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Mittag, l»a s. Summ ISA

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die NersWIdmg der deulWen grniiwfrWI

Erklärung des SiMSmlnfslerS Schiele vor dem SausdullsauSichuß des ReichSlagS

Berlin, 21. Jan. Der HauShattsausschuß de» Reichstages erledigte zunächst Petitionen, die sich gegen die Zusammenlegung der Der» sergungsbeh örden richteten.

Aeichsarbeitsminister Dr. Brauns wies darauf hin, daß er die Zahl der Hau-tversor» gungSämter bereits von 25 auf 14 vermindert unb, wo eS notwendig und zweckmäßig war, «ich di« Dersorgungsgmter zusammengelegt habe. Di« Frage einer weiteren Zusammen­legung der DersorgungSbehörden und der Fdianzämter hielt der Minister zurzeit noch nicht für reis. Aus Grund eines Schreibens des Sparkommissars erklärte er, die Be­hauptungen über Beeinflussung des Dersor- gungSamtes Görlitz vor einer Prüfung durch den Sparkonnnissar sei durchaus unwahr.

Bei der dann folgenden Beratung b«S Landwirtschaftsetats erwähnte der Bericht­erstatter, Abg. Dietrich-Baden (Dem.) die Wünsche der Winzer und der Bienenwirt» schäft. Er verurteilte Reklame für holländisches Gemüse und unterstützte all« Bestrebungen zur Verbesserung der Milchwirtschaft. Hinter dem Kreditproblem müßten alle anderen Prob­leme der Landwirtschaft zurücktreten. Reben bet Umwandlung der kurzfristigen Schulden in Hhpothekenschulden müsse ein Teil der Schulden auch durch Aufkauf der überschul­deten Güter erledigt werden. Er halte einen Großgrundbesitz in bescheidenem Umfange auf vstekbischem Gebiet für durchaus unbedenklich.

Mitberichterstatter Abg. Schmidt- Köpe­nick (Svz.) wandte sich gegen den Ausdruck »Rot der Landwirtschaft". Es müsse heißen .Rot der Landarbeiter" bzw. »Rot einiger Landwirte". Dotwendig sei, daß di« Land­wirte von den Preisschwankungen freigemacht würden.

3n der allgemeinen Aussprache erklärte Abg. Thomsen (Dntl), daß die Rot der Landwirtschaft sich aus alle Desitzgröhen er­strecke. Die Kreditregelung allein nütze nichts: der gegenwärtige Zinsfuß sei zu Höch.

Reichsminister Schiele

«klärte, di« Summe, die für den Weinbau «ingestellt ist, ist kein neuer Titel. Die Molkereikredite sind leider notwendig. Die Meliorationen, deren ein Drittel unseres Landes bedarf, müssen gleichzeittg beschleunigt werden.

Der Minister gibt dann eine Statistik über die starke Einfuhr von Fleisch und lebendem Bieh bekannt. Infolge des ausländischen rieberangebots seien die Fleischpreise außer» ordentlich gering. Der Minister ging dann zu der im Ausschuß als Kernproblem bezeich­neten Frage der

Ueberschnldnrm der Landwirtschaft über. — Seit Anfang 1924 bis zum Herbst 1927 haben die landwirtschaftlichen Betriebe rund 7 Milliarden Reichsmark Schulden aufgetwmmen, zum großen Teil in der für den landwirtschaftlichen Betrieb völlig ungeeigneten Form kurzfristtger, viel» fach wechselmäßiger Verpflichtungen. Die Zinsenlast der Landwirtschaft ist damit auf jährlich 8 0 0 b i s 9 0 0 Millionen ««gewachsen. Die Betriebe gingen aus ber Zwangswirtschaft und der Scheinblüte der Inflation geschwächt und infolge des Zu» fammenbruchs der Währung von Betriebs­kapital entblößt in das Jahr 1924 hinein. Die Ernte 1923 wurde zum großen Teil in Papiermark verwertet. Die Betriebsausgaben 1924 und insbesondere die schlagartig ein­fetzenden Steuern mußten in Gold entttchtet Werden. Die Mittel hierfür konnten die Betriebe größtenteils nur im Kreditwege be- tchaften und zu gewaltigen Zinssätzen. Die Verwertung der an sich guten Ernte 1925 mußte zu Preisen erfolgen, die Gewinne und Schuldenrückzählungen ausschloffen, vielmehr zu weiteren schweren Verlusten führten. Die ungünstige Ernte 1926 konnte diese Ent­wicklung nicht aufhalten. Runmehr droht die unter dem Einfluß der Witterungsverhältnisse vielfach ttostlose Ernte 1927 die Katastrophe alS notwendige Folge dieser Entwicklung aus­zulösen. Besonders kratz gestaltet sie sich unter dem Einfluß der Witterungsverhält­nisse im Rorddeutschen, im Ostseegebiet, in Ostpreußen, Pommern, Mecklenburg und vchleSwig-Holstein. Rach dem Ergebnis der Onquete-Unterfuchungen waren 1924 25 und 1925'26 von den umersuchten Betrieben über die Hälfte aller größeren und weit mehr als ein Drittel aller kleinen und kleineren Be­

triebe Derlustbetriebe. Der Anteil der Der- lustbetriebe an der Gesamtzahl ist um so größer, je geringer die Bodenbeschasfenheit ist, also besonders auch im östlichen und nord­östlichen Deutschland.

Im Durchschnitt ber einzelnen BetriebS- gruppen reichte das Roheinkommen nicht einmal aus, um den Lebensunterhalt der Be­triebsleiter und die Steuern zu bestreiten. Ein Betrag für Zinsendienst und für die Verzinsung oeS EigenkapitalS war nicht mehr verfügbar. Nur in wenigen Grup­pen mit guten Bodenverhältnissen ist das Roheinkommen ein geringes höher. Auch hier ist der für den Zinsendienst verfüg­bare Betrag so niedrig, daß er In den meisten Fällen für die Verzinsung des RohkapitalS nicht auSreicht. Nur in Aus­nahmefällen konnte ber Zinsendienst aus ben Betriebserträgnissen bestritten werben. Eine Verzinsung beS EigenkwpitalS bürfte

„Newport Herald" meldet aus Washington, daß man in amerikani» sche« politischen Kreisen bet Auffassung sei. daß die Antwort Briands an Kel» loog das Ende der Berhanblv«. gen über eine« vielseitigen Vertrag be­treffend den Verzicht auf einen Krieg be­deute.

Jede weitere Unterhaltung über dieses Thema wäre zwecklos.

Es bleibe nur eine Auffassung übrig, daß die mit den Großmächten eingeleiteten Verhandlungen zu der Verwirklichung einer Erklärung führen, die den Krieg verurteilt. Diese Erklärung würde alsdann eine Auswahl für den geplanten vielseitigen Vertrag bedeuten und sicherlich von hohem moralischen Wert sein, ohne aber die einzelnen Regierungen irgendwie zu verpflichte«. Kellogg werde, nachdem er seine« Vorschlag auch anderen Eroßmächten unterbreitet hat, deren Antwort .abwarte«, bevor Aber-

stellig zu sichernden Krediten an bedrängte Landwirtschaftsschuldn« bedarf eS reich­licher Mittel, die, wie die Verhältnisse zurzeit liegen, nur durch Aufnahme von Ausländsanleihen beschafft werde« können. Die Kredite sind ferner am alle Betriebe zu gewähren, die zu ihrer rationellen Fortführung bei Gewährung des KredtteS zu erwarten ist. Bei der Vergebung der Kredite soll eine Mitwirkung von Begut­achtern, die von SelbswerwaltungSkärper- schaften bestellt sind, vorgesehen werden. Die Reichsregierung ist bereit, die Er­langung und Ausgabe derartiger Leih­gelder seitens offizieller Stellen zu unter­stützen; bis diese Gelder in Fluß gebracht werden können, ist die Reichsregierung bereit, im Rahmen des Möglichen Vor­schüsse zu gewähren. Sie erwartet, daß bei diesen Maßnahmen auch die Länder eine entsprechende Hilfe eintrete-n lassen.

Was die Frage der Besteuerung anbe­trifft, so stehen die etwa feftgefetzien Ab­schlußzahlungen und die laufenden Doraus­zahlungen an sich fest. Es bleibt aber za prüfen, ob nicht überall da, wo die Landwitt- schaft sich in besonder« mißlichen Verhältnissen befindet, durch Stundung und Steuer­erlasse geholfen werden kann. Der Herr Reichsminister der Finanzen hat mich ermäch­tigt, zu erklären, daß er bereit sei, die er­forderlichen Maßnahmen zu treffen. Di»

aber auch in diesen Fällen fast nirgends zu erreichen sein. Dem Schuldenbetrag von 7 Milliarden Reichsmark steht hiernach nicht eine verbesserte Ausnutzung der Be­triebe gegenüber, die Kredit« müssen viel­mehr zur Erhaltung der Bettiebe ver- wanln werden.

Im Namen der Regierung habe ich be­sonders zu erklären: Die Reichsregierung sieht es als ihre Aufgabe an, auf eine Milderung der l a n d w i r t sch a f t - lichen Schuldenverhältnisse hin­zuwirken, die für die in der rationellen Ausführung bedrohten Betriebe eine Ueber- fiihrung der schwebenden Schuld in lang­fristigen Kredit herbeigeführt und gleich­zeitig eine Absenkung der Zinsenlast mit sich bringt. Um erststellige Kredite zu be­schaffen, ist für ein« pflegliche Behand­lung des PfamdbriefabsatzeS zu sorgen. Zur Beschaffung und Gewährung von zwett-

haupt ein weiteret Schritt der Vereinigte« Staate« z« erwarte« fei; was aber nicht besage« solle, baß bie streng persönlichen Besprechungen «icht fortgeführt werben.

„Petit Parisien- zu Brianbs Antwort an Kellogg.

In den ersten französischen Kommen­taren zu der Antwort Briands an Kellogg wird bereits versucht, die Verantwortung für ein eventuelles Mißlingen der Ver­handlungen zwischen Paris und Washing­ton über die Frage eines Kriegsverzicht­pattes auf die Haltung der Regierung der Vereinigten Ctaaen zurückzuführen. So betont der offiziöse „Petit Pa r i s i e n", daß die französisch« Note auf alle Fälle die Fortführung der Verhandlungen ermög- liche. Briand hätte als weitere Dis, kusstonsbasis den vom Völkerbund im ver­gangenen September gefaßten Beschluß den Angriffskrieg vorgeschlagen und es dem französischen Botschafter überlassen, die sonstigen Argumente, die er gegen den Standpuntt der Vereinigen Staaten an­führen könne, mündlich vorzubringen.

Finanzämter sind bereit» mit Weisungen bet- sehen.

Sie weitere Beratung wird vertagt.

Abg. Thomsen (Dntl.) bemertt, bie Er­klärung be» Ministers habe ihn nicht be- frtebigt. Er bitte den Herrn Finanzmimster, am Montag hier im Ausschuß zu erscheinen.

Ministerialdirektor Dr. Lothholz sagt zu, diese Ditte dem Reichsftnanzmtmster zu übermitteln.

Wetterberatung Montag.

(Srobfener in Güstrow.

Am Sonnabenb nachmittag wurde die Stadt Güstrow von einem oerbeerenden Brande beimgesucht. In der gegenüber dem Babnhoi gelegenen Ausstellungshalle war Feuer aus- sebrochen, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Das ganze Gebäude wurde in kur­zer Zeit bis auf die Umfassungsmauern ein Raub der Flammen. Die Feuerwehr mußte sich auf den Schutz der Nachbarhäuser beschrän­ken. Außer den großen Sachwerten, die sich auf über 60 000 «tt belaufen, sind auch die Wohnungen zweier Familien mit dem Inven­tar vernichtet worden. Ueber die Entstehungs­ursache kann bisher noch nichts festgestellt werden.

Das Ende des Medensvaktes

Alle vetteren Verhandlungen ttnd zwecklos

zur Wersabe des NMswrhr« Ministeriums

Erlaß an die Wehrmacht.

Berlin, 21. Jan. Der scheidende Reichswehrminister hat an die Wehrmacht folgenden Erlaß gerichtet:

„An die Wehrmacht!

Der Herr Reichspräsident hat mir auf meinen Antrag den Abschied bewilligt, und ich scheide mit dem heutigen Tage aus dem Amte.

Fast acht Jahre habe ich die Ehre ge­habt, an der Spitze des Reichswehr­ministeriums zu stehen, und es waren schwere Jahre, denn in ihnen war die deutsche Entwaffnung nach dem Ver­sailler Vertrag zu vollstrecken. Wir konnten in diesen Jahren aber auch auf­bauen und die gesetzliche und organisa­torische Grundlage für die junge deutsche Wehrmacht schaffen. Deutschlands Heer und Flotte sind wieder verwendungs­fähig und im In- und Auslande ge­achtet. Dieses Ziel wäre nicht erreicht worden, hätte ich nicht in der hingeben­den Arbeit aller Angehörigen der Wehr, macht so treue und unermüdliche Unter­stützung gefunden. Dafür in diesen Stunden Dank zu sagen, ist mir Pflicht. Di-f, besten Kräfte zogen wir alle aus der großen militärischen Ueberlieferung, die zu pflegen ich mich berstfen fühlte besonders aus der Ueberzeugung heraus, daß es ^Aufgabe des Soldaten ist, über alle Parteien hinweg, "niemanden zu leide und niemand zu lieb, nur dem Vaterlande zu dienen. Stolz bin ich darauf, solange Jahre Reichswehr­minister gewesen zu sein, aber am stolzesten darauf, daß ich in diesen Jahren ein festes Band des Vertrauens mit Offizieren und Soldaten, Beamten und Angestellten knüpfte, das, so hoffe ich, unzerreißbar ist.

Heer und Marine rufe ich zum Ab schiü» zu: Deutschland über alles!

Der Reichswehrminister.

gez. Dr. E e tz l e r."

Ein Erlaß des Reichswehrministert Groener an die Wehrmacht lautet:

„Durch das Vertrauen des Herrn Reichspräsidenten an die Spitze des Reichswehrministeriums berufen, habe ich heute die Amtsgeschäfte übernommen. In der festen Ueberzeugung, daß unsere gemeinsamen Arbeiten von rückhalt­losem gegenseitigen Vertrauen getragen sein werden, rufe ich allen alten und jungen Kameraden ein herzliches Glück- auf! zu.

Berlin, 20. Januar 1928.

Der Reichswehrminister.

gez. E r o e n e r."

Groener trägt keine Reichswehruniform.

Mit der Ernennung des neuen Reichswehr- ministers General Groener ist in der Oeftentt lichkeit und auch in volitischen Kreisen vielfach die Frage aufgeiaucht, ob der neue Reichs- roebrminifter in seiner Eigenschaft als General­leutnant bei enisorechenden Anlässen in Uni­form erscheinen werde. Der „M o n t a g" be­merkt dazu: An sich bat General Groener das Recht, als Generalleutnant die Uniform der alten Armee zu tragen, da er nicht Mitglied der Reichswehr ist. Der neue Reichswehr­minister würde also, wenn et in Uniform bei feierlichen Anlässen erscheinen würde, in der alten Uniform vor die Reichswehr treten. In­folgedessen ist man in den maßgebenden Ärei kn der Ansicht, daß der neue Reichswehr Minister, wie der bisherige Reichswehrmimste- Dr. Geßler, im allgemeinen in Zivil sein. Funktion, als Reichswehrminister ausüben wird.