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> stenätog, kn r. April 1928

Ok ^dderbffsssch« Zeitung" « JWctat sechsmal wöchentlich. Ve- Mgsprrl« monatlich 2 GM. aus- schlteßl. Zustellmigsgebühr. durch 9kPvst22S etwa infolge Streik». Maschine-defekt« »der elementarer Ereignisse ausfallende Rmnmern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag b. Dr. 5. Kitzeroth, Tntd der Unid.-Vuchdruckerei v. 3* «»st. «och. Markt 21/23. Fern sprech«: Rr. 54. u. Sir. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt *. flt R*. 5016. Sprechzeit Ms Redaktion dem 1011 und

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Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberhessen

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Anzeiger der amtliche» Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

$atiW6ung kttoWahn nicht vor dem 1. Sklsder

Ar Seschüfle des ReichSbahnzeMralamleS - Sie .Selllnmkeilen" häulen sich

Der offizielle Antrag auf Erhöhung der Reichsbahntarife ist beim Reichsverkehrs» Ministerium noch nicht eingereicht worden. Die als Unterlage dienende Denkschrift wird erst in einigen Tagen fertiggestellt fein. Erst wenn der offizielle Antrag bei bei der Reichsregierung vorliegt, wird »ine endgültige Stellungnahme der Regie- mng möglich fein. Da die Prüfung der Denkschriften und die sich daran anschlie» tzenden Dechandlungen mit den Ländern, insbesondere mit Preußen, das kicher noch nicht über diese Frage befragt wor­den ist, einige Zeit in Anspruch nehmen werden, ist selbst im Falle einer Geneh­migung aufgrund der zweimonatigen Sperrfrist nicht mtt einem Inkrafttreten erhöhter Tarife vor dem 1. Oktober zu rechnen. .

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Berlin, 2. Avril. Heber di« von einem Sonderdezernat der Berliner Staatsanwalt­schaft durchgefübrte Untersuchung der Geschäfte des Reichsbahnzentralamtes berichtet eine Ber­liner Korrespondenz,, daß die Nachforschungen 19 trat eine Reibe großer Firmen sowie auf ttne Bank in Frankfurt a M. ausge- debnt haben. Der dringende Verdacht bestehe, daß außer den schon bekannten Ge­schäften des Reichsbahnoberbaurats Müller noch weitere Lizenzgeschäfte vorge­kommen sind.

I« Mittelpunkt der Untersuchung steht zur Zeit eine Frankfurter Saitf, die in gewissem Sinne der Repräsentant einer Reihe großer Unternehmen der Eisenbranche ift Der Reichsbabnbeamte Müller in Göt­tingen, der eine Verbesserung der Lagerung von Lokomotivkolbenstangen gemacht hatte, die äußerst brauchbar war, hatte sich mit der Bank in Verbindung gesetzt, um durch Verwertung der Liren» auf sein Derfabren sich ein Reben- emkommen zu sichern. Die Bank gab das Ver­fahren an eine Karlsruher Maschinenfabrik weiter. Müller geriet jedoch sehr bald in Differenzen mit der Bank, da ihm, wie er jetzt aussagt, deren Berliner Vertreter einen Teil der ihm zustehenden Beträge vor- entbalten hat. Bei der Verwertung der Müllerschen Erfindung geriet die Bank und mit ihr die Karlsruher Maschinenbaufirma in einen Konkurrenzkampf mit einer Berliner Jndustriefirma, die ebenfalls die Mullersche Erfindung erworben hatte. Die Bank hat dann anscheinend versucht, leitende Beamte des Reichsbahn-Zentralamts wiederholt dazu zu veranlassen, die verbesserten Kolbenstangen­lager nur aus Karlsruhe, nicht aber aus Berlin zu beziehen. Tatsächlich scheint das auch erfolgt zu sein, obwohl dem Reichsbahn- rentralamt offenbar auf Betreiben der Ber­liner Konkurrenzfirma eine Mitteilung ge­wacht worden war, daß die Erfindung von einem ihrer Beamten herrübre und daß dieser erhebliche Lizenzgebühren dafür erhalte.

Bei der Prüfung dieser Augelegenbeit ist man auch auf Verträge des Reichsbahn« Zentralamtes mit anderen groben Kon­

zernen gestoben.

die jetzt noch näher untersucht werden sollen.

DieV. Z." veröffentlicht Enthüllungen über die Vorgänge beim Reichsbahn-Zen- tra.'amt, die sie mit der Bemerkung ein« leitet, es bestehe der Verdacht, daß der Leiter des Referates S. des Reichsbahn- Zentralamtes, Reichsbahndirektor Neu- mann, von einzelnen Firmen, die durch Verträge begünstigt zu sein scheinen, Vor­teile erhalten hat.Es wurde", so schreibt das Blatt,festgestellt,

daß Reumann eine Villa in Neubabelsberg

von einem Bertragskontrabenten erhalten,

don einem anderen auf die Villa eine Hy­pothek hat eintragen lassen. Das ReichS- bohn-Zentralamt habe," so heißt es bann weiter,1924 der Firma Dr. Kämpfer u. Co. in Gliesmarode bei Braunschweig ceichSbahneigenes Altmetall zur Umarbei­tung übergeben. Als die Firma in der zweiten Halste 1925 Metalle im Werte von. ,490 000 M. zurückliesern sollte, war sie

dazu nicht tn der Lage. Sie befand sich damals in Zahlungsschwierigkeiten und ist heute in Konkurs. Die Firma H. S ch o h er (Charlotienburg, bereit Mitinhaber Pfeiffer mit Reichsbahndirektor Neumann persön­lich befreundet war, und die Firma Alfred Drehfuß (Charlotienburg) sind dann nach derB. Z." an das Reichsbahn-Zentralamt mit dem Anerbieten herangetreten, die For­derungen an die Firma Dr. Kämpfer zu übernehmen. Dafür wurde den beiden Firmen der größere Teil des Altmetall- anfalles zum Zwecke der Umarbeitung auf die Dauer von fünf Jahren mit hohem Umarbeitungslohn und sehr günstigen Rücklieferungsbedin­gungen zur Verfügung gestellt.

Aus diesem Vertrage sollen die Firmen ein Fabresverdienft von rund 1,2 Millionen

Mark erzielt haben.

Aber", fährt das Blatt fort,die Seltsam- feiten häuften sich. Zunächst verlautete gerüchtweise, daß Reichsbahndirektor Neu­mann zu Dr. Kämpfer, mit dem er seiner­zeit den Verwertungsvertrag geschlossen hatte, in persönlichem Verhältnis stand und daß der Firma Dr. Kämpfer u. Co die 400 000 M., die sie der Reichsbahn schul­dete, auf dem Gnadenwege ge­schenkt worden seien, da der oben er­wähnte Schoher-Bertrag die Forderungen der Reichsbahn übernahm und sie aus eigenem Guthaben abbuchte. Jetzt stellte sich aber heraus, daß

die Billa iu Neubabelsberg ehemals Besitz Dr. Kämpfers

war, dem Reichsbahndirektor Neumann zu- I nächst als Mietshaus überlassen und dann

von diesem zu überaus günstigen Bedin- I gungen erworben wurde. Der Erwerb ge-

Der englisch-ägyptische Konflikt

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deutet teilt mit, daß sich in der ägypti­schen Frage seit Samstag nichts geändert hat Die britische Regierung prüft aufmerksam die ägyptische Rote, die die grundlegenden Vor­aussetzungen der Stellung Aegyptens zu über­sehen scheine, denn das gegenwärtige Regime sei eine Folge der britischen Erklärung von 1922. Das Kabinett trat heute zu einer Son­dersitzung zusammen, um die ägyptische Ant­wortnote zu erörtern. Die Sitzung, bei der Baldwin den Vorsitz führte, dauerte 2 Stunden.

Die englische Presse unterstützt energisch den imperialistischen Standpunkt. Selbst der liberaleStar" schreibt,

daß die äsvvtische Regierung fich nicht ein.

bilden dürfe, daß England den Sudan auf- gebe.

Der diplomatische Korrespondent desStar" rechnet damit, daß von England eine Antwort an Aegypten gegeben wird, die sich insbeson­dere mit der ägyptischen Gesetzgebung betref­fend das Tragen von Waffen, Wahl der Orts­vorsteher und die Einberufung öffentlicher Versammlungen befaßt. Der Berichterstatter derTimes" in Kairo nennt die ägyptische Note

die ernsteste Herausforderung an (6t* Britannien seit 1919.

Wie der Korrespondent wissen will, bab« der Wortlaut der Note die verantwortlicheren Aogypter einschließlich Mitglieder der Wafd- Partei vor den Kopf gestoßen, die die Note al» einen Akt politischer Torheit und als ernsten

Fehler ansehen, da sie weitergebe als die Zu­rückweisung der britischen Deklaration vom Jabre 1922, indem sie Großbritanniens Stel­lung in Aegypten anfechte, die bisher nicht in Frage gestellt worden sei.

DerDaily Telegraph" läßt durchblicken, daß bereits die Verstärkung der euglischeu

Truppen in Aegypten erwogen

wird. Wenn ein solcher Entschluß gefaßt wer­den sollte, so sollte er ohne irgendwelche Ver­zögerung durchgesübrt werden. Die ägyptische Antwortnote wird allgemein als der Ausdruck einer wohlüberlegten Politik Nabas Paschas angesehen, da die Fertigstellung dieser Note annähernd vier Wochen in Anspruch genom­men habe.

In einem Leitartikel schreibtDaily Er- preß": Wenndie ägyptische Regierung voll­kommen unabhängig das Recht, den Suezkanal mit ihren eigenen Truppen zu verteidigen und eine unbedingte Gleichberechtigung mit Groß­britannien als ein Alliierter außerhalb des britischen Reiches fordert, ist es klar, daß die Zeit kür weitere Unentschlossenheit vorbei ist. Dies ist eine Herausforderung, die un­zweideutig beantwortet werden muß.

Di« Zeit ift gekommen, mm Aegypten und di« Welt wieder wissen zu lassen, daß Eng. lands Sonderinteressen und Sonderverant­wortlichkeiten in Aegypten non keiner britischen Regierung auftageben werden können.

schah mittels einer Hypothek, die der ehe­malige Direktor der Frankfurter Me­tallgesellschaft, Heinrich W a r n i ng, auf das Haus halte eintragen lassen. War- ning, der bis 1924 Berliner Vertreter der Frankfurter Metallgesellschaft gewesen war und als solcher vielfach mit dem Reichs­bahn-Zentralamt zu verhandeln hatte, hat 1924 eine selbständige Gesell­schaft gegründet, an der die Frankfurter Metallgesellschaft als stiller Gesellschafter beteiligt war. Durch persönliche Verhand­lungen WarningS mit Neumann wurde er* reicht, daß

die Firma Heinrich Warning Treubäu- derin für die Verschrottung sämtlicher zu oerschrottenden Lokomotiven

wurde. Während der Jahre 1924/25 sol­len etwa 4 bis 6000 Lokomotiven zur Ver­schrottung gekommen sein, und der mit Warning ge-chlossene Vertrag soll außer­ordentliche Gewinne für War­ning vorgesehen haben. Wie behauptet werde, soll er bis zum Jahre 1926 60 v. H. des Wertes erhalten haben, während z. Zt. die Quote 30 für Warning, 70 für die Reichsbahn beträgt. Reichsdahn- direktor Neumann soll sich für diese Ver­träge Rückendeckung bei dem dama­ligen Präsidenten des ReichS- bahn-ZentralamteS beichajft haben."

Feuer im Orient-Emrek.

Flurns (Kanton Graubünden). 2. April. Montag vormrttag um 11 Uhr mußte auf der hiesigen Station der Or:ent-Äkpreß-Zug. der von Zürrch in der Dichtung Chur fuhr, an» gehalten werden, da em Wagen mit Abteilen der ersten und zweiten Klasse in Brand ge­raten war. Die Reisenden eines erster Klasse- Abteils, eine dreiköpfige englische Familie, konnten sich mit knapper Aot ins Frei« retten. 2hr Gepäck wurde ein Laub der Flammen. Bevor der brennende Wagen vom Zuge abge­koppelt werden f-nnte. griffen d e Flammen auch auf die benachbarten Wagen, einen Speise- und einen Gepäckwagen, über, doch konnten diese noch durch die Ortsfeuerwehren gerettet werden. Der 1. und 2. Klasse-Wagen ist bis auf die Grsenteile abgebrannt. Der Zug mußte, ba die elektrische Fahrleitung durch daS Feuer zerstört worden war. bis zur Ankunft einer Dampflokomotive auf der Sta­tion verbleiben.

Fluguufälle.

Colchester, 2. April. Bei einem Ma­növer stiess ein Militärflugzeug gegen einen Daum und zerschellte dann auf der Erde. Zwei Flieger wurden dabei getötet.

London, 2. April. Lach einer Mit­teilung des Luftfahrtministeriums wurden in der Bähe von Hillah im Irak bei einem Flugzeugabsturz ein Fliegerosfiz er und sein Begleiter getötet.'

Witott AwmltMub

Berlin. 2. April. Dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolge sind auf Grund des preußischen Gesetzes vom 31. Dezember 1922im Interesse der Festigung der verfassungs. mäßigen republikanischen Staatsform" folgende Beamte in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden:

Die Bizeprasidenten v. Redern in Gumbinnen. Schlössingk in Potsdam, Dr. v. K e u d e l l in Erfurt, We llen- kampf in Lüneburg, Dr. Dyckerhoff in Aurich, Dr. Werner iu Minden. Zu Bizeprasidenten sind ernannt worden: Bei der Regierung in Gumbinnen der Landrat Dr. Siei«hoff in Zeitz, in Potsdam der Oberregierungsrat Dr. Mayer im Polizeipräsidium in Berlin, in Minden der Regierungspräsident Dr. v. Krause von der Regierung in Oppeln, in Lüne- bürg der Oberregierungsrat Dr. Beer» mann vom Oberpräsidium in Hannover, in Aurich der Oberregierungsrat Dr. Peuck^! vom preußischen Ministerium de» Innern, in Erfurt der Landräf F i s ch e u i ch aus Suhm.

Hierzu schreibt derTag":Wohin es bei diesem Gesinnungsterror kommen wird, ist noch unabsehbar. Man muß bei dieser Gelegenheit auf das verlogene Geschrei der Linkspresse anläßlich einiger ihr mißliebi­ger Ernennungen in Reichsministerien er­innern. Wenn aber die preußische Re» gierung sich mit einem Handstreich der ihr nicht parteipoUtisch gehörigen Beamten entledigt, so ist das gut und schön, denn das geschieht beileibe nurim Interesse der republikanischen Staatsform" und nicht etwa im Interesse von drei Par- t e i e n! Ob es wohl schlimmere Feind? dieser Staatsform gibt als die fanatischen Parteigänger, die ihre egoistischen Machen­schaften hinter bkfet Kulisse verst cken und jede-7 Vertrauen zu Recht und Gerechtig­keit Li Staate zuschanden machen?

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Sie ÄamelhanMungen In LAiw

ff. London. 3. April. Rach einer Time s" - Meldung aus Peking wird die Einleitung des Vormarsches der Nordarmee gegen General Feng be­stätigt. Das Ziel des Vormarsches sei, General Feng von dem Gebiet nördlich des gelben Flusses zu vertreiben und Tschengtschau. den Eisenbahn-Knotenpunkt an der PekingHankau, und Lunghei- Eisenbahn zu besetzen, um eine Zusammen­arbeit zwischen der Feng-Armee und der Nanking-Armee zu verhindern.

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RkUt EkWßk in Smyrna

ff. Angora, 3. April. Gestern wur­den im Vilaset Smyrna schwache und heute früh starke Erdstöße verspürt, die aber nur von kurzer Dauer waren. Weder in Torbali noch in Smyrna find neue Verlust« an Menschen und Sachschäden zu verzeichnen. Nach amtlichen Meldungen wurden insgesamt 18 Dörfer von der Erd­bebenkatastrophe heimgesucht. Von zu­sammen 2000 Häusern wurden insgesamt 1700 zerstört, davon in Torbali allein 1543. Der deutsche Botschafter hat im Na» men der deutschen Regierung dem Ministe, rium des Aeußern sein aufrichtiges Bei- leid aus Anlaß der Katastrophe ausge» sprachen.