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ÄbechMfche Zeitung

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

St. <8 S3.Mkg. Mardurg ttMabn

Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zeilenmillimes*« 0.08 GM. kleine Daran,eigen 0.06 DM. amtlich« and au«» »ätttO« Anzeigen 0.10 DM ®d schwierigem Satz ioww bet Platz- tzoeschrift SO»!, Aufschlag. - Sa mmelan,eigen 100 X Auf­schlag. Reklamen der Willi«. 0,40 DM Zeder Rabat, gilt oU Darrabarr. Ziel 6 Sege. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch di« Geschäft Sslell« and Zusendung der Angebot«. 4* füllungaoa Marburg.

Doldmart ae '/«^Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

ItrStWag 866tn Ne$ntlf6WiinsteWWn

SaS Rdtvkdoramm eerabfibletet Sie «mneltle abgi'thnl AüRlioio Siniabmb mitlaa

Berlin, 30. März. 3m Reichstage wurde arte zunächst der neue deutsch»grie» ische Hand Svertrag in erster und »iter Lesung angenommen. Eine dritte rfung konnte nicht stattfinden, da die eutschnationalen Widerspruch erhoben. Das tf«6 gegen den Waffenhandel nach h i n a wird ohne weitere Aussprache in kn drei Lesungen verabschiedet.

Samt wird das Rentenbankgefetz 3. Beratung unverändert verabschiedet. Bgu wird auch ein Kornpromihanirag an» inommen, der dieses Gesetz am 1. April 1928 Kraft treten läßt. Gleichzeitig treten ich die gleichzeitig beschlossenen Erhöhungen 1 Invalidenversicherung, die Zolländeruncen Vie die Herabsetzung des Gefrierfleisch­iitingents in Kraft. Durch die Annahme ises Antrages ist das ursprünglich beabsich- te Mantelgeftztz zum Programm über» ssig gemacht.

Hierauf wird die

dritte Beratung de» Etat» für 1928 ^gesetzt. Beim Haushalt des Re:chswirt» aftsministeriums wird ein Antrag ange» mmen, der neben den für die Leipziger teffe bewilligten Mitteln von 800 000 Ml je ÖOOO Mk. für die bestehenden Messen» »tetfl n Pr., Breslau, Köln und Frank- Ü W. anfordert. Beim Reichswehr» |t wird eine Entschließung angenommen. > verlangt, daß die sogenannten kleinen trnifonen nur ba aufgehoben werden, ! militärdienstliche Interessen dies unab» iSbar machen. Beim Etat' des Aus» irtigen Amtes wird durch Annaime eines itschnotvonalen Antrages bei der Reichs» ksandtschaft in München der in eiter Beratung beschloßene Zusatz .künftig ckallend" gestrichen. Beim Haushalt des mern werden die Hilfsmittel für die von « w e t t e r k a t a st r o p h e n betroffenen Kiele und für die bedrohten Grenzgebiete

5Vs Millionen erhöht. 3m übrigen kden diese Etats und der des Reichs» 8kitsministeriumS ohne Aussprache nach den chlüssen der zweiten Lesung bewilligt.

Beim 3ustizetat wird die gestern be- nnene

Amnestiedebatte

Igesetzt. Cs kommt dabei zu einer scharfen Üernif des Abg. Frhr. v. Frehtag-Lormg»

3 den (Dntl.) gegen den Abg. Dr. Kahl I Dpt.) im Anschluß an dessen gestrige Be­rklingen. Dann fragt Abg. Heuß (Dem.), der Reichsjustizminister dieses Amnestie» äangen unterstütze.

Teichsjuflizminister Hergt verweist dar» , daß er schon im Ausschuß betont habe, t handle es sich um einen Initiativantrag, dem die Regierung Zurückhaltung wahren - kn. 3m übrigen habe er die alten De» len «r Regierung gegen wieder- llt e Amnestie ausgesprochen.

Abg. Koch-Weser (Dem.): Der Justiz» tifter hat hier mit leichter Handbewegung Verantwortung für e nett deutschnaiio- len Amnestieantrag abgelehnt, der die natsauwrität untergräbt.

Reichsjustizminister Hergt: Ich habe im sschuß darauf hingewieien, daß es die isgabe der Regierung sei, auf Bolksbe- pmgen zu achten. Bei den Degnadigungs- ivnen im vorigen Jahre kam aus den schiedensten Lagern der Ruf, man solle «ich nen Strich machen unter alles, was der Vergangenheit aus den Irrungen und Irrungen der damaligen Zeit entstanden fei. «len Sie sich denn die parlamentarischen «ister so vor, daß sie eine Puppe ihrer tteien sein sollen? (Stürmischer Deisall

Händeklatschen b. d. Deutschnationalen.) Kabinett vertret e ich mein dkt auf Grund meiner eigenen tinung. Ich habe nicht etwa für alles

Verantwortung zu übernehmen, was ine Partei an Anträgen stellt. (Lebhafter fall b. d. Dntl.) iachdem in zweiter Beratung Teile der tneftieBorlage, darunter der Ausschluß der i Fememörder von der Amnestie, ytge- Bnen worden war, wird in der Abstim» 0g über Einleitung und lleberschrist gegen Dozialdemokraten und Kommunisten das -tz zweiter Lesung abgelehnt. In darauf folgenden dritten Beratung er» *n nochmals die Abgeordneten Hvllein rm.), von Graefe (Völk.) und Dr. Ever-

(Dntl.), daß die Sozialdemokraten durch

die Ablehnung der Amnestie für die soge­nannten Fememörder die Zustimmung der Rechten und damit die Annahme der Amne­stievorlage verhindert hätten.

3n der Schlußabstimmung twrd die ganze Vorlage mit 226 gegen 140 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten bei neun Enthüllungen abgelehnt. Der 3u» stizetat wird bewilligt.

Beim Ernährungsetat werden Entschlie­ßungen angenommen, die eine Förderung des Flachsanbaues verlangen. Beim DerkehrLetat wenden sich alle Parteien scharf

gegen die Erhöhung der Bahntarife.

Reichsverkehrsminister Dr. Koch: Ich kann erklären, daß ich den Beschluß des Verwaltungsrats der Reichsbahn bedauere. Er Hal schriftlich die Stellungnahme der Reichsregierung miigeteill bekommen. Di« Finanzlage der Reichsbahn ist in diesem Jahre nicht schlechter, sondern besser ge­worden.

Ich denk« nicht daran, einer Tarikerhöhnng zuzustimmen.

Tie Beamtenbesoldung hat mit der Tarif­erhöhung garnichts zu tun. Sie hat bei der Reichsbahn 50 Millionen mehr ge­koster als veranschlagt war, aber der Fi- nanzbedarf von 350 Millionen war schon vorhanden. Der Minister wendet sich dann gegen die Meldung eines Mittagsblattes, daß ähnliche Geheimfonds, wie bei der Lohmann-Affäre auch beim Derkehrs- ministerium bestehen sollen. Dazu erklärt Minister Dr. Koch: Das Reichsverkehrs­ministerium hat nur offene Fonds zur Verfügung, die der ordnungsmäßigen Prü­fung des Rechnungshofes und des Reichs­tages unterliegen. Der Rechnungshof hat die Rechnungen von 1927 schon geprüft.

Abg. M o kl a t h (Wirtsch. Vergg.) be­grünt er folgende

Entschließung:

Der Reichstag erkennt ein« Notwendig­keit für die Erhöhung der EifenbaHnrarise z. Zt. nicht an und ersucht die Reichs­regierung, der geplanten Erhöhung der Eisenbahntarife die Zustim­mung zu versagen.

Kein Wledmintr-tt BrMiens?

Str Siiterbunb eine Angelegenbell Europas

.Sinei* berichtet ans Ri- d« Za, neiro: »Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß Brafilie» die Einladung zum Wieder­eintritt in den Völkerbund annehmen wird, es sei denn, daß ihm andere Bedin­gungen angebotra werden, al, die, die seinen Austritt aus dem Völkerbund ver­anlaßte». Die Anstcht Brafiliens sei, daß der Völkerbund hauptsächlich a« der europäischen Politik interessiert ist. und daß als« eine Beteiligung an völkerbundsangelegenheiteu Brasilien in Fragen verwickeln könnte, die von keinerlei Interesse f8t Süd» amerika sind.

SleMHlvordtrVmiirevMlon

Auflösung von Parteiorganisationen im Donezgebiet.

fk. Moskau, 31. März. Das nord­kaukasische Bezirkskomitee der kommunisti­schen Partei hat im Zusammenhang mit der gegenrevolutionären Verschwörung in der Kohlenindustrie des Donezbeckens eine Untersuchung bei den Parteiorgani­sationen des Schachtyreviers vorgenommen und daraufhin beschloßen, das Büro des

Schachtykomitees aufzulösen, da es sich der Leitung in den wichtigsten Fragen , des Wirtschaftsaufbaues unfähig erwiesen habe. Das Bezirkskomitee hat ferner be­schlosien. eine Reihe von Parteifunktio­nären abzusetzen.

Das Präsidium des nordkaukasischen Be­zirksrates der Gewerkschaften hat den Be- schluß gefaßt, das Präsidium des Berg­arbeiterverbandes des Schachtybezirkes aufzulösen und ein neues Präsidium zu wählen, sowie eine Reihe von Gewerk­schaftsfunktionären abzusetzen. Die Zahl der entlaßenen höheren Beamten beträgt 10. Sie werden durch gewissenhafte Par­teimitglieder ergänzt. Die entlaßenen Be­amten werden vor das höchste Gericht ge­stellt.

Ermordung eine« englische» Staats­angehörigen in Argentinien.

Buenos Aires, 30. Mäi^. ,2a Ra» cam berichtet aus Mendoza über die Er­mordung eines englischen Staatsangehörigen namens Wrlltman, der dort in einer Dank tätig war. durch Anhänger des berüchtig en Bandit en führens Lencmas. Die Banditen hallen den Engländer zwingen wol en. »es lebe Lencinas" zu rufen. Wrlltman hatte der Aufforderung nicht gehorcht, die er, well er der spanischen prache niDcht mächtig war, wahrscheinlich gar nicht verstand. Er wurde daraufhin ermordet.

Diese Entschließung wird e i n ft t m m t g angenommen, ebenso eine in gleichem Sinne gehalten« Entschließung Dr. Mitbel- mann (Dt. Bpt.).

Angenommen wird eine Entschließung Giesberts (Ztr.), die Reichsregierung möge gemeinsam mit der preußischen Staats­regierung den Nürburg-Ring in der Weise fördern, daß daraus ein ordnungs­gemäß geleitetes Unternehmen wird. Der Verkehrsetat und auch die übrigen Etats werden in dritter Beratung ange­nommen. Nach Annahme des HauShalts- gesetzes wird über den Haushaltsplan die

Schlußabstimmnng

auf deutschnationalen Antrag namentlich vorgenommen.

Gegen den Etat stimmen Sozialdemo­kraten, Demokraten, Wirt'chaitspar.ei, Kom­munisten und Nationalsozialisten. Die Mitg.ieoer der Vollsrechtspartei enthalten sich der Stimme. Bayerischer Bauernbund, Deutsch Hannoveraner und Völkische stimmen mit den bisherigen Regierungsparteien für

den Etat. Der Etat, mit dem durch den Ergänzungsetat auch das N o t p r o - gramm verbunden ist, wird mit 200 ge­gen 170 Stimmen bei vier Enthaltungen angenommen Ohne Aussprache wird auch der Nachtragsetat für 19 2 7 in dritter Lesung angenommen.

Tie Novelle zum Tabaksteuer- Gesetz wird gleichfalls debattelos in dritter Beratung angenommen. Damit war die Tagesordnung um 14.30 Uhr er­ledigt.

Die letzte Reichstagssitzung.

Berlin, 30. März. Der A eI te­st en rat des Reichstages, der so­fort nach Beendigung der Plenarsitzung zusammentrat, beschloß mit Rücksicht dar­auf, daß Reichsregierung und Reichstag den Wunsch haben, sich, falls es nötig ist, noch einmal mit den vom Reichsrat ver­abschiedeten Gesetzen zu beschäftigen, die für heute nachmittag um 18 Uhr an-

(Sortjegung hebe Seite 2J

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Am Freitag haben in Königsberg die Verhandlungen zwischen Polen und Litauen" begonnen, die in Ausführung eines Völkerbundsratsbeschlusses das Ziel haben,zur Herstellung von Be­ziehungen zu gelangen, die geeignet sind, zwischen den beiden Nachbarstaaten das gute Einvernehmen, von dem der Friede abhängt, sicherzustellen. Auch von dieser Konferenz wie von so mancher anderen, auf der man um das Kernproblem wie die Katze um den heißen Brei herumge- ganaen ist, kann man lagen: über Thema Darf nicht gesprochen werden. Dieses Thema heißt:Die Wilna-Frage". Es ist aber bekannt, daß der polnische Außen­minister Zaleski sich erst bereit erk'ärt hat, zu den Verhandlungen zu erscheinen, nachdem er Garantien dafür erhalten hatte, daß die Wilna-Frage nicht Gegen­stand der Verhandlungen fein wird. Stach polnischer Auffassung gibt es überhaupt keine Wilna-Frage. Irgend eine andere Regelung des Tatbestandes, wie er durch die Einverleibung des Wilna-Gebietes, geschaffen worden ist, ist für die Polen undenkbar. Litauen aber denkt nicht daran, die Ansprüche auf Wilna fallen zu lassen und man ist auf litauischer Seite ängstlich bemüht alles zu vermeiden, wo­raus irgendwie der Schluß gezogen wer­den konnte, daß Litauen sich mit der Ein­verleibung des Wilnagebietes einverstan­den erklärt. Das geht so weit, daß Litauen im Wirtschaftsverkehr mit Polen irgendwelche Erzeugnisse aus dem Wil­nagebiet für den litauischen Markt nicht zulaßt. Das -bedeutet eine wirtschaftliche Abschnürung des Wilnagebietes, die wie­derum Polen'unter allen Umständen be­endigen mochte.

Es ist so gut wie sicher, daß die Ver­handlungen sich zunächst nur um lokale wirtschaftliche und Derkehrsprobleme drehen werden. Es wird die Ausnahme der Eisenbahn-, Post- und Telegraphen­verbindungen, die Frage des Grenzver­kehrs und der Schiffahrt auf der Memel zur Erörterung kommen. An dieser letz­ten Frage sind auch wir insofern nicht ganz uninteressiert, al es für den ost­preußischen Holzhandel von Bedeutung ist, ob die Holzflößung auf dem Memel­strom wieder in Gang kommt oder nicht. Für die Stadt Memel ist diese Frage so­gar von entscheidender Bedeutung. Denn Memel lebte früher vom Holzhandel; seit der Sperrung des Memelflusses ist es aber eine wirtschaftlich tote Stadt ge­worden.

In Berliner politischen Kreisen be. grüßt man selbstverständlich das Zu» stanoekommen dieser Konferenz, für die Deutschland sich als Gastgeber zur Ver­fügung gestellt hat. Man ist sich aller­dings klar darüber, daß die polnisch­litauischen Streitigkeiten nicht von heute auf morgen aus Der Welt geschafft wer­den können, und es wird zweifellos noch weiterer Konferenzen bedürfen, um zu dem ebengenannten Ziel zu gelangen. Daß es sich bei den jetzigen Verhandlun­gen nur um eine Vorkonferenz handelt, geht am besten daraus hervor, daß man ne unmittelbar vor den Osterfeiertager einberufen hat.

Die ägyptische Antwort an England.

..Times" berichtet aus Kairo: Die ägyptische Regierung erhebt in ihrer, dem britischen Oberiomisiar überreichten Ant­wort auf die Note der britischen Regierung zur Frage der öffentlichen Sicherheit vom 4. März, Einspruch gegen biete Ein­mischung in die inneren Angelegenheiten Aegyptens und erklärt, die britischen Be­ziehungen mit Aegypten müßten auf der­selben Grundlage beruhen, wie die anderer Länder. Weiter versichert die ägyptische Regierung, daß es ihre und des ägypti­schen Parlaments Absicht sei, die öffentliche Sicherheit aufrecht zu erhalten und die Interessen der Fremden zu schützen.