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^OS-rheMsch« StftimflT — Mgt sechsmal vbch««tttch. $3e» monatlich 2 GM. aus- M«ßl. ZuskllungSgebühr, durch hftPof!L26 GW.Für etwa tafolgt fjtrtttf, Waschin«defekte oder teuren turer Lreigniffe ausfallend« Aurmuern wird kein Ersah ge- leistet. Verlag d. Dr. §. Hthervt-, Druck de« Uutb.-Buchdrucieret d. Zoh. Sug- Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 64. tu Nr. 65. «östscheckkonw: Amt Frankfurt «, <R. Rr. 6016. — Sprechzeit per Redaktion do« 10—11 und

1,1-1 Uhr.

Anzeiger für (das frühere kurhessisch r) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für E^adt und Kreis Marburg.

Die neue Krise im Jentrmn

geltigt Angriffe bei SeweMaMügelS gegen De. Mm — Die Nayerifchc Bolkspnrlet gegen die SeMtmunbnng in Serlnfinnglfrngen

Die sehr eigenartige Haltung, die ein Teil des Zentrums zur Besoldungsvorlage «mnahm, hat nicht nur Mißstimmung, son­dern großeErregunginden Kreisen der katholischen Beamten und Lehrer her« oorgerufen. Insbesondere richtet sich diese Mitzstimmung gegen den Gewerkschafts- slügel des Zentrums, der unter Führung Stegerwaldts seine direkte Agitation ge­gen die Vorlage zur Besoldungsreform ge- fuhrt hat. Aus Kreisen der dem Zentrum nahestehenden Beamten- und Lehrerschaft Snd darauf Beschwerden sowohl bei der 'eichstagsfraktion des Zentrums wie auch der Parteileitung des Zentrums eingegan­gen. Nicht all diese Beschwerden sind in einer Weise beanwortet worden, die die Mitzstimmung in den erwähnten und be­troffenen Kreisen des Zentrums beseitigt hätten. Darauf ist wohl zurückzusühren, daß Reichskanzler Marx als Vorsitzender der Zentrumspartei auf eine Beschwerde des Katholischen Lehrervereins sich sehr scharf gegen den Gewerkschaftsflüge! des Zentrums gewandt hat. In diesem Brief, der von der „Nassauischen Schulzeitung" veröffentlicht worden ist, heitzt es u. a.:

„Sie werden ohne weiteres als selbst­verständlich annehmen, datz ich s e l b st die durchaus unbegründeten und unsachlichen Ausführün- genvonHerrnDr. Stegerwald über die Beamten sehr bedauere und in keiner Weise für gerechtfertigt halte. Ich habe auch Herrn Dr. Steger­wald darüber keinen Augenblick im Un­klaren gelassen. Die stärkste Ablehnung des von Herrn Dr. Stegerwald und einigen Gewerkschaftssekreären ange­nommenen Standpunktes hat sich doch mohl darin gezeigt, daß der Reichstag mit einer so Überwältigenden Mehrheit die Desoldungsvorlage angenommen hat, und daß auch in der Zentrumsfrak­tion nur wenige Abgeordnete gegen die Vorlage gestimmt haben. Das ganze Vorkommnis bleibt aber trotzdem im höchsten Maße bedauerlich. Es wird Sache reiflicher Ueberlegung sein, Maß­nahmen zutreffen, um dauernden Scha­den für das weitere einträchtige Zu­sammenarbeiten der verschiedenen Be­rufsstände abzuwenden. Ich möchte einstweilen auch von feder öffentlichen Kundgebung in dieser Richtung ab­sehen. Ich würde von einer solchen nur eine Verschärfung der Gegensätze befürchten."

Die Veröffentlichung des Briefes, mit der Herr Marx nicht gerechnet hat, wie aus seinem Schlußsatz und ebenfalls aus einer Bemerkung der „Germania" hervorgeht, ist nun doch durch das katholische Schul- ergan erfolgt. Infolgedessen hält nun tud) Herr Stegerwald oder der Gewerk­schaftsflügel des Zentrums mit feiner weiteren Meinung nicht zurück, sondern reitet jetzt eine solche scharfe Attacke ge- (en Herrn Marx, daß man wohl sagen ann, es fehlt hierfür an Gegenbeispielen sowohl in anderen Parteien wie in der Vergangenheit des Zentrums.

In einer Versammlung der Arbeiter­wähler des Zentrums in Oberhausen machte gestern der Zentumsabgeordnete und Vorstand des Gewerkschaftskartells christlicher Bergarbeiter, I m b u f ch, be­merkenswerte Ausführungen über ver­schiedene Zustände in der Zentrumspartei Und richtete wuchtige Angriffe ge­gen den Reichskanzler als Parteiführer. Er führte aus, heute seien so manche Kreise, wie Akademiker, Beamte. Wirtschaftler ufro-

bie innerlich dem Zentrum fernstehen, zur Partei gekommen, nur um durch fie einen Posten zu erreichen.

Den Arbeitern käme der ihnen gebüh­rende Einfluß in der Partei nicht zu.

In der Zentrumssraktion seien zu viel Beamte vertreten. Bei der Besoldungs­reform habe man maßlose Dummheiten gemacht. „War es notwendig", fragte Imbusch, Jjafj die Minister 6000, der Reichskanzler 9000 Mark, die Oberpräsi­denten 50 Prozent Zulage erhalten, in einer Zeit, in der mancher nicht satt zu essen hat?" In der letzten Zeit habe er zahlreiche Briefe erhalten, mit der Auf­forderung, eine neue Arbeiterpartei zu gründen. Diesen Weg hält Imbusch nicht für den richtigen.

Es müsse vielmehr in der Zentrums­partei bet richtige Geist wieder ge- weckt werden.

Imbusch erklärte weiter, in weiten Krei­sen hält man manchen unserer Führer nicht mehr für das, für das man ihn vor drei Jahren gehalten hat und damit habe man recht. Der bekannte Brief von Dr. Marx verrät keinen Zentrumsgeist, keine Kollegialität. Das hätte dem glei­chen Mann vor fünf Zähren noch nicht passieren können. Er ist innerlich etwas anderes geworden. Der Weg vom Kandidaten des Volksblocks bis zum Kanzler der Rechtsregierung ist weit.

Die Aeutzerung, die Zentrumspariei fei keine republikanische Partei, lasse tief blicken.

Daß man ohne Anhören der Fraktion Vorlagen einbringe, die die Erhöhung der Ministergehälter zum Ziele haben, wäh­rend man die Erhöhung der Renten und Invalidenbezüge als unmöglich hinstelle, sei bezeichnend. Seinen Kollegen sei es um Abhilfe zu tun. Man brauche eine christliche Partei wie das Zentrum und erforderlichen Falls müsse man ge­wisse Vertreter und Führer in der Partei so lange wegschicken, bis bei ihnen die Besinnung wieder zurück­gekehrt fei.

Zum Schluß wandte sich Imbusch gegen die Ausführungen des Industriellen R e u f ch vor der Duisburg-Ruhrorter Handelskammer und erklärte, die Kauf­kraft des Geldes liege noch weit unter der vor dem Kriege. Außerdem werde für den gezahlten Lohn heute mehr ge­fordert als früher. Den Vorwurf der Auf­reizung zum Klassenkampfe weist der Redner zurück. Der Geist, der aus Reuscks Auslassungen spreche, mache sich auch in der Vartei breit. Dem müsse ent­schieden entgegengetreten werden, even­tuell durch eigene Kandidaten gegen die offiziellen Zentrumskandida­ten. Der alte Geist müsse im Zentrum zurückkehren. Die Ausführungen Im- buschs fanden lebhaften Beifall.

Damit ist der Krach im ZsntrurnSlager aber noch nicht erschöpft. Die Bayerische DollS- Partei-Korrespondenz wendet sich gegen eine Bede, die der Vorsitzende der Zentrumspartei auf dem pfälzischen Zentrumsparteitag in Neustadt gehalten hat und deren Zweck eigent­lich darin bestehen sollte, die Annäherung zwischen der Bayerischen Vvllspartei und der Zentrumspartei bis zur vollkommenen Einheit deS katholischen Deutschland zu fördern. Die Bayerische DolkSvartei-Korre- spondenz schreibt nach einer Meldung der Telegraphenunivn vom 12. Januar au8 München:

„®8 habe keinen Sinn, zu verschweigen, daß die Bemerkungen des Herrn v. Guerard auf dem pfälzischen Zentrumsparteitag in Neustadt über seine Auffassung des Ver­haltens der Zentrumspartei zur Frage der Staatsfvrm gemacht habe, im Lager der Bayerischen Vvllspartei äußerst pein­lich berührt haben. Selbstverständlich stehe es keinem der beiden Teile zu, sich gegenseitig Vorschriften zu machen. ES könne der Hoffnung auf eine fortschreitende innere Einigung Einigung aber nicht dienen, wenn von verantwortlicher Zentrumsseite ein gemeinsamer Standpunkt ausgesprochen werde der nach ein paar Wochen von anderer verantwortlicher Seite wieder glatt negiert werde. Die Behaup­tung Guerards. die deutsche Zentrums- Partei sei eine republikanische Partei, stehe mit der Festststellung, daß die Zentrums- Partei eine Derfassungspartei sei, in un­vereinbarem Widerspruch Herr v. Guerard habe die unglückliche Rede­wendung gebraucht, daß von Zentrumsseite in staatspolitischer Hinsicht noch Erziehungs­arbeit an der Bayerischen Vollspartei ge­leistet werden müsse und daß die Bayerische Vvllspartei auf die staatspolitische Auf­fassung des Zentrums gebracht werden müsse. Die Bayerische Dollspartei-Korre- spondenz erllärt dazu, nie werde die Bayerische Volkspartei eine republikanische Partei werden. ES sei bedauerlich, datz in diesen grundlegenden Fragen in der deutschen Zen- IrumSpartei so differenzierte Auf­fassungen von Person zu Per­son sich gellend machen. ES sei ja leider nicht die einzige Frage, über die keine lieberemflimmung bestehe und es sei dringend zu wünschen, daß in der Zen­trumspartei möglichst bald Sine Konsoli­dierung nach, innen herbeigeführt werde. Die Korrespondenz der Bayerischen Volls­partei hat recht, wenn sie im mitgeteilten Schlußsatz betont, daß die starken Gegensätze innerhalb des Zentrums mannigfacher Art sind und keineswegs auf wenige Fragen be­schränken. Sie hat auch recht, wenn sie die llebertoinbung dieser Gegensätze nur von einer inneren Konsolidierung des Zentrums er­hofft, Falsch ist der von manchen Zentrums- abgeerbneten und gewissen Zentrumsblättern beschrittene Weg, diese inneren Gegensätze durch - inen nach außen geführten Krieg gegen andere Parte'en zu vertuschen. Man merkt in diesen Fällen doch zu deutlich die Absicht, die Aufmerksamkeit der Oefsentlich« feit wird durch solche unüberlegten und ost törichten Ausfälle einzelner Zentrumsstellen nach außen nur auf die inneren Schwierig­keiten dsS Zentrums hingewiesen.

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Sk. Mark 65 Wre alt

Berlin, 15. Jan. Aus Anlaß deS 65. Geburtstages deS Reichskanzlers Dr. Marx stattete ihm heute mittag in Beglei­tung des Staatssekretärs Dr. Meißner der Reichspräsident, der bereits vorher eine Blumenspende übersandt hatte, einen Be­such ab, um persönlich seine Glückwünsche zu übermitteln. Im Anschluß an den Be­such des Reichspräsidenten überbrachten ihre Glückwünsche Reichstagspräsident Löbe und Vizepräsident Dr. Rießer für den Reichs­tag, Exzellenz Hergt mit dem Gesamt­kabinett für die Reichsregierung, die Staats­sekretäre WeiSmann, Exzellenz v. $ reger und Exzellenz Boden für den Reichsrat und Generaldirektor Dorpmüller für die Reichsbahn.

Berlin, 15. Jan. Dem Reichskanzler gingen aus Anlaß seines 65. Geburtstages noch Glückwunschtelegramme zu von Reichs­gerichtspräsident Dr. Simons, Kardinal Bertram, von der hessischen Regierung, vom Reichsminister a. D. Dr. Stingl, dem Oberbürgermeister von Essen, Bracht, und dem Botschafter der Vereinigten Staaten, Shurman

Ak ßänbtrfenfttenj

Die große Konferenz, zu der sich ir dieser Woche Vertreter des Reiches und der deutschen Einzelstaaten in Berlin zu- sammenkommen, um über die Frage der Reichsreform zu beraten, wirb zweifellos nicht mir In Deutschland, sondern auch im Auslande größte Beachtung finden. Der Staatssekretär m der Reichskanzlei Dr. Pünder, der ressortmäßig an dem Zu­standekommen und der Durchführung der Konferenz hervorragend beteiligt ist, hat kürzlich in einem Zeitungsartikel die große geschichtliche Bedeutung dieses Ereignisses mit den Worten umschrieben: „Das Datum vom 16. und 17. Januar 1928 wird sich vermutlich später einmal als das äußere Zeichen des Beginns einer neuen Periode deutschen staatlichen Lebens in den Ge- fchichtswerken über die deutsche Nachkriegs­zeit finden, vielleicht sogar in den Schul­büchern." Ob der Konferenz iy der Ge­schichte des Deutschen Reiches wirklich ein­mal ein so ehrenvoller Platz eingeräumt werden wird, muß sich erst zeigen. An dem ernsten Willen aller in Frage kommenden Stellen auf Grund der Erfahrungen in der Vergangenheit; dem Reiche neue Formen zu geben, und alles abzuwerfen, was sich als Hemmschuh für die nationale Wieder- geburt unseres Volkes erwiesen hat, kann nicht gezweisell werden. Es gibt aller­dings Pessimisten, die sich von der geplan­ten Reichsreform nicht viel versprechen. Sie bestteiten, daß man ernstlich gewillt ist, wirklich Großes zu schaffen. Von die­sem Skeptizismus sind namentlich die An­hänger des Einheitsstaatsgedankens be­fallen. Je mehr Einzelheiten über das zu behandelnde Programm bekannt werden, um so größer ist die Enttäuschung bei den Anhängern einer unitarischen Reichsreform. Sie erinnern daran, daß seinerzeit, als der Gedanke dieser Konferenz zum ersten Mal in einer Besprechung beim Reichskanzler angeregt wurde, der preußische Minister­präsident Braun und der Hamburger Bür­germeister Petersen »nicht von kleinen Re­formen, sondern von der Notwendigkeit des des Einheitsstaates gesprochen hätten. Nun sehe man aber, daß doch nur Kleinkram er­ledigt werden soll.

Diese pessimistische Auffassung kommt insbesondere in einer längeren Berliner Information der „Kölnischen Zeitung" zum Ausdruck, in der des längeren bargelegt wird, daß wenig Hoffnung auf ein ent­scheidendes Ergebnis vorhanden sei, daß sogar starke Kräfte am Werk seien, um einen positiven Erfolg der Reichsreform zu sabotieren. Das Blatt spricht von „gehei- men Abmachungen" zwischen einzelnen ßänbeTregierungen, die darauf abzielen, gewisse Fragenkomplexe überhaupt aus der Aussprache auszuschalten. Bayern solle bei diesen Bestrebungen die Haupttolle spielen. Die Haltung eine Reihe von deut­schen Ländern und ihrer Regierungen ent­spreche der Haltung des Reichskanzlers Dr. Marx, dessen Bemühungen nach den Wün­schen des Zentrums darauf hinauslaufen, eine Neuordnung des Reiches „von unten her", $u erreichen. Damit befinde sich Marx in Aebereinstimmung mit den An­sichten Bayerns. Die große Mehrzahl der deutschen Länder würde eine Neuordnung der Verhältnisse im Sinne des oemokrati- schen Staatseinheitsgedankens ablehnen.

Dieser letzte Satz trifft zweifellos zu. Gerade in der letzten Zeit haben wir eine Reihe von Kundgebungen, insbesondere aus dem deutschen Süden vernommen, aus denen klar hervorgeht, daß die süddeut­schen Staaten an ihrer geschichtlich ge» «wordenen Eigenstaatlichkeit nicht rütteln lassen wollen. Nüchterne realpolitische Er­wägungen legen es deshalb nahe, bei jeder Erörterung des Problems der Reichsreform diesen Willen der großen süddeutschen Länder zur Erhaltung ihrer Eigenstaatltch- leit als gewichtigen politischen Faktor in Rechnung zu stellen. ES ist aber auch nicht richtig, wenn behauptet wird, der Länder»