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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der Enökanwf um ein Schulkompromiß
Rr EiMMung M in tcc nWlrn WM — Der öenMr LlSdtetag gegen die Sotten
Der Zentrumsftaktionsvorstand trat heute nachmittag im Reichstage zu einer Sitzung Sfammen, um sich mit der Frage des Reichs- ulgesetzes zu beschäftigen. Wie das BDZ- Düro hört, ist eS jedoch im Dorstand noch zu keiner abschließenden Stellungnahme gekommen. Die Entscheidung wird vielmehr der Fraktionssitzung des Zentrums am Donnerstag Vorbehalten bleiben, die eigens zu diesem Zweck einberufen worden ist. Es wird nach wie vor in parlamentarischen Kreisen Betont, daß sich eine Aenderung der bisherigen Situation nicht ergeben habe. Voraussichtlich wird das Zentrum am Freitag den übrigen beteiligten Parteien, insbesondere der Deutschen Dolkspartei. Kenntnis von den Beschlüssen der Fraktion geben. Wer auch dann wird noch keine Entscheidung zu erwarten fein, da sicherlich die Deutsche Dolkspartei erst die Stellungnahme ihres Schulaus- schusses, der am Sonntag Zusammentritt, abwarten wird. Die entscheidenden Derhand- hingen sind daher nicht vor Mitte der nächsten Woche zu erwarten.
Rach der.Germania" ist man in maß* Gebenden Kreisen des Zentrums der Auf» assung, daß das Reichsschulgesetz als gescheitert angesehen werden muß. Nachdem sich gestern abend der Dorstand der Fraktion eingehend mit der Schulsrage beschäftigt hat, wird heute die Fraktion selbst Stellung nehmen.
Die „®. A Z." erklärt, daß man in volks- fparteilichen Kreisen mit der Ruhe des guten Gewissens abwartet. Die Drohung des Zentrums .politische Konsequenzen" zu ziehen, wird einigermaßen skeptisch beurteilt.
Die .Tägliche Rundschau" erklärt, man wird mit Ruhe aEtoarten müssen wie der wirkliche Verlauf sein wird. Bisher galt es als eine unbedingte Forderung verantwort- kicher Politik, den Etat unter allen Umständen noch zu verabschieden, ganz unabhängig davon, wie das Schicksal des Reichsschulgesetzes sich gestaltet.
Dem .Lokal-An z." zufolge herrscht diese ruhige Auffassung auch bei den Deut'chnatio- nalen. Man weist darauf hin, daß die Der- handlungsmöglichk^iten über das Schulgesetz noch keineswegs erschöpft seien.
6!öMc und RMWu'gkstk
Berlin. 8. Febr. Der Vorstand des Deutsche« Städtetages hat dem Bildungsausschutz des Reichstages eine Eingabe über die Kosten des Reichs- schulgefetzes übermittelt, in der die von der Reichsregierung vorge, schlagen« Regelung, wonach den Lander« und Gemeinden eine einmalige Beihilfe bis zu 30 Millionen R-.tt zur Verfügung gestellt werden soll» abgelehnt wird.
Nach 8 54 des Finanzausgleichsgesetzes dürfe das Reich den Ländern oder Gemeinden neue Aufgaben nur zuweisen, wenn es gleichzeitig für die Bereitstellung der erforderlichen Mittel Sorge trägt. Eine befriedigende und erschöpfende Regelung des Kostenpunktes müsse deshalb im Reichsschulgesetz selber getroffen werden und zwar in der Weise, daß
die aus der Durchführung erwachsende« Koste«, gleichviel ob einmalig erstattet
werden. Nach den von einer Reihe von Ländern veranstalteten Schätzungsversuchen werde es sich teilweise um sehr erhebliche einmalige oder laufende Beträge handeln, die in manchen Orten eine unerträgliche Mehrbelastung zur ftolge haben würden. Angesichts des Umstandes, daß die Durchführung des Reichsschulgesetzes ♦ine Vergrößerung der vorhandenen
Bolksschuleinrichtungen — Lehrstellen und -Klaffen — um durchschnittlich vielleicht 5 Prozent zur Folge haben werde, ergebe sich eine laufende jährliche Mehrbelastung allein des preußischen Volksschulhaus- halts um über 40 Millionen Reichsmark und ein Anleihebedarf von rund 250 Millionen Reichsmark. Die Städte müßten hiernach darauf bestehen, daß für die großen Mehrausgaben infolge des Reichsschulgesetzes, die sie nicht tragen könnten, ausreichende Deckung beschafft, und daß für die Frage der Kostenerstattung
eine zuverlässige gesetzliche Grundlage im Rahmen des Reichsschulgesetzes geschaffen werde.
London, 8. Febr. (WTB.) Im weiteren Verlaufe der AnterhauSdebatte über die Beantwortung der Thronrede erklärte Chamberlain unter Bezugnahme aus das Scheitern der Genfer Dreimächtekonferenz, die Regierung habe das Mißlingen der ehrlichen Bemühungen aller Beteiligten zur Förderung des in Washington begonnenen Werkes der Einschränkung der Flottenrüstungen lebhaft bedauert. Es wäre unklug, die Erörterungen jetzt wieder aufzunehmen, aber es sei zu hoffen, daß alle Staaten bei einer Revision des Washingtoner Derttages aus dem Genfer Mißerfolg lernen würden. Hinsichtlich des vorgeschlagenen neuen Schiedsvertrages mit den Vereinigten Staaten erklärte Chamberlain, einKriegmitden Vereinigten Staatenseiundenkbar, und die Aussicht oder die Vorbereitung auf einen Krieg mit den Vereinigten Staaten würde niemals die Grundlage der britischen Polittk sein. Das britische Flottenprogramm trage keinen Wettbewerb charak- ter und sei nur zu dem Zwecke aufgestellt, um den notwendigen Schutz der britischen Interessen zu gewährleisten.
Chamberlain erklärte über die Frage der Erneuerung des Schiedsvertrages mit den Vereinigten Staaten, die amerikanischen Vorschläge würden zur Zeit von der Regierung geprüft. Der Vertrag, der die gleichen Bestimmungen wie der französisch-amerikanische enthalte, sei wie
zurückverwiesen.
B e r l i n, 8. Febr. Nach Erledigung kleiner Vorlagen trat der Landtag heute in die zweite Beratung der Eingemeindungsvorlage im rheinisch-westfälischen Industriebezirk ein.
Abg. Petry (Ztt.) beantragt Zurückverweisung an den Ausschuß, da er die Dringlichkeit der Vorlage bestreitet.
Innenminister Grzesinski widerspricht der Auffassung, daß die Regierung in der Lage sei, im Ausschuß eine wesentlich anders geartete Vorlage zu unterbreiten. Die übrigen Gebiete des Industriegebietes können zur Zeit noch nicht geregelt werden.
Nachdem auch die Rechtsparteien für Zurückverweisung an den Ausschuß einaetrete« waren.
Reichsstädtebund und Schullasten.
Berlin, 8. Febr. Die Preffestelle des Reichsstädtebundes teilt mit: Infolge der Erhöhung der Lehrergehälter für die mittleren und höheren Schulen sind die meisten mittleren und kleinen Städte nicht mehr imstande, die wesentlich erhöhten Lasten zu tragen. Eine Erhöhung der Staatszuschüsse ist nach dem preußischen Etat für 1928 trotz der Besoldungserhöhungen nicht vorgesehen. Falls daher nicht das lange geplante Gastschulbeitragsgesetz sofort geschaffen wird, gibt es für die Mittel- und Kleinstädte nur zwei Möglichkeiten, entweder ihre höheren und mittleren Schulen eingehen zu taffen oder die Realsteuerzuschläge und Werktarife derart zu erhöhen, daß sie untragbar würden. Der Reichsstädtebund hat daher den Landtag auf das nachdrücklichste gebeten, dafür zu sorgen, daß das Gesetz noch am 1. April 1928 in Kraft treten kann.
der bisherige kein unbeschränkter Schiedsvertrag, sondern beziehe sich nur auf die für eine schiedliche Lösung geeigneten Fragen. Die Regierung sei sorg- fälttg bemüht, festzustellen, ob der Ver- trag in seiner tatsächlichen Auswirkung über den Kreis dieser Fälle hinausgehe oder nicht. Diese Prüfung müsse in engem Benehmen mit den Dominions erfolgen, ehe die britische Regierung den Vereinigten Staaten eine Antwort aus ihre Vorschläge erteilen könne.
Ein Attentat aus AnßeumDlister Dr. «u.
ft. London, 9. Febr. Auf den Autzen- minister der Nankingregierung, Dr. Wu, der sich gegenwärtig mit Finanzinmiister Sun - Fo und anderen Nationalistischen Führern tfn Singapurs befindet, wurde gestern beim Verlassen der chinesischen Handelskammer ein Attentat verübt. Dr. Wu blieb unverletzt, während der frühere Rektor der Universität Amoh leicht verletzt wurde. Der Täter konnte verhaftet werden.
Wupeis« sott an die Nanking vegierung ausgeliefert toctbc«.
ff. Schanghai, 9. Febr. Der Gouverneur der Provinz Schanst hat der Nankingregierung mitgeteilt, baß er bereit tat, Wupeifu auszuliefern. Bekanntlich hatte die Nankingregierung als Vorbedingung zum Friedensschluß Die Auslieferung Wupeifus gefordert.
wurde diese mit den Stimmen der Rechten und eines Teiles der Demokraten beschlossen.
Die Entwürfe auf Verlängerung des Gewerbe st euergesetzes auf ein weiteres Jahr werden ohne Aussprache dem Haupt- ausschuß überwiesen.
Das Haus geht über zur zweiten Beratung des Landtagshaushalts. Der Ausschuß hat beantragt, daß, wie für Schlafwagen, auch besondere Ausgaben für Flugzeuge gestattet werden, und daß die Aufwandsentschädigung des Präsidenten auf 8000 Mark erhöht wird. Nach kurzer Besprechung finden die Ausschußanträge Annahme, alle anderen Ab- lehnung, und der Etat ist in zweiter Beratung erledigt.
Es folgt die Beratung des Haushalts des Staatsrats. Auch dieser Etat wird in der zweiten Beratung erledigt.
Die außenpolitische Debatte im Anterhaus „ein Krieg Englands mit Amerika ttt undenkbar"
MkuMrr Landtag
Die Eingemeindungsvorlage an den Ausschuß
SaS Urteil der Reniraen über die Krieg-ichnibirare
Der amerikanische Senator Robert L. Owen, der bekannte Vorkämpfer für eine objektive Aufklärung der Welt über die Ursachen des Weltkrieges hat vor einigen Jahren an den Sekretär der „Neutralen Kommission zur Untersuchung der Kriegsschuld" in Oslo einen Brief geschrieben, und ihm zwei Fragen vorgelegt, die folgendermaßen lauten:
„1. Gründen sich die Friedensverträge, die den Weltkrieg abschloffen, in ihren wichtigen Punkten auf die Voraussetzung, daß eine Machtgruppe die alleinige Verantwortung für den Krieg trägt, während die andere Gruppe gar keine solche Verantwortung hat?
2. Wenn das der Fall ist, stimmt diese Voraussetzung mit den jetzt vorliegenden Tat- fachen derart überein, daß das Gewissen der Menschheit die Friedensverttäge ruhig hinneh- men darf als eine gerechte Bestrafung der für den Krieg einzig Verantwortlichen,"
Aus der Formulierung der Fragen ergibt sich ohne weiteres, was Senator Owen will. Ihm kommt es darauf an, festzustellen, wie wirklich objektive und neutrale Beurteiler sich zu der im Versailler ©ertrag sestgelegten These stellen, daß die Zentralmächte, insbesondere Deutschland, mit voller Absicht den Krieg her- beigeführt haben. Senator Owen hat die obigen Fragen der neutralen Kommission zur Unterstützung der Kriegsschuld vorgelegt und weiter vorgeschlagen, die Mitgliedschaft der Kommifflott für die Beantwortung dieser Fra- gen um eine Anzahl unparteiischer Persönlichkeiten aus Kreisen der Gelehrtenwelt der neutralen Länder zu vermehren.
Man dürfte mit Recht darauf gespannt sein, welches Ergebnis diese Umfrage, die bereits vor mehr als drei Jahren veranstaltet worden ist, haben würde. Die Antworten sind jetzt eingegangen. Es haben sich die namhaftesten Gelehrten und Kriegsfchuldforfcher geäußert und zwar aus folgenden neutralen Ländern: Holland, Schweiz, Finnland, Schweden, Norwegen. Die Antworten sind zufammengefaßt herausgegeben worden von der Neutralen Kommifflon Norwegens zur Untersuchung der Kriegsschuld. Wir müssen uns leider darauf beschränken, nur einige kurz gefaßte Beantwortungen der Fragen wiederzugeben:
Aus der S ch w e i z: Das Schweizerische Landeskomitee zur Erforschung der Kriegsursachen gab folgende Antwort:
„Zu Frage 1: Die moralische Begründung für die gebietlichen, militärischen und wirtschaftlichen Bestimmungen des Versailler Vertrages und feiner Nebenverträge gibt zweifellos die Behauptung der alleinigen Schuld Deutschlands und seiner Verbündeten am Ausbruch des Krieges ab.
Zu Frage 2: Diese Behauptung von der alleinigen Verantwortlichkeit der einen Partei am Ausbruch des Krieges kann keines- wegs als mit den wissenschaftlich bekannten Tatsachen übereinstimmend angesehen werden."
Aus Schweden: Das Mitglied des Höchsten Gerichtshofes, Kh. Högstedt in Stockholm sagt zur Frage 2:
„Die von den siegreichen Mächten beim Abschluß der Friedensverttäge erzwungene Entscheidung in der Schuldfrage scheint mir keinesfalls mit den wirklichen Verhältnissen in Einklang zu stehen. Wie man die Frage auch ansieht, ungerecht ist es nach meiner Meinung auf jeden Fall, wenn man die Verantwortung für den Krieg einzig und allein Deutfchland zuschiebt und den mit ihm verbündeten Mächten,
Aus Norwegen: Hc. Drolfum, Oberbib- liothekar an der Universität Oslo beantwortet die Frage 2:
„Nein. Was diese Ereigniffe betrifft, so sind die historischen Geschehnisse durch Ne Aktenveröffentlichungen bereits hinreichend geklärt, um mit voller Klarheit die nvrlie gende Entscheidung zu widerlegen. Sie zeigt im Gegenteil, daß Deutschland 1914 al» die einzige Mracht sich ehrlich und nach allen Kräften unaufhörlich für de« Friede« de-