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öberlMsche tototoe Zeitung -

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

St. 91 63. Mts. Marburg o. Laba

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

DaS große Empfturgsprogramm.

Run Ration wird gemeldet, daß das Flug­

zeug „Bremen*

auf dem Eisbrecher

Neufunblan-d erreichte, flog es

land."

Abtransport der Montreal.

„Bremen* nach Halifax.

17. April. Bon der

einigten Staaten, Japan und Ita» Hen nicht nur einen Gegenentwurf für ton von Kellogg vorgefchlogeneu Antikriegs, picht, bestehend aus drei oder vier Artikeln «ch den Vorbehalten, die die Lage erheischen, ^iterbreiten, sondern gleichzeitig auch eine erlSnternde Slate, die nicht wesentlich Mn der abweichen werde, die Frankreich am N. März in Washington überreichen ließ.

Newyork, 17. April. Wie Canabian Preß ans Quebec meldet, haben die „Bremen*-Flieger Greenley Island in dem Hilfsflugzeng, das von Schüler und Cuistnier gesteuert wird, verlassen.

18. April. -Wie „Oeuvre* berichtet, wird die französtsche Regierung im Sause dieser Woche den Regierungen von

Der Berliner Botschafter der Bereinigten Starrten, Shurmann, hatte am Freitag der «ergangenen Woche dem Außenminister Dr. Stresemann den Kelloggschen Vertragsentwurf fir den Abschluß eines meh'seitigen Antikriegs- pakts überreicht. An dem gleichen Tage ist derselbe diplomatische Schritt Amerikas bei den Kabinetten in London, Paris, Rom und Tokio erfolgt, die ebenfalls aufgefordert sind, einem solchen Friedensabkommen beizutreten. Ter amerikanische Vorschlag zielt, kurz ge. stSt, darauf ab. daß die genannten Großmächte sich gegenseitig verpflichten, künftig auf den krieg als Mittel politischer Auseinandersetz­ungen grundsätzlich und bedingungslos zu ver­achten. In dem amerikanischen Friedenspakt kommt klipp und klar zum Ausdruck, daß der Krieg ein Verbrechen und eine Schmach für die moderne Zivilisation ist.

■ Die amerikanische Note hat, wie das Echo Beltpreffe zeigt, in der ganzen Welt starken Andruck gemacht. In Berliner polittschen Krei­sen ist der amerikanische Vorschlag mit großer Befriedigung ausgenommen worden. Man er- Wckt in diesem Vorschlag eine Aktion der «tzerikanischen Regierung, die gleichgerichtet V mit den Bestrebungen, die die deutsche Aitzenpolitik seit Kriegsende verfolgt und für Keren Durchsetzung sich Deutschland namentlich Kit unserem Eintritt in den Völkerbund be» «tjgt hat. Das Reichskabinett hat zwar zu Ker amerikanischen Rote bisher noch nicht Stel- dng genommen. 2Q>?r es dürfte doch schon «Ute als sicher anzusehen fein, daß Deutsch- »Rb seine Zustimmung zu der amerikanischen Anegung geben wird. Selbstverständlich wird ”8 Auswärtige Amt eingehend die Schwierig- »ttten und Hinderniffe, die unter Umständen Wj dem Kelloggschen Vorschlag entgegensetzen wTmten, prüfen. Dabei werden insbesondere ine Bedenken in Betracht gezogen wer- «u, die seitens der französischen Regierung in «t Korrespondenz zwischen Paris und Wa- htagton, aus der setzt ja das vorliegende Frie- «uzangebot hervorgegangen ist, vorgebracht ^rden sind. Die französischen Bedenken, hie I 2? auch die englische Presse zu eigen macht, I gen dahin, daß die Mitgliedsmächte des I Mkerbundes und die Vertragspartner des I «rarnopaktes unter Umständen in Schwierig- I gegenüber bestehenden Verpflichtungen I

••’nen würden, wenn sie jetzt einen Vertrag ""gingen, in dem grundsätzlich auf das Mittel I

Krieges verzichtet werden soll. Dieser I «tmanb ist insofern scheinbar berechtigt, als .? in den Satzungen des Völkerbundes und *^den Bestimmungen des Loearnoverttages

Krieg als Defensiv- und Sanktionsmaß- Wme als etwas durchaus Zulässiges aner- *tat wird. In maßgebenden deutschen poli- ^chen Kreisen ist man aber der Ansicht, daß W Weltpresse zeigt, in der ganzen Welt starken dem bereits bestehenden Spstern der Frie- «»ssicherung in Einklang bringen läßt, daß amerikaniscke Aktton sogar eine außer-

?®tntn<f) bedeutsame Verstärkung der dies- ?Äglichen Bestrebungen des Völkerbundes stellt. Wenn — nebenbei bemerkt — jetzt I einem Teil der französischen und englischen

r^e die in Westeuropa durch den Locarno- und den Völkerbund bereits erreich- -

. Friedenssicherungen stark kervorgehoden

werden, um plasibel zu machen, daß der ameri­kanische Vorschlag eigentlich überflüssig fei, so möchten wir feststellen, daß in den Debatten über die allgemeine Abrüstung dieselbe Presse nicht immer den gleichen Standpunkt nertreten hat. Es ist aber zuzugeben, daß die von Frankreich und England vorgebrachten Ein­wendungen geprüft werden müssen. Da diese Bedenken, wie schon erwähnt, sich aus einer Rücksichtnahme auf das Dölkerbundsstatut herleiten, ist man in Berliner politischen Krei­sen der Ansicht, daß es zweckmäßig wäre, wenn die Großmächte in ihrer Eigenschaft als ständige Mitglieder des Dölkerbundsrates ge­meinsam die Prüfung der amerikanischen Rote und der Bedenken, die gegen sie erhoben wer- den, vornehmen würden. Da. wie schon gesagt, der amerikanische Vorschlag dem Geiste einer aktiven Friedenspolitik, dem doch auch der Völkerbund dienen will, entsprungen ist, ist es nach deutscher Auffassung einfach selbstver- ständlich, daß diese Prüfung ein positives Er­gebnis haben muß. Allerdings eine große

Der Weiterflug -er Ozeaufliegee

Sie ilttake für »aS Mitren »er „Bremen*

Sin fnmWbtr SmiwerWng zur Keliem-Rele? ein Stierensvn» mit »en bestellenden MlitnrbMMen unvereinbar Der Völkerbund erlaubt »en Serteltignngsftieg

Europa zur Verfügung, -gehörigen vn Europa an» Die Begeisterung in New- ho.rk ist ungeheuer. Sie übertrifft d-re beim Empfang DindberghS.

bolrtommen dunkel flog, und dabei vom I die AufwettungSideen, vor bene» der sudmestkurS nach Norden abgetrieben I Kleinrentner noch immer träumt, zu Srabe tourbe, auf etwa 700 Kilometer. I getragen werden müssen. Man kau» ja

wahrend oeS ganzen Donnerstag gute Fort­schritte gemacht. Während der Nacht zog darauf ein Schneesturm auf, der die „Bre­men" zwang, aus der ursprünglichen Flug­höhe niederzugehen und niedrigst zu flie- obwohl der anbrechende Tag dm Gelegen» heit bot, die KurSrichtung zu berlchtigen. Dar Wetter wurde von Stunde zu Stunde schlechter und das Flugzeug konnte nur mit ben größten Schwierig reiten ho<h gehalten werben. Mr es Me

„Montcalm* nach Halifax gebracht wer­ben soll.

Keine authentische Nachricht.

R. Newyork, 18. April. Die Mel­dungen der «anada-Pretz. wonach di« „Bremen*-Flieger Sreenlq Island «it de« Schiller-Flugzeug verlassen ha. ben. sollen bisher keine anthe, tische [ Bestätig nag gefunden haben.

«nknnft Fitz Manrices in Clarke City.

ft. Newyork, 18. April. „Canada- Preß" meldet aus Father Point, in der Provinz Quebec: „Tas Flugzeug mit Fitz Maurice an Bord ist in CLrke City ein» getroffen".

ff. Father Point, 18. April. Die Landung des Flugzeuges mit Fitz Maurice an Bord erfolgte um 3.50 Uhr örtlicher Zeit. Das Flugzeug traf unterwegs ein kanadisches Flugzeug mit Pressevertretern, das von Seven Island nach Greenly IS- land flog. Die beiden Flüge wurden durch eine Besserung des Weiters ermöglicht.

Newyork, 17. April. Der Abflug dcS Dberfien Fitz Maurice hat vorübergehend Beunruhigung hervorgerufen und Befürch­tungen für den einheitlichen Perlauf der gep-anten Empfangsfeiern laut werben las­sen. Indessen lassen das Telegramm deS Newhorker Oberbürgermeisters sowie aus Quebec eintreffenbe Meldungen über den Plan der drei Flieger, von Quebec auS ge­meinsam nach Newyork zu fliegen, keinen Zweifel darüber, baß die Empfangsfeier programmäßig verlausen wirb, umsomehr, als nach letzten Meldungen aus Quebec die dortige Ankunft von Fitz Maurice die Wiederinstandsetzung der „Bremen" erheb­lich zu beschleunigen vermag. Der Ab­flug tonnte, wie diese Meldungen besagen, bereits am Tage nach dem Rückfluge von Fitz Maurice nach Greenly Island ftait» linden. Fitz Maurice soll nämlich m Que­bec die für die Ausbesserung der „Bremen" benötigten Ersatzteile auswählen, die mü dem Flugzeug nach Greenly Island ge­bracht werden würden.

Newyorck, 17. April. Hier werden die Pläne für den feierlichen Emp­fang der „Bremen"-Besatzung bekannt, die schon tn allen Teilen bis auf alle Einzel­heiten ausgearbeitet sind. ®:e beim Emp­fang Lin-dberghs werden auch diesmal all« Schiffe im Hafen zur Begrüßung ihre St­reuen ertönen lassen. Ein Flugzeugge­schwader wird über der Stadt kreuzen. Auf dem Platz vor dem Stabthause wird Bürgermeister Walker und andere hervor­ragende Persönlichkeiten Newyorks die Be­satzung der „Sternen" mit einer Ansprache unter freiem Himmel willkommen heißen. 40 Radiostationen werden diese Feier über die ganze Welt verbreiten. An die Ansprachen schließt sich der feier» Ache Marsch di« fünfte Avenue hinauf. Am Madison Square wird Halt gemacht werden, um einen Kranz am Denkmal für die Gefallenen des Weltkrieges niedärzu- legen. Die American Telephone and Tele­graph Co. stellt ben Gästen für den Tag des Eintreffens ihre drahtlose telephonisch« Verbindung mit Europa zur Serfügung, damit sie ihre Angehörigen vn Europa an» rufen können.

Die Ursache des Jrrfluges.

Quebec, 17. April. Nach einem Funk- spruch der „Canada Preß" schreibt Freiherr von HünefeK» das llmherirren der „Bre­men", das schließlich zur Landung in Greench Island führte, dem Umstande zu, daß das Beleuchtungssh st em der „Bremen" versagte. Infolgedessen war es stundenlang unmöglich, die Instrumente abzulesen. Hüneseld schätzt die Strecke, in der die „Bremen"

Schwierigkett sehen wir voraus: der amerika­nische Vorschlag einer allgemeinen Friedens­sicherung durch grundsätzliche Aechtung des Krieges richtet sich unverkennbar gegen das in Europa wieder üblich gewordene System der Militärallianzen. die verschiedene Staaten angeb ich im Interesse ihrer bedrohten Sicher­heit miteinander eingegangen sind. Wir wis­sen aus den Erfahrungen der Vorkriegszeit zur Genüge, daß diese Militärbündnisse im Grunde genommen nur das eine Ziel haben, neue Kriege vorzubereiten. Bereits in den Verhandlungen des Sicherheitskomitees in Genf hat der deutsche Vertreter wiederholt Gelegenheit genommen, auf das Verhängnis­volle dieser Bündnispolitik hinzuweisen. Wenn setzt von Amerika zur Verhinderung kriegeri­scher Konssikte allgemeine Bindungen vorge­schlagen werden, so liegt dos ganz in der Rich­tung der Vorschläge, die auch Deutschland in der letzten Zeit, zuletzt in den erwähnten (Ben, ■ fer Sicherheitsoerhandlungen, zur allgemeinen I Friedenssicherung gemacht hat

Weiter erfKi e Hüneseld: „Die „SB«» auch mit der tatsächlichen Stabilisierung men" hatte nach ih«m Abflug von Irland I sehr gut leben und behält mit ihr noch t*6 ganzes Donnerstag gute Fort- | immer gewisse, liebgewordene n.

Das groß« Problem nach den len wird fein: bringt Poincare es zu dem chluß, den Döhlern zu sagen, daß rund vier Fünftel ih«S Kapitals endgültig und auf Nimmerwiedersehen verloren sind? Bei den Wahlen von 1924 erlitt Poincarö eine Diederlage, die so schwer war, baß er sich zurückziehen mußte. Aiemand konnte vor- aussehen, daß dieselben Wähler, Me ihn damals nach Haus schickten, ihm ihr un- begrenztes Vertrauen bewilligen würden, ein Dettrauen, das sich auf Me Wahlen - I- von 1928 und über dieses hinaus erstreckt.

I Die Frage ist jetzt: für toef*? Zeit? Der

I Ser »en SBoMen In Frankreich I Solange die dritte Republik besteht, hat I sie immer zwischen den verschiedenen Wahl- I shstemen geschwankt, bald die Listenwahl, I bald die Personalwahl bevorzugt. Der I Listenwahl wurde als Dorzug nachgerühmt, daß sie die Kirchturminteressen weniger begünstige, den Kandidaten sreimache von den Versprechungen, die er notgedrungen den Wählern geben müsse, dem Gewählten I gestatte, die großen vaterländischen Be« I fange statt der seines Arrondissements wahrzunehmen. Hatte man aber die Listen­wahl, so erkannte man schon während der Wahlen, wie wenig dieses System dem ftanzösischen Dattonalcharakter entspreche.

I Der Franzose will seine (Stimme einem Manne geben, zu dem er persönlich Der-

I trauen hat, und der seine persönlichen Wünsche entgegennimmt und nicht einem

I Parteiprogramm. Es gibt nur wenig bar« I teimäßig organisierte Wähler in Frank« I reich. Die Patteikassen werden zum Teil von reichen Kandidaten gespeist, zum Dell

I von großen industriellen Verbänden, die I sich Abgeordnete sichern wollen, die ihre Zoll- und Steuerinteressen verfechten, wo-

I bei diese Interessen natürlich als Forde« rungen des nationalen Wohlstandes und der nationalen Sicherheit dargestellt wär« den. Den Kommunisten wird nachgesagt, daß sie ihre Wahlgelder zugleich mit ihren Wahlparolen aus Moskau beziehen. Die feftgemauerten Partei-Organisationen Deutschlands sind in Frankreich unbekannt. Die Wählerschaft ist eine bewegliche Masse, auf die ein Redner, ein Zeitungsaufsatz, ein Wahlanschlag Eindruck machen können.

Da man jetzt wieder einmal zur Per« I sonaleinzelwahl über gegangen ist, werden die Wahlen von 1928 gerade rhetorischen Einflüssen stärker ausgesetzt fein als die von 1924. Der rhetorische Einfluß geht aber MeSmal ganz vorwiegend von Poin­care aus. An diesem Wanne zeigt sich, tote eine parlamentarische Diktatur, welche die Gehässigkeiten der faschistischen und der militaristischen Diktatur vermeidet, möglich ist. Poincare ist heute mächtiger als Mussolini und Primo de Rivera, und er ist es gerade deshalb, weil ihm auch der erbittertste Gegner nicht nachsagen kann, er habe irgend ein ParagrSphlein der Ver­fassung verletzt. Die so rechtzeittg vor­genommenen Verhaftungen der 2tutono» misten im Elsaß sind natürlich ein nicht sehr anständiges Wahlmanöver, aber das nimmt man dem Ministerpräsidenten nicht übel. Man muß immer bedenken, daß das Elsaß im gr^en Frankreich nur eine kleine Rolle spielt, und daß der Eindruck dieser Ver­haftungen auch auf Me Elsässer sehr statt ist. Man sehe nur Me demütigen Ver­beugungen des wilden Klaus v. Zorn- Bulach vor den Staatsanwälten der fron« zösischen Republik.

Die Verschiebungen der Parteigruppen bei den bevorstehenden Wahlen sind un­berechenbar. Sicher ist nur, daß Poincare mit einer ganz soliden Mehrheit für Die Francstabilisierungspläne rechnen kann. Ob und wann er diese Stabilisierung dann wirklich vornehmen wird, steht dahin. Der Augenblick der gesetzlichen Stabilisierung wird nämlich einen sehr erschütternden und schmerzlichen Ruck bedeuten, well dann