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Anzeiger für (bas frühere knrhefsische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Ge-enkfeier für Albrecht Dürer m Rümbers
Nürnberg, 10. April. Nürnbergs Altstadt hat für die Dürertage einen ihrem Charakter sorzfältig angepaßten künst- Itr.i sch en Festschrnuck erhallen. Dom Bahnhofsplatz zur Königstraße, von dort nach !tzm Hauptmarkt und bis zum Albrecht- Äirer-Plah wehen zahllose Flaggen in allen Farben, die zum größten Teil in den Formen mittelalterlicher Danner und Wimpel gehalten sind. Mit besonderer Liebe ist der Albrecht- Dürer-Plah geschmückt: hier erheben sich Masten mit kostbaren Fahnen, deren Oberfeld auf Goldgrund das Zeichen des alten Meisters trägt. Rechts und links im Hintergrund htf Denkmals hängen aus allen Fenstern rote mit reichen Ornamenten durchwirkte Tep» jnche, die dem Watz ein eigenartiges, an fOhere Zeiten gemahnendes Gepräge verleihen. Das hohe Eisengitter vor dem Denk» Ml ist verschwunden, das schöne Dürerstand- bM erhebt sich jetzt frei vor em em Hintergrund von Pflanzen, deren lebhaftes Grün mit dem Rot der Teppiche an den Häuser- fwnten in festlicher Harmonie zusammenklingt. 3n den Straßen herrscht lebhaftes festliches Treiben.
Die Gedenkfeier im Rathaus.
Nürnberg, 10. April. 2m festlich geschmückten großen Aathaussaal fand heute abend um 1/2S Ahr die von der Stadt Nürnberg veranstaltete
Gedenkfeier für Albrecht Dürer
fctt Unter den Ersch jener en bemerkte man . «n Neichsminister des Innern v. K e u d e l l.
den preußischen Kultusminister Dr. Decker, den bayerischen Kultusminister Dr. Golde n b e r g e r, den thüringischen Kultusminister Dr. Leutheuser, zahlreiche wertere Vertretet des öffentlichen Leb ms in Deutfch- land, Dertreter der durch Leihgaben an der Dürerausstellung beteiligten fremden Staaten, ferner Dertreter der Stadt Nürnberg, des Handels und der 2ndustrie und eine große Anzahl Pressevertreter des In- und Aus-
Eingeleitet wurde die Feier mit der Motette: „Sobfinget Gott dem Herrn, all ihr Böller", vorgetragen von dem Derein zur Wege alter Musik und dem Nürnberger augendchor.
Dann ergriff Nürnbergs Oberbürger- «erster Dr. Luppe das Wort und führte u. a. aus: Nürnberg will seinen großen Sohn ehren. Schlicht und einfach, wie der große Deister, aber würdig und eindringlich soll alles sein, was Nürnberg seinen Bürgern und Gästen bietet.
Alles Dolk soll sich vertiefen können in Lürers Werk tote in feine Persönlichkeit: Geist und Kultur aus Nürnbergs Blütezeit soll vor uns erstehen und Kunst und Kultur unserer Seit sollte wetteifern mit den Werken der Alten, von ihnen lernen und aus ihnen neue Sreude und Derständnis gewinnen. Dr. Luppe ging sodann auf die geplanten Deranstal- taigen während des Dürerjahres ein, über penen der Geist Albrecht Dürers schweben '»lle. des ernsten, liefinnerlichen Mannes, des fingen ben und strebenden Künstlers, der -roßen schöpferischen Persönlichkeit. -
U Geheimrat Professor Wölfflin-Zürich
-ab darauf als einer der besten Kenner Bürerscher Kunst der Dersammlung in großen ihnrrffen ein Spiegelbild des Lebens und vchatfens Albrecht Dürers, der in die deutsche »unst die geklärte plastische Anschauung gebracht habe, aus dessen Zeichnungen eine «gentümliche Wärme und Beweglichkeit «rahle, bei dem grundsätzlich alles Spannung tob Aktion sei: der „Dürerblick" habe nicht seinesgleichen. Der Nedner beschäftigte sich ®bann mit dem Einfluß der italienischen «unst auf Dürer. Am meisten hebe sich Bürer von seinen deutschen Zeitgenossen da- »urch ab, daß er nach einer letzten vollkommen «bsvluten Form verlangte. Für den Deutschen «i es bezeichnend, daß in der Gesamtsumme J>n Dürers Kunst allein das 2ndividuell- »inmalige in seiner unübersehbaren Mannig- «ltigkeit den Ausschlag gebe; die große fitt- «che Charakterfigur sei dte eigentliche vchöpfung Dürers geworden. Wie anders Äs heute, rief der Dortragende aus, hat Dürer die Aufgabe des Künstlers gefaßt! Bein Darstellen war ein Erkennen der Natur, rie tiefste Bewegung der Dürerzeit etne religiöse. Mit seiner Kunst arbeitete er, die «ibel verstehen zu lernen. Sein Christus typ dar eine religiöse Tat. Als Dürers Schöpfung »«bleibe «in Typus des großen Menschen,
der vorher nicht da war. Nm für den großen Menschen die Fornr finden zu können, mußte Dürer sich selbst zum großen Menschen erzogen haben. Nicht als ästethische Natur, sonders durch das Ganze seines menschlichen Wesens ist Dürer unser volkstümlicher Maler geworden, das Nrblld des deutschen Kü: st'ers, vor dem wir in dieser Gedächtntsstunde verehrend, liebend, dankend uns Derne gen.
Nachdem die Osterkantate „Dictorja plaudtte coelites" verklungen war. hatte die Feier djr Ende erreicht. 2m Nachaushof hatten Dertreter der Deutschen Künstlerschaft um 9 Nhr Aufstellung zu einem
Fackelzug nach dem Dürer-Denkmal genommen. Mm 1/210 Mhr bewegte sich der Fackelzug unter Glockengeläute durch die abgeblendeten Straßen und zwar über den althistorischen Hauptmarkt, durch die Tuchergasse und Winllerstraße. vorbei an Dürers Geburtshaus. nach dem Albrecht-Dürer-Platz, alles Zeugen Dürerscher Zeit, überall von einer stumm verharrenden, dichten Menschenmenge umsäumt. Eingele tet wurde die Huldigung mit einem Männerchor des Fränkischen Sängerbundes, der Beethovens „Gottes Macht und Vorsehung" vortrug. Cs folgte ein gemischter Chor des Sängerkartells Nürnberg des Deutschen Arbestersängerbundes mit dem „Festlied" vpn Schütz,
Professor Nudolf Schiestl trat darauf an das Denkmal Dürers und sprach im Namen der Deutschen Künstlerschast Huldigungsworte. Einmütig sei die Bewunderung. die Begeisteriing über das. was Dürer geschaffen habe. 2n seinem Werk feierten wir den Sieg der Mnfterblichkeit großer Kunst über die Vergänglichkeit des Menschen. Nach Erwähnung dessen, was Dürers Werk zum edelsten Ausdruck deutschen Wesens empor- gehoben habe, pries Professor Schiestl Albrecht Dürer als Synibol deutscher Kimst und schloß: „Deutsch fein heißt: eine Sache ihrer selbst willen tun. Du hast's getan, Albrecht Dürer, du aufrechter deutscher Weister!"
Ein gemeinsamer Chor des Fränkischen Sängerbundes und des Sängerkartells Nürnberg des Deutschen Arbeitersängerbundes unter Begleitung eines Musikkorps stimmte darauf den Chor aus den Meistersingern von Nürnberg an: „Wacht auf".
Nachdem der Chor verklungen war, marschierte der Fackelzug unter Dorantritt einiger Bläser vor das Albrecht-Dürer-Haus am Tiek- gärtner Tor, wo die Fackeln zusammen- geworfen wurden. Eine prächtige Burg- beleuchtung, die Tausende und Abertausende von Zuschauern angelockt hatte, bildete den Abschluß des Gedenk- und Huldigungstages.
Fapans Kampf gegen
WamnWgr Wühlarbeit mit rulfiiditm Seite
Tokio. 10. April. Nachdem die Untersuchung gegen die am 15. Mär, verhafteten Kommunisten beendet ist, hat die Regierung die Zensur für Nachrichten über Japan aufgehoben. Der Eeneralstaatsanwalt erklärte dem Vertreter einer Zeitung: Der S a u p t e i n d r u ck, de« man aus der ganzen Angelegenheit gewinnt, ist der, daß die Lage ernst ist.deun Japan sieht sich angesichts der ziemlich verbreiteten aufrührerischen Bewegung einer ungemein große« inneren Schwierigkeit gegenüber. Der gegenwärtige Versuch, die Grundlagen des Reiches zu erschüttern, der zwar aus dem eigenen Lande kommt, aber von den radikalen Gedanken eines anderen Volkes be- einflußt ist. ist weit schwerwiegender, als eine von auße« kommende Drohung einer bewaffneten Macht.
ff. London. 11. April. Heber den umfassenden Zugriff der japanischen Regierung gegen die kommunistischen Organisationen wird weiter aus Tokio berichtet, daß weniger die polizeilichen Fest
stellungen über die Zahl der Kommunisten oder die Aufdeckung bestehender Komplotte zu der Beunruhigung der Behörden führten, als die Aufdeckung eines sehr aktiven Organisationsnetzes, ddas die kommunistische Idee in alle Arbeitergruppen hineintrug. Das japanische Justizministerium veröffentlichte eine Erklärung. daß als Ziel der Kommunisten die Schaffung sozialer Unruhen in Japan und die Ersetzung des gegenwärtigen Regierungssystems durch eine Diktatur der Bauern und Arbeiter bezeichnet. Die kommunistische Partei hat durch eine aktivePro- paganda eine sehr beträchtliche Vermehrung erfahren.
Die japanische Presse veröffentlicht heute Einzelheiten über die kommunistische Aktivität in den letzten fünf Jahren und über die finanziellen Zuwendungen Moskaus für die Errichtung einer kommunistischen Partei in Japan. Von den in der Rächt vom 1. März in 54 Präfekturen verhafteten 1013 Personen ist die größte Zahl wieder frei gelassen worden. Der japanische Ministerpräsident Baron Tamaka erstattete gestern mittag dem Kaiser Bericht über den Stand der Angelegenheit.
Sie Mmefc in €Nim
3« der gespannten Lage i« Hankau.
fk. P a r i s. 11. April. Rach den letzten aus Schanghai vorliegenden Nachrichten scheint die Situation in Hankau ziemlich ernst zu sein, was durch die Abreise des französischen Admirals Stotz aus Schanghai bestätigt wird. Man befürchtet Unruhen in Hank au, aber im allgemeinen sind die Ausländer der Ansicht, daß die Anwesenheit des französischen Admirals und der Marinetruppen für das französische Vertragsgebiet einen genügenden Schutz darstellt.
Wie aus PEng gemeldet wird, sind heftige Schlachten auf drei Fronten im Gange. In dem Gebiet von S ch a n i i find die Nordtruppen im Vorteil. Sie nahmen die Kohlengruben von Tsing-Tsing ei«.
Sie Mtbafltftn Stoischen in Rostan
Moskau. 10. April (TU.) Wie aus Moskau gemeldet wird, war die Ankunft der verhafteten deutschen Ingenieure streng gehet m gehalten worden. Die Eisenbahnwagen, in denen sich die Verhafteten befanden, wurden sofort bei Eintreffen in der Umgebung von Moskau von einer Abteilung der &. P. U.-Truppen umringt. Die Gefangenen wurden in Automobilen nach dem Ljubajnka-Gefängnis gebracht. Weitere Vernehmungen werden nicht mehr stattfinden, dadie Anklageschrift bereits abgeschlossen ist. Die verhafteten Deutschen sind von den anderen Gefängnisinsassen abgesondert. Eie sollen die Eisenbahnfahrt im allgemeinen gut überstanden haben. Nur Meher soll noch immer unter seinem Nervenzusammenbruch leiden.
Primäre nnö Nt Roirnrnliontz fragt
Der Neparativnsagent Parker Gilbert hat sich nach Rom begeben, um mit dem italienischen Finanzminister zu verhandeln. Sein Besuch in der italienischen Hauptstadt erfolgt selbstverständlich im Zusammenhang mit den seit einiger Zeit schwebenden Erörterungen über das Re- parationS- und Schuldenproblem, die von dem außerordentlich rührigen Amerikaner in der letzten Zeit mit den maßgebenden Kreisen der Polifik und Hochfinanz in den Hauptstädten des europäischen Kontinents sowie drüben in Amerika gepflogen worden sind. Zweifellos kommt diesen Verhandlungen, die den Reparationsagenten nach Washington, Paris, London und zuletzt nach Rom geführt haben, ganz besondere Bedeutung zu, und von den Feststellungen, die er auf diesen Reisen macht, wird die weitere Entwicklung des Reparationsproblems ganz gewiß wesentlich bestimmt werden. Dis zu den realen Verhandlungen zwischen Schuldnern und Gläubigern ist allerdings noch ein weiter Weg, und es ist mit Recht schon darauf hingewiesen worden, daß eine Klärung frühestens im näch. sten Jahr nach der Neuwahl des amerikanischen Präsidenten und nach dem Zusammentritt des Kongresses zu erwarten ist. Denn, welche der in letzter Zeit genannten Kombinationen auch immer kon- grete Gestalt annehmen mag. keine von ihnen ist durchführbarer ohne die Hilfe der amerikanischen Finanz.
Cs wird selbstverständlich diel davon abhängen, wie sich in der Zwischenzeit die politischen Beziehungen zwischen den Hauptbeteiligten gestalten und wie diese sich grundsätzlich zur Frage der Repara- tionen und Schulden einstellen. Was Deutschland und Frankreich angeht, so sind die Erklärungen Poincares in Carcassonne ein Lichtblick, der zu der Hoffnung berechtigt, dah die kommenden großen internationalen Verhandlungen über die Revision des Dawesplanes nicht unter der Intransigenz eines auf einem Schein bestehenden Gläubigers zur Erfolglosigkeit verurteilt sind. ES ist vielleicht ein etwas voreiliger Optimismus, wenn der Pariser Korrespondent eines großen deutschen Blattes von der Rede in Carcassonne am 2. April d. IS. schon „Poincares befi- nitive Bekehrung zur Politik des Friedens und der Verständigung" datieren zu können glaubt. Aber, daß in der Rede von Carcaffonne ein Fortschritt gegenüber früheren Aeuherungen des französischen Ministerpräsidenten liegt und daß diese gerade in reparationspolitischer Hinsicht zu einigen Hoffnungen berechtigt, zeigt schon der Gang des Diskussion, den die Reparattonsftage im letzten halben Jahr unter der besonderen Beteiligung Poincares genommen hat.
Am 10. Dezember v. I. hat der Repara- tionsagertt in seinem Jahresbericht die Notwendigkeit einer enögülti gen Festsetzung der deutschen Reparationsverpflichtungen begründet. Vierzehn Tage darauf, am 23. Dezember, erklärte Poincare schroff abweisend, »die der deutschen Verpflichtungen ist von der Repararionskom- Mission endgültig festgesetzt worden. Die Kommiffivn selbst hat nicht mehr das Recht, diese Ziffern zu ändern." Inzwischen hat sich mancherlei ereignet. Wir sind unter anderem Zeuge eines Rededuells zwischen Poincare und Stresemann gewesen, in dem Poincare das letzte entscheidende Wort gesprochen hat, als er in Carcassonne erklärte, dah Frankreich durchaus nicht abgeneigt sei, in neue Verhandlungen über die Reparationsfrage einzutreten. „Keine Nation," führte Poincare weiter aus, „hat stärker als Frankreich das Gefühl der wirtschaftüchen Solidarität, bk alle Völler der Well verbindet."
Wll möchten annehmen, daß hier eine Entwicklung, wenn nicht gar ein euntb»