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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen
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Man rechnet damit, daß die Derhand» lungen des Licherheitskomitees in Genf bis kurz vor bem Beginn der Tagung des Böller- bundrates dauern werden, die am 5. März beginnt. Bach der Generaldebatte werden die Verhandlungen in der Kommissions- arbeit fortgesetzt werden. Staatsselretär von Simfon hat in seiner gestrigen Bede nur die Gedanken entwickelt, die in der ferner Zeit nach Prag gesandten Denkschrift ent- Balten sind; die Ausführungen des Staatssekretärs von Simsvn gingen über die Darlegungen dieser Denkschrift nicht hinaus. Der deutsche Standpunkt enthalt kurz zu- sammengefaßt folgende Ge irht-punkte:
Er betont erstens die Möglichke.t, daß zur Lösung aller Konflikte ein bestimmtes Verfahren eingeführt wird. Zweitens sind nach deutscher Auffassung alle Allianzen, auch die Defensivallianzen, mit dem Geiste des Völkerbundes nicht vereinbar und drittens kommt es darauf an, praktische Möglichkeiten für Präventivmaßnahmen gegen den Krieg zu sichern. Aus diesen dritten Gesichtspunkt lief ja auch der deutsche Vorschlag hinaus, daß bei Ausbruch von Streitigkeiten auf Empfehlung noch ein Waffenstillstand vereinbart werden soll. 3m Anschluß an die Ratstagung des Döller- brmdes wird übrigens am 15. März die vorbereitende Abrüstungskonferenz ihre Verhand- lMgen fortsetzen.
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Gen.f, 21. Febr.
Im Sicherheitskomitee wurde heute die allgemeine Aussprache fortgesetzt. Der italienische Delegierte D e M a i i n i bezeichnete den Gedanken eines all- gemsinen Vertrages zur Erhöhung des Sicher- beitsgefühls als einstweilen ausgeschlossen. Er empfahl statt dessen den Abschluß von Sonderverträgen zwischen Staaten, die wegen ihrer Nachbarschaft gemeinsame Interessen haben. In besonderen Fällen könnten auch noch Mehrere Staaten als Garanten oder Mitkontrahenten angeschlossen werden. Beim etwaigen Abschluß von Regionaloerträgen sei äußerste Vorsicht geboten, um in den nicht beteiligten Ländern keine Befürchtungen hervor- »urufen. Auf alle Fälle solle anderen Staaten auf Wunsch der Beitritt offensteben. In Bezug auf die friedliche Regelung internationaler Streitigkeiten will de Marini den Regierungen die Anwendung und Wahl des Verfahrens offen lassen. Auch dem Rat selbst müßten für den Fall seines Eingreifens alle aus dem Pakt gegebenen Möglichkeiten ohne besondere Bindung offen gelassen werden.
Im weiteren Verlauf der Sitzung der Sicherheitskomitees ergriff
Paul Boncour
das Wort, der die gestrigen deutschen Anregungen als außerordentlich interessant be- stichnete, fügte iedoch hinzu, daß sie nach feiner Auffassung nichts wesentlich Neues bringen.
Lr betonte, wie stark Sicherheit und Abrüstung miteinander verknüpft seien.
Für eine fühlbare Herabsetzung der Rüstungen seien, rote auch gestern der polnische Delegierte Sokal erklärte, meßbare und greifbare Sicherheiten als Ergänzung der durch den Pakt geschaffenen Sicherheit notwendig, die für die Arbeiten der Abrüstungskonferenz als Ersatz eines Teiles der eigenen Rüstungen von den einzelnen Ländern in die Sicherheitsbilanz eingesetzt werden können. Uebergehend zu den drei vorliegenden Berichten erklärte er, daß Bolitis »war im jetzigen Zeitpunkt auf das Genfer Protokoll verzichtet habe, daß er aber nicht weniger als sechsmal auf seine Eedanken- Sänge sich berufe. In Bezug auf den Bericht des holländischen Delegierten Rutgers
warnte Paul Boncour vor einer weiteren Untersuchung des Artikels 16 über die wirtschaftlichen, finanziellen und «ilitiiri- sche« Sanktionen,
da eine solche zur Zeit aussichtslos wäre und vielleicht das Gegenteil der gewollten Wirkung iur Folge haben könnte, wohl aber unterstütze er die Aufforderung des holländischen Delegierten, den Artikel 11 über die dem Völkerbundsrat gegebenen V e r mi t t l u n g s - und Schlichtungsangelegenheiten weiter zu durchforschen. Für den Fall militärischer Vorbereitungen zweier Staaten trat er für die Einsetzung einer internationalen Kontrolle ein. Eine solche Kontrolle sei dem Rat be
reits im vergangenen Jahre von dem zuständigen Ratskomitee vorgeschlagen worden und sollte entsprechend diesen Vorschlägen durch sofortige Entsendung von militärischen Sachverständigen nach dem bedrohten Gebiete verwirklicht werden.
Bei Behandlung des Berichts des finnischen Delegierten Holst! über das S ch i e d s - Problem verlangte Paul Boncour gleichzeitig den Abschluß von zweiseitigen Schieds- verträgeii und die Ausarbeitung eines Modells für Schiedsverträge.
Der Schiedsgedanke müsse mit Garantien und Sanktionen versehen werden, durch die ein leichteres und sichereres Funktionieren als durch die Artikel des Paktes selbst möglich sei. Bei Erörterung des Berichts des griechischen Delegierten Politis über das Sicherheitsproblem trat Paul Doncour für
Brüssel, 21. Febr. In seiner Rede im Senat zum Budget des Auswärtigen bezeichnete Außenminister Hyman.s die auswärtige PoUtik Belgiens als eine Politik des Friedens, die von der Sorge um die Sicherheit beherrscht werde, und eine Politik der Ausbreitung der wirtschaftlichen Kräfte. Zur Frage der
Räumung de» Rheinlandes
übergehend, betonte Hymans zunächst, daß in der Frage der vorzeitigen Räumung von keiner Seite unmittelbar oder mittelbar ein Schritt bei der belgischen Regierung unternommen worden sei. Auf die Erklärungen Stresemanns habe Briand geantwortet, daß man über eine vorzeitige Räumung nur im Benehmen mit den Besatzungsmächten, also auch mit Belgien, verhandeln könne. Briand habe hinzugefügt, daß Frankreich gegen die vorzeitige Zurückziehung der Truppen nichts einzuwenden hätte, wenn es all« notwendigen Zusicherungen hinsichtlich der Sicherheit und der Reparationen erhalte. Aus diesen so maßvollen Reden spreche der Wunsch nach einer Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich.
„Belgien", so fuhr Hymans fort, „kann nur mit Sympathie jede Bemühung zu einer Annäherung ins Auge fassen, die auf Versöhnung und auf ein Regime internationaler Eintracht und politischer Stabilisation gerichtet ist. Aber man wird verstehen müssen, daß es sich nur mit Vorsicht auf einen Boden begibt, auf dem seine wesentlichen Interessen, nämlich diejenigen der Sicherheit und der Reparationen, berührt weiden. Diese beiden so heiklen und verwickelten Fragen wurden durch den Vertrag von Versailles und eine Reihe späterer Abkommen geregelt. Man kann in ihr Räderwerk nicht eingreifen, ohne Gefahr zu laufen, den ganzen Mechanismus zu stören. Jede Improvisation würde gefährlich sein. Dr. Stresemann verlangt, daß die Besatzungsmächte
den vertrag von Versailles gemäß dem Eeist von Locarno auslegen.
Von diesem Geist hat sich Belgien in seinen Beziehungen zu Deutschland leiten lassen trotz der Erinnerungen an die Okkupation. Seit Locarno hat die belgische Regierung eine Reihe von Maßnahmen angenom-
— Der ruifitoc Mschlag
eine weitgehende Verallgemeinerung und Ausdehnung der Schieds- und Sicherheitsverträge ein. Solange Verträge, die alle Staaten umfassen, nicht möglich seien, seien Regionaloer- träge nach dem Muster des Locarnovertrages das beste Mittel, um die Sicherheit zu erhöhen. Das Sicherheitskomitee müsse daher Mittel und Wege für die Entwicklung des Systems der Regionalverträge suchen.
Als letzter Redner der Vormittagssitzung betonte auch der finnische Delegierte Erich das besonders Interesse, das die gestrigen Anregungen des deutschen Delegierten verdienen, wobei er vor allem den auch in der deutschen Denkschrift enthaltenen Gedanken hervorhob, daß das Komiker die Aufgabe habe, für alle Konflikte die Möglichkeit einer friedlichen und gerechten Lösung zu finden.
Die Aussprache wird morgen fortgesetzt.
men, die zur Milderung der unvermeidlichen Unbequemlichkeiten der Anwesen, heit fremder Truppen auf deutschem Boden bestimmt find. Belgien ist bereit, diese Politik der Loyalität und Versöhnung fortzusetzen. Die Besetzung der Rheinlande wurde durch den Versailler Vertrag festgesetzt, um die Durchführung der Vertragsbedingungen, Sicherheit und Bezahlung der Reparationen zu gewährleisten. Diese Bürgschaft, die durch die Abkommen von Locarno weder aufgehoben noch abgeschwächt wurde, sichert die Durchführung des Versailler Vertrages mit einer Wirksamkeit, die man nicht unterschätzen darf. Ist es möglich, diese Garantie durch andere Mittel zu ersetzen, die uns die gleichen Ziele mit gleicher Gewißheit erreichen lassen?
Es ist Sache Deutschlands, das in dringender Form die Räumung fordert, in dieser Hinsicht Anregungen vorzubringen. Sobald Deutschland greifbare Vorschläge über die Sicher, heit und die Reparationen machen würde, würden wir sie im Benehmen mit unseren ehemaligen Alliierten objektiv und gerecht prüfen.
An dem Tag, an dem die Besetzung des Rheinlandes ü berflüsg wird, hätten wir keinen Grund, mit ihrer Beendigung zu zögern. Aber wir müssen darauf Hinweisen, daß nicht nur für Belgien, sondern für ganz Europa die Notwendig k e i t besteht, die Innehaltung der Bestimmungen über die Entmilitari- sierung der Rheinlande zu sichern Es erscheintunerläßlich, ihre Durchführung zu überwachen. Es wird Sache der interessierten Mächte sein, die zweckmäßigste Art der lleberwachung zu erörtern."
Hymans hob sodann hervor, daß für Belgien die Bezahlung der Reparationen von Wichtigkeit sei. „Belgien", so erklärte er, „zweifelt nicht an der Absicht der Reichsregierung, die Verpflichtungen zu erfüllen, die sie übernommen hat. Wenn Deutschland die Aufhebung der Besetzung, die eine der Hauptgarantien für die Bezahlung der Reparationen bildet, verlangt, so erwarten wir, daß es dafür neue Garantien vorschlägt."
BeSsien und -ie Räirmrmssfrase
Amons fordM mm Smanlien een SeulMmd
W—SS»
LchttrauMI-mig und
SliuMmml
Berlin, 21. Febr. Der Haupt- ausschuß des preußischen Landtages behandelte am Dienstag tu Fortführung des- Vorberatung des Kultushaushaltes dezt Abschnitt über
Lehrerbildung und Volköfchnlwostu.
Dor Berichterstatter, Abg. König- Swine- münde (Soz.) hob hervor, daß die dauernden Ausgaben hauptsächlich infolge der Besoldungserhöhung um 6 Millionen RM. gestiegen seien. Notwendig fei eine Gut» lastung der leistungsschwachen Gemeinden. Der Berichterstatter fragt an, wie es mü dem Ausbau der Volksschule bestellt fei und fordert die Gleichstellung der gehobenen Klassen mit den Mittelschulen.
Ministerialdirektor Kestner teilte mit, daß die Frage der Schulunterhaltung, di« mit dem Finanzausgleich untrennbar verbunden sei, nach Regelung des Finanz- ausgleichs in Angriff genommen werde. Die Berechtigungen der mittleren Schulen würden demnächst mitgeteilt werden. Die Junglehrernot fei erfreulicherweise zurückgegangen. Etwa 8000 Junglehrer seien im legten Jahre versorgt öden abgefunden worden. Ein Züchtigungsvcr- bot fei zunächst nicht ausgesprochen worden, da die Erfahrungen in Ländern mit formalem Verbot nicht günstig seien. Der Minister wünsche aber, daß die körperliche Züchtigung in den Schulen unterbleibe und begrüße deshalb den Willen der überwiegenden Mehrheit der Lehrerschaft, von sich aus zu verzichten.
In der weiteren Aussprache wünschte Abg. Doht (Soz.) das gänzliche 93er* bot der körperlichen Züchtigungen, so sehr auch die Mitteilungen der Regierung in dieser Beziehung zu begrüßen seien. Die schulärztliche Versorgung müsse besonders im Osten verbessert werden. s
Abg. Hoff (Dem.) gab seiner Genugtuung Ausdruck, daß der Minister so günstig über die Entwicklung der pädagogischen Akademien habe berichten können. Der Anregung, die Fortbildungsschule auf da- Kultusministerium zu übernehmen, könne seine Partei nicht heitreren.
Abg. Dr. Bohner (Dem.) lehnte ein gesetzliches Verbot der körperlichen Züchtigung ab, um nicht zum Richer über einen pädagogischen Kunstfehler der Strafrichter statt dec Schulverwaltung einzusetzen. Wie rückständig da noch manches fei, zeige daS Buch des Geheimrats Delius über die preußischen höheren Schulbauren, das im Jahre 1927 neu aufgelegt fei und immer nockl die Einrichtung von Aulen damit begründe, daß n ihnen auch der Geburtstag des Landesherrn gefeiert werde.'
Abg. Pischke (Dt. Vpt.) 'forderte das fünfjährige Diätariat für alle Lehrer und cketchlkche Mittel für Volksschulbauten, besonders im Osten.
Abg. König (Soz.) hob hervor, daß der Anteil des Staates an der Aufbringung der Schullasten seit 1913 von 155 auf 433 Millionen gestiegen sei, daß jedoch die Rechtsregierung im Reiche nichts getan habe, um den Ländern höhere AuS-- gaben für die Schule zu ermöglichen.
In der Abstimmung wurden u. a. die laufenden, insbesondere die persönlichen Kosten für die neuruerrkchtende weibliche Akademie in Köln mS den ^ttzn- men der Teutschnationalen, des Zentrum» und des größten Teils der Sozialdemokraten angenommen. Dagegen wurden die sächlichen Kosten, die erst die Neueinrichtung ermöglichen abgelehnr. Die Kosten Tür den Religionsunterricht der Synagogengemeinden wurden gegen Deutschnationale und Kommunisten bewilligt. Bewilligt wurde auch der Titel, der für die Junglehrer 200 neue Stellen und die Heraufsetzung ihrer Bezüge um 30 Mark auf 180 Mark versieht.
Der Ausschuß begann sodann die Borberatung der weiteren Abschnitte über höhere Lehranstalt n «nv Turn wesen.
Minister Dr. Becker erklärte, daß auf dem Gebiete des höheren Schulwesens manches reformbedürftig fei. Solange aber der barbarische Zustand der Ueberlaftung der Philologen und der Uebcrf ÜI» Iona der Klassen bestände, sei eine