rineminifter Lehgues, Dariac),
6. Radikale Linke (38 Abg., Loncheur, Ehappedelaine, Daniel-Dincent),
7. Radikale und Radikale Sozialisten (136 Abg. Da lädier, Herriot, Ackerbau- Minister Queuille, Georges Bonnet), 8. Republikanische Sozialisten (40 Abg., Briand, Painlevä, Admiral IaureS), 9. Sozialisten (95 Abg., Leon Blum, Bincent Auttol, Duisson, Aenaudel, Panl-Doncour),
10. Kommunisten (27 Abg., Eachin, Dvriot).
Innerhalb der Kammer waren feit Kriegsende wiederum drei große Gruppierunge n zu unterscheiden, die nacheinander die Regierungsgewalt inn» hatten. Die erste, der Rationale Block gelangte unter Poincare 1919 zur Herrschaft. Sie umfaßte alle republikanisch-bürgerlichen Paneien und war als eine ausgesprochene Kampszusammensas- sung gegen den Sozialismus gedacht. Auch die republikanischen Sozialisten, die durchaus feine Sozialisten sind, gehörten ihr an. Je mehr sich jedoch der Rationale Block nach rechts entwickelte, umso mehr lockerte sich sein linker Flügel, bis Dann im Wahlkampf von 1924 auch die Radikalen und Republikanischen Sozialisten abfielen. Diese fochten gemeinsam mit Den Sozialisten die Wahl von 1924 durch und halfen sich vielfach gegenseitig durch gemeinsame Wahllisten. Das Ergebnis war dis sogenannte Linkskartell mit einer Kammermehrheit von über 100 Stimmen,