Freitag, trat«.Februar ISA
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberheffe«
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der Protest gegen -en engSLfchen Ketzsttm
Au» Mc tnglflfte Scgittung gegen Ne Sotiühtung keS Fmte-Savrll">Mms
»Daily Mail" zu dem deutschen Protest gegen den Tavell-Film.
ff. London. 10. gebt. Unter der lleberschrift: „Der britische Nurce Caoell- Film — Lin versuch ihn aufzuhalten — Der deutsche Protest hat Erfolg — Seltsame Aktion unseres Foreign Office", ver- Sffentlicht heute „Daily Mail" in groher Aufmachung «inen Artikel ihres politischen Berichterstatters, in dem es heißt: Das britische Foreign Office hat einen autzerordentlichen Schritt unternommen; die deutsche Regierung hat seit beträchtlicher Zeit gegen die Vorführung des britischen Nurce Cavell-Films Einspruch erhoben.
Die Proteste der deutschen Regierung haben Erfolg gehabt
»nd unser Foreign Office hat der britischen Direktion der Film-Zensoren mitgeteilt. baß große Verstimmung durch die öffentliche Vorführung des Films in der Gestalt, die ihm gegeben wurde, erzeigt werden würde. Nach dem Blatt ist die Direktion er Film-Zensoren nicht verpflichtet, Weisungen der Regierung anzunehmen. Aber selbst wenn die Regierung es ablehnt, den Film zuzulassen, sei eine Vorführung in einigen Theatern und Lichtspielhäusern immer noch möglich.
Der Berichterstatter der „Daily Ma i l" betont, die Deutschen erhebe» nicht gegen einzelne Teile des Films Einspruch, sie seien vielmehr der Ansicht, dah der Fall der Nurce Cavell für einen Film nicht geeignet sei, da er Regungen des Hasses wieder erwecke und die deutsch-englischen Beziehungen beeinträchtigen könnte. ;
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Englische Blätter über den deutschen Kriegsfilm „Des Volkes Not".
ff. London, 10. gebt. Angesichts bet augenblicklichen Auseinandersetzung über de» Nurce Cavellfilm sind die Berichte von besonderem Interesse, die von den eng5ischen Berichterstattern in Berlin über den dort zur Vorführung gelangten 2. Teil des großen deutschen Kriegsfilmes „Des Volkes Not" an ihre Blätter gemacht worden s>>d. Der Berliner Berichterstatter der „Times" schreibt: „Die ginge der Obje.tivität des Films wurde erörtert, als der erste Teil im April gezeigt wurde und der damals gewonnene gute Eindruck wird bestätigt. Der Film ist ein wirklicher versuch, den Krieg bei einer rationalen Vorführung so vorurteilsfrei wie möglich darzu- ftellen. Es kommt nicht ein Zwischenfall auf der Leinwand vor, der die verletzen könnte, die gegen Deutschland gekämpft haben."
„Daily Erpreß" überschreibt sein Berliner Telegramm über den deutschen Kriegsfilm „Deutsch.ands Beitrag für den Frieden." Das Telegramm des englischen Berichterstatters schlicht mit den Worten: „Dieser zweite Teil des Kriegsfilms ist wie der erste Teil; der in Berlin vor etwa 10 Monaten gezeigt wurde, uneingeschränkt fair in seiner Darstellung der großen Tragödie Europas und muh dazu beitragen, die Sache der Vernunft und des Friedens zu fördern."
„Das Volk in Waffen" im französischen Senat.
fkr. Paris, 10. gebt. Der Senat hat die Generaldebatte über den Gesetzentwurf betreffend die Organisierung der Nation in Krieaszeiten geschlossen. Kriegsminister P a i n l e v 6 bezeichnete es als Hauptsache des Gesetzentwurfes, Frankreich gegen den künftigen Krieg zu schützen. Der Senatsausschuß habe die Zweideutige oder gefährliche Stelle des Textes der Kammer korrigiert. Der nunmehr vorliegende Entwurf sei in keiner Weise ein militärisches Werkzeug (?).
Die amerikanische Flottenvorlage.
sk. London, 10. Febr. „Times" berichtet aus Washington, es wird in manchen Kreisen erwartet, daß der Senat bei Prüfung des neuen Flottenprogramms eine Bestimmung einfügen wird, die den Präsidenten ermächtigt, im Falle einer neuen Konferenz zur Beschränkung der Rüstungen „den Bau ganz oder teilweise zu suspendieren".
Der „Petit Parisien" gegen die Ber- fchleppungspoliti- des ftanzSsifchen
Senats.
fk. Paris, 10. Febr. Bezugnehmend auf die gestrige Unterredung zwischen dem schweizerischen Gesandten Dunant und Briand bemerkt der offiziöse „Petit Parisien", daß Dunant u.a. auch au die neuerliche Verschleppung der Ratifikation des französisch-schweizeri chen Schiedsgerichtsabkommens über die Zonenfrage durch den französischen Senat hingewiesen habe. Das Blatt hebt hervor, daß es bereits wiederholt das Verhalten des Senats mißbilligt habe, daß nicht nur die Situation des Vertreters Frankreichs beim Völkerbund, sondern auch die Briand äußerst erschwere, indem es den großen Unterschied zeige, der Zwischen der französischen Theorie über die Notwendigkeit des obligatorischen Schiedsgerichtsverfahrens und praktischer Durchführung dieser Theorie durch Frankreich stehe.
Der Etat wir- bestimmt erteöivt teintotungtn für »en Fall, daß W SWgM Wetten
Berlin, 9. gebt. Die Sitzung bet Zenttumsftaktion, bi« für heute abend um 6 Uhr anberaumt worden war, ist a u s Freitag mittag 12^ Uhr vertagt worben, weil eine Borstandssitzung des Zentrums sich bis in die späten Abendstunden hinzog. Die Fraktion der Deutschen Vottspartei besprach die Frage des Schulgesetzes, ging aber ohne B e» schlösse auseinander, da sie erst das Ergebnis bet Verhandlungen innerhalb der Zentrumsfra.tion abwarten wollte. Die Reichstagsfraktionen der Deutschnationalen Volkspartei und der Demokraten besprachen ebenfalls bog Schulgesetz, ohne Beschlüsse zu fasten.
B e r l i n, 9. Febr. Zm Reichstage wird die parlamentarische Situation heute abend dahin beurteilt, dah die Verhandlungen übet das Schulgesetz nunmehr in das End- stadium eingetreten find. Zn diesem Sinne wird auch die Tatsache gewertet, daß Graf Wc ttp den interfraktionellen Ausschuß auf Freitag nachmittag 16 Uhr etnberufen hat. Inzwischen wird um lli/2 Uhr vorn», die Zenttumsftaktion noch einmal Ge, leoenheit nehmen, die Situation zu prüfen und ihre Stellungnahme für die intet» fraktionellen Verhandlungen vorzu- bereiten. Die Deutsche Vottspartei hat ihre
Fraktionsfitzung bereits heute abend abgehalten. Aus Kreisen dieser Partei wird erklärt, baß die Sitzung Einmütigkeit für bie Aufrechterhaltung bes bisherigen Stanbpunktes ergeben hat. Auf bieser Seite rechnet man bamit, daß bas Zentrum in ber interfra.tionellen Besprechung nun mit ben angekündigten bestimmten Fragen hervortreten wird und daß dann, vielleicht schon morgen, sicher aber in den nächsten Tagen, die Entscheidung übet die Frage fallen wird, ob ein weiteres Verhandeln über das Schulgesetz überhaupt noch Zweck hat.
Sowohl im Zentrum als in der Deutschen Volkspartei wird weiter der Wunsch betont, den "tat noch erst zu erledige«, ehe ber Re lchstag bei einem Scheitern ber letzten Verhandlungen des Schulgesetzes auseinandergeht «nd zwar denkt man sich für diesen Fall die Form so, daß die Koalitionsparteien in einer Erklärung feststellen, daß die Verhandlungen über das Schulgesetz gescheitert sind, baß sie aber ben Willen haben, ben Etat sachlich zn erlebigen. Es liegt Erunb zu bet Annahme vor, daß über eine solche Vereinbarung bereits zwischen maßgebenden Stellen des Zentrums und ber Deutschen Vottspartei verhandelt worben ist.
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Berlin, 9.Febr. Im Reichstag wurde heute die Einzelberatung in der zweiten Lesung der
Novelle zum Mieterschutzgesetz fortgesetzt. Nachdem verschiedene sozialdemokratische Anträge abgelehnt sind, wird die erste Hälfte des Gesetzentwurfs, Oie das Kündigungsverfahren anstelle der Aufhebungsflage emführen will, in zweiter Lesung in der Ausschuß- fassung an-genommen. Auch zum Rest der Vorlage werden Abänderungsanträge der Sozialdemokraten, Demokraten, Kommunisten und der Wirtschaftspartei, diese letzten gegen die Stimmen der Deutschen Volkspartei und der Wirtschaftsvartei ab»
gelehnt. Angenommen wird die von den Regierungsparteien beantragte Zulässigkeit der Kündigung von Werkswohnungen unter gewissen Sicherungen, zu denen eine „Mitwirkung" des Betriebsrates gehört. Dafür stimmen nur die vier Koalitionsparteien und die Wirtschafts- Partei. Auf gemeinsamen Antrag wird beschlossen, daß die R o v e l l e
am 1. April 1928 in Kraft
tritt und bis dahin die bisherige Fassung des Gesetzes gilt. Im übrigen bleibt es bei der Ausschußvorlage.
Nachdem der Entwurf auch in dritter Lesung erledigt ist, wird die Schlußabstimmung für Frei tag 18 Ahr in Aussicht genommen.
setzes dur<
Tegung eines Reichshebammenge- ‘ rch die Reichsregierung, reichsge- setzliche Regelung der Blindenfürsorge und Vorlegung eines Jrrenschutzgesetzes.
nifterium und Volksgesundheit" zur allgemeinen Aussprache. Der Ausschuß legt für diesen Abschnitt 1 4 Anträge vor, auf Vorlegun
Die Bolksgeiundttit in Preußen
Berke n, 9. Febr. Einziger Punkt der Tagesordnung der heutigen Landtagssitzung ist die zweite Beratung des Haushaltes des Ministeriums für Volkswohlfahrt. Zunächst steht der Abschnitt „Mi-
Wohlfahrtsminister Sirtstefct äußerte sich in einer ausführlichen Rede über den Gesundheitszustand der preußischen Bevölkerung. Er legte dar, daß der Verlauf der übertragbaren Krank- Heiken 1927 im großen und ganzen, günstiger war als 1926. Beim Kind-, bettfieber hat nach Ansicht aller Sachverständigen die Zahl der tödlich verlaufenen Fälle, die im Anschluß an Abtreibungen entstehen, jedoch erheblich zugenommen. Auch die epidemische Kinderlähmung ist von 203 Erkrankungen 1926 auf 1493 1927 mit 171 Todesfällen gestiegen. Die Verbreitung von Scharlach hat sich von 37 858 Fällen im Jahre 1926 auf 63 772 im Jahre 1927 gesteigert. Doch zeigt der Scharlach im allgemeinen einen gutartigen Charakter. Zur Tuberkulose erklärte der Minister, sowohl die Zahl der Erkrankungen, wie die der Todesfälle an Tuberkulose £?i weiterhin gesunken. Die schon im Haushaltsausschutz erwähnte Tatsache, daß die Sumn« von 800 000 Mark zur Bekämpfung der Tuberkulose zu gering sei, könne nur unterstrichen werden. Der Finanz- mmister habe aber erklärt, daß er vollkommen außerstande sei, einer Erhöhung zuzustimmen. Was die Geschlechtskrankheiten anlangt, so müssen zunächst die Auswirkungen des Bekämpfungsgesetzes abgewartet werden. Eine Statistik darüber ist in Vorbereitung.
Eingehend schilderte der Minister, von wie ernster Bedeutung die seit VA Jahren zu verzeichnende
Zunahme des Kropfes unter den Schulkindern fei. Bekanntlich ist beim Kropf eine gewisse geistige Verkümmerung und in vereinzelten Fällen ausgesprochener Kretinismus zu verzeichnen. Auf dem Gebiete der Schulgesund- heitspslege ist die Einführung einer schulärztlichen Ueberwachung aller Schulkinder weiter so fortgeschritten, daß jetzt etwa 32 Millionen Einwohner Preußens schulärztlich versorgt sind. Auch die Säug- ltngsfürsorge habe erfreuliche Fortschritte gemacht. Ausführlich beschäftigt sich der Minister noch mit der Frage der Wasserversorgung und Abwässerbeseiligung, die für die Typhuserkrankung von Be- deutnug ist. Bedauerlicherweise habe das Reich noch immer nicht ben Ländern den Gesetzentwurf zur Neuregelung des Apothekenwesens zwecks Stellungnahme übermittelt. Wenn das Reich nicht imstande sei, die Angelegenheit zu fördern, werde Preußen selbständig vorgehen müssen. Leider hat der Mißbrauch von Morphiupi, Kokain und anderen Betäubungsmitteln in der Bevölkerung zunehmende Bedeutung gewonnen. Das Reichsopiumgesetz wird demnächst noch verschärft werden.
Ein arger Mißstand hat sich daraus entwickelt, daß sogenannte Borbeugungsmittel, Aufbausalze, Beriüngungsmittel, Schlankheitsbäder uff. in geradezu schwindelhafter Weise angepriesen werden.
Meist fteht der Wirkungswert dieser Mitte! in keinem Verhältnis zu ihrem Preise. Leider fei es mit den jetzigen gefetzlichSn Mitteln nur in unzureichendem Maße möglich, gegen ben Unfug wirksam einzu- schreiten.
Der Minister wendet sich dann der Bekämpfung der Kurpfuscherei zu und erweist auf deren bedenkliche Zunahme, die sich allmählich zu einer außerordentlichen Gefahr für die Volksgesundheii auszuwach- fen drohe. Deutschland, so iührie er weiter aus, ist eines der wenigen Kulturländer, in denen ein Verbot der Kurpfuscherei nicht besteht. Wir haben das ganz« Material der Reichsregierung »orgelegt und Anregungen zu weuergehenden Behandlungen vorgeöracht. Ein sehr ernstes Bild eraibt sich aus der Beirachitung ber