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t Soldmark -» '/«.»Dollar.

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesfen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen fiir Stadt und Kreis Marburg.

Rücktritt »es ReichswehrmmisterS Dr. Gebier

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ff. Betritt, 14. 3««. Entgegen einer etliche« Verlautbarung, daß ein offi» lielles Nücktrittsgefuch des Scichswehrminiitets nicht vorliege, «stchre« wir. daß ei« derartiges Gesuch kn Reichspräsidenten am Freitag in den Venditnnden offiziell überreicht Horde.

Zm Laufe des gestrigen Vormittags find 2 tzft Besprechungen über die Nachfolge rr. Geßlers eingeleitet worden. 3« -i tiefem Zusammenhänge erinnert man in I Mlamentarifchen Kreisen an Die Verein» Ijetenfl, die bei der letzten Kabinettsbil- titng zwischen den Regierungsparteien ge. 1 troffen wurde, wonach die Deutsche Bolts» Mtei das Reichswehrminifterium bekam» een solle, sobald der bereits damals akute i Rücktritt Dr. Geßlers Wirklichkeit werden i Würde. Unter diesen Umständen hat der s-Heich»prSfident heute vormittag tzm Führer der Reichstagsfraktion der Deutschen Lolkspartei. Reichsminister a.D. »r. Schal, den Posten des Reichswehr, Ministers angeboten. Dr. Scholz 7hat jedoch abgelehnt, da die parla- ueutarische Lage gerade in den nächsten Renaten sein Verbleiben in der Leitung her Fraktion erfordert. 3n Parlamentärs» H scheu Kreisen hält man es nunmehr für j Wahrscheinlich, daß die Frage der Nach­folge Dr. Geßlers so gelöst wird, daß bis « den Neuwahlen eine kommissari» sche Beauftragung erfolgt, etwa in ter Form, daß einer der anderen Reichs- Minister die Leitnng des Ministeriums ust übernimmt. Andererseits wird aber 1! «ich die Kandidatur v. K a r d o r f f et» «tert.

Demgegenüber wird im Zentrumslager der prinzipielle Anspruch der V o lrs- »artei auf das Reichswehrminlsteriums richt anerkannt. Welche Lösung die lsrage der Nachfolgeschaft Geßlers schließ­lich findet, ist nach der heutigen Morgea- kresse noch völlig unsicher.

Die meiste Wahrscheinlichkeit hat immer rach der erste Plan, nach dem Gehler in Lrlaub geht und bis zu den Neuwahlen ttt ein Stellvertreter bestimmt wird. IBet das ist, ob Marx oder (Sartins, Weiht bisher noch eine offene Frage.

Rücktrittswünsche oder entschieden aus» Rsprochene Rücktrittsabsichten des «eichswehrminister Dr. Geßler sind in den acht Jahren seiner Amtstätigkeit deine Seltenheiten geblieben. Aber stets tat sich Dr. Geßler im letzten Augenblick koch von der Notwendigkeit seines roeite» ttn Verbleibes auf diesem wichtigen Posten des Reichswehrministers überzeu- fitn lassen. Er blieb, obgleich eine bei­spiellose Hetze um seine Person spielte, er blieb, obgleich sein Gesundheitszustand von Jahr zu Jahr sich verschlechterte, er blieb auch, als Schicksalsschlag auf Schick- falsschlag ihn traf. Soviel auch die Feinde der Wehrmacht der Persönlichkeit des Reichswehrministers vorzuwerfen hatten, das eine attestierten sie ihm auf­sichtig: er blieb nicht auf feinem Posten, weil er einKleber" war, sondern nur, 1 ^weil er es als seine Pflicht ansah, sich den Aufgaben nicht zu entziehen, die ein Mcherer in dieser schwierigsten aller Zei»

ten vielleicht nicht bewältigt hätte. Was dieser ehemalige Oberbürgermeister von «Nürnberg in den acht Jahren seiner Tätigkeit als Reichswehrminister für das deutsche Volk und für den deutschen Staat leistete, bas wird in seiner großen Bedeutung vielleicht erst eine spätere Zeitepoche lehren. Eine Zeitepoche, die eine Distanz zu dem Heute geschaffen hat, eine Zeitepoche, in der die Parte:- leidenschasten und die innere Zerrissen­heit des deutschen Volkes, die heute noch den objektiven Begriff für die Gegenwart trüben, einmal geschwunden sind. Im- merhin wird derjenige, der sich nicht ganz einem ungehemmten Partersanatismus hingibt, schon jetzt die Erkenntnis gewin­nen, daß, wenn Dr. Geßler nicht mit der chm eigenen sachlichen und leidenschasts- losen Art die Geschäfte des Reichswehr»

Ministeriums geleitet hätte, große und ernste Komplikationen dem deutschen Volk in den letzten Jahren nicht erspart geblieben wären. Die historischen Ver­dienste Dr. Geßlers um das junge deutsche Staatswesen liegen festgefügt in Tatsachen, die keiner abzustreiten ver- mag.

Als Dr. Geßler Nachfolger des Herrn Noske im Reichswehrminifterium ward, übernahm er eine Erbschaft, um die er Kaurn zu beneiden war. Sein Amtsan­tritt fiel mit den Geschehnissen des Kapp- Putsches zusammen. Wer nur einiger- maßen die Verhältnisse in Deutschland damals kannte, die ungeheure Nervosität, die in diesen Zeiten das ganze deutsche Volk durchpulste, der wird es ermessen können, welche Energie, welche Sachlich­keit und welch ungeheures Pslichtde-

, Frankreich und der Frledenspakt

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fk. Paris, 14. Jan. Der offiziösePetit Paris ien" bemerkt, es bestebe alle Hoff­nung, daß Kellogg die Tragweite der franzö­sischen Argumente über die Bedeutung der Beschränkung des Kriegsverzichtes auf An­griffskriege billigen werde, denn es erscheine Frankreich kaum möglich, datz die Vereinigten Staaten sich in dem Matze durch einen Ver- tragswortlaut gebunden fühlen würden, datz sie in ähnlichen Fällen wie denjenigen von Mexiko und Nicaragua oder in Fällen einer Verlesung der Monroe-Doktrin nicht zu den Waffen greifen würden. Je mehr man über die Frage nachdenke, desto mehr mühte man einsehen, datz man auf die Genfer For­mel zurückkebren müsse, die von 47 Na­tionen unterschrieben sei. Eine andere Lösung hätte kaum Aussicht auf Erfolg.

Die französische Antwort auf das letzte Schreiben Kellogg».

fk. Paris, 14. Jan. Die französische Ant­wort auf das letzte Schreiben Kelloggs in der Frage des Abschlusses eines Antikriegsvaktes wird erst abgesandt weiden, wenn sie dem am Dienstag zusammentretenden Ministerrat unterbreitet worden ist.

Di« Pariser Rechtspresse zum Kelloggschreibea.

fk. Varis, 14. Jan. DerAvenir" Millerands «ntwickelt beute die Auffasiung, das die Antwort Kelloggs in keiner Weise die französische Regierung befriedige. Wenn Kellogg auch noch nicht die Tür für alle wei­teren Verhandlungen geschlosien halte, so halte er sie doch nur noch halb offen. Im all­gemeinen weist die Rechtspresse in ihren Kom­mentaren mit einem gewisien Unbehagen auf den bedeutenden Gegensatz hin, der in der Auffasiung über di« Abschaffung des Krieges zwischen Washington und Paris festzustellen sei.

Painleve-Krkse in Paris.

ft. P a r i s, 14. Jan. Der gestrige Zwischen­fall in der Heereskommisfion der Kammer über die Festsetzung des Terminer für die Einfüh­rung der Einjährigen-Dienstzeit bedeutet für Kriogsminister Painleve eine Nieder­lage. Di« Kommission lehnte es trotz d«s Eingreifens des Kriegsministers und des Ge- neralstabschefs, General Debeney, ab, ihren Standpunkt über die Notwendigkeit der genauen Festsetzung des Termins abzuändern. Kriegsminister Painleve soll erklärt haben, datz die Regierung in tiefer Angelegenheit die Vertrauensfrage stellen werde.

wußtsein es den Leiter des Reichswehr­ministeriums kostete, der verworrenen Sachlage Herr zu werden. Ein Kampf nach beiden Seiten erschütterte damals den jungen deutschen Staat. Im Ruhr­gebiet galt es, die Kommunisten zur Rai- son zu bringen, auf der politischen Bild­fläche und schließlich auch im Inneren der jungen deutschen Wehrmacht galt es, den rechtsradikalen Störmungen Einhalt zu gebieten. Dem Zivilisten Geßler fehlte es gewiß nicht an Zivilkourage. Seiner Energie und schließlich auch seiner unbe­strittenen Persönlichkeit gelang es, all dieser den Bestand des Staates gefähr­denden Elemente Herr zu werden. In feinem eigenen Ressort, dem Reichswehr­ministerium, schaffte er zunächst einmal die Ordnung, die eine Voraussetzung war für die Herabsetzung der Reichswehr auf ein 100 000 Mann starkes Heer, und schließlich für den Aufbau dieser kleinen Wehrmacht zu einem brauchbaren Instru­ment des deutschen Staates. Wenn Dr. Geßler alle diese ihm übertragenen Aus­gaben auch wirklich lösen konnte, so liegt dies zu einem großen Teil auch daran.

daß er, der Zivilist, auch wirklich in der Lage war, sich in die Seele seiner Solda­ten und seiner Offiziere hineinzusühlen Vielfach wurde vielleicht die echte süd­deutsche Liebenswürdigkeit des Reichs- - wehrministers von seinen Gegnern mit einer Schwäche feiner Persönlichkeit ver­wechselt. Die Bilanz seiner Amtstätig­keit, allein schon die Tatsache, daß Dr. Geßler sich acht Jahre lang gegenüber einer unglaublichen Hetze behaupten konnte, spricht wahrlich nicht für die Schwächlichkeit oder Energielosigkeit sei­nes Charakters. Er blieb auf seinem Posten und tat unbeirrt seine Pflicht. An seiner Ruhe und seiner Sachlichkeit, schließlich auch an der Richtigkeit seiner Pflichtauffassung prallten all die zahl­losen Hetzkampagnen seiner Gegner ab. In der letzten Zeit hat der ewigeSturm auf Geßler" etwas nachgelassen. Dies gab ihm vermutlich auch die Ueberzeug- ung, daß er jetzt seine Rücktrittswünsche wahrmachen könnte.

Dieser Abschied Dr. Geßlers von der politischen Bildfläche fällt aber nichts­destoweniger in- eine Zeit, die ihn sehr

bedauerlich und vielleicht auch unzweck­mäßig erscheinen läßt. Nur noch wenige Monate trennen uns von dem Ende der augenblicklichen Legislaturperiode des Reichstages. Das besagt, daß der Nach­folger Dr. Geßlers nur der Sachverwal­ter des Mannes fein wird, der nach den Wahlen die Leitung des Reichswehrmini- fteriums auf Grund der neuen Partei- tionstellation im Reichstage zu überneh- men hat. Der Posten des Reichswehr- minifters hat schon bei der Bildung des gegenwärtigen Regierungsblocks eine große und heftig umstrittene Rolle ge» spielt. Bekanntlich hatte die Deutsche Volkspartei bei ihrem Eintritt in die Heu- tige Koalition den Anspruch auf den Reichswehrministerposten erhoben, weil sie aus Kompromikgründen bei der Bil­dung des jetzigen Kabinetts auf den Der- kehrsminister verzichtet hatte. Scheidet nun tatsächlich Herr Dr. Geßler in aller­kürzester Frist aus der Recchsregierung aus, so wird es, schon rein aus partei­politischen Gründen, recht schwierig sein, eine Einigung über einen geeigneten Nachfolger zu erzielen. Die Ernennung des Nachfolgers ist zwar auf Grund der Reichsverfassung nicht an ein Votum des Parlaments gebunden. Wenn also auch dem Reichspräsidenten das Recht gegeben ist, im Einvernehmen mit den Mitglie­dern des Reichskabinetts den Nachfolger Geßlers zu bestimmen, so wird diese ein­seitige Nominierung des neuen Reichs­wehrministers durch den Reichspräsiden­ten doch nicht ohne vorherige Fühlung­nahme zum mindesten mit den Parteien der Regierungskoalition erfolgen kön­nen. Immerhin könnte diese kritische Angelegenheit auch ohne Beteiligung des parlamentarischen Apparates geregelt werden, wenn man sich innerhalb des Reichskabinetts dazu entschlösse, den frei- gewordenen Posten des Reichswehrmini­sters vertretungsweise einem anderen Mitglied der Regierung zu überlassen. Diese Regelung wäre schon deshalb zu begrüßen, weil ja sowieso durch die be­vorstehenden Neuwahlen der Bestand der heutigen Regierung befristet ist.

MtWttMMN Deutschland

Auch fast sämtliche Blätter beschäftigen sich eingehend mit der Frage, wie Die Nachfolgeschast Geßlers geregelt werden soll. Für den Fall einer kommissarischen Wahrnehmung der Geschäfte des Reichs­wehrminlsteriums durch den Inhaber eines anderen Ressort« wird nicht nur Reichs­kanzler Dr. Marx, sondern auch Reichs- Wirtschaftsminister Dr. Eurtius genannt. DerDeutschen Allgemeinen Zeitung" zu­folge dürfte sich der Reichspräsident zn einer provisorischen Regelung erst ent­schließen, wenn die Versuche, einen neuen Mann für das Wehrministerium zu finden, gescheitert sein sollten. WaS diesen neuen Mann anbetrisst. so wird in den Blättern eine ganze Reihe von Hamen ge­nannt, deren Träger vornehmlich der Deutschen Dolkspartei angehören. Wenn man derGermania" glauben schen­ken darf, so scheint eS jedoch nicht festzu­stehen, daß unbeding ein Mitglied dieser Partei Relchswehrminister wird. Man hört den Namen General Gröner, der ernsthaft favorisiert werden soll. Die Deutsche Zeitung" verzeichnet, daß An­zeichen vorhanden seien, SeneralHeho als Stellvertreter des Wehrministers eiw- zusetzen. Schließlich sei noch ein vomLo­kalanzeiger" verzeichnetes Gerücht erwähnt, das in der Amaebung bet Kanzlers et*