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Deutsche Ostern

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Rt. 81 63. Mkg. Mardlirs a. Bubo

Ver Stoingmpttte beträgt fftt d« iO gesdali. ZeUenmillimeter 0.08 SM. klein, Varanzeig«

ÄbertsMsche Zeitung

olungspause, zu einem Augenblick des irubens und einer 6elbftbefinn""*

ist. In den Bauten der inS Gigantische stre» > n neuer Stil, die

Musik ringt nach eivnern Ausdruck der Hast unserer Tage, und auch die Dichtung prägt

extern brt*d>nr1,<benfn Auskunft Out» »t, Seschäflsstell, <mO SalenDimp Ort Angebola E» f6llun<i#na Marburg.

Kft ^Vberbesstsche Zeitung" er» faetat sechsmal loschenllich 8e* ^gSprei« monatlich 2 SM. auS- ^hlteßl. Zustrllungsgebübr, durch h^PostL2S SMLür etwa insolg« Streiks. Maschinen defekt, oder ^ementarrr Ereignisse ausfallende jbnnmeo wird kein Ersatz go» löstet. Verlag d. Dr. E. Ditzeroth, Druck der Untd.-Vuckdruckerei d. g* Au«. So», Markt 21/23. gernsprecher: Rr. 54. n. Sir. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt Rr. 5615. — Sprechzeit i der Redaktion von 10—11 und »1,1-1 Uhr.

Ofktlofl

Wie froh verjüngt schaut die Natur Mit wundertiefem Blick dich an.

Es singt und klingt durch Wald und Flnr, Das Dnadentor ist aufgetan.

Erfülle dich mit gold'nem Schein, Den sanft das Osterlicht dir schenkt.

O laß dein Herz voll Liebe sein.

Di« wundersam dich führt und lenkt.

Und lausche diesem Freudenklang Don allen Glocken, nah und weit.

Dann wirst du mutlos nicht und bang In mancher Lebensdunkelheit.

Franz Eingia.

strebt, die nicht auch gewillt ist, kleinere Parteirücksichtcn hintenanzustellen, wenn es gi t. dieser großen Idee der Konsoli­dierung und Befestigung d"s deuts^n Reiches zu dienen. Wir haben es vor kur­zem erlebt, daß tleineie Partei rimji.,ft h es iür manche politischen Gruppen Deutsch­lands empfehlenswert machten, das Rcichsparlament schon im Bormonat auf- zulcsen. Als aber Hindenburg, bet treue Sachwalter des deutschen Volkes, di s- Gruppen an ihre Pflicht erinnerte, da ließen sie alle ihre kleinen taktis-chen Er­wägungen fallen und dienten dem Ganzen. So konnte gegen das Interesse vieler par­teitaktischer Pläne der Etat und das Not­programm erledigt werden, weil eben all verantwortlichen politischen Gruppen Deutschlands sich zu der Einsicht bekannten, dast das Interesse des Gesamtvol'es vor allen anderen Dingen zu stehen hat.

Wenn man so mit Genugtuung auf die letzte Entwicklung der deutschen Wieder»

rch teL :n! in» ig- [eit «S, :te. me 05. [.

duften. Menfchenfänge, Kinderspiele Jugendtänze jubelnd zu:

Thrlst ist erstanden!

Euch ist der Meister nah,

Euch ist er da!

PaulBu

einen neuen Rhythmus. D e Malerei aber bringt vielleicht sogar den neuen Führer und Befreier.

Sie tot eS schon einmal. Es ist kaum em Zufall, daß in diesen Tagen ein deutscher Maler und Meister so stürmisch ge'e'ert w rd, der sich am Karfreitag vor genau vierhundert Jahren in Nürnberg zum Ei erben Hinlegte und dessen Rresenschaffen. echt deutsch in jedem Stück, bis heute unvergessen geblieben ist. Albrecht Dürer, den man den deutschesten der Deutschen genannt hat, Landsira n und Zeitgenosse des Hans Sachs und der deutschen Meistersinger. Wem klänae und blühte nicht in tausend Farben und Gest alten beim Rainen Dürer der ganze deutsche Frühling! Gibt es einen besseren Verkörpern des Auser» stehungsgedankens in Wort und Bild als Dürer, den deutschen Osterbringer? Anfang April 1528 sank sein siecher Leib ins frühe Grab, aber sein Werk ist ew'g und immer wieder österlich, dabei so ausgesprochen deutsch und aufrüttelnd zu Mut und neuen Taten, daß er recht ein ewiges Geschenk Gottes an unS Deutsche genannt we'den must. Leber- all sind jetzt seine Bilder ausgestellt und wiedergegeben. Feiert mit Dürer deutsche Ostern!

Wir haben noch solch ein göttliches Oster» gescheut, greifbar für jeden Deutschen: den Faust Goethes, der nie veraltet und alle Moden der Menschen und Literaturen über»

aufbauarbeit blicken kann, so wird man sich zu der Hoffnung bekennen, daß die kom­menden schweren Zeiten einer Parteipoliti, scheu Auseinandersetzung des deutschen SS-Ile« auch von dem Gedanken an den höheren Sinn und Zweck einer deutschen politischen Arbeit geleitet sei» werden. Ist dies eine kühne Hoffnung? Ist dies ein Optimismus ohne Berechtigung? Der Burgfriede des Osterfestes 1928 hat im­merhin gelehrt, daß, wenn die politischen Führer des deutschen Volkes und dieses deutsche Volk selbst es nur wollen, aus einem Streit, aus einem Hader, aus einer eifervollen politischen Auseinandersetzung st ts eine Verständigung werden kann, wenn der Wille zu dieser Verständigung nur wirklich vorhanden ist Ist es eine Phrase, wen man bestauntet, daß das deut­sche Vo'k in seiner Mehrheit den Willen zum inneren Frieden sehr energisch, sehr betont, sehr erkennbar hat und fordert?

Sieg les Lebens

Wieder hält der Auferstehung heiliges Wunder die Menschheit fest umfangen. ES dröhnen Posaunen über Grab und Gestein ihr ehernes »Stirb und werde!" Der Tod ist. gewichen, das Leben erwacht zu er­neutem Kreislauf auf Erden.

Da entringt sich wohl vielen ein Jubel» ruf, sie schreiten dem Frühling entgegen, spüren in sich Schlacken schmelzen und Sorgen zergehen und wissen sich erlöst aus Dunkel und Kälte. Schon schmückt sich die Erde mit bräutlichem Grün, um dem Him­mel sich zu vermählen. „Dom Eise be­freit find Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Mick." Denn ewig erneut sich die Zeit, ewig triumphiert alles Leben.

Mysterien walten um uns, die kein irdi­sches Wesen enträtselt. Wir sehen sie nicht, doch wir empfinden ihre Aähe und beugen un« gläubig vor ihnen. Es geht ein Klingen durch die Welt von wunder­barer Feinheit, das reißt die Herzen himmelan, läßt alle Augen leuchten: eS lebe das siegreiche Leben!

Ein uraltes Volkslied hebt so an: „Trotz! Tod, komm her. ich fürcht' dich nit." — Ein rechter Osterglaube spricht daraus, ein Glaube an das Leben. Was ist das Leben anders als ein hehrer, ewig gleicher Strom »er Kraft, der uns durchflutet, der un» eren Willen stärkt und uns zur Tat be- chwingt? ES gehört schon Mut dazu, den Tod des Lebens Erbfeind, zu besiegen. Des Menschengeists Geschichte ist ein unab­lässiger Versuch, dem GrabeSmoder zu ent­rinnen. Einmal im Jahre ertönt der österliche Ruf des Lebens. Wer wollte ihm nicht folgen, wer ihm widerstehen, wenn gleichzeitig Natur, die gütige, iw FesteSglanze prangt?

„Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?" Zu allen Zeiten hat gerade der Ansterblichkeitsgedanke besonders den faustisch ringenden deutschen Menschen sieghaft in seinen Dann geschlagen, sein ganzes Trachten und Wirken unzählige Male durchglüht und begeistert. Der „Faust" als Urbild deutscher Geistes- schöpfung klingt aus in einem jubelnden Hymnus an die Ansterblichkeit: „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis; das Anzulängliche, hier wird's Ereignis." Frei­lich — auch das ist deutscher Oster­glaube — „durch bloßes Sichbegraben- lafsen kommt man nicht zur Seligkeit", denn „nur wer immer strebend sich be­müht, den können wir erlösen", oder wie einer unserer besten führenden Geister es Ker einmal in ähnlicher Fassung be­

ite: „Ansterblichkeit darf kein Wunsch fein, wenn sie nicht erst eine Ausgabe ge­wesen ist, die ihr gelöst habt."

Andere Völker haben uns Deutsche bis­weilen wohl die „ewigen Hungerleider" um geistige Erkenntnis genannt, unser gestei­gertes Anendlichkeitsverlangen teils ver­spottet, teils in unbestimmbarer Scheu ge­achtet und uns dadurch absichtlich in strikten Gegensatz zur klassisch antiken Geisteshal­tung gebracht. Bei aller kraftvollen Dies- feitsfreudigkeit, die uns im allgemeinen beseelt bleibt uns der Mensch letzten Endes

Anzeiger für (bas frühere kurheMchej Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

Auch dem hartnäckigsten Winter folgte noch immer ein Auierstehen der Natur. Noch jedes Leid sand lernen Trost, und der Mensch sei der Natur noch so entwöhnt, sie findet doch wieder den Weg zu ihm. denn er ist ein Stück von ihr. .Die Träne quillt, die Grd« hat mich wieder!" sagt der gleiche D chter. von dem das Wort auf Ostern stammt ein Tag. den alle Menschen feiern!

In unserem merkantilen und mechanischen Zeitalter K:gt Ostern sich an den Aufleben der Ausstellungen und Mellen aller» te > und zumal im wieder erwachenden Sport, dem jetzt alle anhängen, wieviel auch manchmal dagegen gescholten wird, dah wir einstmals das besinnliche Doll der Denker und Dichter gewesen feien, jetzt aber jedem lauten Augen­blickserfolg des Mu keln und hirn'o'en Ma­schinen nachrennen und darüber die seelisch n Werte mißachten und vergessen.

Daran ist Wahrheit, aber deshalb liegt die deutsche Seele nicht etwa im ewigen Wrnter- schlafe, von dem es kein Auferstehen gibt. Ja, eS wäre mehr als verfrüht und völlig irre­führend. in diesem S.nne von e nem „Unter­gänge des Abendlandes" zu fabeln. Nein, die deutsch« Seele lebt so lebendig weiter, dah sie sogar schon am Durchdringen, Umgestalten und Beseelen eben des verpönten Merkanti­lismus und Mechanismus urllerer maschinell gewordenen Zer! mit allen Kräften bemüht

st regen Hellen der aberwitzigen Jetztzeit keine Befragung fand. And h er in die'e n ab» qrundtiesen Bronnen goethischer Weis hell und allgütiger Wahrheit leuchtet den suchenden, österlich nach Aufstieg und Auf erstehen aus dunkler Enge begehrenden Menschen wie ein Abbild des ewigen Himmels über uns sich spiegelnd der .Osterspaziergang" entgegen Und beut uns erst des Osterfestes rechte Freude. In diesem köstlichen K r stück G e» thescher Dichtung, ganz unpastoral, erleben wir Ostern, der „Frühlingsseier freeS Gluck", den Tag. den alle Menscken feiern. — Hier lernen wir dos kühne Wort eines Bastors und Dichters unserer Zett. Gustav Frenssen, begreifen: Wir müssen eine einfache Religion haben!

Vertiefen wir uns, mit Faust am Oster» tage wandelnd, recht in den faustischen Men­schen, so wird uns inne, daß wir alle den faustischen Zug das Sehnen hinauf an unfe e Stirne tragen, dah der Deutsche ein faustischer Mensch ist und das get-etere und geknechtete, patteizerrissene Deutschland, faustisch in feinem Wiederhinaus begehren, eines Tags er­löst werden muh. so wahr die Sonne aufgeht an unserem Himmel.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn, denn sie sind selber auf erlauben!

Damit drückt Goethe aus, was schon vor Jahrtausenden die unerlöste Menschheit be­wegte. Denn was ist das kindliche Spiel des Ostereiersuchens anderes als em aller­letztes Hindeuten auf dekl In allen Weltsogen genannten Arstier, der mit seinem Horne das Weltel sprengt, woran» dann die Lebewesen hervorquellen. Am Ostettage ward der Drache Winter ein Men'ch frühlingshaft froh — so glaubten die alten Deutschen, und .das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind". Osterwakser. aus der frühlinasfrifchen Märzen- erbe aufquellend, hat al erstarkst«, ja zaube­rische Kräfte. Mit Osterfeuern auf den Bergen feierten unsere Altvorderen den Früh­ling. Froh umtanzten sie die FrühlingS- flamme.

Wie unsere Jugend, die uns Zukunft ist. Wir wollen auch in ihrer Tanzluft Ringen und Dehnen nach Freihell erkennen, aus dunkler Not. die uns jahrelang umstrickt hielt. Freude treibt die Weltenräder vorwärts, nicht Not und Tod. Und das Werden ist die ewige Melodie der Well ans allem Sterben sprießt immer ein neues Werden. *

Das lehrt uns Ostern, und das ist auch daS Größte und wahrhaft Welterobernde an der christlichen Religion" Sie verkörpert in Jesus Christus den AuferstehungSgedanken. Dor ihr waren alle Religionen taub und tot. biS eS einen dusteren Karfreitag auf Golgatha gab und am übernächsten Tag das Aus- erstehen-Ostern.

Dir Grabestur be» Winter- fliegt auf und entläßt den Erlöser inS Freie. Ihm rufen Glocken und Dogeistimmen. Dlumen-

Gst. Sie geben dem einzelnen Menschen hie Kraft und den Antrieb, wenn auch nur tot wenige Stunden oder Tage, von einer fWren und menschlicheren Warte auf die Tinge herabzuschauen, die im politischen Werkeltag Leidenschaft, Hader, Zank uno Unduldsamkeit sind. Diese deutschen Feiertage eines deutschen Burgfriedens tilgen die seltene Kraft in sich, aus Par- ßifanatitern und Kämpfern der politischen nschauungen objektive Menschen zu Sachen, lleberhaupt aus Politikern, ver­antwortlichen Staatsmännern, Scribenten

manchmal und zuweilen auch ohne Pol.tik, auch ohne Parteikundgebungen, auch ohne Neben von großem Format und staats­männischem Weitblick. Das alles sind Ge- Mnfen. die dieses deutsche Osterfest 1928 «tot. Drum lasse man ihnen heute Raum uird den Vorrang vor anderen Ueber- Aringen, die später kommen, wenn es «inen Burgfrieden mehr gibt, und der Wahlkampf sich austobt.

Wenn man io von der Warte eines mtcriichen Burgfriedens po.itijche Einkehr leit nd Nachfrage hält nach den wirklich Mosten Werten, die uns eine sachliche Politik des letzten Jahres geschenkt hat, so Pird man vielleicht gerade deshalb, weil •«n nur nach etwas wirklich Großem tiiht, auch recht bald das wirklich lieber« togende herausfinden: Es hat sich im letz­en Jahr unbedingt eine Entwicklung ge- W. die das deutsche Volk wenigstens in Hncm Willen zu einer Bejahung des llaatsgedankens einigen will. Wir unter« Aiden auch heute noch im parlamentari= Mn Getriebe Deutschlands sogenannt. A«lierungspatreten und sogenannte Oppo- Monsgruppen. Aber beide, die Träger fitt Regierungen und die Kreise, die ab» r'-ts stehen, sind immerhin geeint durch eisernes Pf.ichtgefühl, verantwortlich Wtzuar beiten an der Gestaltung und der weiteren günst.gcn Entwicklung des Volks- Mazen, umspannt durch den deutschen Waat in seiner heutigen Form. Veran- Waulicht man sich die einzeln n Pro- Womme dieser am Ausbauwerk tätigen Parteien, so wird man fcstzustellen haben, Ast sie alle, in ihrem Ziel wenigstens, das Weiche wollen, wen sie auch in den W gen, zu diesem Ziel führen sollen, vetsch e- ®tnet Ansicht sind. Es gibt keine deutsche öftsntwortungsbewutzte Partei mehr, die ^cht die Förderung des Staatsganzen er-i

Ms n der Vorwoche der Reichstag da- hinjchied», hat er noch kurz vor Toresschluß fich zu einer Einsicht bekannt, die recht er­freulich ist. Fast alle Parteien des Reichs- parlarnents haben das Ersuchen des viel- umitrittenen und vielgejcholtenen Reichs- mnenministers v. Keuoell gut geheißen und einen Burgfrieden bis zmn Aoklingen der Osterfeiertage dekretiert. So wird das deutsche Volk das Fest der Aufer­stehung in einer freien uns frischen Luft Jetern können, ungetrübt und unbelüftet gen dem politischen Gezänk eines Wahl- hmpfes. Dieser Beschluß der deutschen i ^Parteien erhärtet wieder einmal die Tat­sache, daß, wenn die Menschen nur wollen, ein Friede auch wirklich werden kann Es liegt eben nur an diesem Wollen, an die- । sir Entschlußkraft, an dieser Duldsamkeit, an diesem Aufgehen in eine höhere Ge­dankenwelt. Der Friede ist nicht etwas Materielles, er ist nicht ein „Zustand', er ist und bleibt nur Herzenssache, Einpsin- dungssache und Wille, diesen Regungen des Herzens und des Empfindens Platz zu schaffen, den Vorrang zu geben vor an­deren Dingen, die mit der Gefühlswelt recht wenig zu tun haben.

So wurde das deutsche Osterfest 1928 in einem deutschen Burg,rieden. Zu einer