r- Montag, WZ. Mürz 1928
w „jMnWUWe Sdtma* » (*<■»! wöchentlich. ®e> ZLfctttf «vnatltch 2 EM. <m* ^chl. ZustellmigSgebühr, durch IyB»fi2-25 GM.Aür etwa infeige ^iW, Maschinendefette oder ^eflitetet Cteigttifie ausfallend« j^iHtii— wird kein Ersatz g** UH* Verlag d. Dr. §. Hitzervth, der Unw.-Buchdruckerel tz.
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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V Großer WaWes der Deutschen in Polen
MliMtMonna r. $. über 90°|, - Stoße Cilolgt des M!MM«lkkiincM« auf Soften ter MionaldlMkralen und Sozialisten
Die polnische« Wahle«.
' ff. Warschau, 5. März. Der Wahl- ganfl ist im ganze« Lande ruhig verlausen. Die Wahlbeteiligung betrug 76 — 80 Prozent.
Bis 4.30 Uhr morgens war die Stim- venzählung in Polen mit Ausnahme von Krakau noch nicht beendet. Die vorläufi- xm Teilergebnisse aus allen Teilen des Landes lassen deutlich die schwere N i e- Gerlage des sogenannten katholischnationalen Blockes erkennen. So- H» in Posen, wo bisher sämtliche Mandate im Besitz der National-Demokraten earen, hat der katholisch-nationale Block «ur 50 Prozent der bisher gezählten Stim- sen erhalten. In Oberschlesien hat die Li st e des Regierungsblockes ks Heber gewicht gegenüber Korfanty errungen. Man rechnet da- »it, haft die polnische Liste 10 Mandate, üe deutsche 7 Mandate erhalten wird. In Warschau lagen bis 4.30 Uhr morgens «rläufige Teilergebnisse aus 275 Wihl. irzirke vor. Danach erhielten: Re. Oitzyingsblock 126 901 Stimmen, Ratio- j Misten 72022. Kommunisten 48 490, H^ialiften 31610, die jüdischen Parteien, dir dem Minderheitsblock angehören, erhielten 31522 Stimmen. Der jüdifch- Waliftische Parteibund erhielt 13 600 Äimmen. Der jüdische regierungsfreund- Me Block 16 444 Stimmen. Die bishcri- M« Ergebnisse lassen erwarten, daß der Regierungsblock in Warschau 5 Mandate «halten wird, also der Oberst S l a w ck, bei Verkehrsminister der Mai-Umsturz- Regierung, Prof. Makowski in den Befm einziehen werden. Die Nationalisten Binnen mit 3 Mandaten rechnen, die Kommunisten mit 2, die Juden mit 2 und sie Sozialisten mit 1 oder 2 Mandaten.
Wahl gewinne der Deutschen t« Dder- schlesieu.
ff. Kattowitz, 5. März. Um 6 Uhr morgens Hatto nach dem bisherigen Wahl- ergobnis di« deutsche W a h l g e m e i n - schäft im gesamten Wahlkreis 39 (Katw- vitz) 4 6 0 0 0 Stimmen, die Regierungspartei 3 2 0 0 0, die Kor - fauth-Partei 24 500, die polnischen und deutschen Sozialisten 17 10 0 und die Ä o m m u n ift en 8 0 0 0 Stimmen erhalten.
Tie beiden bisherigen Mandate des Wahlkreises Kattowitz sind damit erhalten geblieben. Die Deutschen haben nach diesem Ergebnis, frei dem noch Mehrere Gemeinden fehlen, bereits 9 0 0 0 Stimmen mehr erhalten als bei den letzten Wahlen im November 19 2 2.
. Dieser Gewinn an deutschen Stimmen jst umso höher zu bewerten, als di« Deutschen seit den letzten Sejmwahlen durch die Option und die große Abwanderung, durch den ständig starken Terror, die Streichung von Tausenden aus den Wahl- nsten und schließlich durch die Sprengung des Wahlgeheimnisses geschädigt sind, wäh- reud dis polnischen Stimmen in den letzten Zähren durch den starken Zuzug fron Beamten aus den polnischen Ostgebieten gewonnen haben. Bon den übrigen drei Sejm-Mandaten des Wahlkreises Katto- Mitz dürften die Regierungspartei und die Korfantypartei nach dem bisherigen Ergebnis je 1 Mandat erhalten, lieber die Schicksal des 5. Sejm-Mandates des Wahlkreises Kattowitz ist erst nach genauer Ermittelung des Wahlergebnisses für den Tahlkreis Kattowitz etwas zu sagen. Aus drn übrigen beiden schlesischen Wahlkreisen Begen bis morgens 6 Uhr nur spärliche Ergebnisse vor. Totzdem ist zu erwarten, daß die Deutschen auch dort ihren Besitzstand erhalten haben. Besonders auf« listig ist die Tatsache, daß die Deutschen ül verschiedenen kleinen Gemeinden int stark bedrängten 'Kreise Rhbnik zahlreiche Stimmen erhalten haben, und Wat in .Gemeinden, in denen es bei den
letzten Kommunalwahlen nicht möglich war, eigene Kandidaten aufzustellen.
Gestern in den Abendstunden haben sich in Kattowitz einige Zwischenfälle zwischen Mitgliedern der Regierungspartet und Korfanly-Anhänger ereignet.. In Myslowitz wurde ein Korfanty-Anhänger von R^ierungspartei-Mitgliedern verprügelt, wobei ihm beide Beine gebrochen wurden. In R h b n i k kam eS zu einer kleinen Schießerei, wobei eän Anhänger der Korfanty-Partei an der Hand erletzt wurde.
Weiterer deutscher Wahlgewin« i« Obcrschlefien.
ff. Königshütte, 5. März. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Sejmwahlen 'im Wahlkreis 38 (Königshütte- Schwientoschlowitz-Lublinitz-Tarnowitz) hat die deutsche Wahlgemeinschaft einen b e - deutend en Stimmenzuwachs urb zwar mit fast 23 000 gegenüber den letzten Sejmwahlen vom Jahre 1922 zu verzeichnen. obwohl die de u t s ch e n Sozialisten für die Liste der polnischen Sozialisten gestimmt hi-' ben. Im einzelnen erhielten die Deutsche Wahlaemeinschaft 61 759 gegenüber 38 942 im November 1922, d'e Regierunaspar- teien 53 329. die Konfantypartei 32 974, die Vereinigten deutschen und polnischen Sozialisten 15 004 und die Kommunisten 9337 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 89 Prozent.. Danach erhält die Deutsche Wahlgemeinschaft 2 M a n d a t e , die sse schon inne hatte, die Regierungsparteien 2 Mandate und die Korfantn-Partei 1 Mandat Im Stadtkreis Königshütte hat bei einer Wahlbeteiligung von 94 Prozent die Deutsche Wahlgemeinschast 19891 von insgesamt
38110 abgegebenen Stimmen erhalten.
Die bisherigen Wahlergebnisse in Polen.
fk. Warschau. 5. März. Da die Wahlergebnisse aus den Landkreisen nur sehr fragmentarisch vorliegen, jft es noch nicht möglich, ein sicheres Bild über eine Der- Snderung, die durch die gestrigen Sejmwahlen hervorgerufen worden sind, zu gewinnen. Sicher ist. daß in den Städten Kongrehpolens. Galiziens und des Ostens die Pilfudski-RegierungSliste große Erfolge errungen hat. In Warschau hat sie 6 M a n d a t e errungen. Auch in Wilna, Lublin. Lemberg und Krakau hat die Regierungsliste gut abgeschnitten.
Für diesen Erfolg des Regierungsblockes haben nach den bisherigen Zählungen vor allen Dingen die Rechte und die So- zialistenzahlenmüssen. So haben in Warschau sowohl Rechte wie auch Sozialisten ungefähr 40 Prozent ihrer bei den letzten Sejmwahlen im Jahre 1922 gewonnenen Stimmen abgeben müssen. 3m Gegensatz hierzu haben die Sozialdemokraten in Lodz einen wirklichen Erfolg errungen und haben dort drei Wan- oate erhalten. Auch in Westgalizien, der einstigen Hochburg oer polnischen Sozia- listen, scheinen sie sich im großen und ganzen behauptet zu haben; hingegen dürften sie in Lemberg Mandat« verloren haben.
In Posen und Pommerellen hat die Rechte ihren Besitzstand im allgemeinen behauptet. Dort hat die P i l s u d s k i - Liste nur unbedeutende Erfolge erringen können. Die Deutschen scheinen in Posen und Pomerellen ausgesprochen gut abgeschnitten za haben. Jedenfalls wird in polnischen Mel
dungen — wahrscheinlich nicht ohne propagandistische Nebenabsichten — bi« starke Wahlbeteiligung der deutschen Bevölkerung hervorgehoben.
Stark gewonnen haben auch die Kommunisten, vor allem in den Städten und in dem Kohlenrevier von Dom- browa.
Die Wahlbeteiligung war ungleichmäßig. Sie schwankt in den einzelnen Kreise« zwischen 60 und 90 Prozent. In Warschau schau betrug sie 72 Prozent. Die höchsten Wahlbeteiligungsziffern meldete der Westen des Landes, so K a t t o w i tz unö Dr vmb er g mit je 90 Prozent. Posen, Graudenz und Hirschau je 80 Hroz.
fk. Warschau. 5. März. Bis 9 Uhr sind hier au? 17 Wahlkreisen die end. gültigen Ergebnisse eingettoffetu- Von 101 Mandaten entfallen auf die
Regierungspartei 34
National-Demokraten 14 Witosvartei mit Korfanty-Partei zusammen 4
Sozialisten 11
Ukrainische Partei 6
Komunisten 4
Minderheiisblock 11.
Posen: Regierungsblock 2, National- demokraten 2: bei den letzten Wahlen erhielten die Nationaldemokraten alle 4 Mandate. Königshütte: Regierungsblock 2. Minderheitsblock 2, Korfanty-Partei 1. Kattowitz: Regierungsblock 2, Minderbeitspartei 2, Korfanty-Partei 1. Brombera: Nationale Arbeiterpartei 1. Minderheitsblock 1, Nationa^demokra- ten 1. Regierungsblock 1. Linkssozialisten 1. Ehristlichdemokratische Partei 1 Mandat.
MMM Antwort an dm Mtionnlrnt er wüt in Zukunft die ?al!Mbon foettten taffen — .Der Sölkttbund? Senf?, vkkgedWer Soffmf
Rom, 3. März. In dem von der Agenzia Stefani veröffentlichten Bericht über die Erklärungen, die Mussolini in Beantwortung einer Anfrage der Abgeordneten Sansanelli, Pelizzari, Starace und anderer über die Frage des Oberetsch in der Kammer abgab, heißt es unter anderem:
„Meine Antwort auf die Anfrage der verehrten Kameraden kommt etwas spät und dies wegen folgender Gründe: Bor allem wollte ich den stenographisch ausgenommenen Wortlaut der int österreichischen Nationalrat gehaltenen Reden lesen. Zweitens wollte ich durch eine Unterredung mit unserem Wiener Gesandten Näheres ersahren über die Stimmung, die Vorgeschichte und den Widerhall oer Reden selbst. Drittens und nicht zuletzt wollte ich. daß ein genügender Zwischenraum den Zwischenfall von einer allzu dramatischen Atmosphäre befreie.
H a n n i b a l steht noch nicht vor den Toren und Herr Seipel auch nicht. Italien ist heute ein großer Staat, der politisch einheitlich, ethnisch homogen, moralisch geschlossen und in sozialer Beziehung geordnet ist wie kein anderer Staat in Europa. Italien ist heute ein großes Volk von mehr als 50 Millionen Menschen, von denen beinahe 42 Millionen innerhalb der Halbinsel wohnen. Diese Menschen, die durch den Faschismus gestählt sind, haben solide Nerven, eine kurz angebundene Redeweife und wissen auf ihrem Posten anszuharren. Oesterreich ist. Las. was.es ist.
Ich habe mich sogar gefragt, ob es der Mühe verlohne, zu antworten und gewiß, wenn nicht der Kanzler, d.h. das Haupt der österreichischen Regierung und ein von vielen Gesichtspunkten aus bedeutender Mann, in die Debatte eingegriffen hätte, dann hätte ich die antiitalienischen und antifaschistischen Redeübungen des österreichischen Nationalrates ihrem Schicksal überlassen, ohne davon Notiz zu nehmen. Ich werde also in der größten Ruhe, aber unzweideutig sprechen, d. h. ausgesprochen „more nostro“.
Ich möchte gleich hinzufügen, daß e* diesmal das letzte Mal ist, wo ich über dieses Thema sprechen werde. Beim nächsten Male werde ich die Tatsachen sprechen lassen.
Dies ist ein Kapitel der Geschichte, das ich schreibe, nicht für die Italiener, die sie kennen, sondern für die Welt, die von dieser Geschichte nichts weiß oder sie vergessen hat. Ich beabsichtige zu zeigen und ich werde zeigen, daß die österreichische Kundgebung nicht berechtigt ist und eben deshalb provokatorisch ist. Sie ist keineswegs gerechtfertigt durch die allgemeine Politik, die Italien von 1918 bis 1928 hinsichtlich der österreichischen Republik befolgt hat. Sie ist nicht gerechtfertigt durch die Politik, die die faschistische Regierung in der Provinz Bozen befolgt hat, die eine der 92 Provinzen des Königreichs ist und von der faschi- stischen Regierung wie alle anderen Pro- uiruen behandelt wird, mit Lieschen Rech
ten und mit gleichen Pflichten. Wenn ich heute an die zahlreichen Freundschaftsbeweise erinnere, die Italien Oesterreich seit dem Waffenstillstand bis heute hat zukommen lassen, so tue ich das nicht, um Oesterreich seine Undankbarkeit vorzu- werfen. Wir sind hinreichend Grandseigneurs, um die große Tugend der Zurüm- Haltung zu kennen. Ich tue es nur, damit dies ein für alle Mal vor der Welt dargelegt wird.
Mussolini zählte dann die Dienste aus, die Italien, seiner Ansicht nach, bei der Abstimmung in Kärnten und im Burgenlande sowie bei der finanziellen Sanierung Oesterreichs Oesterreich erwiesen habe und zitierte darauf bezügliche Danktelegramme österreichischer Staatsmänner. Dann fuhr er fort: Nach zehn Jahren dieser Politik erleben wir eine Kundgebung, die die verehrten Interpellanten ganz richtig als ein unerträgliches Eingreifen in die innere Gesetzgebung unseres Staates bezeichnen. In der Tat existiert wegen der kleinen fremdvölkischen Minderheit des Oberetsch keine internationale Frage.
Diese Minorität ist ein Faktor, der gegenüber der geschlossene« Masse von 42 Millionen Italienern durchaus nicht ins Gewicht fällt. Er fällt ferner nicht ins Gewicht angesichts der viels« Millionen Deutscher, die an andere Staaten gekommen sind.
Wenn diese Frage existierte, würde man sie in irgend einem Lriedensvertraae oder