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Anzeiger für (bas frühere knrhesfische) Oberhesfen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.
Roch lerne Entscheidung über das Schutzefetz
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Der!in, 13. Febr. Die heutigen inter» fvaktwnellen Besprechungen im Reichstag über die mit dem Schulgesetz zusammenhängenden Fragen begannen um 16 Ahr und dauerten bis kurz vor 18 Uhr. Don der Reichs» vegiernng nahmen daran teil Vizekanzler Hergt, Reichsinnenminister von Keudell «und Staatssekretär der Reichskanzlei Dr. Pünder. Die Besprechungen, die sich nur auf Schulgesetz-Fragen erstreckten, konnten noch nicht zu Ende geführt werden, sie werden am Dienstag um 10 llfjr wieder ausgenommen. Heber den weiteren Verlauf verlautet, daß die Parteien in der heutigen Besprechung vereinbart haben, daß sie ihre Forderungen , zu den verschiedenen Paragraphen des Sckml- oesetzes, bei denen sie nicht zufriedengestellt sind, auStauschen, damit die Forderungen dann gegeneinander abgewogen werden können. Dieser Austausch dürste voraussichtlich noch heute abend erfolgen, so daß sich die morgige Sitzung des interfrakt onellen Ausschus es bereits mit dieser Liste der unerfüllten Wünsche beschäftigen kann. Lln unterrichteien Kreisen rechnet man damit, daß die morgigen Verhandlungen, da sie sich auf den Eesamt- bnnplex der strittigen Fragen erstrecken, ziemlich lange dauern werden, betont aber, dah außer diesem Austausch der Parteiforde- f rungen eine Veränderung der Lage nicht ein» getreten ist.
Berlin, 13. Febr. Nach dem Abschluß der heutigen Verhandlungen des interfraktionellen Ausschusses über die Schulfragen, deren Fortsetzung auf Dienstag vormittag vertagt worden ist, traten die Reichstagsfraktionen der deutsch- nationalen Dolkspartei und des Zentrums zu Fraktionssitzungen zusammen. Die Deutschnationalen nahmen een informatorischen Bericht ihres Abg. Graf Westarp über die interfraktionellen Besprechungen entgegen und knüpften daran eine Aussprache, die zu einem besonderen Ergebnis nicht führte, oa die interfraktionellen Verhandlungen ja noch nicht beendet sind. Doch ist man dort der Ansicht, daß eine fachliche Einigung in der Schulftage sehrwohl möglich wäre, wenn nicht taktische, politische Momente dem entgegen- ständen.
In Zentrumskreisen sieht man die weiteren Verhandlungen im interfraktionellen Ausschuß über die Vorschläge v. Keudell als wenig aussichtsvoll an. In Zentrumskreisen ist man der Meinung, daß die wichtigen parlamentarischen Arbeiten, wie namentlich der Etat und der Nachtragsetat mit der Landwirtschaftsnot- hilfe noch vor einer Auflösung des Reichstags erledigt werden müßten. Man rechnet damit, daß diese Arbeiten in beschleunigtem Tempo in etwa vier Wochen erledigt sein könnten, so dah E n d e M S r z mit der Auflösung des Reichstages zu rechnen sei und die Neuwahlen etwa Anfang Mai stattfinden könnten. Die Deutsche V o l k s p a r t e i ist zu einer Fraktionssitzung auf Dienstag 13 Ahr berufen.
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Obwohl die interfraktionellen Besprechungen über eine Lösung der Schulgc- setzfrage heute fortgesetzt werden sollen, werden bereits von der „E e r m a n i a“ und anderen Blättern die politischen Folgen erörtert, die sich aus einem Scheitern der Verhandlungen ergeben würden. Das Berliner Zentrumsorgan erklärt, daß das Scheitern des Schulgesetzes nur zur Folge haben könne, daß die Koalitionsgemeinschaft unheilbar erschüttert ist. Wenn nicht sofort ein Bruch der Koalition erfolgen, sondern diese als eine Zwangsgemenschaft noch für gewisse Zeit weiterbestehen sollte, so wäre dies nur dem Umstand zuzuschreiben, daß noch einige wichtige Notstandsarbeiten erledigt werden A müssen. Es handelt sich um den Etat und ,ben Nachtragsetat, dar Liquidationsschä-
dengesetz und die Hilfe für die Landwirtschaft. Was das Strafgesetzbuch anbetrifft, so werde nichts anderes übrig bleiben, als durch ein Üeberleitungs- g e s e tz die bereits geleistete Arbeit zu ret, ten. Ein solches befristetes Weiterbestehen der Koalintaion komme jedoch, dem Zentrumsblatt zufolge, nur bann in Frage, wenn die Berhandlungen über den Etat und Nachtragsetat beschleunigt werden Es müßte eine Einschränkung der Arbeit auf das notwendigste Maß erfolgen. Es würde dann mit einer Verabschi-? mv ; Etats und des Nachtragsctats innerhalb von vier Wochen gerechnet werden können, sodaß die Wahlen in die e r st e Hälfte
d e s M a i — man spricht vom 13. Mai — fallen würden.
Die Zentrumsabgeordneten v. Euörard und Stegerwald haben gestern den Reichskanzler Marx aufgesucht, um mit ihm die Lage durchzusprechen. Cie haben den Reichskanzle- von der oben skizzierten Stellungnahme des Zentrums unterrichtet, und, wie es in der „Doff. Ztg." heißt, soll Dr. Marx sich mit dem Vorschlag einverstanden erklärt und seine Bereitwilligkeit ausgesprochen haben, unter der Voraussetzung, daß die anderen Koalitionsparteien keine Einwendungen erheben, dem Reichspräsidenten in diesem Sinne seine Anträge zu stellen.
800000 Arbeiter ausvesperrt
WamtEmrum hi ött reiWtn StoaHinWt ab V. Februar
Berlin, 13. Febr. Wie von Arbeitgeber- seite mitgeteilt wird, hat der E e s a m t v e r - band deutscher Metallindustrieller beschlossen, zur Unterstützung der bereits seit 4 Wochen im Abwehrkampf befindlichen mitteldeutschen Metallindustrie die Eesamt- aussperrung in der deutschen Metallindustrie ab 22. Februar vorzunehmen. Don dieser Maßnahmen werden insgesamt 750 000 Arbeiter betroffen, so daß von diesem Zeitpunkt ab unter Hinzuziehung der in Mitteldeutschland ausgesperrten Metallarbeiter 800 00» Arbeiter ausgesperrt sein würden.
Hierzu wird von Arbeitgeberseite erklärt, daß die mitteldeutsche Metallindustrie die Unterstützung der gesamten deutschen Metallindustrie in dem ihr aufgezwungenen Abwehr- kampf gefunden habe, weil die bisher rasch aufeinanderfolgenden Lohnerhöhungen unter keinen Umständen fortgesetzt werden könnten, wenn der gegenwärttge deutsche Preisstand gehalten werden solle. Dies sei die unumgängliche Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des jetzigen Beschäftigungsgrades. In den nächsten Monaten liefen rund 260 Lobn- tarifverträge ab. Der Zustand, daß jeder Tarifablauf die Gewerkschaften zu einer Lohnforderung veranlasse, sei volkswirtschaftlich untragbar, da er zu einer andauernden Beunruhigung der Wirtschaft und falls den Forderungen immer wieder naKgegeben werde, durch die aufeinander folgenden Lohn- und Preiserhöhungen auf die
Dauer zu einer Schraube ohne Ende und damit zu einer vollkommenen Unterbindung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkt führen müsse. Daraus ergebe sich, daß die Auseinandersetzung in Mitteldeutschland richtunggebend für die Lohnpolitik der deutschen Industrie werden müsse.
Allgemeiner Streik im nordböhmische« Braunkohlenrevier.
ft. Brux, 14. Febr. Dem am Sonntag ausgegebenen Ctreikbefehl haben die Belegschaften sämtlicher Schächte des nord- böhmischen Braunkohlenreviers geschloffen Folge geleistet und mit Ablauf der Nachtschicht die Arbeit niedergelegt. Sämtliche Schächte der Reviere Brüx, Teplitz und Komotau stehen seit heute morgen still. Auf sechs Schächten erfolgte die durch die Streikvorschriften zugelaffene und ang*= ordnete Stellung der Sicherheitsmannschaften in ungenügendem Umfange oder garnicht: die Betriebsleitungen haben sich dieserhalb an die Zentralstreikleitung in Brüx gewandt, die ihr Eingreifen zugesagt hat. Die Eendarmerie hat Verstärkungen erhalten. Die am Sonnabend abgebrochenen Verhandlungen ruhen vorläufig.
PrwMer EanMoo
Zu Beginn der gestrigen Landtagsfitzung wurde ein Gesetzentwurf, der die Verlängerung des HauSzinsfteuergesetzes bis zum 31. März 1929 vorsieht, debattelos dem Hauptausschuß überwiesen.
Dann folgte die zweite Beratung des WohlfahttsetatS, und zwar des Abschnittes „Wohnungs» und Siedlungswesen". Im Vordergrund stand die Etatsrede des preußischen Wohlfahrtsministers Dr. Hirtsief e r, der betonte, daß an eine durchgreifende Lockerung der Zwangswirtschaft erst zu denken sei. wenn Angebot und Nachfrage auf dem Wrchnungsmarkt einigermaßen im Einklang ständen; dagegen habe sich die Herausnahme der gewerblichen Räume aus der Zwangswirtschaft als berechttgt erwiesen. Zum Kapitel Wohnungsneubau erklärte der Minister, daß ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen sei. Zur Finanzierung des Wohnungsbaues müßten außer den Haus» zinSsteuermitteln auch der ausländische und der inländische private Kapttalmarft herangezogen werden. Er warnte vor einer Erhöhung der Baumaterialien, die nur hemmend auf die Bautätigkeit wirken könne.
Der deutschnattonale Abg. Schlucke- hier forderte, daß der Wohnungsbau vor allem dem Privatkapital überlassen bleibe und wandte sich gegen die Finanzpolitik Dr. Schachts, die die Hereinnahme ausländischer Kapitalien für den Wohnungsbau sehr erschwert habe.
Der Abg. Hoff (Dem.) wies auf das erfreuliche Ergebnis des Jahres 1927 hin, in dem 176 000 Wohnungen neu erstellt worden seien. Diese Kulturtat sei allein den Linksparteien zu danken.
Darauf bertagte sich das Haus um 17,45 Ahr auf Dienstag 12 Ahr.
Kommunistischer Mißtrauensantrag gegen Brauns.
Berlin, 13. Febr. Die kommunistische Reichstagssrakton hat zur Beratung des Etats des Reichsarbeitsministeriums einen Mißtrauensantrag gegen den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns eingebracht Außerdem beantragen die Kommunisten die Streichung des Ministergehaltes.
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Don Guglielmo Ferrero.
Der bekannte Italien.f^e H stänker veröffentlichte kürzlich in der „Na- cion"-Ducnos A.res nachstehenden Aufsatz, der auch in Deutschland Beachtung verdient.
Wieviel Soldaten stehen heute in Europa unter den Waffen? Zehn Millionen, wie die englische Arbeiterpartei in ihrer Abrüstungspropaganda behauptet? Oder vier- bis viereinhalb Millionen nach den Angaben der konservativen Blätter, die den Arbeitern absichtliche Aebertreibung vorwerfen? Es ist eigenartig, dah in dieser so scharf umrissenen und wichtigen Frage die Antworten derart von einander ab- weichen. Sonderbarer Weise stützen sich die konservativen Zeitungen auf Zahlen, die der Abgeordnete Walsh, Kriegsminister im Kabinett Macdonald, dem Parlament schon im Jahre 1924 vorlegte. Neuere Angaben sind anscheinend nicht zu bekommen. Aus dem Walsh'schen Bericht geht hervor, daß im genannten Jahre in Europa 4 365 466 Soldaten unter den Waffen standen — fast eine Million weniger als 1914, wo die europäischen Heere 5318 468 Streiter zählten.
«Da seht Ihr die Verminderung!" rufen die englischen Konservativen triumphierend den Arbeitern zu. „Was wollt Ihr eigentlich? Es stehen.nur noch' 4 365 466 Manu unter den Waffen!" Nehmen wir also diese über drei Jahre alten Ziffern als richtig an, da neuere nicht zur Verfügung stehen. Denen die in dieser Zahl einen Beweis für Europas Abrüstung erblicken, möchten wir aber entgegen halten, dah sie keineswegs erfteulich und beruhigend ist. Gewiß, Europa zählt eine Million Soldaten weniger als 1914, doch was ist der Grund hierfür? Einzig und allein der, daß Deutschland, Oesterreich-Angarn und Bulgarien infolge der Friedensverträge ihre bewaffnete Macht so gut wie verloren haben. Die Verminderung erfolgte ausschließlich auf Kosten der Unterlegenen, die.Sieger haben ihre Streitkräfte keineswegs herabgesetzt, sie in einzelnen Fällen sogar noch vermehrt.
Die Zahl von viereinhalb Millionen genügt auch völlig, um zu zeigen, in welch tragischer, unerhörter, furchtbarer Lage Europa sich heute befindet. Man mache sich llar, daß in nur einem Teile des kleinsten der fünf Erdteile mehr als vier Millionen Mann ständig bewaffnet sind — eine riesenhafte Zahl, der fein Zeitalter und fein anderer Erdteil etwas Aehnliches an die Seite stellen kann. Zur Erhaltung dieser Heere werden die durch den Krieg halb ruinierten und bis über die Ohren verschuldeten Völker bis aufs Blut aus- gepreßt. Niemand wundert sich darüber, niemand fiagt, warum das geschieht. Wer von einer Rüstungsbeschränkung spricht, gift als Ketzer oder wunderlicher Träumer. Dabei versichern die Staatsmänner immer wieder, daß die Abrüstung fortschreitet und langsam, allmählich — so gegen das Jahr 3000 — durchgeführt sein wird, daß aber inzwischen alle diese Soldaten zur Aufrechterhaltung des Friedens, des höchsten, mit keinem Preise zu teuer bezahlten Gutes, nötig sind.
Zur Aufrechterhaltung des Friedens! Viereinhalb Millionen Soldaten für einen wirklich unerhört kostbaren Frieden! Aber wer bedroht denn diesen Frieden? Wo steht der furchtbare Feind, gegen den man so viele Gewehre und Kanonen bereif halten muß? Ist es vielleicht Deutschland. in dem viele immer noch die große Gefahr sehen? Aber Deutschland ist entwaffnet! Viereinhalb Millionen Soldaten wären hinreichend, um selbst ein übermächtiges Deutschland wie das von 1914 in Schach zu halten. Am wie viel eher ein entwaffnetes, verarmtes, auf die Heilung seiner Wunden bedachtes. And wer sollte sonst noch zu fürchten sein?
Die Wahrheit ist. daß Armeen niemals zur Aufrechterhaltung des Friedens, son-