Montag, den 16. Avril 1928
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhesse«
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OW Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg. 4rsüfz"D
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Hilfsmaßnahmen für die „Bremen
Srr „Sonltolm" im Eis iteifengtblitbm — EMieile aus dem Luilwegr
ff. Ottawa. 16. April. Das Marine- Lepartement hat gestern abend eine drahtlose Meldung von dem nach Ereen- ley Island unterwegs befindlichen Dampfer „Montcalm" erhalten, die besagt, baß das Schiff auf einen E i s - leisen getroffen sei und daß der tzchiffsdienst durch Treibeis zwischen dem Kanal und der Küste schwer zu leiden hat, ferner baß der Dampfer am weiteren Fortkommen gehindert wird. „Montcalm" sucht nach einem sicheren Ankerplatz.
Nach drahtlosen Nachrichten, die am Spätnachmittag eingegangen sind, kann .hie „Bremen", die nicht ernstlich beschädigt ist, erst nach Newyork weiter- sliegen, wenn sie über neue Brennstoff- rorräte verfügt. Der in Point Amour dgernde Brennstoff ist ungeeignet. Es »irb jetzt versucht, die notwendigen Vor- Äte von Quebec durch zwei Flugzeuge, die feute aufgestiegen sind, nach Ereenly Is- and zu schaffen, Die Flugzeuge, in denen mch Zeitungsberichterstatter und Film- chotographen Platz genommen haben, sino pt Borrichtungen zur Landung auf dem kis ausgerüstet.
Nachdem anfänglich der Plan bestanden ^atte, Flugzeuge aus den Vereinigten Staaten »ach Grcenley Island zu entsenden, kam man M Laufe des Tages zu der Ansicht, daß Kanada besser in der Lage sei, die er- brderliche Hilfe zu leisten. 3n amtlichen »eisen in Ottawa wurde beschlossen, private Knierrshmen einer Entsendung von Flug» Rtgcn nach Greenly Island nur dann zu Ersuchen, wenn sich die unabweisbare Rot- «nLigkeit hierfür ergeben sollte. Wan hat scher zunächst an die Flieger der „Diemen“ fc Telegramm gerichtet, worin sie um genaue Angaben über die Art und die Dringlichkeit jtr erforderlichen Hilfe gebeten wurden. ^Außerdem ist ein Pvstflugzeug von 'lLuebek nach Green lh Island gestartet. Wie berichtet wird, sind die JDänner der „Bremen" unter der Obhut der |M Inselbewohner gut untergebracht. In Leiner Entfernung von zwei Meilen befindet Vstch. über das zugefrorene Meer leicht zu et» Httichen, auf dem Festland ein Dorf mit 300 lMnwohnern. In einem größeren Dorf, das Uö Meilen entfernt ist, befindet sich die nächste Diadiostation.
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Das Büro des Aorddeutfchen Llohd erhielt «ine Nachricht von den Fliegern der Bremen, bic besagt, daß mit der Ausbesserung des Flugzeuges begonnen wurde, daß es aber zwei bis drei Tage dauern werde, ehe der Driterflug möglich sei. Der Zeitpunkt des Llfluges sei »roch nicht festgelegt.
: fk. Newyork, 16. April. Frl. Iun- siis kündigte an, daß sie am Montag ober Dienstag, wenn es die Wetterlage gehottet. mit dem Zunkersflugzeug F. 13 «ad, Montreal fliegen werde, wo sie weitere Maßnahmen treffen werde. Frl. Junkers ersuchte den Ottawas Flugdienst, Ben- M für die „Bremen" möglichst nach Que= ikc zu senden. Frhr. v. Hünefeld wurde durch einen Funkspruch von den unternommenen Schritten verständigt.
®in Hilfsflugzeug auf Ereenley Island eingetroffen.
ff. Quebec, 16. April (10 Uhr abends tiftetn). Eine hier eingetroffene Meldung besagt, daß gestern abend ein Flugzeug, *®s .zur Notlandung auf Seven Island gezwungen worden war, am Abend wohlbehalten in Ereenley Zs- ta»d eingetroffen ist.
; Eine Bestätigung dieser Meldung liegt "och nicht vor.
zweite Flugversuch Lusfiniers «ach Erenlq Island mißglückt.
eff. London, 16. April. Wie die Aewyork Herald aus Newyork meldet, ist *t. Louis Cusfiniers aus Quebec, der zum
zweiten Male von der Murry-Bucht mit einem Flugzeug gestartet war, um zu den deutschen Fliegern zu gelangen, infolge Schneesturms und Nebels gezwungen worden, umzukehren.
Ersatzpropeller in Newyork vorhanden.
Wie das „WTB." von der Berliner Vertretung der Iankerswerke erfährt, sind in Aewhork Erfatzprvp^ller und andere Reserveteile vorhanden, sodaß also die Mög- lichkest eines Auswechselns des beschäoig- ten Propellers gegeben ist.
Telegrammwechsel zwischen Hauptmann Köhl uud dem deutschen Botschafter von
Prittwig-Gasfron.
fk. Washington, 16. April. Der deutsche Botschafter von Prittwitz-Eaffron erhielt folgendes Telegramm von Hauptmann a. D. Köhl:
„Nach dem mit Eotteshilfe glücklich vollbrachten Ostwestflug begrüßt die Besatzung des deutschen Flugzeuges „Bremen" den Botschafter des Heimatlandes.
gez.: Hauptmann Kohl
Kommandant Fitz Maurice Baron von Hünefeld."
Der deutsche Botschafter drahtete an Köhl:
„Dielen Dank für dar Telegramm. Ich hoffe, daß Sie mein erstes Telegramm erhalten haben. Empfangen Sie und Ihre Begleiter nochmals den herzlichsten Glückwunsch zu dem hervorragenden Erfolg und den Ausdruck aufrichtiger Bewunderung für die tapfere, denkwürdige Leistung. Ich wäre für die Benachrichtigung von einem Weiterflug dankbar und freue mich, Sie alsbald hier begrüßen zu könne«.
gez.: v. Prittwitz-Eaffron."
Frau Köhl reift nach Newyork.
Laut „D. A.Z." reift Frau Köhl nach Aewhork, um sich dort mit ihrem Mann zu treffen.
Glückwünsche des Generals Köhl, an seinen Sohn.
Alm, 14. April. (MDB.) Der Vater bes Hauptmanns a. D. Köhl, General Köhl, hatte sich gestern von seinem Wohnsitz Pfaffenhofen hierher begeben, wo ihn die Aachrichten übser den Flug der „Bremen" rascher erreichen konnten. Als die Meldung eingetroffen war, daß das Flugzeug amerikanischen Boden erreicht hat, sandte Seneral KM seinem Sohn, dessen. Geburtstag auf den 15. April fällt, ein Dele- gramm mit den herzlichsten Glückwünschen der Eltern und Geschwister nach Amerika.
Glückwünsche des ehemaligen Kaisers.
Berlin, 14. April. (£11.) Der ehe- malige Kaiser hat in seinem Telegramm den siegreichen Ozeanfliegern zum Gelingen ihrer kühnen Tat seine Glückwünsche ausgesprochen und dabei auch besonders der deutschen Flugtechnik gedacht, der es gelungen sei, allen Knebelungen zum Trotz ein Flugzeug zu bauen, das diesen großen Erfolg erzwingen half.
Glückwunschtelegramm« an die Ozeauflegrr.
Berlin, 14. April. Der ReichSpräst- bent hat an Hauptmann a. D. Köhl das nachstehende Telegramm gerichtet: „Den kühnen Ozeanfli-gern herzlichen Glückwunsch zu ihrem schönen Erfolg, v. Hindenburg."
Der Reichskanzler sandte folgenden Glückwunsch: „Den ersten europäischen Fliegern, denen es gelungen ist, den Ozean von Ost nach West zu überfliegen, herzlichste Glückwünsche. Unsere Freude ist umso größer, als dieser Erfolg der deutschen Technrk und dem Wagemut Deutscher Flieger »u danken ist. Durch sie übermittelt Deutschland dem amerikanischen Volke seine Grütze als Ausdruck geistiger Verbundenheit uni» Freundschaft. Reichskanzler Dr. Marx."
relegrammwechsel zwischen Eoolidre und Hindenburg.
Berlin, 15. April. Präsident Eoo- lidge hat an den Reichspräsidenten das nachstehende Telegramm gerichtet: „Die amerikanische Nation freut srch mit mir über die erfolgreiche Ueberquerung de» nordatlantischen Ozeans von Osten nach Westen durch Hauptmann Köhl und seine Begleiter. Ich beglückwünsche Sie und die deutsche Nation auf das herzlichste zu dieser glänzenden Leistung, gez. Calvin Coo- lidge."
Der Reichspräsident hat mit folgendem Telegramm gedankt: „Im eigenen, wie im Namen der deutschen Volkes/ spreche ich Ihnen und der amerikanischen Nation für die so freundlichen Glückwünsche zu dem gelungenen Ozeanflug der „Bremen" meinen aufrichtigen Dank auS. gez. v. Hindenburg, Reichspräsident."
Mitt Mtftinwn
In allen Berliner Blättern wird dem großen Jubel über daS Gelingen des ersten Ost-Westsluges über den Atlantischen Ozean Ausdruck gegeben, der von einer deutschen Maschine mit einem deutsche« Piloten vollbracht wurde. Die demokratische Presse macht allerömgs seltsame Einschränkungen und ist überhaupt nicht mit ganzem Herzen dabei, was wohl darauf zurückzuführen ist. daß Herr Köhl und Baron v. Hünefeld politisch rechts gerichtet find, also nicht zum „Couleur" gehören. Die „Deutsche Zeitung"erinnert daran, daß erst zwei Jahre ins Land gingen, fett die Entente die drückendsten Fesseln der deutschen Handelslustfchiffahrt löste. Hm so höher sei die große Leistung der deutschen Luftfahrt anzuschlagen. Die „Kreuz-eitung" sagt unter der ileberfdbrift ..Deutsche Leistung und deutsches Glück: Deutschland wird die 35 Stunden und 22 Minuten vorn 12. zum 13. April nicht vergessen. Im langsamen, mühevollen Wiederaufstieg zur Weltgeltung hat eS einen vielleicht entscheidenden Schritt vorwärts getan. Wir grüßen die Flieger, ihre große Tat und ihr Glück, das uns allen und darüber hinaus der Welt segnend zugute kommt. In der „Deutschen Tageszeitung" heißt es: Dem Wagemut der deutschen Flieger, zu denen sich ein 'Vertreter des mit uns durch so viele herzliche Shmpathren, verbundenen irischen Bo'kes gesellte, und der glänzenden Leistung der deutschen Technik ist das gelungen, was bisher so viele hervorragende Flieger Englands und Frankreichs vergeblich versucht hatten. Die „D. A .3.“ schreibt: Die beiden Wellrekorde der Bezwingung des Atlantiks in der Wertfahrt für Luftschiffe und Flugzeuge liegen bt deutschen Händen. Mag eS ein Omen fein, daß auch die praktische Auswertung dieser Leistungen unter deutscher Führung bre:Bt. Der „Ger - m an i a“ erklärt: In dieser Stunde gedenken wir auch derjenigen Flieget, denen das Wagnis nicht gelang, der Franzosen Itungeffer und Coli, des Engländers Hinchcftffe und der vielen, die leider bas große Waller deckt. Wir plädieren dafür, baß alle diejenrgen, denen röte Ueberquerung des Atlantiks als Ziel vor Augen steht, ruhig und besonnen warten, bis das eine, die Hauptsache erfüllt ist: Konstruktion eines betriebssicheren Ozean- flugzeugeS. Aehnlich äußert sich das „D. T.": Die Ueberquerung des Ozeans mit einem Landflugzeug ist eine kühne sportliche Tat. die sicherlich (?) alle Bewunderung verdient. Das wirkliche (?) Problem des Flugverkehrs über den Ozean wird mit anderen Luftverkehrsmitteln gelöst werden, deren technische Bollendung nur eine Frage der Seit ist. Der Wettkampf um den Trans- gtlanttschen Flug im kleinen Landflugzeug hat schon zu viele Opfer gefordert. Möge der Ruhm, den sich die Deutschen Köhl und Hünefeld im Verein mit dem Iren Frtzmaurice erworben haben, dieses Kapitel in der Geschichte des internationalen Flugverkehrs end- gülttg schließen. Im „Vorwärts" wird angeführt: In den nächsten Tagen werden aus einer deutschen Flugzeugwerft die ersten wirklichen Ozeanflugmaschinen fertrgaestellt fern und ihre Prvbeflüge Beginnen tonnen. Erst bann, wenn wirkliche Ozeanflugmafchinen zur Verfügung stehen, werden wir am Anfang drS Ozeanflugverhchr« stehen.
Subti im Manb
Der Eindruck in Newyork,
Aewhork, 14. April. (WTB.) Seit Lindberghs Ozeanflug hat kein Ereignis hier solch starkes allgemeines Interesse, solche Bewunderung und Anerkennung und solchen Riesenjubel ausgelöst, wie die Leistung der „Bremen". Die Morgenblätter widmen den Berichten über den Flug viele Seiten und betonen das Gefühl der Erleichterung, das sich Aller bemächtigte, als nach angstvollen Stunden der Ungewißheit die Melkmng von der Landung eintraf.
„Associated Preß" veröffentlicht zahlreiche Aeußerungen der Anteilnahme an dem Ozeanflug der „Bremen". Unter ihnen befinden sich Aeußerungen des Hilfssekretärs des Kriegsamtes, D a w i o n, der betonte, Amerika werde den Fliegern einen begeisterten Empfang bereiten. Kommandeur Bhrd weist auf die Leistungen, den Mut und die Geschicklichkeit der Ozeanflieger hin, die Deutschland und Irland zum Ruhm gereichten.
Weitere Kundgebungen in Amerika.
Weitere zahlreiche Persönlichkeiten, besonders auch aus dem amerikanischen Fliegerkreisen, zollen der von den Ozeanfliegern vollbrachten Leistung ihre Anerkennung. Der Flleger Lloyd Bennet erklärte: "Die „Bremen" kämpfte gegen die furchtbare Aebennacht der Elemente. Mit der Erreichung Labradors vollbrachte sie etwas, was noch niemals vollbracht wurde. Der Flieger Balch en sagte: Alle Am- stände waren für die „Bremen"-Flieger ungünstig. Sie haben etwas Großartiges geleistet. Le Wine erklärte: Der ,,‘Bre- men"-Flug ist der bemerkenswerteste Flug, der bisher unternommen wurde.
Wie Rewhork Times" meldet, erhielt dieses Blatt bis gestern abend 11633 telephonische Anfragen nach dem Berbleib der „Bremen". Beim Fluge Lindberghs wurden 10 000 Anfragen an das Blatt gerichtet.
Irlands Freude.
Dublin. 14. April. (WTB.) Hier herrscht große Freude über das Gelingen des von den deutschen Fliegern and dem Befehlshaber der irischen Luftstreitträste, Fitzmaurice, durchgeführten TranSozean- fluges. Frau Fitzmaurice sagte: Ich bin die glücklichste und stolzeste Frau.
Fihmaurtcc zum Major befördert.
London, 15. April. Das irische Der- teidigungsminifterium beförderte den Kommandanten der irischen Luftstreitkräfte, Fitzmaumce, der am „Brernen"-Flug teil- genommen hat, zum Major.
Die Pariser Presse znm Flug der „Bramen".
Paris, 14. April. Bisher nehmen weder die Morgen- noch die Nachmittigs- blätter irgendwie Stellung zur Landung der „Bremen". Nur der „Matin" als einziges Blatt behauptet, daß das aerodhnw- mische Problem durch die lieberfal)rr nicht gelöst sei. Es fet unangebracht, eine praktische Lösung zu suchen, solange man nicht ein Flugzeug Herstellen könne, das eine normale Stundengeschwindigkeit von 200 Kilometern erreiche. Im übrigen begnügen sich die Blätter mit der Wiedergabe der spärlich eintresfenben Nachrichten, b:e von einigen sogar mit Fragezeichen versehen werben. Der Mangel an sportlicher Würdigung bes Ereignisses ist vielleicht darauf zurückzuführen, daß die Presse vollkommen auf die heute abend erwartete Ankunft der beiden französischen Flieger Cvstes und Le- brir eingestellt ist.
Di« »«ner Presse über den deutschen vzeauflug.
Wien, 14. April. Die Nachmittags - blätter geben Übereinstimmend der aufrichtigen Freude, welche der glückliche Ausgang beS Amerikafluges der „Bremen" auch In ganz Oesterreich au-gelöst hat, in beredten Dorten Ausdruck und beglückwünschen die wagemutigen Flieger herzlichst. Die „Neue Freie Press«" schreibt: In die Glückwünsche, die jetzt von allen Seiten kommen, mischr sich der berechtigte Swtz des beuffchen Bolkes, daß es g meiert sein«! Löhne vergönnt war, die erstaunlich«