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NNW, ttn 9.« 1928

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Anzeiger für (das frühere knrhefsische) Oberheffen

Nr. 59 63. M» Marburg a. £aho

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Ntoty Anzeigen 0.10 ®X Sei schwierigem Satz sowie bei Platz- tzorschrtfl 501, Aufschlag. Samomianzeig«, 1001, An^ schlag. Neklame» der WMtm. MO eX Jeder Lkabatt gtv elf Darraba«. Ziel 5 Lage. Veieg« werde» berechnet, ebenso Auskunft durch M« eeschLft» stell« gut SufötfUMg bcf Wngfboft fr

ftzllungeort Marburg.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.

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Ven f, 8. März. Zu Beginn der heu­tigen Bormittagssitzung des Völkerbunds­rates schlug der Ratspräsident, der colum- bifche Delegierte Urrutia, dem Völker- bundsrat vor. ein von dem Präsidenten des Rates im Namen sämtlicher Mitglie­der unterzeichnetes Schreiben an Brasilien und Spanien zu rich­ten mit der Aufforderung, ihre Beschlüffe auf Austritt aus dem Völkerbund einer Nachprüfung zu unterziehen und eine Rückkehr der beiden Staaten in den Völkerbund zu ermög- lichen.

Der Präsident wies darauf hin, er sei überzeugt, daß alle Mitglieder des Rates seine Auffassung teilen, da es Aufgabe des Völkerbundes wäre, im Interesse des Friedenswerkes des Völkerbundes das Möglichste Zu tun, um die wertvolle Mit­arbeit Brasiliens und Spaniens im Völ­kerbund für die Zukunft zu sichern. Die Regierungen von Brasilien und Spanien müßten aufgefordert werden, zu prüfen, ob die Grö de, die im Jahre 1926 ihren Beschluß veranlaßten, heute noch so schwerwiegend seien, daß der Beschluß weiter aufrecht erhalten werden müßte. Der Rat müßte den beiden Mächten aus seiner Verantwortung gegenüber der Welt und den Friedensaufgaben des $öl= kerbun^".- heraus den Beweis geben, daß er auf eine Zusammenarbeit mit ihnen den größten Wert lege. Der Präsident schlug vor,

noch in einer der nächsten Sitzungen in dieser Sesiirm

den Text des Schreibens an die beiden Regierungen dem Rat vorzulegen.

Die übrigen Ratsmitglieder schlossen sich dem Vorschlag des Präsidenten an, wobei der Delegierte von Chile hervorhob, daß die Zusammenarbeit mit Spanien und Bra­silien im Völkerbund von der größten Be­deutung für die ganze Welt wäre.

Reichsminister Dr. Sttesemann erklärte, er habe es stets als ein beson­ders schmerzliches Zusammentreffen der Ereignisse empfunden, daß in dem Augen­blicks als Deutschland in den Völkerbund eintrat, zwei große Nationen ihre Mit­arbeit am Völkerbund einstellten, wo­durch eine empfindliche Lücke entstanden sei. Dieser Meinung habe er verschiedenlich und auch bereits in seiner ersten Rede vor der Dölkerbundsver- sammlung im Herbst 1926 Ausdruck ge­geben, daß Spanien und Brasi­lien zwei Länder seien, mit denen Deutschland in nahen freund­schaftlichen Beziehungen stehe. Der Wert ihrer aktiven Mitarbeit im Völkerbund brauche daher von ihm nicht besonders hervorgehoben zu werden. Beide Länder seien zweifellos berufen, in Zukunft im Intereste des Völkerbundes erneut sehr wertvolle Dienste zu leisten. Er könne daher nur

aufrichtigst die Initiative des Kots» Präsidenten begrüßen.

die dahin gehe, beide Länder zur Wieder­aufnahme ihrer Arbeit im Völkerbund zurückzugewinnen.

Vorherige« Einverständnis Spaniens?

8 e «f. 8. März. Der hentige Beschluß de« Völkerbundsrates, an die spanische und brasilianische Regierung ein Schreiben zu richten, um eine Zurückziehung ihrer Aus, trtttserklärungen herbeizuführen, hat in Delegiertenkreisen großes Aufsehen und Interesse erweckt. Mau nimmt allgemein tt, daß die Aktiv« des Rate, nicht

ohne vorherigeZuftimmungder spanischen Regierung erfolgt ist. Man beurteilt daher in Delegierten- kreisen die Aussichten für eine Rückkehr Spaniens sehr günstig und rechnet sogar damit, daß die Erklärung der spanischen Regierung über ihre RLÄehr in den Völkerbund bereits in der nächsten Zeit erfolgen wird. Weniger günstig werden die Aussichten für Brasilien beurteilt, da dort noch eine Reihe inner- politischer Schwierigkeiten einer Rückkehr in den Völkerbund im Wege stehen. Vom deutschen Standpunkt aus wird insbe­sondere eine neue Zusammenarbeit Spaniens mit dem Völkerbund außer­ordentlich begrüßt werden können, im

Hinblick auf die wertvolle« Dienste, die Spanien Deutschland geleistet hat.

Der spanische Ministerpräsident zur Frage des Wiedereinttttts Spaniens in den Völkerbund.

fk. Madrid, 9. März. Nach Beendi­gung des gestern abend abgehaltenen Mi­nisterrates erklärte Ministerpräsident Primo de Rivera:Wir haben mit Genugtuung erfahren, daß sich der Döl- kerbundsrat mit der Frage des Wieder­eintritts Spaniens in den Völkerbund be­schäftigt hat. Wir haben zwar noch keine amtliche Mitteilung hierüber erhalten, freuen uns aber, daß Spanien als ein nützliches Mitglied des Völkerbundes an­erkannt wird.

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Erwine gegen Baneenomieien

Frankfurt a. M.. 8. März. Di« Wahl- £re [Steifung der Deutschen DEspart« schreibt unS:

Der Wahlkreis vvrftend der Deutschen Dollspartei im Wahlkreis Hessen-Aastau hat die Entwicklung der Sonderbestrebungen ge­wisser Kreise der Landwirtschaft m der Pro­vinz Hessen-Nassau bereits seit Monaten ge­sehen, mit Aufmerksamkeit verfolgt und von sich aus alles getan, um diesen im eigensten Interesse der Landwirtschaft außerordentlich bedauerlichen und bedenklichen Schritt zu ver­hindern. Der Wahlkreisvorstand ist der Auf­fassung. daß eine zielbewußte und energische Führung durch Herrn Hepp diese unheilvolle Absplitterung verhindert hätte. Die Wahl­kreisleitung muß jedoch auf Grund persönlicher Verhandlungen mit Herrn Hepp, wie auf Grund beglaubigter Mitteilungen über die entscheidenden Sitzungen der nassauischen Bauernschaft feststellen, daß Herr Hepp ent­gegen seinen wiederholten Erklärungen diese Sonderbestrebungen in allen Phasen der Ent­wicklung nicht nur nicht verhindert, sondern bewu ßt gefördert hat. Herr Hepp hat alleichings die letzten Konsequenzen aus fernen lange zurückreichenden Bestrebungen erst ge­zogen. als er sich endgültig ein Mandat an wählbarer Stäle der Christlich-natronalen Bauernpartei gesichert hatte. Die Partei­leitung durfte billigerweise erwarten, daß Herr Hepp ein größeres Maß innerer Zu­gehörigkeit und Treue der Deutschen Bolls­pa r t e i gegenüber aufbringen würde, die das stärkste Fundament feines Polltischen Aus­stiegs und das Rückgrat seiner Stellung als Präsident des Aeichslandbundes war. Diesen bedauerlichen Tatbeständen gegenüber begrüßt die Wahlkreisleitung um so aufrichtiger di« Haltung der Kurhessischen Bauern­schaft, di« diese Sonderbestrebungen ab«

gelehnt hat und nach wie vor entschlossen ist, auch in Zukunft die Vertretung der Land­wirte in den Parteien zu suchen, die bislang ihre Interessen mit Erfolg vertreten haben. Die Wahlkreisleitung ist bereit, dieser Ein­stellung der Kurhessischen Bauernschaft bei der Aufstellung ihrer Wahllisten Rechnung zu tragen. Die der Wahlkreisleitung auS allen Teilen der Rastauischen Bauernschaft zu­gehenden Beweise treuer Anhänglichkeit be­stärken sie in dem Schluß, daß es gelingen wird, diesen landwirtschaftlichen Separatismus erfolgreich niederzuringen.

Di« Bawernveveü« gegen Bauernparteien.

Berkin, 8. März. Die Dereinr- gung der deutschen Bauernver­eine erläßt ein« Kundgebung, in der es heißt: Die Vereinigung der deutschen Bauernvereine ist parteipolitisch neutral und hat grundsätzlich ihren Ein­fluß durch die bestehenden, der Landwirt­schaft nahestehenden politischen Parteien ausgeübt. Nach gewissenhafter Prüfung der Sachlage, hält die Vereinigung auch jetzt an diesem Standpunkt unverrück­bar fest. Das gilt insbesondere gegen­über den neu auftretenden Bestrebungen, die Landwirtschaft in besonderen politischen Bauernparteien zusammenzufassen. Eigene Bauernparteien schwächen den Einfluß des Bauernstandes. Die Gründung solcher Bauernparteien ist besonders dann auf das schärffie zu verurteilen, wenn sie von Parteien aus par teiegoistrschen Gründen unter Hintansetzung der Einig- keft und Geschlo'senheit des Bauern­standes nur deshalb erfolgt, weil man sich davon eine Stärkung der eigenen Partei auf Kosten der anderen der Landwirtschaft nahestehenden Parteien verspricht.

Der migar.-rumänisch« Optantenstreit.

Senf. 8. Mürz. Bei Beratung oes rumänisch-ungarischen Optan­tenkonflikts irnDöllerbund gab zu­nächst Chamberlain als Berichter» statter eine kurze Darstellung der Ent­wickelung der Angelegenheit, die den Rat bereits feit 1923 beschäftigte. Er erinnere an die Borschläge, die das Ratskomitee im September vorigen Jahres unter Zu­stimmung der Ratsmitglieder ausge­arbeitet hatte und an die Aufforderung des Dates an beide Legierungen, in direkten Derhandlungen eine Lösung zu suchen. Bei dieser Sachlage sei es vor toeiißrer Stellungnahme des Rates angezeigt, daß zunächst beide Parteien mitteilen, was sie inzwischen unternommen haben. Diesem Ersuchen entsprach T i t u l e s c u. indem er lediglich darauf hinwieS, patz seine 3te*

gierung bereits im Dezember dem Rat telegraphisch mitgeteilt habe, daß sie oen AatSbericht vollinhaltlich annehme.

Titulescu trat der vom Grafen Apvnnhi an den rumänischen Vorschlägen geübten Kritik entgegen und totes insbesondere den Dorwurf "des ultimativen Charakters zu­rück. Er betonte, daß Rumänien gezwungen sei, die Dorbedingungen juristischer Art zu stellen, da sich sonst eine privllegierte Behandlung der ungarischen Optanten er­geben könnte, durch die die rumänische Re­gierung sich der Gefahr aussetzen würde, daß auch die übrigen Optanten ähnliche Forderungen an sie stellen. Rumänien, dessen Währung gegenwärtig schlechter stehe als diejenige Lingams, könne sich ohne schwere Gefahr nicht uferlosen 2ln- fprüchen wegen seiner Agrarreform aus»

' (Sflitjetena Rebe Seite

Str Mklallackeilkr leimen den SKleMkmS ab

Berlin, 8. März. Dir Crtsoerwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiteroerbande» bat de» gestern gefällten Schiedsspruch zur Beilegung des Konfliktes in der Berliner Metallindustrie abgelehnt. Der Schlich- tungsausschlltz Groh-Berlin hat nunmehr di« Alten über den Konflikt dem Schlichter, Reichs­minister <l D. Wissel, übersandt, bei dem die Entscheidung liegt, ob der Schiedsspruch für verbindlich erklärt wird, oder ob neue Eini» gungsverhandlunge» anberaumt werden sollen. Wie wir erfahren, hat der Verband Ber­liner Metallindnstrieller 6te Schiedsspruch angenommen.

Wie eine Korrespondenz meldet, hat di« Lage insofern eine Verschärfung erfahren als die Funktionäre und die Streikleitung be­schlossen haben, sämtliche Werkzeugmacher heule, Freitag, aus den Betrieben de» Ver­bandes Berliner Metallindustrieller her­auszuziehen. Dieser Beschluß sei nach langen Verhandlungen erfolgt, an denen auch ein Mitglied des Hauptvorstandes des Deutschen Metallarbeiterverbandes aus Stuttgart teilgenommen habe.

Dazu erfährt der Lokalanz. von andere! Seite, daß m der Konferenz der Funk­tionäre zwar eine Entschließung ange­nommen worden fei, die die sofortige Her- auSziehung der Werkzeugmacher aus allen Betrieben fordert, daß sich die Strerkletz- tung aber Vorbehalten habe, den Zeitpunkt für die Ausführung dieses Beschlusses zu bestimmen.

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Set neue Serftnntetat

Berlin, 8. Würz. In der inter­fraktionellen Besprechung der ehemaligen Koalitionsparteien des Reichstages mit dem Dizekanzler Hergt und dem Finanz- Minister Dr. Köhler hielt der Vertreter deS Zentrums, Abg. v. Guerard, daran fest, daß der neue Perfonaletat nicht mehr beraten werden solle. Wie 0aS Nachrichtenbüro des Ddz. aber von maß­gebender Stelle hört, handelt es sich gar» nicht darum, daß ein großer Beamtenschub vorgenommen werden soll. Dies ist nicht die Absicht der Reichsregierung gewesen. Vielmehr sollen einige wenige Posten wegen ihrer Eigenart gehoben werden, und zwar in allen Ressorts, also nicht wegen der Personen oder wegen irgendwelcher Parteistellungen. Außerdem handell eS sich um automatische Folgerun­gen der BesoldungSrefvrm. Der Ergänzungsetat für 1928 wird in den aller­nächsten Tagen dem Reichsrat zugehen, nachdem am Freitag das Kabinett darüber endgültig beschlossen hat. Ob er in der vorgeschlagenen Fassung besetzt werden wird, hängt allerdings wesentlich vrm der Stellung des Zentrums ab. Für diese Partei wird der Umfang der Dorlage von entscheidender Bedeutung fein.

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$rtulift6tr Landtag

Berlin, 8. März. Dor Eintritt in die Tagesordnung der heutigen Plenar­sitzung des Preußischen Landtages eh-en die Abgeordneten die Opfer der neuerliche».' Srubenkatastrophe durch Erheben von den Sitzen. Handelsminister Dr. Schreiber gibt zu dem Unglück eine Erklärung ab. Alsdann wird die Aussprache über den Handelsetat fortgesetzt und beendet. Die Abstimmungen werden auf den 15. März verschoben. In rascher Folge erledigt dann das Haus die Abstimmungen zum Bergetat. das Ausführungsgesetz zum Diehseuchengesetz, die zweite Beratung deS TierärztekammergesetzeS, den Haushalt der Seehandlung und die restlichen Titel zum Wohlfahrtsetat. Schließlich wird noch die zweite Lesung des Iusti^tatS abgeschlossen. Hm 16 Hhr vertagt sich daS Haus ckaf Freitag 10 Ltzr: Zweite Beratung -es Haushalts, des StaaisministrriumL.