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Anzeiger fiir (das frühere kurheffifchej Oberheffen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburgs

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Mittwoch, -tu 2L März 1928

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V1 Uhr.

Noch drei Deutsche in Satt

DasBerliner Tageblatt" mel­det aus Moskau, daß Ingenieur Solo- stein gestern von Charkow nach Berlin abgereist sei. Der Monteur Wagner sei noch in Charkow. Der sich angeblich unter den verhafteten Deutschen befindende Käst er, dessen Name, wie gemeldet, in Berlin unbekannt ist, ist nirgends bekannt. Es befinden sich aber tatsächlich noch drei deutsche JngenieureimDesäng- n i s z u R o st o w.

Eraf Brockdorfss Verhandlungen.

Ein Berliner Blatt meldet in seine! Frühausgabe, daß der deutsche Botschafter in Moskau in der Angelegenheit der ver­hafteten Deutschen einen neuen Schritt unternommen habe. Dazu erfahren wir auf Erkundigung aus unterrichteten Krei­sen, daß diese Darstellung kein richtiges Bild gibt. Graf Brockdorff steht in dauern­den Verhandlungen mit der Sowjettegie- rung. Er muh deshalb naturgemäß tag­täglich im Außenkommissariat vorsprechen. Diese Verhandlungen beruhen aber nicht etwa auf neuen Instruktionen, sondern bilden einen dauernden Meinungsaus­tausch, wie er von vornherein bis zum Er­folg der deutschen Schritte vorgesehen war. In politischen Kreisen verlautet, daß bis Dienstag abend kein neuer Bericht aus Moskau eingegangen ist, sodaß angenom­men wird, daß die Verhandlungen bisher noch zu keinem weiteren Ergeb­nis geführt haben.

Eine faire der Verhaftungen.

Koblenz, 20. März. Eine Anzahl fowietruffifcher Ingenieure, Vertreter sowietruffifcher Eisenwerke, hatten gebeten, in Begleitung eines Sekretärs der Sowjet« Handelsvertretung zur Besichtigung ver­schiedener Werke der Eisenindustrie in Deutschland zugela"en zu werden. Die durch Vermittelung der hiesigen Industrie« und Handelskammer um Erteilung der Be« stchtigungerlaubnis angegangenen Werke haben jetzt angesichts der Verhaftung deut­scher Ingenieure in Sowjetruhland erklärt, daß sie ihre Zusagen zurückzögen und die sowjetrussischen Ingenieure nicht empfan­gen würden.

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Eine neue Fkolienatrüftung-' konimnr?

Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph" beschäftigt sich heute eingehend mit der kürzlichen Auf­forderung des amerikanischen Kongresses an Präsident Coolidge, zur Einberufung einer neuen Flottenabrüstungskonferenz, wobei er den günstigen Eindruck dieses Be, schluffes feststellt. Dieser Beschluß werde so ausgelegt, daß der .-ufammenbruch der Genfer Dreimächtekonferenz im Herbst nickt von Dauer wäre. Die Aufnahme einer Klausel, in der der Präsident um die Einberufung einer neuen Flottenkonferenz ersuckt werde, könne nur die Abhaltung einer neuen Konferenz vor Ablauf des Washingtoner Vertrages im Jahre 1031, bedeuten. Bis zur Abhaltung einer Kon­ferenz würden zweifellos auch die Ver­handlungen über den amerikanischen Dor, schlag eines Antikriegspaktes abgeschlossen sein.

In englischen politischen Kreisen ist man trotz des günstigen Eindrucks der Verband, lunacn über das amerikanische Budget und trotz der Bemühungen, die seit dem Herbst vorigen Jahres eingetretene starke Besse­rung in den gegenseitigen Beziehungen durch einen neuen wichtigen Eemein- schaftsakt zu trauen, der Ansicht, daß die Einberufung einer neuen Flottenkon, ferenzvor 1931nichtsehr wahr­scheinlich fei.

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Frankreichs neuer Borfchlaa an Kelloss

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rüstungsarbeiten ins Lächerliche zu ziehen. Wenn, wie früher erklärt wor­den sei, die sowietrussische Delegation nach Gent gekommen sei, um den kapitalistischen Staaten die Maske herabzureihen, so ersebe man, daß andere Absichten vorhanden sein müsien. Niemand im Ausschuh glaube an eine Sabotage und er selbst sei nach wie vor für eine eingehende Prüfung der sowietruisischen Vorschläge und würde eine solche Prüfung unterftüften;

wenn aber eine Sabotage bestehe, so gebe sie von Sowjetruhland aus und sei gegen den Völkerbund geri htet,

und diese Sabotage sei in demvor- liegenden Entwurf selbst feststell­bar, in dessen 63 Artikeln auch nicht mit einem Wort der Völkerbund erwähnt werde. Diese Tatsache könne nicht anders ausgelegt werden, als ein Boykott des Völkerbundes selbst und aller seiner Arbeiten. Eine weitere Frage sei, ob die sowietrussische Regierung zur Aenderung ihrer bish-rigen Politik des bewaffneten Aufstandes in frem-

faankreichs Kampf gegen den Kommunismus.

ff. Paris, 21. März. Die während der letzten Tage gepflogenen Verhand­lungen IustizministerS D a r t h o u mit dem Generalstaatsanwalt über di« zunehmen­den kommunistischen Umtriebe im Heere sollen sich u. a. aussen Wortlaut des MU- gliedsausweiseS der kommunistischen Par­tei beziehen, der u. a. für die Soldaten di« Redewendung enthältvon Allem ist di« Parteileitung in Kenntnis zu sehen". Barthou stößt sich an dem Ausdruckvon Allem". Die nötigen Unterlagen, umleine strafbare Handlung als vorliegend be­zeichnen zu können, sollen bereits vorliegen.

unter denen allerdings

ein «reher Teil beute schon unannehmbar

erscheine, während andere Bestimmungen durchaus der Annahme wert seien. Nachdem bereits zwei Kouventionsentwürfe, nämlich der französische und der englische, im Ausschuß vorliegen, sollte nach seiner Ausiasiung die Prüfung des russischen Entwurfes nicht separat, sondern in 3 usam men Hang mit der zweiten Lesung dieser Ent­würfe stattfindcn. Dabei müsse zunächst auch die orundsztzlicke Frage gelöst werden, ob der russische Entwurf mit dem Völkerbundsvakt in Uebereinstimmung sei. Ohne eingehende Be-

Malin- glaubt, daß die französische Antwortnote an Kellogg in der Frage des mehrseitigen Antikriegspaktes wahrschein­lich nach diese Wache übermittelt wird. Briand prüfe zur Zeit einen Entwurf, zu dem er aber noch die Ansicht einiger seiner Kollegen im Kabinett ein. holen will, da er nicht bis zum nächsten Ministerrat. der am 29. März ftattsindet, warten wolle. Nach demMatin- kann als sicher angenommen werden, daß die Antwort positiv sei und eine An­nahme der ameri anischen Anregungen be. deuten werde, vorausgesetzt, daß die beiden Lander über die Vorbehalte einig seien, die das Völkerbunds ft alut in Europa und die Monroedoktrin in Amerika erheischen.

WieChicago Tribüne- erfährt, enthält die Note folgende Punkte: L Frankreich nimmt die Anregung Kelloggs

zu einem mehrseitigen Pakt, der alle Kriege, nicht nur die Angriffskriege, verurteilt, an. Frankreich reicht eine Formel ein, von der es annimmt, daß sie unter Wahrung der Verpflichtungen Frankreichs gegenüber dem Völ erbund auch Washington befriedigen wird.

2. Frankreich wünscht außerdem, daß der Vertrag nicht auf Frankreich, die Ver­einigten Staaten, Japan, Deutschland, Italien und Großbritannien beschränkt bleibt, sonder« allen Nationen offen steht.

1. Für den Fall, daß e i n e der Mächte den Vertrag bricht, wünscht Frankreich, daß dadurch ohne weiteres alle an­deren Nationen von den Ser, tragsverpflichtunge« wieder befreit werde« und daß so den Mitgliedsstaaten de« Völkerbundes erlaubt wird, ihren aus dem Völkerbund erwachsenden Ser» tragsverpflichtungen nachzukommen.

öls, Kreis Rimptfch, nicht richtig. Die Schutzpolizei hat zwar von Gummiknüppeln Gebrauch machen müssen, aber Verletzte Hut es nicht gegeben. Maschinengewehre wurden nicht aufgefahren. Die Schutzpolizei hat überhaupt keine Ma­schinengewehre mit sich geführt. Regie­rungspräsident Jänicke hat sich gleich nach Bekanntwerden der Ereignisse an Ort und Stelle begeben, um Sorge zu tragen, dah es morgen bei dem an beraumten Ver­steigerungstermin nicht abermals zu An­ruhen kommt. Der Landrat des Kreises Mmptsch, Sehbold, der zurzeit an den Beratungen des Staatsrates in Berlin teilnimmt, wurde telephonisch zurück­berufen.

Zu den Vorgängen in Langenöls meldet dieV o s s i s ch e Zeitung- aus B r e s, lau: Der Drahtzieher der ganzen Be­wegung im Kreise Nimphsch ist der Ritter­gutsbesitzer von Schimpfs, der zum Vorstand des Landbundes gehört. Es scheint jedoch, daß der Landbund sich selbst loyal verhält. Er erließ eine ausdrückliche Warnung vor Gewalttätigkeiten gegen Beamte in Ausübung ihrer Pilickt und fordert die Landwirte auf, die staatliche Autorität zu achten. Gegen von Schimpfs wird ein Verfahren wegen Nötigung und Aufruhr eingeleitet werden.

DerLandsmann" meldet: Nnlätz- lich der gestern nachmittag in Langen­öls (Kreis Nimptfch) veranstalteten Zwangsversteigerungen auf landwirt­schaftlichen Betrieben hatten sich etwa 1000 Bauern aus den Kreisen Reichen­bach und Nimptfch angesammelt, die durch Singen von Liedern auf den Ver­steigerungsplätzen die Abgabe von Gebo­ten zu verhindern suchten. Der Land- rat des Kreises Nimptfch hatte ein Schutzpolizeikommando von 20 Mann nach Langenöls entsandt, die mit dem Gummiknüppel gegen die Bauern vorgingen. Es gab mehrere Leichtver­letzte. Als sich der Tumult immer mehr steigerte, weil ein bekannter Führer der Landwirte verhaftet werden sollte, ließ der befehlshabende Offizier die Ma­schinengewehre anfahren und die Karabiner laden. Angesichts dieser ernsten Lage wurden die weiteren Zwangsversteigerungen abgebrochen. Nur dem besonnenen Verhalten des Ossi zier» und dem Eingreifen der anwesenden Landbund- s L h r e r ist es zu verdanken, daß noch hn letzten Augenblick ein Blutvergießen ver­mieden wurde.

Dach amtlrcher Feststellung sind die Meldungen über di« Vorgänge in Sangen-

den Ländern bereit sei und damit auf jede Einmischung in nationale Angelegenbei­ten verzichten wolle. Wenn diese Sicherbeit nicht bestebe. so müsse man in der russischen Haltung das erste Hindernis zum Frieden seben. Cord Cusbcndun kritisierte dann den russischen Vorschlag im Einzelnen und schloß: Die erwöbnten Beispiele zeigten zur Genüge, daß eine ganz gründliche Prüfung der einzelnen Bestimmungen notwendig sei,

fragune aller zuständigen technischen Stellen könnte die endgültige Antwort über eine so komplizierte Materie nicht abgegeben werden. Wenn von russischer Seite auf ein gewissen­haftes Urteil Wert gelegt werde, so sei auch die notwendige Zeit zur Stellungnabme erfor­derlich, und dafür seien sechs Monate nicht zuviel.

Der javanische Delegierte Sato sprach sich in sehr höflicher, aber ebenfalls ablehnender Werse gegen das russische Projekt aus, da es über den im Pakt vorgesehenen Rahmen bin« ausgehe. Als letzter Redner stimmte dann Riddell-Kanada den Ausführungen der Vertreter Englands und Japans ausdrücklich zu. Die nächste Sitzung, zu der bereits sieben Redner eingetragen find, wurde auf morgen vormittag angesetzt. Litwinow hat darum gebeten, daß er seine Gegenerklärung, unter Stellungnahme zu den verschiedenen kri­tischen Einwänden erst am Donnerstag im Ausschuß abgeben kann.

AdkAtunMnfmnr

Genf, 20. März.

Die heutige Sitzung des vorbereitenden Ab­rüstungsausschusses, in der zunächst de Marinis für Italien und Clauzel für Frankreich »um sowjetrussischen Abriistungs- entrourf in höflicher, aber ablehnen, der Weise Stellung nahmen, war beherrscht von einer t^itünbigen Rede des englischen Delegierte«

Lord Cushendun.

Tr betonte zunächst die Notwendigkeit, die rus- pschen Vorschläge in ihren Einzelheiten »u prüfen und sprach sich dagegen aus, sie einfach en bloc anzunehmen oder abzulehnen, wie das gestern von Litwinow verlangt worden sei. Niemand könne gegen die Grundsätze des ruf Bhen Entwurfs {ein, die (eit Anfang der Ee- ichte bestünden. Bei aller Hochachtung ge­genüber der russischen Delegation glaube er aber, daß bei Prüfung ihrer Vorschläge und im Hinblick auf die heutigen Verhältnisse zu­nächst andere Fragen als die von ihnen kate­gorisch gestellten beantwortet werden müssrn. Bor allem sei es notwendig, zu wißen,

i« welchem Seifte die russische Regierung ihre Vertreter nach Seat geschickt habe,

um an den Arbeiten des vorbereitenden Ab- rüstungsausschusies teilzunehmen. Bei den vom Völkerbund seit sieden Jahren geleisteten Ar­beiten »ur dauernden Sicherung des Friedens, deren Ergebnisse zwar noch nicht sehr bemerk­bar seien, habe der Völkerbund noch keine dtlte von der sowjetrussischen Regierung er« halten: ganz im Gegenteil, habe diese keine Gelegenheit versäumt, den Löl- ter bunb herabzusetzen und die Ab­

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