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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die Presse zur Ernennung Groeners

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ff, Berlin, 19. Zan. Der Reichsprä­sident hat auf Vorschlag des Reichskanz­lers de« Reichswehrminister Dr. Gehler von seinem Amte entbunden und General a. D. Groeuer zum Reichswehrminifter ernannt.

Meretts durch Extrablatt verbreitet.) *

Zu der Ernennung des Generalleut­nants a. D. Groener zum Reichswehrmini­ster schreibt dieKreuz-Zeitung": Wir haben aus unseren Bedenken, die gegen eine Verwendung General Groe­ners in der Stellung des Reichswehrmini­sters sprechen, kein Hehl gemacht. Wir halten sie auch heute aufrecht. Rach Lage der Dinge können wir uns nur mit dem Wunsche bescheiden, daß der neue Reichs­wehrminister das in ihn von dem Gene- ralfeldmarschall und Reichspräsidenten ge­setzte Vertrauen rechtfertigt und unsere Reichswehr gegen den unentwegten An­sturm ihrer inneren Feinde zu schützen vermag.

Die Deutsche 8111g. Zeitung" erklärt: Hindenburg hat mit oer gleichen Zurückhaltung, aber durchgreifenden Ent­schiedenheit, mit der er schon mehrfach langwierige Krisen zu beenden verstand, auch diesmal die Führung in seiner Hand behalten und nach Anhörung der parla­mentarischen Vertreter auf Vorschlag des Kanzlers seine Entscheidung getroffen. Daß der neue Reichswehrminister zwar auf menschliche Sympathien bei allen Parteien, aber zunächst auf gewisse poli­tische Widerstände stieß, kann eher als ein günstiges Vorzeichen für seine Amtstätig­keit betrachtet werden, deren Kennzeichen es sein wird, die Reichswehr auch weiter­hin außerhalb der Parteieinflüsse und der Politisterungsbestrebungen zu halten.

In derGermania" heißt es: Der Reichspräsident hat also jenen Mann für das schwere Amt des Reichswehrministers ausgewählt, der in sorgenvollen Tagen sein Berater gewesen ist. Groener ist als rin Mann von aufrichtiger Gesinnung be­kannt. Seine württembergische Herkunft hat ihm den demokratischen Geist mitge­geben, den er niemals verleugnet hat, denn aus seiner die Republik bejahenden Einstellung hat Groener niemals ein fnebl gemacht. Die Verwurzelung der Reichswehr mit dem Volke und ihr wirk­lich echter demokratischer Aufbau, nicht im parteipolitischen, sondern im weitesten Sinne, ist die Aufgabe, die noch der Lö­sung harrt. Der Reichspräsident ist an­scheinend von dem Gedanken ausgegan­gen, die Reichswehr soweit wie möglich dem politischen Einfluß zu entziehen, und deshalb wohl nicht Zuletzt ist die Wahl aus Groener gefallen.

DieBörsenzeitung" schreibt: Wir haben begründete Hoffnung, daß Groener das hohe Vertrauen, das Reichs­präsident v. Hindenburg in ihn setzt, nicht enttäuschen wird.

Die demokratischen Blätter, die gestern abend noch keine Kommentare zu der Er­nennung des Generalleutnants a. D. Groener zum Reichswehrminister gebracht hatten, beschäftigen sich heute morgen aus­führlich in Leitartikeln mit dem neuen Mann im Reichswehrministerium.

DasB. T." sagt: Wir denken nicht daran, den neuen Wehrminister mit Vor­schußlorbeeren zu kränzen oder ihn selbst, nach der Ausdrucksweise eines deutsch­nationalen Blattes, als Vorschuß auf eine künftige Linksregierung zu betrachten. Er wird zeigen müssen, ob er sich auch der Gruppe gegenüber durchsetzen kann, die seinem Vorgänger die tatsächliche Macht aus der Hand gewunden hat. Groe­

ner übernimmt eine schwierige Erbschaft. Man wird die Taten des Mannes, dessen persönliche Lauterkeit und dessen Befähi­gung von keiner Seite angezweifelt wird, ohne Vorurteil, aber auch ohne voreiligen Applaus abwarten müssen.

DieV o s s i s ch e Z e i t u n g" schreibt u. a. zu der Trennung Groeners, er kann, !,a er als alter erfahrener Soldat die mili- ärifchen Bedürfnisse zu beurteilen ver- tehen sollte, ohne das Gespenst einerZer- chlagung der Wehrmacht" heraufzube­schwören, die langersehnte Reform der Reichswehr durchführen wenn er sie will und für notwendig hält. Er muß feine Reform damit beginnen, daß er seine Ossi-

Berlin, 19. Jan. (WTB.) Die Der- hanblungen über die in der Zentrums­partei entstandenen Schwierigkeiten wurden in der heutigen Sitzung des Vorstandes der Reichstagsfraktion des Zentrums mit einem Ergebnis abgeschlossen, in dem es hecht:

Der in der Presse wiedergegebene Brief des Parteivorsitzenden Dr. Marx vom 19. Dezember 1927 war eine vertrauliche Privatäußerung, die irrtümlich von dritter Seite ohne Ermächtigung des Emp­fängers veröffentlicht worden ist. Der Brief war eine Antwort auf eine Beschwerde des geschästsführenden Ausschusses des ka­tholischen Lehrerverbandes und bezweckte die Beruhigung erregter Lehrerkreise über ebenfalls gegen den Willen des Verfassers veröffentlichte brief­liche Aeußerungen Dr. Stegerwalds zur Frage der Wartestandsbeamten. Dr.Marx verwahrt sich mit Entschiedenheit gegen die Annahme, er habe die WorteDr. Steger- wald und einige Gewerkschastssekretäre" in

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In Kreisen des Reichstages bildete heute nachmittag und heute abend die Er­nennung des Generals Groener den Hauptgegenstand der Erörterung. Dabei kam bei den Vertretern der Parteien des rechten Flügels der Regierungskoalition eine gewisse Enttäuschung zum Ausdruck. Es ging sogar das Gerücht, daß die Deutsche, die Deutschnationale und viel­leicht auch die Bayerische Volkspartei be­absichtigen, eine gemeinsame Erklärung herauszugeben. Diese Absicht hat sich je­doch nicht bestätigt. Die Deutschnatiönale Volkspartei hat ihre Stellungnahme aber in einer besonderen Erklärung präzisiert. Ebenso hat die Fraktion der Deutschen Volkspartei dem Reichskanzler durch ihren Vorstand das Befremden der Deut­schen Volkspartei zum Ausdruck bringen lassen. Die Besetzung des Reichswehr­ministerium wurde heute nachmittag in den Fraktionssitzungen besprochen. Dabei hat, ebenso wie es in der deutschnationa­len Erklärung für die Deutschnationale Volkspartei zum Ausdruck kommt, die Deutsche Volkspartei sich mit der vom Reichspräsidenten getroffenen Entschei­dung abgesunden, zumal der Reichspräsi­dent selbst erklärt hat, daß er die von der Deutschen Volkspartei vorgebrachten sach­lichen Einwendungen als nicht stichhaltig

ziere an den neuen Staat heranbnngt, daß er sie lehrt, die Republik zu achten.

Auch derVorwärts", der gestern nur eine kurze redaktionelle Bemerkung zu der Ernennung Groeners gemacht hat, beschäftigt sich heute in einem Leitartikel mit der Persönlichkeit Groeners und den seiner harrenden Aufgaben. Er besitzt zur Lösung dieser Aufgaben, so schreibt das soizaldemokratische Blatt, Tradition und Fähigkeit, es muß sich zeigen, ob auch den politischen Willen. Die eine dieser Auf­gaben ist die Bereinigung des Reichs­wehretats, die andere Aufgabe ist die große Reichswehrreform.

geringschätzigem Sinne gebraucht. Der Vorstand der Zentrumsfraktion des Reichstages ist der Ansicht, daß nach dieser Aufklärung der Zusammenhänge die An- gelegenheit als erledigt betrachtet wer­den muß. Am den Vorgängen auch jede persönliche Spitze zu nehmen, hat Dr. Marx einen Brief an Dr. Stegerwald ge­richtet, in dem er sagt: Sie dürfen ver­sichert sein, daß ich nicht daran gedacht habe, Ihnen durch den bekannten Brief kränkende Vorwürfe zu machen, ich wünsche nichts sehnlichster, als daß Sie auch wei­terhin mit Ihrem Rat und Ihrer Erfah­rung, gestützt auf Ihre engste Fühlung mit der christliche^ Arbeiterschaft, gemeinsam mit uns die großen sozialen und staats- politischen Aufgaben in Ihrer bisherigen führenden Stellung lösen helfen. Ich ver­trete den Gedanken der Dollsgemeinschaast und die sozialen Grundsätze unserer Par­tei unentwegt und bleib« festen Willens, den Aufstieg der Arbeiterschaft in jeder Hinsicht rechllich und praktisch zu fördern."

bezeichnen Könne, lieber die Stellung­nahme des Zentrums verlautet, daß diese Partei die Kandidatur Groeners von vornherein gebilligt hat.

Erklärung der Deutschnatieimlen

Berlin, 19. Ian. Die Deutschnatio­nale Pressestelle teilt mit:SBemTin der Presse verbreitet wird, die Parteiführer hätten sich mit der Ernennung des Gene­rals Groener zum Reichswehrminister einverstanden erklärt, so trifft das für die Deutschnationale Äolkspar- tei nicht zu. Es sind Bedenken p o - l i t i s ch e r A r t geltend gemacht worden, die Ernennung erfolgt aber nach der Ver­fassung durch den Herrn Reichspräsiden­ten auf. Vorschlag des Reichskanzlers. Die Deutschnationale Reichstagsfraktion erkennt das Recht des Herrn Reichspräsi­denten, gerade auf dem Gebiete der Wehr­macht'selbständige Entschließungen zu fas­sen, in vollem Maße an. Das entspricht der zuletzt in der Entschließung vom 7.12. sestgelegten grundsätzlichen Auffassung von der Bedeutung der Stellung des Reichspräsidenten im Sinne des Führer­gedankens. Da Herr General Groener der Mann des Vertrauens des Herrn Reichspräsidenten ist, stellt die Partei ihre Bedenken zurück.

Der Konflikt im Zentrum beigelegt

Ein SM te- Reichskanzlers an Elegewald

Antenburg an Hehler

Berlin, 19. Jan. Der Reichs­präsident hat an den scheidenden Reichswehrminister Dr. Eeßler folgen- des Schreiben gerichtet:

»Mei« sehr Geehrter Reichswehrministers

Mit lebhaftem Bedauern habe ich von Ihrem Entschlüsse, aus dem Amte des Reichswehrminifters zu scheiden, Kennt­nis genommen. So ungern ich mich auch gerade vo« Ihrer bewährten Mit­arbeit trenne, so habe ich im Hinblick aus Ihre erschütterte Gesundheit mich doch entschließen müsse«, ihrem Abschieds- gesuch stattzugeben, und lasse Ihnen an­bei die Entlassnngvurknnde zugehen.

Bor nahezu acht Jahre«, ia einer Zeit innerer Wirrnis und äußerer Bedräng, nis, Haien Sie das schwierige Amt des Reichswehrminifters übernommen und es seither in hingebender und selbst­loser Arbeit geführt, nur von dem einem Ziele geleitet, die u«s ver­bliebene Wehrmacht zu einem über den Streit der Par­teien stehende« pflichttreue« und tüchtigen Instrument des Reiches anszugestalte«. Hier­für Ihnen im Namen des Reiches wie persönlich tiefempfundenen herzlichen Dank zu sagen, ist mir in dieser Stunde aufrichtiges Bedürfnis. Mit der Ge­schichte des Wiederaufbanes der deut­sche« Reichswehr und der deutschen Reichsmarine wird Ihr Name eng ver­bunden sei«.

Indem ich Ihnen meine aufrichtigen Wünsche für eine baldige Wieder­gesundung und zugleich die Hoffnung ausspreche, daß eine später« Zeit Sie wieder im Dienste des Reiches finden möge, bin ich mit frenndlichften Grützen Ihr stets ergebener und dankbarer

vo« Hindenburg."

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Der jetzige Reichswehrminifter ist am 22. Rovember 1867 m Ludwigsburg, als Sohn eines Zahlmeisters, geboren. Schon von An­fang an war der junge Groener für den Offiziersberuf bestimmt. Als Fahnenjunker trat er im Jahre 1884 in das Infanterie- Regiment 121 ein, avancierte verhältnismäßig rasch «und kam so bereits im Jahre 1899 in den großen Generalstab, dem er von nun ab nur mit kurzen Unterbrechungen ständig an­gehörte. Zwei Jahre vor dem Krieg wurde er zum Leiter der Eisenbahnabteilung im Kriegsministerium ernannt. Wenn in den Tagen des Augusts 1914 der ganze deutsch« Aufmarschplan sich so reibungslos durchmhren lieh, so ist dies nicht zum wenigsten em Der- dienst der vorsorglichen Vorbereitung Groeners gewesen. Die obersten militäri­schen Behörden erkannten sehr rasch die große organisatorische Befähigung an. So kam es, daß er schon im Jahre 1915 zum General­major und ein Jahr später, als kaum 49- jähriger Offizier, zum Generalleutnant be­fördert wurde. Gegen Ende des Jahres 1916 übernahm Generalleutnat Groener die Lei­tung des neugegründeten Kriegsamtes, das die Einzelheiten des sogenannten Hinden- burgprvgramms, insbesondere auch di« Be­stimmungen des Hilfsdienstgesetzes zu ver­wirklichen hatte. Die Art und Weise, wie Groener diese außerordentlich schwierigen Aufgaben zu lösen verstand, ist ein ehrendes Zeugnis für die geniale organisatorische 'Be­gabung dieses energischen Offiziers. Anfang des Jahres 1918 übernahm Groener die Lei-