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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Rr. 81 63. Mrg. Marburg a. Mn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Neue Erörterung -es Schut-enpro-lems
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Da, .Echo Le Bari,* beschäftigt sich leite in einem Leitartikel mit der Frage der Mobilifiernn« der deutschen Dawes-Obligationen. Das Blatt bemerkt, beb, obgleich Boincars in seiner Rede aus diese« alte TLerna angespielt lebe, es fraglich sei, ob men die An- gelegeubeit diese. Mal mit rnebr Erfolg durch- fSbren könne. Bisber batten sich die lat< rikaner nicht gerührt, sondern stets Verlangt, dab ste von diesen BorschubbettSgen mindestens in einem Ausmaß bi, ,u 50 Bro,ent rückbezahlt würden. Der Widerstand käme aber auch von deutscher Seite. Der Plan, von dem man gegenwärtig spreche, interessiere nur Parker Gilbert. E, erweis« sich keinesfalls, dab die Bereinigten Staaten ihre Auffassung geändert hätten. L« mühten Männer von grobem Weitblick in den Bereinigten Staaten an das Ruder gelangen, damit ein« entsprechende Beurteilung der Schuldenfrag- plahgreife. Im übrigen sei der Seldmartt der Bereinigten Staaten in den letzten Jahren stark von deutschen Anleiben beansprucht worden, so dab seine Finanzleute eine tzene Belastung der deutschen Zablungsfähig- keit nicht gerade begrüben würden. Schlieblich sei es auch ausgeschlossrn, dab Deutschland sich in einem Sandel entschlösse, um damit die so» fertige Räumung zu verbinden. Poincare habe aber gleichzeitig mit der «ommerziali- sterung der Dawes-Obligaiionen von der Sicherheit Frankreichs gesvrochen.
Zu dem Dementi der Agentur HavaS, das die Mitteilung des Pariser Korrespondenten der „Reto D v r k T i m e s" als vollkommen grundlos bezeichnet, schreibt ,M a - tin“, es sei gewiß, daß vor Deendi- stung der Wahlperiode in Amerika nichts in wirksamer Weise erörtert werden könne. Es sei klar, daß die Dorschläge für eine allgemeine Verhandlung enttoeber vom Kriegsschuldgläubiger kommen wüßten, oder von dem Staat, der die Dawes- Annuitäten auszuführen habe.
Der angebliche Plan, von dem der Pariser Berichterstatter der „Olein Pork Times" sprach, geht dahin, daß die Aeparations- schulden Deutschlands auf 32 Milliarden her- Kgefetzt und durch die Emissionen deutscher DonS in gleicher Höhe gedeckt werden sollen. Die Halste der 32 Milliarden soll alsdann »st den 11 Milliarden EisenbahnObliga- stonen und 5 Milliarden Industrie-Obligationen mobilisiert werden. Mit der zweiten Halste solle der deutsche JeichshauShalt be- tostet bleiben. Das Ergebnis der Mobilisierung der Eisenbahn» und Jndustrte-Ob- ngationen solle zur Liquidierung der int er» alliierten Schulden dienen, während die rest- nchen 16 Milliarden, tote bisher, zum größten Teil an Frankreich und Belgien in Form von vachlieserungen gelangen sollen.
„Journal" schreibt, es sei indiskret, daß Pvincare den Ereignissen vorgrersen sollen glaubte und daß er dabei eine in» dir ette Aufforder ung an Deutschland richtete. Sicher habe et dies erst getan, nachdem er sich über die Durchführbarkeit des von ihm angeregten Planes vergewissert habe. Um die für Deutschland hieraus sich ergebenden Vorteile zu rechtfertigen, würden aufrichtige Kundgebungen friedlichen Willens, daß heißt Dahlposten, nicht genügen, sondern «in kategorischer Verzicht auf leben Plan zur Revision der Ver- träge.
3m „Populaire" sagt Leon Blum: Die vorzeitige Ahe.nlandräumung mit der vorzeitigen Erfüllung der stnanz eilen Verpflichtungen Deutschlands zu verhindern, hier- m scheint die Rede von Carcassone dre Unterredung von T h o i r y sortzusetzen. Blum glaubt, daß für Poincate ebenso wie für Driand die Sicherheitsgarantie in der Errichtung einer internationalen Kontrolle liegen würde.
Der sozialistische ,H o m m e L i b r e" ist der Auffassung, es sei wohl möglich, daß der von von dem Pariser Mitarbeiter der ,R e w Dort Times" aebrachte Plan einer neuen
Regelung des ganzen DchuldenproblemS auf nicht amtlichen Verhandlungen beruhe. Doch habe dieser Plan ebenfalls das Verdienst, die schwierige Frage in einer ganz neuen Form aufgervllt zu haben. Im übrigen bedeuteten die 32 Milliarden Doldmark, die doch als die angebliche Schuld Deutschlands bezeichnet wurde, den ursprünglichen Wert der nach dem Dawes- plan festgesetzten 62 Jahresraten. Die Summe würde als» vollkommen berechtigt sein.
Die „Times" meldet aus Washington, amtliche Kreise erwarteten nicht, daß für den Rest der Amtszeit CoolidaeS rrgend- welcha Entscheidungen und Schritte im Zusammenhang mit der Revision des DaweS- planes erfolgen können. Dagegen meldet „H e r a l d and Tribüne", daß der Rede Poincarö namentlich auch in Kongreßkreisen größtes Interesse entgeäengebrächt werde, und daß auch das Schatzamt Poinoarös
Vorschläge prüfe, obwohl amtliche Kreis« befürchteten, daß eine allgemeine Erörterung über den RevisionSplan gegenwärtig dem Erfolg der Verhandlungen eher schaden könnte. „Herold and Tribüne" meldet weiter, daß ein in Washington nwiTertber prominenter Newyorker Bankier bemerkt habe, falls die vorgesehene BondSemissian zu vier Prozent erfolgen könne, wäre eine Fixierung der Reparationssumme auf zehn Milliarden möglich, während sie bei fünf Prozent acht Milliarden betragen würde.
In einem Artikel über PoincaräS Rede meint die „Newhork Time S": Wenngleich schon die Wahlen in Deutschland, Frankreich und den Bereinigten Staaten einen raschen Fortschritt nach einer neuen Lösung des Reparationsproblems während des Jahres 1928 kaum erwarten ließen, so sei doch die jüngste Erklärung PoincaräS von größter Bedeutung, umsomehr als sie der neuen Haltung entspreche, die Frank
Der Zustand der verhafteten Deutschen NrrW teS Segatienftetreiäti Schliep
Der vom deutschen Botschafter nach Rrstow am Don entsandte Legatwnssekretär, Schliep,
hat folgenden Bericht telegraphiert:
Ich hatte am 3. April im Gefängnis der D. P. 11., in dem Maier, Otto und Dad- stieber untergebracht sind, in Gegenwart dreier Beamten der ®. P. 11. eine Unterredung mit den Verhafteten, die auf zehn Minuten beschränkt war. Die Verhafteten, die einzeln vorgeführt wurden, erklärten, daß sie feit dem 15. März in Einzelzellen unter» gebracht seien, und daß seitdem die Unterbringung keinen Anlaß zu Beschwerden gebe. Sauberkett. Wafchgelegenheit, Toilettenver- hältnisfe und Essen feien zufriedenstellend. Maier klagte über feine Unterbringung vor dem 15. März. Dis dahin sei er in einem engen Raum mit 15 Mann zusammengewesen. Auch Dadstieber bezeichnete seine Unterbringung biS zum 15. März als sehr Beengt; doch seren, nachdem eine Kommission erschienen war, Erleichterungen, insbesondere die Unterbringung tn Einzelzellen, ungeordnet worden.
Otto erklärte dagegen, er sei auch anfangs, alS er mit Russen zusammen untergebracht war, bevorzugt behandelt worden. Der Gesundheitszustand von Otto und Dadstieber ist gut Maier erklärte, am Sonnabend nach seiner Vernehmung einen Rervenchok erlitten zu haben, so daß fein linker Arm bewegungs
los sei. Er fühle sich matt und liege den ganzen Tag. Maier, der 52 Jahre alt ist, erklärte, daß er früher niemals krank gewesen sei.
Legationssekretär Dr. Schliep beantragte beim Untersuchungsrichter die sofortige ärztliche Untersuchung Maier» und feine Heber» führung inS Krankenhaus, und eS wurde Dr. Schliep zugesagt, daß Maier noch heute zu diesem Zweck ärztlich untersucht werden solle. Maier steht im Drieftoechsel mit feiner grau, die sich in Rutschenkotoo befindet und hat auch von ihr einen Brief erhalten. Er bittet die deutsche Botschaft, sich seiner Frau an» zunehmen. Dadstieber und Otto haben von der Genehmigung des Briefwechsels mit ihren Angehörigen bisher keinen Gebrauch gemacht. Otto bittet, seinen Angehörigen mitzuteilen, daß er gesund ist. Dadstieber bittet mitzuteilen, daß er vorläufig gut auf gehoben fei. Maier erhielt eine Geldunterstützung seitens der Dvtschast, während Dadstieber und Otto genügend versehen sind. Diese beiden baten um Unterhaltungslektüre. Sämtliche Verhafteten beantragen die Destellung eines Der teidiger». Die ‘Beamten der G. P. 11. erklärten auf eine Frage Dr. GchliepS, daß eine Entscheidung über den Termin und den Ort der Gerichtsverhandlung noch nicht getroffen fei
reich mit so viel Glück in außenpolitischen Fragen eingenommen habe. Es wäre jedoch besser, wenn der reue Reparationsplan nicht al» „Bankersplan", sondern al» geschäftsmäßiger Plan" oder als „Common-- fenseplan" bekannt werde, da die Bezeichnung „Bankersplan" Schaden anrichten könne. Ilm jedoch der amerikanischen Regierung und dem amerikanischen Volk annehmbar zu erscheinen, müßte dieser Plan nicht nur ausführbar, sondern auch vorteilhaft sein und man sollte ihn hier jedenfalls erst nach den Wahlen vorlegen. Dieser Plan könnte viel dazu beitragen, die unerfreulichen Reibungen zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Ländern zu vermindern. Die finanziellen Opfer, die der Plan für Amerika Bringe, würden reichlich durch Schaffung eines zufriedeneren Europas mit gesteigerter Kaufkraft wettgemacht.
Schwierige Lage fm englischen Kohlenbergbau.
London. 3. April. Die ernste Lage in den englischen Kohlenbezirken, namentlich im Rorden, wird heute der Oeffentlichkeit durch einen in der Presse veröffentlichten Aufruf
der Bürgermeister von London, E ar diff und Rewcastle und durch eine Spende des Königspaares in Höhe von 15 000 OHL für den zugunsten der notlerdenben Frauen und Kinder in den Bergbaubezirken eingerichteten Fonds deutlicher vor Augen geführt. In dem Aufruf heißt es, es bestehe keine Hoffnung, genügend Kohlenschächte wieder zu eröffnen, um Arbeitsmöglichkeiten für die 250 000 beschäftigungslosen Bergarbeiter zu schaffen. Amtlich wird die bevorstehende Schließung von 40 weiteren Kohlenschächten in Schottland angekündigt. Der am meisten bedürftige Dezitt ist Süd-Wales. Angesichts der von allen unvoreingenommenen Beobachtern zugegebenen ernsten Lage im Bergbau. die kürzlich im Parlament nur einen bescheidenen Widerhall fand, ist es natürlich, daß die gegenwärtige Lohnbewegung der deutschen Bergarbeiter mit besonderem Interesse und vielleicht hier und da auch mit Hoffnungen verfolgt wird.
Der Cavellfilm in Holland verboten.
fk. Haag, 4. April. Der Caoellsilm wurde sür Holland verboten.
Mil und Sn«
Der Papstname Pius ist ein Prognosti- kon. Seit Pius VI. haben alle Päpste, die diesen Flamen wählten, schwere Kämpfe mit der weltlichen DeWalt ausfechten müssen. PiuS VI„ unter dessen Regiment die Revolution in Frankreich ausbricht. wird auf Befehl des Direktoriums von General Derthier verhaftet und nach Frankreich gebracht, wo er stirbt. PiuS VII., der das Konkordat mit Frankreich 1801 unterzeichnet und Napoleon salbt, wird später von dem Gesalbten nach Fontainebleau geschleppt und darf erst 1814 nach Rom zurückkehren. PiuS VIII. ist nur wenige Monate Papst. DaS lange Pontifikat PiuS IX. ist mit Kämpfen ausgefüllt: Kämpfe mit den Savoyern und den Dari» baldinern, Verlust des Kirchenstaats, vatikanische Gefangenschaft, Kulturkampf mit Bismarck. Pius X. muß erleben, daß Frankreich, die „älteste Tochter der Kirche", einseitig das Konkordat von 1801 aufhebt, alle Güter der geistlichen Orden konfisziert und die Trennung von Kirche und Staat ausspricht. And Pius XL, der vom faschistischen Staat geehrt wurde, wie eü kaum je einem Papst von weltlicher Seite ividerfuhr, sieht sich mit einem Schlage von feiten dieses selben Staates sogar in seinen geistlichen Prärogativen bedroht. Der Dame Pius ist nicht nur ein Prognosti- kon, er ist auch ein Programm und bedeutet die prinzipielle Verteidigung der Rechte der Kirche unter dem Zeichen jener Annachgiebigkeit, die durch das „Don pos- sumus" ausgedrückt wird.
Dach der Vernichtung des weltlichen Kirchenstaates ist die geistige Beherrschung der Welt Sinn und Ziel der kirchlichen Politik geworden. Die geistige Beherrschung sucht ihre Mittel einmal in der Mission, zum andern Mal in der Propagierung einer übernattonalen Friedenspolitik. An der Mission nimmt der Faschismus keinen Anstoß, aber die Päpste liche Friedenspolitik kann Mussolini, der sich auf die Dauer nicht ohne Krieg halten kann oder doch nicht halten zu können glaubt, nicht gefallen. Der Widerstreit zwischen Kirche und Faschismus mußte einmal zum Ausbruch kommen. Pius VI. ist eine entschlossene Datur. Er ist nicht umsonst ein guter Alpinist gewesen. Er bewegt sich vorsichtig, aber er scheut keine Gefahr, und in kritischen Lagen entscheidet er schnell, was zu tun ist. Es mag das faschistische Vorgehen gegen den Religionsunterricht der deutschen Kinder in Südtirol gewesen sein, bas dem Papst die Augen trüber geöffnet hat, daß Faschismus und Katholizismus nicht den gleichen Weg wandeln können. Der Faschismus muß, um sich zu erhalten, nationalistische Konflikte provozieren; die Kirche muß, will sie nicht ihren Ruf als geistige Macht aufs Spiel setzen, friedenbringenü wirken. Mussolini hat dem Papste alle
nur denkbaren Liebenswürdigkeiten erwiesen. Er hctt Kruzifixe In allen Schulzimmern anbringen lassen und die nieder» gerissenen Kreuze im Kolosseum und auf dem Capitol wieder aufgerichtet. Er hat durch seine Presse den Willen kundgegeben, Vatikan und Ouirinal mit einander auszusöhnen, ja sogar einen weltlichen Kirchenstaat en miniature wiederherzustellen. Der Papst hat, was man ihm liebenswürdig bot, liebenswürdig angenommen. Er soll sogar freundliche Worte über Mussolini gesagt haben. Als aber der Faschismus an das Recht der Kirche tastete, das sie in der Erteilung des Religionsunterrichtes in Anspruch nimmt, erwiderte der Papst auf Vorstellungen der deutschen südtirolischen Geistlichen zwar, er habe nicht die Möglichkeit, zu ihren Gunsten einzuschreiten, aber er ergriff die nächste Gelegenhest, um vor Italienern, den Mitgliedern des römischen Diözesan- auSschusses. der azione cattolica, zu erklären, daß man nicht römischer Katholik und Faschist zugleich sein könne. Er betonte das Recht und die Pflicht der