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Äbechessische sXX HO b 8on” Anzeiger fiir (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Ät.9 63.3nfirg. Marburg a. Lad»

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Slt landwlrMaWlbe Verwaltung ln Preußen

Bericht des LaudwirtichastSmiaisterr — SW durch Aufnahme von AuAandSauMea

Der HauptauSschutz des Preußischen Landtage» setzte am Dienstag die Be­ratung am

Haushalt der Landwirtschaft!. Verwaltung fort

Abg. Wachhorst de Wente (Dem.) ist 6er Ansicht, daß es ganz ohne Zoll nicht Örn werde. Allerdings sei bisher die Sn» rie in der Zollpolitik begünstigt worden.

Landwirtschaftsminister Dr. Steiger ver- wies auf die Dauerregenfälle und Hoch­wasserschäden hin. Insgesamt wurden 10,7 Mill. Mk. an Beihilfen und Darlehen den ®e- IchSdigten zur Verfügung gestellt. Durch Er­leichterung bei der Steuerzahlung und Be­rücksichtigung bei Rückzahlung von fälligen Krediten wurde den Verhältnissen Rechnung getragen. Die Zwangsversteigerung von Grundstücken hat im Dorjahre der Fläche nach den doppelten Umfang als im Jahre 1913 und hat im ersten Halbjahr 1927 be­reits der Umfang der Zwangsversteigerungen von 1913 überschritten. Ganz besonders fallen Ostpreußen, Brandenburg, Riederschlesien und Hannover auf. Infolge der stärkeren An­wendung von Kunstdünger war die Ernte 1927 trotz der teilweise ungünstigeren Witte­rung bei allen Früchten günstiger als im Vorjahre, ausgenommen bei den Zuckerrüben. Die Düngerpreise sind werter herabgesetzt. Sin günstiges Bild zeigt di« Viehzählung vom Dezember 1926. Der Rmdviehbestand hat gegen das Vorjahr um rund 500 000 Stück zugenommen und nähert sich der Zahl von 1913. Schweine haben den Bestand von 1913 überholt, und zwar um rund 300 000 Stück. Die Getreideversorgung leidet darunter, daß große Mengen mcht backsähigen Getreides geerntet wurden. Mengenmäßig ist mit der Mehreinfuhr der Bedarf indessen gedeckt. Es ist nur wieder ine bekannte Rotwendigkeit der Ausfuhr von Roggen gegen Einfuhr von Weizen und damit auch die segensreiche Einrichtung der Einfuhr­schein«. Es ist natürlich, daß die Fleisch- Versorgung bei der günstigen Entwicklung des Diehstandes auch eine günstige Entwickelung genommen hat. Während in der Vorkriegs­zeit der Verbrauch auf den Kopf der De- döllerung auf 52 Kilo angenommen wird, ist im Jahre 1926 der Verbrauch bereits 47,9 Kilo. Der Minister hob wiederum hervor, daß nicht die ganze Landwirtschaft über- schuldet sei. Die Verschuldung sei je nach den Gegenden und den einzelnen Defitzgröhen ver­schieden. Der Minister glaubt, daß in den für die Schulderleichterung in Betracht kom­menden Gegenden die Betriebe auszuschalten such,, denen nicht mehr geholfen werden kann.

Bei de« verbleibenden mutz eine Ee- neralregnliernng der Real- und Personalschulden einsetzen.

Das habe unter voller Ausschöpfung der Deleihungsmvglichkeilen an erster Stelle zu geschehen. Die erforderlichen Mittel feien unter Ämständen nach und nach durch Ausländsanleihen zu beschaffen. Der über die erste Stelle hinausgehende noch notwendige Betimg müsse entweder aus der öffentliche Hand oder durch Personalkreditin­stitute auf dem Wege der Schaffung eines langfristigen Kredites gewährt werden. An­sätze hierfür seien bereits vorhanden. Zur Förderung der Erzeugung wies der Minister auf di« Entwicklung des Vildungs-, De- ratungs- und des Derfuchsringwesens, der Leistungszucht, des Frühgemüsebaues, der Förderung des Weinbaues und der Zu­sammenlegung von Grundstücken hin. Mit dem vorhandenen Deamtenpersonal werd« die Lmlegungslätigkeft die Landeskulturbehörden »och volle 80 Jahre in Anspruch nehmen.

Der Minister verbreitete stch dann über die Meliorationen. Er konnte daraus Hin­weisen, daß im Jahre 1923 aus vreuhischen Mitteln für Meliorationen und Sochwasier- schutz im ganzen 17,8 Millionen Mark zur Ver­fügung gestellt wurden, 1925 21,7 Millionen, 1926 30.2 Millionen, 1927 32,8 Millionen Mark. Für 1928 habe sich nach Sichtung der bäuerlichen kreditwürdigen Anträge rund eine Verdoppelung der für 1927 oorausgesehenen Beträge ergeben. Es sei aber leider nicht möglich, diese ganzen Mittel »u erlangen, aber ebenso unmöglich, die Anträge zu bewältigen, da es an den erforderlichen Beamten mangele.

Abg. Schiftan (D. Dot.) betonte, es sei b'dauerlich, daß man durch die Auslösung

der Eutsbezirke neue Unruhe in die landwirt­schaftlichen Kreise bineingetragen Habe. Der Redner forderte

Zinsverbilligung für Kredite.

Dor allem gelte es, die Relation zwischen Er­zeuger- und Verbraucherkreisen zu beachten. Bei den Kartoffeln sollte man sachverständige Abnahmekommisstonen einrichten.

Abg. ©äuget (Dnat.) erklärte, völlig un­zutreffend sei der von dem sozialdemokratischen Redner und auch von dem Ministerpräsidenten Braun in seiner Reuiabrsrede zum Ausdruck gebrachte Gedanke, die Landwirtschaft habe stch auf Kosten ebener Berufskreise bereichert. Das Rennen habe nicht die Landwirtschaft, sondern hätten die Gewerkschaften gemacht.

Der Regierung sei v«,«werke«, daß st« sich ja wenig aus die besondere Sigeu» art de» Kleiubauer» eiuftell«.

Gerade an den komplizierten Bestimmungen liege es, wenn der kleine Mann bei seinen Entschädigungsansprüchen nicht zu seinem Recht kommt. Deshalb müsse das Wort des Ministers, er solle mehr aufpassen, zurückge- wiefen werden.

Abg. Brandenburg (So».) sprach stch für bessere Entlohnung der Landarbeiter und

ff. Paris, 11. Zan. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat auf Antrag des Finanzministeriums den Untersuchungs­richter beauftragt, eine Reihe von Ange­legenheiten zu untersuchen, bei denen es sich um betrügerische Manöver bei der Ausführung von Sachlieferungen auf Re­parationskonto handeln soll. Durch falsche Angaben des Waren­wertes der auf Reparationskonto be­zogenen Waren hätten sich die beiden kon­trahierenden Parteien, Deutsche und Franzosen, beträchtliche Vorteile zu sichern gewußt. Bei diesen betrügerischen Manipulationen sei auch der nicht ge­stattete Transver von barem Geld von Deutschland «ach Frankreich die Folge ge­wesen. Die französische Regierung habe sobald sie genügend Kenntnis von diesen betrügerischen Manöver« erhalten habe, beschlosien. eine gerichtliche Untersuchung in allen den Fällen einzuleiten, in denen strafbare Handlungen festgestellt worden seien.

Sie ftataM» In Stillem

Hat Stammet Selbstmord verübt?

Berlin, 10. San. Wie die 3.“ er­fährt, geht die Polizei bei ihren Ermittelun­gen in der Angelegenbeit der Dahl em er Katastrovbe einer neuen Svnr nach. Es ist sestgeftellt morden, daß das Ebe­leben Stammet» höchst unglücklich gewesen ist and daß Stammet wiederholt Selbstmordgedanken geäußert hat. Es ist möglich, dah Stammet sich in die Luft sprengen wollte und 86er die Wirkungen seines Vorhabens sich nicht im klaren gewesen sein mag.

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Die heute vorgenommene Obduktion der Leiche StammerS ergab, dah Stam- mer durch die furchtbare Wirkung der Ex- plosion überaus ' Stocre Verstümmelungen

für Besserung der Wobnungsver- 6ä11niffe aus. Er wandte sich gegen eine Erhöhung des Ausländerkontingents und for­derte Einschreitungen gegen Mißhandlungen, die noch immer vorkämen.

Abg. Lönartz C3entr.) führte aus:

Landwirtschaft und Industrie seien soli­darisch, zumal in einer Indnstriekoninnktnr, die befürchten laste, dah wir »u einer Auf­blähung unsere» Produktionsavvarates in der Industrie kommen, in der nicht genügend Ab­satz vorhanden sei.

Abg. Diehl (Zentr.) wandte sich gegen un­gerechtfertigt hohe Zinssätze für Wechselkredite durch die Preußenkaffe. Der Redner trug im übrigen Forderungen des Winzerstandes und des Weinbaues vor.

Abg. Wittich (Sm.) bekämpfte die Zoll- Politik, forderte Oedlandkultivierung, Ausbau des Siedlungswesens und des Fortbildungs- wefens, namentlich auch für Frauen.

Damit schloß die allgemeine Aussprache rum Landwirtschaftsbausbalt ab. Die Einzelaus- sprache und die Abstimmungen sollen in der nächsten Woche stattfinden.

Die polizeiliche« Feststellungen in der Repatationsbetrugsaffare.

Zu der Sachlieferungsbetrugsaffäre be­richtet „Echo de Paris", in gut unter­richteten Kreisen erkläre man, daß es sich um Betrügereien handelt, die ein mehrfaches von 10 Millionen betragen. Die Regierung sei entschlosien, volles Licht in die Angelegenheit zu brin­gen, da andernfalls die Loyalität der französischen Kontrahenten bei Ab­machungen über die Lieferung aus Re- varationskonto diskreditiert werden könnte.

Nach dem „Petit Journal" hat die Polizei bereits Feststellungen nicht nur in Paris sondern auch in Straßburg, Schlett- stadt und Befanc unternommen. Etwa 12 Personen seien in die Angelegenheit ver­wickelt, und wahrscheinlich seien die fran­zösischen Käufer mit den deutschen Liefe­ranten einig gewesen hinsichtlich, der Fälschung von Papieren, die es ermöglicht hätten, den Betrug durchzu­führen. der in der Hauptsache darin be­stehe, sich Zollfreiheit für die Ein­fuhr der auf Reparationskonto gelieferten Waren zu beschaffen.

und Zerreißungen davongetragen hat, die die eigenliche Todesursache gewesen sind. Es wurde festgestellt, daß infolge der Ex­plosion beide Deine vom Rumpf getrennt und mehrmals gebrochen waren. Außer­dem war der rechte Arm abgerissen worden und der Kopf wies furchtbare Zertrümme­rungen der Schädeldecke auf. tote über­haupt die ganze Leiche bis zur völligen Ankenntlichkeit ver­stümmelt worden war. Auch die inne­ren Organe waren zerrissen, so das Herz, alles Verletzungen, die jede für sich schon genügten, den sofortigen Tod herbeizu­führen. Di« gerichtS-chemische Unter­suchung soll nach Möglichkeit fesiftellen, durch welche Ehemikalien die Explosion verursacht worden ist, und man hofft, in Teilen des Körpers und der inneren Or­gane sowie in den Blutproben noch Reste der Explosivstoffe zu finden.

MMoireilvetrug mit Reparationen?

6ememiame Mischungen franMcher und deulschee Eleftronten

schließlich auch ein 2

Opposition, trotzdem

deutung fein muß. Aber anscheinend schätzen die leitenden Persönlichkeiten deS russischen Kommunismus die neuen Ge­fahren, die durch eine Verbannung Trotzkis und feiner Anhänger entstehen können, weit niedriger, als die Gefahr, die ent­standen wäre, wenn die Oppositionsführer in Moskau, das heißt in unmittelbarer Verbindung mit den Massen deS russischen Proletariats geblieben wären. Ob die Opposition den Schlag, der ihr durch in« Verbannung ihrer Führer erteilt wurde, überleben wird, steht dahin. Beraubt ihrer großen und energischen Führer, wird sie wohl kaum noch, wenigstens in absehbarer Zeit, die innere Kraft finden, den alten Widerstand gegen den offiziellen Kurs der Parteileitung aufrecht zu erhalten.

Sle alte Sude im Gl

Der kommunistische Parteigewalttge Stalin hat sich zu einem Entschluß auf- gerafft, den man nicht erwartet hatte. Die Staatspolizei ist angewiesen worden, die dreißig maßgebenden Führer der russi­schen Opposition zu verschicken. In der endlosen Weite des europäischen und des asiatischen Rußlands werden diese dreißig Wortführer der russischen Opposition „ver­teilt." Dreißig Städte zwischen Archangelsk und Mittelasien werden von nun an j« einen der Führer der Opposition zu be­herbergen haben. Man hört, daß zum Beispiel Rakowski tm Gouvernement Wjatka untergebracht werden soll, 500 Kilometer entfernt von der nächsten Eisenbahnstation. Dieser Schlag Stalins gegen die Oppositon ist vernichtend. Er macht die Opposii'-»« führerlos, das heißt er macht sie unfähig, sich zu behaupten. Sein Steg dürfte damft vollkommen werden. Um die ungeheure Bedeutung dieses. Schrittes der Sowjets zu erkennen, muß man sich vor Augen halten, daß sogar Trotzki, der große Schöpfer der Revolution in Rußland, der

enge Mitarbeiter und Freund LenrnS, glrnchfaNS von dieser ausgesprochener Verbannung betroffen wird. Dieser Be­schluß bei der Parteileitung muß bei der Popularität, die viele der Oppositionsführer auch heute noch bei den großen Massen der russischen Bolschewisten haben, einen ungeheuren Eindruck auslösen. Daß Stalin und feine Parteifreunde vor der Wirkung ihres Schrittes nicht zurückichraken, ist schließlich auch ein Beweis dafür, daß die t sie zahlenmäßig so gering war, eine große Gefahr für den Bestand der Parte: selbst bedeutete. Man tänn jetzt sogar annehmen, daß der An­hang bet Oppositionsführer im russischen Volk erheblich stärker ist, als dies von der offiziellen Parteileitung bisher versucht wurde glaubhaft zu machen. Wäre dem nicht so, so hätten Stalin und seine Ge­nossen wohl nicht den Mut zu diesem Entschluß gefaßt, der in seinen moralischen Wirkungen von der weittragendsten Be-

Ae Lüntnkonfmnz

Obwohl der Reichstag und der Preußische Landtag erst in der nächsten Woche ihre Vollsitzungen toieber aufnehmen, finden be­reits in der laufenden Woche verschiedene politische und parlamentarisch« Besprechun­gen statt, die als Auftatt für die großen kommenden Auseinandersetzungen vor den Reuwahlen angesehen werden können. Zu­nächst wird das Reichskabinett, nachdem Reichskanzler Marr wieder nach Berlin zu­rückgekehrt ist, zusammentreten, um za den verschiedenen wichtigen Fragen Stellung zu nehmen. Allmählich rückt der Termin für bte angekündigte große Länderkonserenz über die Reichsreform heran, und obwohl das Programm der Konferenz in großen Zügen bereits vor Weihnachten festgesetzt worden ist, wird sich daS Kabinett doch noch einmal mit verschiedenen Einzelheiten des Programms beschäftigen müssen. Die Konferenz ftndet bekanntlich am 16. und 17. Januar statt. Sin interministerielles Konnte« unter dem Vorsitz des Aeiehskommissars bereitet die Durchfüh­rung dieser Konferenz vor. Wie verlautet, wird das Kabinett der Konferenz bestimmte prattische Vorschläge unterbreiten. In welcher Richtung sich diese Vorschläge bewegen, war unschwer aus dem Programmatifchen Aufsatz zu ersehen, den unlängst der Staatssekretär in der ReichÄanzlei Dr. Pünder in der .Ger­mania" über diesen Gegenstand veröftentlicht hat. Es ist wahrscheinlich, dah das Reichs­kabinett seine Beschlüsse in Form von Richt-