Sonnabend, len y,gtbtunt 1928
tu ^Df*tbefPf<6< Sdhrng* w Meint sechsmal MLcheatlich. 8e> Pfoten monatlich 2 GM. au«- ^hlirßl. ZusitllungsgkbLbr, durch hz»P»str2S SM.Für etwa infolge Streiks. Maschinendefekt« »der elementarer Ereignisse ausfallend« Munnuern wird kein Ersatz ge- lettzet. Verlag b. Dr. §. Hltzrrvtb^ Drnck der Unid.-Guchdruckeret b. Aotz. Steg. Koch, Markt 21/23. Ae«sprech«: Rr. 54. n. Rr. 55. Ppstscheekkonto: Stell Frankfurt t M. Rr. 5015. — Sprechzeit I# Redaktion von 10—11 und
*/,!—! Uhr.
Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Marburger LlgeSmeiger
ÄbechMsche
3eituiiö —
Rr.« 63.Mo. Mardurg a. Bahn
ver Steu«g«»prrts beträgt ffc den 10 gespult. Zeüemntllimeter 0.08 SM. kleine Saran,eigen 0.06 SM. amtlich» an» «us- teärtiq» Sinzeigen 0.10 SM Sei schwierigem Satz sowie bet Platz» dorschrtft 60*1« Aufschlag. — Sammeten zeige» 100 eU Auf» schlag. Reklame» der Willi» 0.40 SM Zeder Rabatt gilt als Sarradatt. Ziel 6 Tag«. Belege werden berechn«,ebenso Auskunft durch di» Seschäftsllell» »nd Zusendung der Angebot«. E» füllangsort Marburg.
I CelOmad ■ '/«^Dollar.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburgs
Französische AetzpolM gegen Angarn
England und Mallen gegen dar Eingreifen der WlkerbundeS - Frankrei» v:rdS»ligl Rallen
ft. Paris, 25. Febr. Der Genfer Korrespondent des »Petit Paris iea- führt di« Verschleppung der Szent Gott- hard-AffSre bis zur Märztagung beß Döl> lerbuudes auf die llnstimmigkeiten der -iatsmitglieder zurück. M u j s o I i«i Hütte Titulereu offen erklärt, daß Italien gegen die Anwendung he» Artikels 11 sei und auch Strese, «an» und Großbritannien hätten sich jeder Maßnahme gegen Ungarn widersetzt und nnter leinen Umständen ein Verfahren angewandt scheu wollen, da» da» Investigationsrecht Ns Völkerbundes in Erscheinung treten lasse und geeignet gewesen wäre, einen Präzedenzfall zn schaffen. Da« Foreign Office habe in diesem Sinne eine unzweideutige Demarche am Quai d'Orsay mit der Absicht unternommen, daß die Haltung England« der kleinen Entente zur Kennt- Mi» gebracht würde. Da» Fehlen der Lebereiustimmung zwischen den Ratsmit- gliedern hätte den Präsidenten gehindert, M handeln und dies sei gleichzeitig der Srund dafür gewesen, datz die Regierungen van Prag, Belgrad und Bukarest, um einenMitzerfolg zu vermeiden, sich damit be, gnügen muhten, den Böllerbund auf die gcheimeu Rüstungen Ungarn« aufmerksam zu machen. Auch Sir Eric Drummaud sek au» diesem Grunde zum Schweigen verurteilt gewesen. Man hab« sich nicht zn, erst mit einer Angelegenheit beschäftigen «ollen, die die Anwendung de« Investi- gationsrechte« notwendig gemacht hätte. »Heute sieht sich der Rat jedoch gezwungen, am leine Autorität wieder herzustellen, ii« an» Ende feiner Betont» «ortung zn gehen, der sich gewisse Mitglieder de« Rates entziehen wollten, am keinen Präzedenzfall zu schaffen, der Fraukriech im höchsten Matze interessiert.'' Der Böllerbundsrat habe diesmal sogar aoch weiter gehen müssen und ein für allemal die Rechte seines Präsidenten und seines Generalsekretärs in den fitzungs- loseu Zeiten und das Znveftigationsver- stchreu in allen Einzelheiten festgelegt.
Die Pariser Presse in Aufregung.
Der Pariser ,.Eauloi s“ meint, datz die Unzufriedenheit de: Genfer Völle rbundskreise über die Entwickelung bet szent Gotthard-Affäre wohl darauf zu- lückzufübren lei, datz sich diele Kreise jetzt darüber klar würden, datz es zwecklos sei, die Ab- Mungskontrolle dem Völkerbund anzuvertrauen.
Die „Volant e“ fordert, datz d-m Dölker- iundsrat ein permanentes Aktions- kecht gesichert werde. Die internationale Abrüstungskontrolle fei unvermeidlich. Das Prestige des Völkerbundes und die Ruhe in Mitteleuropa ständen auf dem Spiel.
Der „M a t i n" sagt, die englischen Kaoi- telqten batten allerdings eine gewisse Vorliebe für Ungarn; aber Chamberlain sei nicht der Mann, der den Völkerbundsrat über'"lpeln laste, um einigen Finanzleuten eine Freude zu bereiten.
Italien sei möglicherweise durch die Herkunft der Malchinengewehre in eine peinliche Lage geraten,
tber der eigentlich Schuldige sei der, der die Verbotenen Waffen bezogen habe. Die Regie
rung Mussolini werde boffentlich jede Geste vermeiden, die sie der Mitschuld an der Verletzung der Verträge verdächtig machen könnte. Was Deutschland anbetreffe, so muffe man sich bis zur persönlichen Stellungnahme Strese- manns jeden Urteils enthalten, dessen ganze Politik auf dem Völkerbund begründet sei. Wenn Stresemann selbst dieses nicht riskieren sollte, so würde Deutschland auf allen Gebieten die schwersten Folgen zu füh- l e n bekommen.
Die Waffen find versteigert.
Budapest, 24. Febr. Der Pester Lloyd erfährt vom Bahnhofskommandanten in St Gotthard, datz heute vormittag die öffentliche Bersteigernng der seinerzeit beschlagnahmten und in diesen Tagen für Kriegszwecke unbrauchbar gemachten Maschinengewehr - Bestandteile unter gerichtsbehördlicher Ausficht erfolgt ist. Den ganzen Vorrat hat ein dort ansässiger Kaufmann für den Betrag
von 1800 Pengö ----- 1350 Mark erstanden. Da« ganze Material bleibt jedoch vorerst auf Regierungsverfügung unter behördlicher Aufsicht an Ort und Stelle. Es hat sich keinerlei Zwischenfall ereignet
Sie trrttWt Arbeit teS SHberdMaus Miel
Das Eicherheitskomitee hat heute abend die kapitelwe.se Beratung des von dem finnischen Delegierten Hoistl aurgearbe teten Berichtes über das S ch i e d s * und Der» gleich swesen abgeschlossen. Die Aussprache drehte sich hauptsächlich darum, ob
Vertragstypru für allgemeine und kellek- tive Echieds- und Bergleichsverträge oder nur für zweiseitige Verträge aufgestellt werden sollen. Die Beschlüsse gehen dahin, daß das Redaktion'komitee «na Re he von Vertrag: typen für allgemeine bzw. kollektive Verträge. aber auch für zweife.trge Berträge ausarbeiten soll, die te.ls Ech.eds»
FolgenWVkre SKMMtt-phe
ein ItaMiM Sampler gesunken
fk. Deal, SS. Febr. Der italienische Dampfer „Alten tarn" ist nach einem im Nebel auf der Höbe von Dungeneb erfolgten Zusammenstoß mit dem russischen Schulschiff „Tooarisch" gesunken. Es wird befürchtet J>o6 schwere Verluste an Menschenleben zu beklagen sind.
Blättermeldungen zufolge hat der britische Dampfer „M o l d a v i a", der die Stelle, an der gestern abend im dichten Nebel der italienische Dampfer „Alcantara" (1682 To.) 2 Meilen von Dungeneh, mit dem russischen Schulschiff „Tovarisch" zusammenstich, V/2 Stunden abgesucht hat, nur einen Mann tot aufgefunden und sei überzeugt, datz nie - mand mebr am Leben geblieben ist.
„Daily Mail" berichtet über den Zusam- menstotz: Als der P O.-Dampfer „Moldavia" auf dem Wege nach Australien gestern abend in Höhe von Dungcnetz an der Südküste von Kent in der Nähe von Lndd vorbeifuhr, ertönten gellende Rufe, die um Hilfe baten. Die „Moldavia" hielt ihre Maschinen sofort an und lieh in großer Schnelligkeit alle Rettungsboote herab. Aus dem mit Wrackstücken besäten Meer wurde ein st erbender italienischer Matrose a u s g e s i s ch t. In der Nähe stand der beschädigte russische Dampfer „Tonart? ch".
— Sie ganze DMung erstunken
Seine Mannschaft versuchte die Mannschaft des „Ascantara" zu retten. Die „Moldavia" sandte eine drahtlose Meldung, die von der Station Dungenetz aufgefangen wurde: „Haben einen Mann aufgeiischt, hören andere schreien." Sofort warben Kanonenschläge ab-, gefeuert und die Nachricht über den Zusam- menstoh an der ganzen Küste entlang bekannt gegeben und um Hilfe gebeten. Das Rettungsboot von Dungeneh stich etwa 22 Uhr in See und suchte um Mitternacht immer noch den Ort des Zusammenstohcs ab. Kurz nach 23 llbr nahm die „Moldavia" ihre Rettungsboote wieder an Bord und setzte ihren Weg fort. Der gerettete italienische Me- trose starb bald, nachdem er an Bord genommen war. Er wird auf See bestattet werden. Schleppdampfer sind aus Dover nach dem Schauplatz der Katastrophe abgefahren. Ret- tungsboetstationen und Küstenwachen sind an der ganzen Küste in drahtloser Verbindung mit den Rettungsmannschaften. Eine um Mit- ternc ht abgesandte Meldung teilt mit. dah der Dampfer „Tovarisch" nicht in unmitelbarer Gefahr ist und versucht, Southampton zu erreichen.
ff. London, 25. Febr. Nach letzter Meldungen ist die gesamte Besatzung des Dampfers „Alcantara" ertrunken.
und Dergleichsanträge teils nur Bergleichs- Verträge wären. M.t dem Auftrage de: Aufstellung der al'geme nen Be tragst.^pen toirb, wie Vizepräsident Unten betonte, von dem Sicherheitskomitee noch keinerlei ©m.fe'lung ausgesprochen. Das Aedatt.on.kom.tee wurde ferner beauftragt,
zwei Entschliehungsanträge auszuarbeiten, durch die
1. eine möglichst zahlreiche Unterzeichnung der Fakultativklausel des Haager Statuts u3er die obliga or.sche Schiedsgericht, barke t für al'e Recht-stre.tig- keiten empfohlen wird, und
2. angeregt wird, daß der Internationale Gerichtshof im Haag in tunl.chst weitgehendem Maße die Recht prech ng in allen Streitfällen über die A.islegung uird Anwendung von allgemeinen Sch.ed.vert.ägen erhalten soll.
Die Aussprache läßt sich durch die entschiedene Ablehnung allgemeiner Echieds- und Bergleichsverträge durch
England, Italien und Japan
und durch diie starke Unterstreichung der Vorzüge des Vergleichsverfahrens gegenüber dem Schiedsverfahren kennzeichnen. De: der Behandlung des Ent'chließungsantrage? über d.e Fakulta» tivklausel wies der deutsche Delegierte, Staatssekretär von S i m s o n darauf hin, daß Deut'chland im ver->an7e"en He bst die Fak.iltt vllausel unterze chne hat. Er könne sich also nur auf das le.'ha teste dem Wunsche anschließen, daß die Zakultat vklausel von mögl chst vielen Staaten un erze chnet werde. In Bezug auf d e in den SH edsverträgen allgemein üblichen Vorbehalte, wie Lest e n s in t e r e s s e n und nationale Ehre, gab der deutsche Delegier e die Erklärung ab. daß diese Vorbehalte unerwünscht seien, tre I s e eine Astschwächung des Wertes der Schiedsvert äge bedeuten. Das Sicherheitskom tee sollte daher be: se.ner Stellungnahme den Eindruck verme den, als ob es die Beibehaltung dieser Vorbehalte empfehle.
Sttirto- md Nnmizlagt ter $oil
Berlin, 24. Febr. Set der heute abgehaltenen Sitzung des BerwaltungSrateS der ReichSpost, die der Beratung und Feststellung deS Nachtragshaushaltes für 1927 und des Haushaltes für 1928 gilt, gab
Reichs Postminister Schätze!
eine Darstellung über di« Wirtschafts» und Verkehrslage der ReichSpost. Der Minister führte u. a. aus: Der Verkehr hat sich im letzten Vierteljahr, abgesehmr vom Telegrammverkehr, günstig ent- wickelt und ist gegenüber dem gleichen Zeitraum deS Vorjahres allgemein gestiegen. Die PostgebührenerhShung hat weder einen ungünstigen Einfluß auf die allgemeine Preisbildung, noch einen Ber- kehrSrückgang gebracht. Die ReichSpost arbeitet planmäßig an der Reform und Rationalisierung der Verwaltung und des Betriebes. Vom 1. April ab wird durch Erhöhung der Au- ständigkeiten der Oberpostdirektionen das Reichspostministerium um etwa 115 Kräfte verringert werden. Die vorhandenen
26 BetriebSwerkstSttrn werden ans fünf herabgemindert.
Durch Vereinfachung sind im letzten Vierteljahr 740 Kräfte gespart worden. Im Postscheckbetrieb wurde eine Personalersparnis von 30 Prozent erzielt. Die Durchführung der Berkehrsvevbesserungen wurde fortgesetzt, die Umgestaltung und Vertrustung des Landpostwesens begonnen. Trotzdem ist die Balanzierung des EratS für 1928 sehr schwierig. Größte Be- stchränkung im Investierungs- Programm ist unerläßlich. Die Finanz- läge ist nach wie vor gespannt. Wenn die Konjunktur nicht umschlägt, wird auf höhere Einnahmen gehofft, die in einem Nachtragsetat veranschlagt werden sollen. Mit Lohnerhöhungen muß gerechnet werden. Die Erhöhung der Ablieferungen an das Reich von 70 auf 100 Millionen entspricht dem inzwischen erhöhten Vermögen der deutschen Reichspost. Der ReichSPost- minister erklärt, daß die Reichsbank vorübergehend einen Betriebsmittelkredit zur Verfügung stellt, der durch
ein« Postanleihe zum April abgelöst werden soll. Dasselbe gilt für die vorübergehende Inanspruchnahme bet Postscheckgelder. Bei Anleihen müsse Rücksicht auf Gutachten des SparkommissarS genommen werden. Zu beachten sei, datz sich daS Vermögen der deutschen ReichSpost infolge der Investierungen in den letzten vier Jahren um eine Milliarde auf 2,5 Milliarden erhöht hat. Hierzu gehört, daß bereits 28 Prozent sämtlicher Fem- sprechanschlüsse automatisch find.
Der RachtvagSetat für 1927 wird genehmigt. ES folgt die Beratung der Aufnahme eines Kredite» für 1 92 7.
Ministerialrat Dr. Auer (Reichsfsnanz- minifterium) berichtet, der Arbeitsausschuß habe das Reichspostministerium ermächttet, einen Betriebskredit von 200 Millionen von der Reichsbank aufzunehmen, unter der Bedingung, daß dieser Kredit solange bestehen bleibt, bis er durch eine Anleihe abgelöst werden kann.
Reichspostminister Dr. Schätzet erklärt, daß begründete Aussicht vorhanden ist, wonach kurz nach Ostern die Postanleihe zunächst in Höhe von 100 Millionen ayf- gelegt werden soll.
Der Aufnahme deS Betriebskredites in Höhe von 200 Millionen von der ReichS- bank wird zugestimmt. ES folgt bet
Voranschlag für 1928.
Dabei sprachen sich vom Standpunckt der Wirtschaft gegen die Erhöhung der Ablieferung an das Reich auf 100 Millionen zunächst die Herren Grünfeld-Berlin und Prof. Salomon-Frankfurt a. M. au». Letzterer trat für eine Senkung der Gebühren ein, wenn höhere Ueberschüsse erzielt werden sollten. Wg. von Papen (Ztr.) beantragte,
nur 80 Millionen abznliefem, aber die Gebühren für die Wenigsprechar herabzstsetzen.
Reichspostminister Dr. Schätze! befürwortete nochmals die Ablieferung von 100 Millionen, unter Hinweis auf daS gestiegene Vermögen der Reichspost, uns erklärte, daß plötzliche größere Ar-