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Anzeiger für (bas frühere kurheffische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

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M ^Obertzefflsch« Zeitung^ er- sechsmal tvichentlich. Be- Ezsvret« monatlich 2 SW. «e* ^ießk Zuslellmigsgebühr, durch ^poslLLL SM.Aür etwa infolge Maschinen defekte oder ^rmrntarer Ereignisse ausfallend« jtreantt» wird kein Ersatz ge- Met. Verlag d. Dr. §. Liberoch, der Uuid.-Vuchdruckrret d. etjO, Aug. «och» Markt 21/23. Ausbrecher: Rr. 64. tu Rr. 65. «ostscheckkonto: Amt Frankfurt 5 i«R. Nr. 6015. — Sprechzeit I# Redaktion von 10—11 und »kl—1 Uhr.

mer, nun

Groenee über -ie Aufgaben -er Reichswehr 9er Schutz -er -rutjchen Sfigreme — Gegen -en Pazifismus aus KnechMafiSgeftnnong

fen, die dem militärischen Zweck der kleinen deutschen Wehrmacht entsprechen. Gin Neichswehrrninister braucht durchras nicht ein kriegslüsterner Chauvinist zu sein, wenn er im Parlament darauf dringt, daß der Wehrmacht des Landes auch die Dorwis-- setzungen gegeben werden, die allein ihr erst den Charakter einer Wehrmacht geben. Las Preußische Ministerium, eine Mehr­heit des Reichsrcttes, und eine unentwegte Linksopposition im Reichstag haben ge­glaubt. der Forderung des Reichswehr­mini sreriums auf den Dau eines neuen Panzerkreuzers nicht staltgeben zu dürfen. Sic begründen diese Haltung mit der mili­tärischen Zwecklosigkeit eines solchen klei­nen Kreuzers, dann aber auch mit dem ge­ringen militärischen Machtfaktor, den unsere Reichswehr im Vergleich mit den ausgerüsteten Armeen des Auslandes ein» nimmt. Diese Haltung ist unlogisch. Diese Neinsager haben sich in den Tagen, als die deutsche Verfassung in Weimar angenom­men wurde, für das Bestehen einer deut­schen Wehrmacht ausgesprochen. Wenn sie aber für eine deutsche Wehrmacht Plä­dieren, so müssen sie auch Sorge dafür tra­gen, daß dieser Wehrmacht die Mittel in die Hand gegeben werden, ohne die sie nur zu einer recht kostspieligen und sinn­losen Farce würde. Deichswehrminister Droener hat in seiner Mittwochsrede im Reichstag versucht, diesen Neinsagern ein lleines Privatissimum über den großen militärischen und strategischen Wert eines sÄchen Panzerkreuzerneubaus für Deutsch­land zu halten. In durchaus überzeugen- der Weise hat er klargelegt, daß der Dau eines solchen Panzerkreuzers eine wesent­liche Verstärkung des Landschutzes dar- stellt. Gr hat versucht, der unentwegten Opposition klarzumrchen, daß, wenn z. D. Ostpreußen und Oberschlesien gleichzeitig überfallen würden, man dann die Land- streitkräfte nach Oberschlefien und die See» streitkräste nach Ostpreußen führen könne. Aus den Ausführungen der oppositionellen. Redner konnte man allerdings ersehen, daß niemand zu belehren ist, wenn er sich nicht belehren lassen will.

Berlin, 14. März.

2uf der Tagesordnung der heutigen Reichs- togssitzung steht die 2. Beratung des Haus­halts des Reichswehrminifteriums. Der ausschuh ersucht in einer Entschließung bie Reichsregierung, eine umfassende Prüfung aller Möglichkeiten ru erheblichen Er- soarnissen im Haushalt des Reichswehr- ministeriums oorzunehmen.

Reichswehrminifter Sroener

leitete die Aussprache ein und wies darauf bin, dah er bereits im Ausschuh Gelegenheit batte, »u den meisten Fragen der Wehrmacht Stellung zu nehmen. Er wolle heute nur

seine srnndsätzliche Auffassung der Haupt­probleme

darlegen über die Wehrpolitik und die für die Reichswehr sich daraus ergebenden Folgerun­gen und politische Haltung der Reichswehr seLN Der Minister betont, daß Heer und

Diese Auffassung hat mir Militarismus nicht das mindeste zu tun. Ich bekenne mich, wie die Mehrzahl der KriegSterlneh- zu einem gesunden und per» _____fügen Pazifismus, allerdings nicht zu einem Pazifismus, der a us « r ner KnechtschastSgesinnung entspringt. Gegenüber Einwanden, daß die Wehr- pnlltik der Autzenpolitik Schwierig keilen mache, erklärt der Minister, er könne sich nicht denken, daß die kleine deutsche Wehr­macht irgendwo als Druck empfunden wird. Der Minister betont dann, daß sich an

Marine eine Einheit darstellen. Die Not­wendigkeit des Landesschutzes habe bei allen für die Mitarbeit in Betracht kom­menden Parteien volles Einverständnis gefun­den. Der Landesschutz könne nicht Sache einer Partei, sondern nur des ganzen Volkes fein, lieber den Umfang des Landesschutzes haben die verfasfungsmähigen Gewalten zu bestimmen. Gegenüber der Landtagsrede des preußischen Ministerpräsidenten stellt der Mi­nister fest, dah er die Ueberordnung der mili­tärischen über die polnischen Gesichtspunkte ablebne Die Forderung des Panzer­schiffes sei keine Vorlage des Reichswehr­ministeriums, sondern der Gesamtregie­rung. In der staatsrechtlichen Beurteilung gehe er durchaus einig mit dem preuhischen Ministerpräsidenten. Er könne aber

nicht einsehen, dah die Ansicht der preu­hischen Negierung in der Frage des Pan­zerschiffes irgendwie entscheidend sein sollte.

Der Minister betont, für den Reichswehr­minister sei bei der Vertretung einer Regie­rungsvorlage allein maßgebend die Auffassung der Reichsregierung. Der preußische Minister­präsident habe im Landtag ausgefubrt, daß die Ansichten der militärischen Sachverständigen sich in den letzten zwei Jahren geändert hät­ten Das wäre an sich bei der Entwickelung der Technik nichts Merkwürdiges. Inzwischen bar eine intensive Arbeit der Konstrukteure und Techniker stattgefunden. Es ist gelungen, eine gute Konstruktion für baS 10000 Tonnenschiff zu finden. Es besteht gar kein Zweifel, daß der Erfolg dieser neuen Kon«' struktion auch eintreten wird. Wenn das Panzerschiff vor einigen Fabre» von der Ma­rineleitung zurückgestellt worden ist, und wenn ■ bereits bewilligte Torpedoboote gebaut wor­den sind, so beweist das. dah

die Marineleitung nicht bauen will, ledig­lich nm den Vertrag von Versailles anszu- schsvfen, sondern nur, wenn ein Kraft­zuwachs für die Eeestreitkräfts »n er­warten ist.

Der entscheidende Punkt ist in folgender Frage zu sehen: Bedeutet eine im Rahmen des Versailler Vertrages modernisierte Flotte für daS Land Heer einen Zuwachs an Macht oder nicht? Nach sehr reichlicher Ueberlegung mußte ich die Frage mit ja beantworten. Unsere kleine Wehrmacht kommt für Operationen, wie wir sie in der Vergangenheit kennen gelernt haben, gar nicht in Betracht.

Sü kommt in Betracht nur für die Ab­wehr von Grenzüberfällen, für die Auf­rechterhaltung unserer Neutralität und für die Aufrechterhaltung der Ordnung bei politischen Krisen.

Wenn etwa Ostpreußen und Oberschlesien zu gleicher Zeit überfallen werden, so werden z. B. die verfügbaren Landkräfte ^zum Schutze Schlesiens eingesetzt, für den Schutz Ostpreußens bleibt nur der Seeweg. Inso­fern können also die Seestreitkräfte wesent­lich beitragen zur Erhaltung Ostpreußens. Wenn eS Heer und Flotte auch nur gelingt die Grenzen zu schützen, bis das sog. Welt- gewissen sich regt, so würden beide ihren Zwvck voll erfüllt haben. Ist deutsches Ge­biet erst verloren gegangen, dann ist es sehr schwer wiederzuerringen. Die Schutz­losigkeit der Grenzen ist ein Anreiz für un­ruhige Geister.

Durch wirtschaftliche Maßnahmen ton« woA der wirtschaftliche Druck, der auf Ost­preußen lastet, gemildct werden. Ich ver­mag aber nicht einzusehen, wie die Sicher­heit Ostpreußens dadurch irgendwie ge­winnen könnte.

seiner Auffassung über die Flottenpolitik vor dem Kriege, auch nach der Kritik in der Presse nichts geändert habe. Heute bedeute aber eine Vernachlässigung unserer Seestreitkräfte keine Kanone mehr für das Landheer.

Unsere kleine Wehrmacht muß da« Beste vom Besten sein in Bezug auf Ausbildung und Bewaffnung im Rahmen der gege­bene» Grenze«.

Zch danke meinem Amtsvorgänger und dem ersten Chef der Heeres le uung für ihve Leistungen auf diesem Gebiete. Auch die Versorgung nach Ablauf der Dienstzeit ge­hört dazu. Die Vorkommnisse der letzten Jahre, so fährt der Minister fort, konnten nicht gerade anregend auf die Arbeitsfreu­dig keil des Parlamentes wirken. Nach Sage der Dinge find aber die Ausgaben auf die äußersten Notwendigkeiten beschränkt. Bei der Verwendung der Mittel lege ich aller­größten Wert darauf, daß gegenüber dem Reichstag stets Klarheit und Wahrheit an den Tag gelegt wird. Kürzlich wurde an den Forderungen des amerikanischen Chefs des Generalstabes für seine Wehrmacht in ganz ähnlicher Weise Kritik geübt, wie es unserem Wehretat gegenüber geschehen ist. Nun ist sicherlich ein sehr großer Un­terschied zwischen Amerika und Deutschland. (Heirerkeit.) Aber es gibt doch gewisse Grundsätze für jede Wehrmacht, sb grstz oder klein.

Die Erhaltung und innere Entwickelung unserer kleinen Wehrmacht gehört zweifel­los zu den absoluten Lebensnotwendig- keite» unseres Staates.

Deshalb bitte ich, den Wehretat in der geforderten Höhe anzunehmen. Don der politischen Haltung der Reichswehr hängt die Einstellung - des Parlamentes zur Reichswehr und ihr Ansehen in der Be­völkerung ab. Deshalb wird meine größte Sorge sein, die Angehörigen der Reichswehr zum StaatSgedankeu zu er­ziehen und zur Treue gegen die verfas­sungsmäßige Reichsregierung. Ich werde rücksichtslos einschreiten gegen jebe Ent­gleisung und gegen jede lleberrremng die­ses Prinzips. Die deutsche Reichs­wehr soll bei der ganzen Be­völkerung in höchstem Ansehen stehen, nicht weil sie etwa kriegerische Lorbeeren ernten möchte, sondern weil wir den dringenden Wunsch haben, daß sie nur dem Frieden diene. Ich bedarf dazu auch der Mitwirkung des Parlamentes. Ich werde stets bereit sein, auf vernünftige Vorschläge einzugehen und berechtigten Klagen nachzugehen.

Das Zeitalter bet Sensationen mutz aber fit die Reichswehr vorüber sein.

(Zurufe links.) Kein Angehöriger der Reichs­wehr darf Anlaß geben zu einer fcnfationcllen öffentlichen Kritik, wie dies tn der Ver­gangenheit häufiger der Fall gewesen ist, Gin Deichswehrangehöriger, der zu solchen Kritiken Veranlassung gibt, versündigt sich an der Reichswehr schwer, versündigt sich am ganzen Dolle. Mein Wunsch ist ein ein­mütiges Zusammenwirken von Parlament und Presse mit der Reichswehr. Scharfe Kritik ist <nn Platze, um vorwärts zu kommen, aber keine Kritik, die scharf macht. Die Bevölke­rung soll freudigen Anteil nehmen und nehmen können an ihrer Wehrmacht und. so klein sie ist, stolz auf sie sein. 3m Auslande spricht man über unsere Wehrmacht und namentlich auch von dem ganz ausgezeichneten Auftreten unserer Marineangehörigen auf den Auslandsschiffen nur im Tone Höchster An­erkennung. (Beifall).

Abg. Künstler (Eoz.) fordert Abstriche von insgesamt 50 Millionen am Wehretat. Auch eine Verkleinerung des Reichs toehr- ministeriums sei notwendig. Der Redner be­mängelte die Ausgaben des Reichswehretats als viel zu hoch. Redner forderte Auf­klärung über die Art. tote die Kieler WunitionLaffäre zur gerichtlichen Klärung ge» bvacht werden soll. Die ehemaligen Feurd- ftaaten, so fährt bet Redner fort, sollten nach der Entwaffnung Deutschlands, endlich auch ihrerseits mit der Abrüstung ginne«.

tSortjetzMg siehe Seite U

| Sie im Mittwoch begonnene zweite De- | rrttmg des Reichswehretats im Reichstag [ gab Reichswehrminister Vroener Gelegen­heit. zum ersten Mal in voller Ocffentlich- ‘ leit sein Programm darzulegen. Was Leichswehrminister Groener den Fraktw» tionen des Reichstages zu sagen hatte, hätte man wrchl auch aus dem Munde des fixeren Reichswehrministers Gehler hören können. Wie der vielgescholtene Gehler sich Sei der Behandlung seiner Ressort« Obliegenheiten stets nur von den Rot« Wendigkeiten seines Amtes leiten lieh, so läßt sich auch der neue Mann in der Ber­liner Bendlerstraße in seinem Programm mir von den Gesichtspunkten leiten, Die nun einmal in seinem Ressort fest und un­verrückbar umschrieben sind. Ein Reichs­wehrminister kann die Funktionen seines Amtes nur aus den Rotwendigkeiten schöp-

lrnkkhsrk Urteile ttS stanMKra MililtrgtrlM

Gefängnis für deutsche Pfadfinder.

Sestern standen in Trier fünf Bitburger Pfadfinder vor dem französischen Militär- Polizeigericht. Die Pfadfiudergruvpe Bit­burg hatte am Allerheiligentag nach einer Wanderung in die Eifel am Kriegerdenk» mal einen Kranz in de« Farbe» des alten Deutschland niederge, legt. Daraus konstruierte die Besatzuug»- behörde, nachdem sie sofort etwa 50 Pfad­finder verhaftet und vernommen hatte, eine „Verletzung der Ordonanz 3 e u“ und erhob Anklage. Der Staatsan« walt beantragte Gefängnisstrafen bis zu zwei Zähren, da nach seiner Ansicht Pfad, sindergruppen vom alten Militärregime organisiert seien. Das Urteil lautete für einen der Pfadfinder auf sechs Mo n a it Gefängnis und 200 JA Geldstrafe, für den Schriftführer des Pfadfinderbuude» Bitbund auf zwei Monate Gefäng­nis, für die übrigen Angeklagten auf je einen Monat Gefängnis, in alle« Fällen unter Zubilligung einer B* Währungsfrist.

“ Deutsche vor dem französischen Krieg» geeicht — ei« krasses Urteil.

Landau. 14. März. In der heutige« französischen Kriegsgerichtssitzung wurde ein besonders hartes und krasses Urteil gegen den Bäckergesellen Adolf Konrath aus Saarbrücken gefällt, weil ihn französi­sche Gendarmerie dabei betroffen hat, als er auf dem französischen Schießgelände von Zweibrücken 10 Stück Znfanteriekugeln entwendete. Konrath handelte im Rück­fall. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewilligung einer Bewährungsfrist verurteilt. Wegen des gleichen Vergehen» wurde der Hüttenarbeiter Keßler und seine Ehefrau Alwine mit je zwei lagen Gefängnis bestraft.

Ser SammbnÄ In «Moritzen

Newyork, 14. März. Die Morgew» blätter veröffentlichen bereits Lichtbilder des Dammbruches im San Franeisguito- Canon, aus denen hervorgeyt, daß der Damm an beiden Seiten gebro­chen ist, während das Mittelstück de» Dammes noch steht. Das eigenartige bei der Katastrophe ist, daß sie fast n u r T ot e gegenüber wenigen Leichtverletzten gefor­dert hat. Die Liste der festgestellten loten weist mehrere deutsche Namen auf. Die Zeitungen berichten von zahlreichen Heldentaten und merkwürdigen Rettun­gen. Ein Aufseher der Edison-Com­pany kam in den Fluten um, nachdem er 47 Menschenleben gerettet hatte. Eine Mutter rettete sich mit ihren drei Kindern auf eine alte Federmatratze, die vom Wafferstrom aus dem Haus heraus zwei Meilen weit fortgeriffen wurde, bis sie auf einem Baumgipsel landete. Ein Mann schwamm mit seinem sechs Monate alten Kind am Halse meilenweit. Er fand mit anderen zusammen an der Steilseite des Canons Rettung, als eine zweite 25 Meter hohe Woge donnernd heranflutete. Die Gewalt der Fluten ritz noch über 20 Meilen von der Bruchstelle entfernt zehn Brücken weg. Von der Stadt Santo Paula wurde nur der Südteil zerstört, etwa 100 Häuser wurden wegoeris - s e n. Die Menschenverluste sind hier ge­ring. da die Bevölkerung Zeit zur Flucht gehabt hatte. Die Ursache der Katastrophe scheint darin zu liegen, dah Erdstöße in der letzten Zeit bie $amtn,3Roufcr be-' schädigt hstben. .