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t Soldmark * V«,»Dollar.

Anzeiger für (das frühere kurhessifche) Oberhessen

Anzeiger -er amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Em neuer Verstoß -es Abgeoröneten Fmbusch

Sir saibiichrn SrgrMe In brr Stnltnmtoatlei stad ne* nicht beseitigt

Hamm, 5. Febr. Heute tagte in Hamm unter starker Beteiligung der Par­teitag für die Westfälische Zentrumspartei. Reichskanzler Dr. Marx, der das erste Referat halten sollte, war durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Das Haupt­referat hielt Prof. Dr. Schreiber. Seine Ausführungen deckten stch im allge­meinen mit der letzten Rede des Reichs­kanzlers auf der Parteiausfchutztagung in Berlin.

Rach Prof. Schreiber ergriff Abg. Jm- busch das Wort. Er führte u. a. aus: In der letzten Zeit haben wir nicht uner­hebliche Meinungsverschiedenheiten in der Partei gehabt.

Es handelt sich nicht um persönliche Gegensätze; es handelt sich wirklich um weitgehende sachliche Meinungsver­schiedenheiten.

Deshalb ist auch die Angelegenheit nicht mit schönen Erklärungen aus der Welt zu schaffen. Wenn d-ie Meinungsverschieden­heiten öffentlich ausgetragen wurden, so ist das geschehen, weil sie in Berlin zu be­seitigen waren. Zch persönlich habe den Eindruck, daß alles Reden und auch die durchgreifenden Gründe bei manchen nicht wirken, und deshalb habe ich in Berlin vor der Verabschiedung der Besoldungs­ordnung in der Fraktion ausdrücklich ge­sagt, ich hielte es für meine Pflicht, die Wähler aufzuklären und offen in der Par­tei über die Dinge zu reden, weil wir zu einer Klärung der Frage kommen müssen, denn schließlich find die Wähler und nicht die Zentrale in Berlin die richtigste In­stanz

Ich stelle ausdrücklich fest: die Diffe- renzes sind noch nicht erledigt!

Sie lassen sich nicht erledigen durch schöne Erklärungen: davon können sich die atme« Leute kein Pfund Brot kaufen. Meiner Auffassung nach hat die Regierung in wirtschaftlichen und sozialen Dingen manchmal falsche Auffassungen vertreten. Bei der Besoldungsordnung ist nicht die Wirkung auf die anderen Kreise des Bol­tes, auf Wirtschaft, den Arbeiter- und Mittelstand, berücksichtigt worden. Wir sind nicht gegen das Berufsbeamtentum; nach meiner Auffassung hat sich um die Ret­tung des Berufsbeamtentums gerade der Abg. Stegerwald hoch verdient gemacht. Man hätte aber nicht die Forde­rungen der' Arbeiter ablehnen sollen mit dem Hinweis darauf, daß die Wirt­schaft sie nicht tragen könne, und gleich­zeitig die Besoldungsordnung den Be­amten geben sollen. Die Besoldungsord­nung erfordert solche Summen, daß Reichs­bahn und Reichspost Aufträge rückgängig machen mußten und viele Arbeiter da­durch arbeitslos gewqrden sind. Es ist das Notwendigste, daß wir für jeden Arbeit und Brot schaffen. Die Partei hat die Pflicht, hier nach dem Rechten zu sehen.

Zahlreiche Arbeitervertreter nahmen zu den Ausführungen des Abg. Zmbusch Stellung.

Abg. Stegerwald kritisierte die Art und Weise, wie die Besoldungsordnung zu­stande gekommen ist und forderte, daß die Stellung der Arbeiter im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben gebessert werde.

Die zum Schluß angenommene Ent­schließung stellt sich auf den Boden der Ent­schließung, die am 29. Januar vom Reichs- xarteiausschuß in Berlin gefaßt wurde. .

ßtaWmtag In Berlin

Berlin, 5. Febr. Der Landesverband Grvß-Berlin des Stahlhelmbu^des hielt heute vormittag im KriegervereinShaus in der Chausseestrahe seine diesjährige Generalver­sammlung ab. Aach der Erledigung der Tagesordnung sprach Bundesführer S e l d t e über di« Bedeutung und die Ziele des Stahlhelms. Er forderte die Mitglieder auf, alle Kräfte zu sammeln und den Ge- daicken an die deutsche Zukunft in steter Er­innerung an die groß« Tradition des deutschen Bolles wieder aufzubauen.

Der Berliner Verbandsvorsitzend« Ste­phan wandte sich besonders gegen die Zer­setzungsarbeit der Parteien.

Die Versammlungsteilnehmer zogen dann in geschlossenem Zuge unter Begleitung eines außerordentlich starken Polizeiaufgebotes durch den Aordosten Berlins zum Lustgarten, wo sie unter den Klängen des Präsentiermarsches im Paradeschritt an der Bundesleitung vorbei- defilierten. Der Umzug nahm im allgemeinen dank deS starken Polizeiaufgebots einen

ruhigen Verlauf. Sn der Wiesenstraße und in der Chausseestrahe muhten die Polizei­beamten von ihren Gummiknüppeln Gebrauch machen, da die Zuschauer die Absperrketten durchbrachen und den Zug zu stören ver­suchten. Aehnliches versuchten auch Rote Frontkämpfer in geschloffenen Trupps in der Greifswalder Straße und in der Königstrahe, sie konnten aber zurückgedrängt werden. Die Roten Frontkämpfer hatten vormittags auf vier Plätzen in den Arbeitervierteln Gegen­kundgebungen veranstaftet, die gleichfalls einen ruhigen Erlauf nahmen.

Zusammenstoß nach der Berliner Stahlhelm- Kundgebung.

ft. D e r l i n, 6. Febr. Rach der Stahlhelm- kundgebung im Lustgarten sind an verschiede­nen Stellen der Stadt Stahlhelmleute von politischen (Segnern überfallen und teilweise verletzt worden. Allem Anschein nach waren dies« Aeberfälle organisiert, da sie sich tn allen Stadtteilen ereigneten. 125 Sistierungen wurden vorgenommen und der politischen Ab- teilung deS Polizeipräsidiums zugeführt.

Gegen die Abschaffung -er ABoote

.. . Der Stund tot den Setschin« Amerikas

ft. London, 8. Febr. Der Flottenbericht­erstatter desDaily Telgraph" schreibt, es wäre ein Unglück, Kellogg« Erklärung über die Abschaffung der Unterseeboote $« viel Be­deutung beizumessen. Seit der Washingtoner Konferenz von 1921 habe sich die Lage bezüg­lich der Unterseeboote rum Nachteil der Ber­einigten Staaten geändert. Japan besitze dazu viel mehr große Unterseeboote als di« Ber­einigten Staaten. Angesichts der Untersee- bootsstärk« der Großmächte scheint die Aus­sicht, daß die Unterseebootswaffe aufgegeben werde, sehr gering. Die Angriffvmöslichkeit der Unterseeboote bestehe unverändert fort. Die Zahl der im Bau befindlichen Boote über­steige die Zahl der Unterseeboote, die vor dem Kriege gebaut wurden.

DasEcho de Paris" zur Räumungs­frage.

fk. Paris, 6. Febr. DasEcho de Paris" untersucht die bisherigen Bölker- bundsabmachungen über eine etwaige Investigation und kommt zu dem Ergeb­nis, daß sich verschiedene Artikel zum größ- ten Teil widersprechen. Die Abmachungen

seien ohne Ueberlegung von Frankreich und England angenommen worden, weil die Vertreter der beiden Regierungen sich darüber einig gewesen seien, den Jn- vestigations - Mechanismus niemals in Tätigkeit zu setzen. Könnten die im Ar­tikel 213 des Versailler Vertrages nicht vorgeseheneElements ftables" für die Kontrolle der entmilitarischen Rheinland­zone nach den Besprechungen des Völker­bundsrates vom 11. Dezember 1926 nur unter Zustimmung der interessierten Re­gierungen, also mit Einwilligung des deut­schen Reiches, durchgeführt werden.

Strafversetzung zweier ftanzöfischer Besatzungs-Offiziere.

ft. Paris, 6. Febr. Der Mainzer Korrespondent desO e u v r e" kommt heute auf die erfolgte Besudelung des Bis­marckdenkmals in Zweibrücken durch junge französische Offiziere zurück, die nach seiner Ansicht die Tat im Zustande der Trunken­heit begonnen haben. Jetzt seien die in Frage kommenden Offiziere von der fran­zösischen Militäroberbehörde nach Algier und Marokko versetzt worden.

Ans ten Sntftitn

Frauentmung der Deutschen Bolksvartei.

Frankfurt a. M 5. Febr. Heute fand hier eine zahlreich besuchte Tagung der Frauenverbände der Deutschen Dollspartet Hessen-Rassau, Hessen und Pfalz statt, za der als Gäste auch der 2eiter des hiesigen Wahlkreises, Rektor Landgrebe, und Land­tagsabgeordneter Schwarzhaupt erschienen waren. Frau Reichstagsabgeordnete Dr. Matz wies in ihrem ReferatDie politische Lage und die Wahlen" darauf hsin, daß besonders die Frauen berufen seien, auf gewissen Ge­bieten der aktiven Politik eine führende Rolle zu spielen. Dies sei allerdings nur möglich, wenn den Führerinnen durch die Wähler­schaft aus den Reihen der Frauen der Rücken gesteift würde. Frau Dr. Matz behandelte dann die deutsche Außenpvlittk und wies auf die Verdienste Dr. Äresemanns hin, dessen Völlerbundspolitll sie warm verteidigte. Sm Hinblick auf die kommenden Wahlen beleuch­tete sie die Stellung der Deutschen Volks- Partei gegenüber den andern Parteien und stellte besonders fest, daß mit dem Zentrum in den Fragen der Beamtenbesolduiig. der Rentnerfürsorge und der Simultanschule Siffe- renzen T.-fr^en. Fran L andtaasabgeordnete

B ir nbaum (Hessen) sprach über ihre Er- fahrungen beim hessischen Wahllampf und gab Anregungen für die bevorstehende Wahl­kampagne.

Die Frage -er Reuwahle«.

fk. Berlin, 6. Febr. DemMontag" zufolge haben in den letzten Sagen zwi­schen de« maßgebenden Führern der Re­gierungsparteien die ersten unverbindlichen Besprechungen über die Frage der Neu- wahlem statlgefunden, die akut werden wür­den, wenn die Verhandlungen zwischen Zentrum und Deutsche Volkspartei über das Reichsschulgesetz, nach der Tagung des Reichsschulgesetzausschusses der Deutschen Volkspartet, endgültig scheitern sollten.

Direktor Stewart freigelassen.

Washington, 4. Febr. Der verhaftete Direktor der Standard Oil Company hat beim Obersten Gericht des Bundesdistrikts Colum­bia Beschwerde eingelegt und aus Grund der Mabeas Corpus Akte feine vorläufige Frei­lassung bewirkt. Am Dienstag wird darüber verhandelt werden,-ob er auf freiem Fuß be­lassen wird. ......

Wam> kommt die Rwtiio«?

Seitdem der Reparationsagent Parker Gilbett in seinem letzten Jahresbericht über das Funktionieren des DaweSplaneS die vorsichtige Andeutung gemacht hat, daß man in absehbarer Zeit die am DaweSplan interessierten Staaten an den Verhand­lungstisch berufen müsse, um sich über eine endgültige Regelung der Reparations­frage schlüssig zu werden, ist die Dis­kussion über die Möglichkeit einer Revision des Dawesplans nicht mehr verstummt. Parker Gilbett ist jetzt längere Zeit in Washington gewesen, wo er mit den Finanzgröhen der Wal-Stteet eingehende Verhandlungen gepflogen hat, und auf seiner Rückreise ist er auch für einige Sage in Paris abgestiegen, um sowohl den maßgebenden politischen Führern, als auch den Autoritäten des Finanz- und Witt- schaftslebens in Frankreich seinen Besuch abzustatten. Daß es auch bei seinen Be­suchen in Paris die Reparationssrage Gegenstand einer Diskussion war, kann nach den von Briand und Poincare in die­sen Sagen vor dem ftanzösischen Parlament gemachten Aeußerungen keinem Zweifel unterliegen.

Der Reparattonsagent scheint in den Verhandlungen, die er in Washington und in Paris gefühtt hat, mit ziemlicher Be- sttmmtheit den Standpunkt vertteten zu haben, daß eine Reuregelung des ganzen Reparationsproblems unumgänglich ist. Parker Gilbett hat sich offenbar davon überzeugt, daß der Reparattonsplan in der Londoner Fassung undurchführbar ist. Der Reparationsagent ist ein viel zu vorsich­tiger Finanz- und Wittschaftsprakttker, ilS daß er sich durch die Satsache täuschen ließe, daß Deutschland bisher seinen Re» parationsverpflichtungen stets nachgekvm- men ist. Die Differenzen, die im ver­gangenen Sommer zwischen ihm und dem deutschen Reichsfinanzminister entstanden sind, enffprangen nicht zuletzt dem Um­stand, daß Parker Gilbett bei der Srans- ferierung von Devisen auf Bestände zurück» griff, die nicht aus deuffchen Reparations­sachlieferungen herrühtten. Diese Satsache hat dem Reparationsagenten mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß eine planmäßige Durchführung deS Dawesbesttmmungen un­möglich ist. Er hat sich weiter davon über­zeugen können, daß die ganze Finanz- und Wirtschaftslage Deutschlands die restlose Anwendung der Besttmmungen deS Re- parattvnsplans nur zuläßt, wenn man dar­auf ausgeht, Deutschland wirtschaftlich und finanziell zu ruinieren. Das verbietet aber der Dawesplan selbst mit seinen Schutz­bestimmungen für die deuffche Währung. Der Reparattonsagent hat weiter feststellen müssen, daß eine Steigerung der Repara- tionssachlieferungen in dem erwünschten Umfange an dem Widerstand der bettef- fenden Gläubigerstaaten scheitett. Auch Frankreich ist keineswegs geneigt, die deut­schen Reparationsleistungen auf dem Wege von Sachlieferungen entgegenzunehmen. Damit fallen wesentliche Voraussetzungen für die Durchführung des DawesplaneS fort.

Angesichts der Zuspitzung, die das Re- parationsproblem, wie aus Vorstehendem ersichtlich ist, in letzter Zeit erfahren hat, ist es von eminent großer Bedeutung, daß man heute selbst in Frankreich von der Rotwendigkeit einer Revision des Dawes­planeS bei den maßgebendsten hohen Re­gierungsstellen überzeugt ist. In deuffchen Finanz- und Wirtschaftskräften hat es ge­radezu wie eine Sensation gewirkt, als Briand in seiner viel erörterten außen­politischen Rede im Senat die Erklärung abgab,das Jahr 1928 würde nicht zu Ende gehen, ohne daß die ernste Repara- ttonsfrage in ihrer Gesamtheit geregelt würde". Das bedeutet, daß in Frankreich in dieser Frage ein gewaltiger MeinungS» Umschwung eingetreten ist. In deuffchen WirtschaftS- und Finanzkretsen erörtert man bereits ernsthaft die Möglichkeit einer großen internationalen Wirtschaft-- und Reparattonskonferenz tat Herbst dieses