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tM ^Obrrhrsstsch« Settmtfl* w ffcctirt ftchvmal wöchentlich. Se* fugWtit monatlich 2 TM. aut- sKIießl. Zustellung«gebübr. durch -t«Post2LS GM.Für etwa infolge Ltreikch Maschinendefekte »der «fernentarer Ereignisse ausfallend« Kummern wird kein Ersatz ge» fristet. Verlag b. Dr. §. Hiheroth, Druck der Univ.-Buchdruckerei b. Zoh. Sag. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 64. u. Nr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt e. M. Nr. 6015. — Sprechzeit p« Redaktion von 10—11 und
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Sie Tacung des MechritsauMusfeS — e. Station für Nrävenlivilchrrungen bei striegsgesaür
Genf, 20. gebt. Die sowjetrusfische Regierung hat durch Vermittlung ihres für die Tagung des Sicherheitskomitees nach Genf entsandten Beobachters Boris Stein dem Eeneralsekretariat des Böl- ' kerbundes einen Konventionsentwurf über die allgemeine und vollständige Abrüstung überreichen lassen. Der Konventionsentwurf ist auf den programmatischen Erklärungen aufgebaut, die die sowjetrussische Delegation bei der kurzen Tagung des Vorbereitenden A6- rüstungsausschusies Ende November v. 3- abgegeben hat und von einer Note begleitet. die von Litwinow, dem damaligen - Führer der sowjetrussischeu Delegation, unterzeichnet ist.
Genf, 20. gebt. Das Sicherheitskomitee ist heute vormittag um %12 Uhr unter dem Vorsitz des tschechoslowakischen Außen- ministers Benesch zu seiner zweiten Tagung zusammengetreten. Die Bildung dieses Komitees erfolgte bekanntlich Anfang Dezember vorigen Jahres auf Grund eines - Beschlusses der letzten Völkerbundsversammlung. Deutschland ist durch den ehe- 2 . maligen Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Dr. S i m s o n, vertreten. Frank- 1 [ reich durch Paul Boncour.
Die allgemeine Diskussion wurde von dem englischen Delegierten Cushendun eröffnet. Gegenüber dem Umstand, datz er vielfach noch am Vertrauen Hum Völkerbund fehle, unterstrich Lord Cushendun i im Namen seiner Regierung die besondere Bedeutung und Richtigkeit der von Bencsch in dem vorliegenden Bericht gemachten Feststellung, das;
der Völkerbundspakt bereits ein Ausmaß von Sicherheit geschaffen habe, heften ganzer Wert anerkannt werden müsse, und das in der Mehrzahl der Fälle zur Verhütung von Konflikten ausreiche.
Im Sinne der englischen Denkschrift empfahl Lord Cushendun für den als ergänzende Maßnahme zu fördernden Abschluß von Regionalverträgen die Locarno-Verträge zum Muster zu nehmen. Dem finnischen Vorschlag auf Organisierung der 1 L finanziellen Unterstützung angegriffener Staaten lege die britische Regierung besonderes Gewicht bei. In Bezug auf den Abschluß von Schieds- und Vergleichsver- trägen dankte der britische Delegierte der schwedischen Regierung für den von ihr s | vorgelegten Mustervertrag, gab jedoch der Meinung Ausdruck, daß nach Auffassung seiner Regierung der Abschluß zweiseitiger Verträge eine ebenso gute Methode darstelle, wie der Abschluß eines vielseitigen | Vertrages.
Zu Beginn der Nachmittagssitzung des Sicherheitskomitees gab der deutsche Delegierte,
Staatssekretär z. D. von Simson
eine längere Darlegung des deutschen Standpunktes. Seine Rede entspricht den von der deutschen Regierung in ihrer Denkschrift entwickelten Eedankengängen, geht jedoch insofern über diese Denkschrift hinaus, als sie auf dem Gebiete der Krieg- verhütung eine Reihe bedeutsamer prak- - K tischet Anlegungen gibt, die in dei Denk
schrift nur ganz andeutungsweise enthalten । waren. Mit großem Nachdruck entwickelte von Simson die These,
daß bet Ausbau bet Sicherheit not- wenbig bis Schaffung eines befriedi» genben Verfahrens zur frieblichen Regelung aller Streitfälle ohne jede
Ausnahme mit umfassen müsse.
Für bie politischen Streitfragen hält von Simson ben Ausbau bes Vermittlung sv e r f a h r e ns für am zweckmäßigsten, da unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit in diesen Fragen noch nicht erreichbar sei. In diesem Zusammenhänge erfolgt die erste deutsche Anregung praktischer Art. Sie geht dahin, die Staaten könnten sich verpflichten, ei n st w e i l i g e Verfügungen zur Ausführung zu
bringen, die präjudizielle Maßnahmen hinsichtlich bet Streitgegenstände ver- hinbern sollen. Solche einstweiligen Beifügungen könnten nicht nut, wie beim Locarnovettrag, von den zuständigen Vergleichskommissionen erlassen werden, sondern auch vom Rat, wobei jedoch bie Parteien — unb bas ist bas neue gegenüber bet Satzung — nicht im voraus zur Ausführung verpflichtet wären, von Simson betonte sobann insbesonbere bie Wichtigkeit, bie Maßnahmen zur Verhütung bes Krieges so auszubauen, baß die Wahrscheinlichkeit bes Ausbruches von Feindseligkeiten so gering wie möglich wirb. Hierdurch werde insbesondere auch die Bestimmung des Angreifers erleichtert werden. Auf dem Gebiete der Präventivmaßnahmen regte von Simson an,
M neue AnIMn an Skutschtand
Sir George MM Wer k-ie Ztaanzkrlsi
ff. London, 21. Febr. Der wirtschaftliche Sachverständige Sir George Paifh sagte gestern abend in einer Rede: Wir sieben inmitten einer sehr groben Finanzkrise. Wie weit sie sich zu einer dramatischen entwickeln wird, mein ich nicht. Ich glaube aber, datz der Anfang der Krise in Amerika bereits eingetreten ist, wo umfangreiche Effektenverkäufe im Gange find. Amerika hat Europas Bedürfnisse an Lebensmitteln und Rohstoffen finanziert; aber wie soll Europa seine Verpflichtungen gegenüber Amerika erfüllen, wenn das amerikanische Volk nicht bereit ist, sich mit unseren Waren bezahlen zu lassen? In diesem Jahre werden wir den schwersten Wettbewerb unter den Rationen erleben, den die Welt gesehen bat. Deutschland muh für 100 Millionen Pfund Sterling verkaufen, um die Revarations- zahlungen zu bestreiten, falls es das dazu nötige Geld nicht durch Anleihen hat. Die R e - varationszahlungen fügen uns und anderen Rationen unermehlichen Schaden zu.
Mein Vorschlag ist, die Krise wenigstens zu vertagen dadurch, datz Amerika noch weitere Kredite gewährt, um die Lage zu erleichtern, und datz Deutschland die Erlaubnis erhält, weitere Anleihen aufzunehmen und datz diesen Anleihen bis z« einer gewissen Höhe der Vorrang vor de« Reparationszahlungen eingeräumt wird. Aber zur Behebung dieser ganzen Schwierigkeit müsse« die Handelsschranken fallen. Bis zum Jahre 1928 m:t& dieses Problem gelöst sei«.
Annahme bet Fteigabebill.
ff. Washington, 21. gebt. De? Senat hat die Fteigabebill ohne namentliche Abstimmung angenommen. Bei
bet Beratung wurde ein Antrag, die Entschädigung für deutsche Schiffe und Patente von 100 auf 75 Millionen Dollar herabzusetzen, sowie alle anderen 816.- änderungsanträge abgelehnt. Am Freitag dürften die beiden Häuser die Bill endgü.tig verabschieden.
Sreu« Berhrudlunsr« im mitteldeutsche« Metallarbeitetkonflikt.
Halle, 20. Febr. Die Deleglertenver- sammlung der Me.allaröeiter Mitteldeutschlands, die die Abblehnung der Berliner Schiedssprüche beschloß, nahm folgende Entschließung einstimmig an:
„Die am Montag, dem 20. Februar, in Halle tagende Bezirkskonferenz des Deutschen MerallarbeiterverbandeS erklärt nach Kenntnisnahme des am 18. Februar gefällten Schiedsspruches denselben für unannehmbar. Er ist nicht nur bezüglich der Höhe der Zulage unzulänglich, sondern auch in seiner Laufdauer untragbar. Außerdem ist er in seiner materiellen Auswirkung nicht anders zu bewerten, als der am 12. Februar gefällte, da dieser eine kürzere Laufdauer hatte. Aus diesem Grunde hält die Konferenz es nicht für möglich, datz der ReichsarbeitSminöster, nachdem er den ersten Schiedsspruch nicht bestätigt hat, diesen für verbindlich erklärt. Eine Verbindlichkeitserklärung dieses Schiedsspruches wäre nicht nur inkonsequent, sondern liefe auch auf die Irreführung der Oeffentlichkeit hinaus. Die Konferenz ermächiigte den Vorstand, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln eine evtl, beabsichtigte Berbindlichkeitserklärung abzuwehren."
Der Reichsarbeitsminister hat nunm^r die Parteien zu morgen vormittag 10 Uhr zu einer unverbindlichen Aussprache über die etwaige Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches nach Berlin eingeladen.
daß sich bie Staaten verpflichten könnten, Empfehlungen des Rates über bie Aufrechterhaltung bes militärischen status guo zu befolgen unb, falls bereits Feindseligkeiten ausgebrochen sinb, einen Waffenstillstand zur Schaffung eines neutralen Gebietes zwischen den beiderseitigen Streitkräften zu schließen.
Der Rebner nahm hinsichtlich bet regionalen Pakte eine etwas skeptische Haltung
ein. Er wies barauf hin, baß man bie regionale Lösung nicht ohne weiteres aus beliebige anbere Gebiete übertragen könne. Vor allen Dingen käme es auf ben Inhalt an. »Sie bürsten keinerlei Spitze gegen außenstehende Staaten enthalten, da hierdurch eine Art Defensivalltanz geschaffen würbe, bie für ben Völkerbund burch bie Schaffung einzelner Staatsgruppen außerordentlich gefährlich werden würde.
(SoitieSung stehe Seite 2.)
Ar SmchsWmns
des Rotawgramms
Die Gefahr einer plötzlichen Auflösung deS Reichstages ist durch das abermalige entschiedene Eingreifen deS Reichspräsidenten von Hindenburg in letzter Stunde noch einmal abgewendet worden. Die staatspolitische Einsicht hat — wider Erwarten — doch noch einmal über die parteiegoistischen Wünsche gesiegt. Im Reichstag hat sich eine Mehrheit gefunden, die bereit ist, im Sinne des Hindenburg-Brieses vor ort Auflösung die wichtigsten gesetzgeberischen Aufgaben zu erledigen. Dazu gehören der Etat für 1928, der Nachtragsetat für 1928 und das sogenannte Nvtprogramm, das nach endlosen Verhandlungen zwischen der Regierung und den Parteien vereinbart worden ist. Obwohl eine feste Regierungskoalition im Reiche nicht mehr besteht, haben sich doch die bisherigen Regierungsparteien jetzt noch einmal zusammengefunden in dem Entschluß, das von der Regierung vorgelegte Gesamtprogramm durchzuführen. Die bisherigen Oppositionsparteien, Sozialdemokraten unb Demokraten, haben gleichfalls ihre Bereitwilligkeit zum Ausdruck gebracht, an der Erledigung dieses Programms mitzuwirken. Allerdings haben die Redner der Opposition am Samstag klar erkennen lassen, daß diese Dereitwilligkeitserklärung nicht bedeutet, daß sie sich mit dem Notprogramm der Regierung idertifizieren. Die Opposition hat zwar erklärt, daß sie davon absehen wolle, Agitationsanträge zu stellen. Sie hat aber sehr entschieden sich das Recht Vorbehalten, maßgebliche AbSnderungsantrSge zu einzelnen Punkten des Notprvgramms zu stellen. AuS dieser Einstellung gegenüber dem Notprvgramm kann unter Umständen der Durchführung des Programms im ganzen wieder große Gefahr erwachsen. Diese Gefahr ist umso größer, als es keinem Zweifel unterliegen kann, daß auch zwischen den bisherigen Regierungsparteien die Gegensätze in einzelnen Punkten des Notprvgramms durchaus noch nicht ausgeglichen sind.
Es kommt jetzt darauf an, zu welchen taktischen Maßnahmen sich das Kabinett eickschließt, um das schwer beladene Schiff- lein ihres Programms in den rettenden Hafen zu steuern. Das Kabinett hat eine Woche Zest, um diese Maßnahmen vorzubereiten. Me Regierung betrachtet das Notprogramm und die Etaterledigung als ein geschlossenes Ganzes und sie besteht auf der restlosen Durchführung dieses Programms. Am zu verhindern, daß einzelne Parteien aus der Notgemeinschaft, die sich im Reichstag jetzt gebildet hat, ausbrechen, wenn diejenigen Punkte erledigt sind, auf di« eS den betreffenden Parteien vor allem ankommt, wird der Gedanke erwogen, die noch zu erledigenden Etats und die einzelnen Punkte deS Notprogramms in einem sogenannten Wantelgesetz zusammenzufassen. Dadurch würde erreicht, daß die im einzelnen beschlossenen Hilfsmaßnahmen nur dann in Kraft treten, wenn auch der Etat und der Nachtragsetat verabschiedet werden. Es wäre in der Tat zu begrüßen, wenn die Regierung sich zu einem solchen Vorgehen entschließen würde. Denn die Konfliktstoffe, die das ganze Werk ooch noch zum Scheitern bringen können, sind auch heute noch in Hülle und Fülle vorhanden, und eS kann nicht geleugnet werden, daß bei verschiedenen Parteien trotz aller Loyalitätserklärungen der heimliche Wunsch vorhanden ist, die kommenden Verhandlungen zu benutzen, um sich eine möglichst günstige Position für die Neuwahlen zu schaffen.
Was die zeitliche Durchführung des Programms angeht, so hat die Regierung bekanntlich als äußersten Wahltermin für die Neuwahlen einen Sonntag in der zweiten Hälfte des Mai in Aussicht genommen. Dieser Dahltermin soll auch dann nach dem Willen der Reichsregierung und des Reichspräsidenten eingehalten werden.