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M. Rr. 5015. — Sprechzeit w Aedaktivn »ett 15—11 ns» 1 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) OVerheffen

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I Goldmark ■ '/^»Dollar.

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Offener KonMt im Zentrum

Mtkrdml« Stkgrrmld Itsl sein Amt ntt zweiter Aorlitzrndtt Ar Amtet nieder

Die ganz allgemeine Beachtung, die ine | letzten Vorgänge innerhalb des Zentrums | gefunden haben, der Helle Jubel der Linken über die „Revolte der ZentrumSgewerk» schäften", der Ton ernsthafter Besorgnis in der Zentrumspresse und ihr nahestehen» der RcchtSblütter, die Feststellung des führenden Berliner Zentrumsorgans, der ,®ermama“, daß sich Parteileitung und Zentrumsarbeiterschaft immer weiter von­einander entfernen, zeigen deutlich, daß es sich bei dem jetzt im Zentrumsturm auS- gebrochenen Feuer nicht um einen gewöhn­lichen Stubenbrand handelt, wie er durch «ine gelegentliche Anvorsichtigkeit auch in jedem anderen Parteihause entstehen kann. SS handelt sich zweifellos um sehr ernst zu nehmende und folgenschwere Tegeu- sütze, deren Aeberbrückung schwer ist.

2m Sonnabend, den 14. Januar, hat bereits in Berlin eine Ausgleichsaktion des Zentrumsvorstandes stattgefunden, nm tzen Zwist Marx-Stegerwalv für den kommenden Tag, den 15. Januar, aus dem Wege zu schaffen, weil der erste Bor­sitzende der Zentrumspartei, Herr Reichs­kanzler Marx, an diesem Tage seinen 65. Geburtstag feiern. Der Versuch ist zweifellos mißglückt, denn gerade am 15. Januar forderte der Führer des De Werk­vereins Christlicher Bergarbeiter Jmbusch in einer Versammlung der Arbeiterwähler des Zentrums zu Oberhausen nicht mehr und nicht weniger als die Beseitigung des Herrn Marx. Herr Jmbusch teilte mit. daß er in letzter Zeit zahlreiche Briefe mit der Aufforderung erhalten habe, eine neue Partei zu gründen. Er könne auch für einen solchen Fall der begeisterten Zustimmung weiter Kreise gewiß sein, doch halte er diesen Weg nicht für den richtigen. Immerhin mühten die Zentrumsarbeiter wenn es notwendig fei, neben den offiziellen Kandidaten der Par­tei ihre eigenen Kandidaten auf stellen, um so das Zenttum zum alten Weg wieder zurückzuführen und eS zu einer wahren DolkSpartei wieder umzu­stellen. Das geschah am 15. Januar in Oberhausen, im Wahlkreise — des Herrn Marx.

Am 16. Januar faßte dann der Arbeiter- ausschuß der Essener ZenttumSpartei, ebenfalls im Wahlkreis des Herrn Marx, «ine Entschließung, die ein öffentliches Mißtrauensvotum gegen Herrn Marx ist. Seine Kritik an dem Verhalten des Herrn Stegerwald wird als „ungebühr- lich" bezeichnet, sie lasse, so heißt es in der Entschließung des Arbeiterausschusses der Essener Zentrumspartei, „bie nötige Klugheit, Rücksicht und den Takt vermissen, die besonders von den obersten Beamten des Reiches und dem ersten Vorsitzenden der Partei erwartet werden muh." Im Gegenteil sei die Haltung des Reichs­kanzlers und Vorsitzenden der Zenttums- partei «nicht geeignet, die Sympathie weiterer Schichten seiner bisherigen Wäh­ler im Wahlkreise Düsseldorf-Ost zu stär­ken." Der Arbeiterausschuh der Essener Zentrumspartei sprach darauf nicht Herrn Marx, sondern dem von ihm gerüffelten Zentrumsabgeordneten und Gewerkschafts- Vorsitzenden Stegerwald das „volle Vertrauen" aus.

Herr Stegerwald, bisher zweiter Vor­sitzender der Zentrumspartei hat, wie be­richtet wird, inzwischen sein Vorstandsamt niedergelegt: ein Vorgang, der nur ge­eignet ist, die folgenschwere Bedeutung der Krise im Zentrum ins schärfste Licht zu rücken.

Daneben verblassen fast die an sich zweifellos auch nicht gering einzuschähen- den Gegensätze zwischen dem Frakttons- vorsitzenden des Zentrums, von Duerad, Und der DaverUcken Volkspartei. Herr

von Guörard hatte bekanntlich auf dem Parteitag des pfälzischen Zentrums in Reustadt sehr stark den republikanischen Charakter des Zentrums betont und im Alsammenhang damit erklärt, daß das Zentrum noch eine große Erziehungsarbeit an der Bayerischen Volkchxtrtei zu leisten habe. Die Bayerische Dolkspartei-Korre» spondenz hatte daraufhin Herrn von Guerard im Tone urwüchsiger bajuvarischer Grobheit geantwortet, worauf wieder das Berliner Zentrumsorgan, die „Germania", sich „peinlich berührt" über die Bayerische DolkSpartei - Korrespondenz zeigte.

Konflikte hat es zwar auch schon früher im Zentrum gegeben, wie in allen Parteien, aber Zuspitzungen von solcher Schärfe kaum. Ts sei denn, dah man biS in die Jahre 1907 und 1909 zurückgeht, wo einerseits die Kämpfe um die Modernisten-

bewegung, di« sogenannten Aeformkathvllken Krau« und Schell, ging, andererseits der Streit um die konfessionelle oder interlon- fessionelle Organisation der katholischen Ar­beiterbewegung, d. h. der Streit zwilchen den katholischen Fachabteilungen Drierischer Ob­servanz und den christlichen Gewerkschaften München-Gladbacher Ordnung große Wogen schlug und tiefgehend« Erregung im ganzen politischen Katholizismus Deutschlands auS- löst«. Damals forderten di« ZentrumSab- geordneten Dr. Bitter und Roeren, di« .Oster» dienStag-Männrr" — so nach ihrer Konfr» renz am OsterdienStag 1909 in Köln genannt — schärfst« Konfessionalisierring aller poli­tischen Organisationen der Zentrumsbewegung, während Herr Buchen in der Kölnischen BvllSzeitung .Heraus auS dem Turm!" ries. Aber dieser Streit, der in seinen tiefsten Ur­sachen rein religiösen Ursprungs war, konnte durch «in päpstliches Urteil aeschlichtet werden. daS Piu» X. in einem Schreiben an den damaligen Erzbischof und Kardinal Fischer m

Für eine endgültige Lösung

Ser Sem» »er «mksMbmltü de» SaweSvIaneS dar» die CrWllng

Paul M. Warburg über da, Reparation,» Problem.

fk. Rewyork, 18. Jan. Aus der Jahresversammlung der Aktionäre der Internationalen Acceptance-Bank be» rührte der Vorsitzende Paul M. War. bürg in seiner Rede auch das Repara­tionsproblem. Unter Hinweis auf den letzten Bericht des Generalagenten für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, der die Festsetzung der Gesamtschulden Deutschlands anregt, erklärte Warburg, die Bedeutung dieser Erklärung könne nicht überschätzt werden. Es sei zu hoffen, daß der Zeitpunkt nicht fern sei, wo ein neuer Sachverstän­digen plan ausgearbeitet und als endgültige Lösung angenom­men werde. Es sei aus die Dauer verschwenderisch und verderblich, die Unmöglichkeiten des Dawes- Planes durch sein« tatsächliche Aus- sührung zu beweisen.

Zwar sei es Deutschlands Aufgabe, alles in seiner Macht stehende zu tun, sich den Bestimmungen des Dawes-Planes anzu- pasien. aber es sei doch die Frage, durch welches System ein

Exportüberschuß Deutschlands von 2-/2 Milliarden Reichsmark bei einem Gesamtexport von 10 Milliarden Reichsmark für eine

längere Reihe von Jahren angesichts der vorhandenen Zollschranken er­zielt werden soll.

Am Schluß seiner Rede erklärte Warburg noch, daß, obwohl die Auflegung deut- scher Anleihen infolge der Gilbert-Note vom 20. Oktober plötzlich aufgehört habe, es als sicher anzunehmen fei, daß der amerikanische Markt bald wieder den An­leihen für produktiv? Zwecke offen stehen werde.

Die Pariser Besprechungen Parker GUberts.

Der Pariser Berichterstatter der „Morning Post" bezeichnet ee als möglich, daß die Besprechungen des Gene­ralagenten für die Reparationen mit der französischen Regierung dazu führen wer­den, die notwendige Festsetzung der deutschenDerpslichtungen nicht, wie früher angenommen wurde, in 5 oder 10 Jahren, sondern nach dem ersten oder zweiten Jahre der Zahlung der vollen Iahreszahlungen durch Deutschland eintreten zu lasten. Die Verhandlungen seien zwar geheim, aber so viel man höre, fänden die Vorschläge Parker Gilberts nicht den Widerstand, den die früher von Frankreich an diesen Be­richt geübte Kritik erwarten ließ.

Köln aussprach. Pius X. erklärte, daß er den katholischen Fachabteilungen und ven christlichen Sewerkschasten neutral gegenüber- stehe, nur sollt« es das Bestreben der Bischöfe und der Gläubiger sein, neben den christlichen Sewerkschasten auch die spezifisch katholischen Arbeitervereine auszubauen. Was — es ist von Bedeutung dies feftzustellen — nicht geschehen ist.. So stark waren damals schon die christlichen Gewerkschaften. .

Heute geht der Streit im Zentrumslager Nicht um Fragen, die irgend etwas mit religiösen oder konfessionellen Dingen zu tun hätten. Äußerlich haben s.e ihren Ausgang genommen von den gegensätzlichen Auf­fassungen der verschiedenen Zentrumskreise zu der DeaintenbesoldungSvorlage. Tiefer sind Be vielleicht begründet in dem Kampf um den

republikanischen Deist des Zentrum» und die Frage, ob der Zent rumsturm auf dem po­litischem Schachbrett nach link» oder nach rechts rücken soll. Trotzdem wird der Versuch unternommen werden, auch dies« Gegensätze durch den Hinweis auf die gemeinsamen Auf» gaben des politischen Katholizismus aus der Welt zu schaffen. Die .Germania" erinnert bereits daran, daß die gemeinsame christliche Grundeinstellung die Richtschnur bestimmen müsse, nach der gehandelt werden müsse, toenn man über den Tagesstreit hinweatommen wolle. Auf diesem in Zentrumskreisen nicht mehr ungewöhnlichen Wege wird man zweifel­los di« Lösung der Schwierigkeiten versuch«! und sie in irgendeiner Form wahrscheinlich auch erreichen.

SoS Ergebnis btt ßfintet-

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In politischen Kreisen beurteilt man die Konferenz bet; Ministerpräsidenten der Länder heute dahin, daß sie wahrscheinlich zur Einsetzung ein«, Ausschusses führe« wird, der in bestimmter Zeit ge­naue Vorschläge ausarbeite» muß, durch die di« Ziele der Konferenzeinberufung verwirklicht werde» könne«. Man «eist weiter daranf hi«, daß natürlich et« so großes Gremium von über 100 Personen eigentlich «ur die Aufgabe lösen kau« i» Rede« und Gegenreden, die Probleme her» ausstellen und Wege zu ihrer Lösung a» deuten, daß dagegen die praktische Arbeit einem engere» Kreis zngewlesen werden muß, der befähigt ist, an die praltische Verwirklichung der Gedanken heranzu» trete«.

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Nach der Rede HeldS erstattete der preußische

Ministerpräsident Braun

fein Korreferat. Er führte u. a. aus: Dl« jetzigen Zustände sind auf die Dauer unhaltbar au- finanziellen wie auS allge» meinen staat-politischen Erwägungen. Ich Igee daber auf die finanzielle Seit« kein s0 großes Gewicht, weil ja das billigste System nicht immer das hefte ist. Ob das eine ober da» andere System in feiner praktischen Auswirkung, und zwar finanziell, billiger oder teurer ist, das läßt sich zahlenmäßig überhaupt nicht Nach­weisen. Ich lege

das Schwergewicht auf die staats»

politischen Verhältnisse, ' die meiner Meinung nach in dem alten Reiche nur erträglich waren durch die Hegemonie Preußens und die Personal- unton, die sich zwischen der preußischen Spitze und der Spitze der Reichsregierung ergaben. In Weimar hat man diese Grundlage verlassen. Wir hatten vor Weimar keinen rem föderativen Staat und wir Haden ihn auch heute nicht. Geo­graphisch ist schon ein reiner F ö- oeratrvstaat unmöglich. Es ist aus­geschlossen, daß eine gleichberechtigte Fö­deration auf demokratischer Grundlage i« der prattischen Ausführung bestehen tarnt, wenn der eine Teil fast 40 Millionen Ein­wohner und der andere Teil nur 40 000 umfaßt. Jedenfalls ist man

in Weimar auf halbem Wege zum Einheitsstaat stehengeblieben,

und aus dieser Halbheit ergibt sich die ganze Unhaltbarkeit be» heutigen Zustan­de». Den Ländern ist das Rückgrat jeder Staatshoheit, da» heißt die Finanz- Hoheit, im wesentlichen genommen. Da liegt die Wurzel de» ganze» Hebel». Jetzt liegen die Dinge tat­sächlich so, daß es eine Reihe von Län­dern gibt, die zwar den Willen, oben nicht mehr die Kraft — die finanzielle Kraft — haben, ihr eigenes staatsrecht­liches Leben aufrechtzuerhallen. Ich steh« auf dem Standpunkt, daß kleine Lander, die den Willen und die Kraft zur Eigen­staatlichkeit haben, wie Herr Ministerpräsi­dent Held ganz richtig sagte, gegen ihren Willen nicht gezwungen werden können, ihre Eigen­staatlichkeit aufzugeben, uno ich stehe auch nicht an, hier zu erklären, daß die preußische Regierung, soweit ich sie be­einflussen kann, stets davon angegangen ist, daß wir

durchaus keinen Zwang auf kleine Länder ausüben wollen, sich Preuße« anzufchließen.

Jeder Anschluß eines Lande» bedeutet für un» eine Vergrößerung uer Lasten umso« mehr, als diese Länder auch noltz mit et* wissen Prätentionen zu uns tarnen. Wie die Dinge heute liegen, bedeutet da» Aus­gehen jedes kleinen Landes, wenn die Rsichsverfassung unverändert bleibt, für Preußen eine E i n sch r S n k u n z s e ne» Einflusses im Re tchSrat und