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Mttwech, Mn 11 Mürz 1928
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Marburger
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
Schwere DammbmchkafeWHt in Kalifornien ein feit längerem wadimfiee etmiäamm gebrodien — Bisher 30» Sete — lieber M Bermißfe
2 06 Sing des, 13. März. Durch ein schweres Erdbeben wurde der Damm eines Reservoirs in dem SanFrancis- tzuito-Canou, etwa 45 englische Mei, len nördlich von Los Angelos zer. Kört. Durch die ausströmenden Fluten strömen jetzt etwa zehn Fuß hoch in der Richtung auf Sangus, das ungefähr 15 englische Meilen von der Stelle des Damm, drvches entfernt liegt. Nachrichten aus Zmugus zufolge befürchtet man, daß 75 Personen, die auf dem Gelände jener Elek- trizitätsgesellschaft unmittelbar an dem durch das Erdbeben zerstörte« Dam« wohnten, ums Leben gekommen sind. Berichten aus New Hall zufolge ist eine sechsköpfige Familie infolge des Dammürucheg umgekommen. Besorgnisse bestehen über das Verbleiben von 21 anderen Familien.
Bereits 100 Tote geborgen.
Los Angeles, 13. März. Bei den Rettungsarbeite« für die Opfer der Dammbrnchkatastrophe im San Francis« guito-Canon sind an der Stelle, wo die Flutwelle sich in den Santa Paula und den Santa Clara-Fluh ergoh, bereits 100 Tote geborgen worden. Bereits seit 10 llhr morgens sind 600 Mann unter Lei, tung der örtlichen Polizeibehörden mit den Bergungsarbeiten beschäftigt. Bon Los Angeles hat sich der Polizeichef Davis mit 1000 Polizisten nach dem Schauplatz des Unglücks begebe«. Der ganze San Fran- eisquito-Cano« ist unter einer gelben Sandschicht begraben, die an manchen Stellen bis 30 Fuh tief ist, während sie an an, deren nur einige Zoll Dicke hat. Unter dieser Sandschicht dürften, wie befürchtet wird, noch etwa 10 0 Personen begraben liegen, die zwischen den Wänden der San Francisquito-Schlucht ihre Wohn, statte« haben. Nach den ersten Meldungen haben in dieser Gegend nur fünf Personen die Flutwelle überlebt. Sie wurden vom Wasser in einem Wohnhaus bei Saugus überrascht und aus de« Bette« geschwemmt, konnten sich aber retten, indem sie sich gegenseitig an de« Händen festhielten.
Rach den Ergebnissen einer vorläufigen Untersuchung wird angenommen, dah das in der Talsperre angesammelte Wasser den Bergabhang, auf dem sich der Weftflügel des Staudamms stützte, durch Sickerung unterspült hat, so dah ein Teil des Berges Msammenstürzte.
Die Verwaltung der Wasserkraftwerke in New Hall erhielt die Nachricht, daß durch den Bruch des Staudammes 150 Angestellte' der Werke umgekommen sind. Nur einer wurde gerettet. Der ganze Umfang der Katastrophe ist noch nicht zu übersehen. Der Bruch des Staudammes erfolgte um 1 Uhr nachts. Der Damm gehörte zu dem Wasserleitungssystem, das das Trinkwasser über 300 Km. durch die Wüste nach Los Angeles leitet. Durch den Dammbruch wurden Hunderte von Millionen Gallonen Wasser frei. •'Der San-Francisguito- Canon bildet an der Durchbruchstelle ein enges Tal mit steilen Userwänden. Er verläuft in südwestlicher Richtung nach Los Angeles. Mehrere Kilometer unterhalb des StcrubMens das etwa acht Kilo
meter lang war, breitet sich ein wellenförmiger Landstrich mit zahlreichen Farmen und Wohnstätten aus. Saugus, New Hall, El Rio und andere Talorte liegen südlich des Dammes. Etwa 500 Menschen wohnten im oberen Canon unterhalb des Dammes. Eine auf 75 Fuß Höhe geschätzte Wassermasse ergoß sich in' der Richtung auf die schlafenden Ortschaften und richtete ein furchtbares Chaos an.
Bis 5 Uhr morgens waren drei Leichen geborgen. Nach einer späteren Meldung überschwemmte die Flutwelle nach dem Bruch des 185 Fuß hohen Staudammes zunächst das Besitztum des Filmschauspielers Carey. Man befürchtet, daß 30 dort lebende Indianer den Fluten zum Opfer gefallen sind. Die Zweiglinie der Sou- thern-Paeifie-Bahn wurde unterspült. Um 4 Uhr früh näherten sich die Wassermassen dem Orte Santa Paula, dem Mittelpunkte des Zitronengebietes. Die Flutwelle hielt sich jedoch im Bette des Santa- Paula-Flusses. Es' wird befürchtet, daß sie weiter südlich in den Oelfeldern von
London, 13. März. Der englische Flieger Kapitän Hinchclifse ist heute in Cranwell (Lincolnshire) mit unbekanntem Ziel gestartet. Er beabsichtigt, den Weltrekord im Weitslug zu brechen. Nach einer weiteren Meldung beabsichtigt er, einen Transozeanslug auszusühren. Wahrscheinlich wird er in Irland eine Zwischenlandung vornehmen.
"Der Leuchtturmwärter von Mizzen- head in der Grafschaft Dock (Irland) meldet, daß um 1.30 Uhr ein Flugzeug den Leuchtturm passiert hat. Es dürste sich dabei um das Flugzeug Hinchcliffes handeln. Hinchclifse fliegt einen Stinfon- Rieseneindecker, der den Namen „Endeavour" trägt. Er hat einen Begletter mit an Bord.
sk. N e w y o r k, 14. März. Nach einem hier aufgefangenen Funkspruch sichtete ern Dampfer ein großes Flugzeug über dem Atlantischen Ozean in westlicher Richtung fliegend. Es wird angenommen, dah es sich um das Flugzeug Hinch- cliffes handelt.
wohnte«, hätten schon in dem letzten halben Monat von nichts anderem mehr gesprochen, als vo« de« Rissen in dem Damm und von der Möglichkeit eines Dammbru, ch e s. Zahlreiche Autofahrer bestätige« auf Grund ihrer in den letzten Tagen gemachte« Beobachtungen, daß Beschädigungen in dem Damm vorhanden gewesen waren.
ff. Los Angeles, 14. März. Rast den letzten Schätzungen sind bei dem Dammbruch etwa 400 Personen um» gekommen. Dis gestern nachmittag war es unmöglich, eine Verbindung mir den Ortschaften Pi ru und Fillmore herzustellen, welche direkt aus dem Weg, den die Flutwelle «ahm, lagen. Ein Pancher. der in der Nähe von Fillmore xohnt, berichtete, daß 5 Leichen auf feine.
Ventura Schäden angerichtet hat. Die Meldung, datz die Katastrophe auf ein Erdbeben zurückzuführen sei, findet Keine Bestätigung.
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300 Tote festgestellt.
ft. Ne« Hall bei Los Angeles, 14. März. Bis Mitternacht find fast 3 00 Tote festgeftellt worden. Die Zahl der Vermißten übersteigt 9 00. Man glaubt, daß die Zahl der Toten sich noch bedeutend erhöhen wird. Die Höhe des Sachschadens wird zwischen 19 bis 30 Millionen Dollar geschätzt. Das verwüstete Tal erinnere an Massen- sriedhöfe der Kriegszeit. Hier befände« sich vorher in dem landwirtschaftlich reizvollen Canon Pflanzungen von Zitronenbäumen.
Die Poftrncisterei der in der Nahe gelegenen Stadt Sangus erklärte, dis Pflan. zer, die an dem San Francisqnito-Damm
fk. London, 14. März. In Senats- Kreisen glaubt man, daß der einzige Passagier in dem Flugzeug Hinchcliffes Frl. M a ck a y ist, die Tochter des bekannten Schiffsreeders Lord Inchcape.
Das Dunkel in dem Flug des Kapttäns Hinchcliffe.
fk. London, 14. März, lieber den Flug des Kapitäns Hinchcliffe herrscht noch immer Dunkel. Gestern nachmittag liefen Berichte ein, wonach ein in westlicher Richtung fliegender Flieger gesichtet wurde. Meldungen vom Flugplatz in der Nähe von Dublin, auf dem die letzte Entscheidung über den Start oder Nichtstart zu dem Atlanticflug erfolgte, sollen unterbleiben.
Buch ein französischer Transatlantikflug.
fk. P a r i s, 14. Mai. Nach einer Havas- Meldung aus Newyork kündigt das Marinedepartement an, daß ein Irans« atlantikflug französischer Flieger in Vorbereitung ist. Das Marineluftfahrtamt erteilt ein Schreiben des französischen Luftfahrtministeriums mit der Bitte um Informierung über die zu ergreifenden Maßnahmen, um den Fliegern das Landen in Newyork zu erleichtern.
Panch gespült wurden. Der in dem Dammgebiet vordringende Korrespondent der „Associated Preß" berichtet über er» schlitternde Szenen unter den Ueberleben- den, die händeringend und notdürftig bekleidet nach ihren Angehörigen suchten. Bei dem Dammbruch erfolgte ein kurzes Aufleuchten infolge eines Kurz- schlusses beim Zerreißen der elektrischen Starkstromleitung. Der Leiter des Sanatoriums in Sangus bemerkte das Aufleuchten und unternahm mit feinem Assistenten sofort Hilfsmaßnahmen.
San Franzisko, 14. März. Der Verkehr auf der Southern Pacistc-Dahn» linie in Südkalifornien ist vorläufig eingestellt, dan Meldungen eingelaufen find, daß das Dammwasser Brücken unterspült und Bahnviadukte gefährdet habe. ’
(Siehe auch ^Ketzte, Meldungen".! \
Em murr Transozearrftug?
Wtiifft mit einer Begleiterin seifertet
SeulWr ReWfeg
Berlin, 13. März. Im Reichste; wurde heute die Beratung des Teiles des Notprogramms, mit dem die Fleisch produ« zierende Landwirtschaft unterstützt werben soll, vorgenommen. Zunächst will eine Novelle zum Zolltarifgesetz
für die Schweinefleischeinsuhr Einsuhrscheine
einführen, deren Wert betragen soll bei der Ausfuhr von lebenden Schweinen 16 Mark, bei Schweinefleisch 21 Mark und bei Schweineschinken in Büchsen 27 Mk. je Doppelzentner. Ein dazu vorliegender sozialdemokratischer Anttag will die zoll» freie Einfuhr von Futtergerste zum Gegenwert der Einfuhrscheine machen. Nach der zweiten Regierungsvorlage soll
das zollfreie Gefrierfleischkonttngenl von 120 000 Tonnen auf 50 000 Tonnen herabgesetzt und der Regierung die Ermächtigung erteilt werden, das Kontingent weiter dem Stand der Fleischversorgung anzugleichen.
Abg. Frau Wurm (Soz.) wendet sich gegen die Regierungsvorlage. Die Rednerin fragt den Minister, mit welchem Recht er schon jetzt für Februar und März das zollfreie Gefrierfleischkontingent von 10 000 auf 8500 Tonnen herabgesetzt habe, ^wohl das Gesetz noch gar nicht angenommen sei.
Reichsernährungsminister Schiele er- widerte, er sei wohl berechtigt gewesen, das Kontingent für Februar und März herabzusetzen. Das entspreche durchaus dem geltenden Recht. Ursprünglich sei beabsichtigt gewesen, das zollfteie Gefrierfleisch nur der minderbemittelte« Bevölkerung zugänglich zu machen. Bei der Verteilung des Kontin- gentS sollen möglichst nur die Gebiete berücksichtigt werden, in denen sich schon bisher Bedarf gezeigt hat. Diese Beschränkung wird es ermöglichen, daß die zugelassenen Verkaufsstellen in den mit Gefrierfleisch auch weiterhin zu versorgenden Gebieten nach wie vor die notwendige« Mengen erhalten können. Der Minister äußerl sich dann über die Lage des Rindvieh- und Schweinemarktes und bestreitet, daß die Rind- und Schweinefleischpreise gegenüber der Vor- kriegszeit gestiegen sind. Wenn man die veränderten Verhältnisse zugrunde lege, sei der heutige Rinderpreis sogar 20 Mark niedriger als der 1913. Bei Fortdauer des jetzigen Zustandes würden Die kleinsten Betriebe, zu denen auch die Landarbeiter gehörten, monallich 30 Millionen Mark zusetzen. Die Eigenversorgung mit Fleisch sei in Deutschland im wesentliche« erreicht. Es sei Pflicht gegenüber allen diesen mißlichen Umständen, den bei der Viehhaltung erzielten gewaltigen volkswirtschaftlichen Fortschritt nicht durch ruinöse Absatzverhaltnifse zunichte zu mache«. Aus der Schlachtviehproduktion ergebe sich heute m Deutschland ein Wert von 51/» Milliarden RM., allein aus der Schweinehaltung ein solcher von 63/* Milliarden RM. Der heute darniederliegende Schlachtviehmarkt beweise, datz die Produktion auf diesem Gebiete so nicht auftecht erhalten, geschweige denn vermehrt werden könne, wenn nicht bald eine Aenderung eintrete. Die 1924 noch notwendig gewesenen besonderen Einfuhrerleichterungen seien heute nicht mehr erforderlich. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit der Gesetzesvorlage.
Nach kurzer Aussprache werden die Vorlagen dem handelspolittschen Ausschuß überwiesen.
ES folgt die erste Beratung des von den Abg. Dr. Kahl (D.Vpt.) und Se- «offen eingebrachten
Gesetzes zur Fortführung der Straf» rechtsreform
DaS Ueberleitungsgesetz besagt, daß Die jetzt im Rechtsausschuß verhandelte Vor- läge auch den kommenden neuen Reichstag beschäftigen soll, ohne daß es ihrer er«