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sprech«! Nr. M. «. Nr. 56. ^stfcheekkonto: Amt Frankfurt JjK. Nr. 5016. — Sprechzeit I# Redaktion von 10—11 und

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Anzeiger fiir (bas frühere kurhessische) Oberhessen

to.8 63. Mro. Marburg a. Mn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

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ff. London, 10. Ian. Der Genfer Korrespondent der „93eftminfter Ga­zette" meldet, das britische Foreign Office habe das Völkerbundssekretariat trnachrichtigt, daß es ihm binnen kurzem ünen vollständigen Plan betref­

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Entwurf kein Unterschied zwischen Angriffskrieg und einem Berständigungs- kriea gemacht habe, so darum, weil er als

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breiten werde. Dieser Note werde grober Spannung entgegen gesehen.

Eine haltlose Ausrede

ff. Paris, 10. Jan, Der Agentur Havas zufolge erinnerte Minister des Seufzern Briand in einer Mitteilung ■ an den französischen Botschafter in

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Grundlage für einem lediglich zwischen Frankreich und de« Bereinigten Staaten ^abzuschliehenden Vertrag habe dienen sollen. Da die amerikanische Regierung jetzt aber vorschlage, diesen Pakt auf sämtliche Mächte auszudehnen, sei es natürlich, dah Frankreich dessen Tragweite genau präzisiere, um seine Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund sicher zu

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Politiker brauchen nicht immer die Wahrheit zu sagen. Aber wenn sie lügen, müssen sie geschickt lügen; sonst sind es un­geschickte Politiker. Briand kann nieman­dem einreden, dah er den Begriffs „An- miffskrieg" nur deswegen so spät in die Debatte geworfen habe, weil Amerika den Dorschlag eines allgemeinen Frie­denspaktes der grohen Mächte gemacht habe. Die „Flucht in den Völkerbund-, von der auch die folgende Meldung über den Besuch Lord Crewes bei Briand ein Bild gibt, ist ja nur ein Beweis, wie un­geheuer peinlich den Franzosen der ame­rikanische Vorschlag war, der mit den Dvlkerbundssatzungen durchaus zu verein­baren ist, nicht aber, von Frankreich aus gesehen, mit den französisch-rumänischen und französisch-polnischen Militärbündnis­sen. CS sind doch alle Verträge dem Sekretariat des Völkerbundes zu über­reichen, und wenn der Völkerbund jene Militärkonventionen gebilligt hat, so müßte er wohl oder übel auch einen vorbehalt­losen Friedenspakt der Großmächte anerkennen. Die Amerikaner werden sich jetzt erst recht ihre eigenen Gedanken über den europäischen Völkerbund machen, nach­dem ihnen durch die Franzosen klar ge- macbt worden ist, daß den Schutz dieses Völkerbundes nur derjenige genießt, der die Verantwortung für einen An­griffskrieg geschickt dem Gegner zu­zuschieben versteht. W i e das gemacht wird, ist eine Frage, die die Franzosen in Ver­sailles schon einmal skrupellos gelöst haben. Immer aber wird diese Frage endgül­tig erst nach der kriegerischen Entschei­dung gelöst werden, und zwar von dem Sieger. Gegen diese stets drohende Ver­gewaltigung des Rechtes stellt der ameri­kanische Vorschlag immerhin eine vorbeu­gende Maßnahme dar. And das eben fürchten die Franzosen.

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Entweder — ober!

Der „Petit Parisicn« zu Lord Crewes Besuch bei Briand.

Der offiziöse „Petit Parisien" schreibt zu der gestrigen Unterredung Lriands mit dem englischen Botschafter

in Paris, Lord Erewe, daß dieser die Auf­fassung der englischen Regierung über den Plan eines ewigen Friedens ent­wickelte.

Das Blatt meint, es wäre kaum auzu- nehmen, daß der Standpunkt Englands mit Rücksicht auf den Völkerbund ein an­derer als jener sein könnte, de« Frank­reich in seiner Antwort an Kellogg an­nahm, die auch der englischen Regierung bekannt gegeben wurde. Gegenüber dem Vorschlag Kelloggs würde sich England genau in derselben Situation befinden wie Frankreich: England müßte ebenso wie Frankreich entsprechend dem Völkerbund und dem Vertrage von Locarno handeln.

ob man wolle oder nicht. Es gebe eben nur eine Möglichkeit: entweder, die einge­leiteten Verhandlungen werden rasch ein Ende nehmen, oder man werde notge­drungen auf den polnischen Antrag zurück­kommen, dessen Fassung Kellogg übrigens selbst angewandt habe. Auf alle Fälle wäre der Vorschlag Briands nicht ver­gebens gewesen. Solange Staatssekretär Kellogg keine Antwort gegeben habe, wäre es vollkommen nutzlos über den An­griffs- oder Verteidigungskrieg und über­haupt über die Aussichten über eine Ver­ständigung zwischen Paris und Washing­ton zu diskutieren.

Die Leotzkiisten nach Sibirien;

Ottbonnung aller namhaften

Das „SB. T." meldet als verspätet ams Moskau eingetroffen, daß die Staats­polizei zur Verschickung zahlreicher führender Persönlichke iten der Opposition übergegangen sei. Dreißig der hervorragendsten Führer der Opposition hätten bereits den Befehl zur Abreise er­halten ohne genaue Angabe ihres Be­stimmungsortes, jedoch sei das ganze un­wirtliche und für derartige Maßnahmen so geeignete europäische und asiatische Ruß­land in Anspruch genommen worden, von Archangelsk b i s M i ttelasien und Sibirien. Ein Teil der Verurteilten sei bereits deportiert.

ES bestehe nicht mehr der mindest» Zweifel daran, daß Trotzki, Radeck, Jewdokimow, R a - kowskt, und auch Kamenew und Sinowjew verbannt werden sollten.

Man hätte erfolglos versucht, diese Ver­bannungen unter der Flagge „Zuweisung von Parteiarbeit" vorzunehmen, obwohl alle diese Personen nicht mehr der Partei angehörten. Die dreißig würden wegen „Konterrevolution" verurteilt. Rakowski soll im Gouvernement Wiatka untergebracht werden, 500 Kilometer von der nächsten Eisenbahn st ation ent­fernt. Unter den Verbannten, so heißt eS, befindet sich auch Sebriakow, Snnlga und dre Feuilletonist Soßnawski, sowie andere Journalisten. ES heißt weiter, daß sich unter den Verbannten zwei Sowjet- bo t sch after, die noch vor kurzem die Sowjetunion im Auslande repräsentierten,

Mitglied« der Spveiitien

befinden. Zu den Verurteilten soll auch Beloborodow, der frühere Innenminister und Exekutator des Zaren gehören.

Russische Todesurteile gegen Finnländer.

Leningrad, 9. Jan. Das Lenin­grader Kriegsgericht verurteilte Peter Pankku, der angeklagt war. int Auftrage des finnländischen Geheim­dienstes Spionage getrieben zu haben, zum Tode. Es erkannte ferner auf Beschlagnahme seines gesamten Eigentums und beschloß, den Zentralvollzugsausschuh der Sowjetunion zu ersuchen, die Oktober­amnestie auf Paukku nicht anzuwenden. Die gegen die Mitangeklagten Stephan Paukku und Michael Wilki ausge­sprochene Todesstrafe wird durch die Am­nestie in eine zehnjährige Gefäng­nisstrafe umgewandelt. Die übrigen acht Angeklagten wurden zu Freiheits­strafen verurteilt. Das Gericht stellte fest, dah Peter Paukku, der schon einmal in der Sowjetunion wegen Spionage zum Tode verurteilt worden war, nach seiner durch einen Gefangenenaustausch erfolgten Rück- kehr nach Finnland abermals einwilligte, im Auftrage des finnländischen Geheim­dienstes seine Spionagetätigkeit auf dem Boden der Sowjetunion fortzusetzen und dah er Spionageinformationen durch seinen Bruder Stephan und durch Michael Wilki einzog.

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Berlin, 9. Jan. Der Hauptausschuh des preußischen Landtags begann am Montag nachmittag die Vorberatung des Haushaltes für 1928 mit dem Landwirtschaftsetot. Wie der Berichterstatter, Abg. Dr. Hoefch (Dtn.), ausführte, ist die diesjährige Erhöhung um rund 9 Millionen hauptsächlich durch die Vermehrung der Beamten un dBe- amtengehälter entstanden. Di« Lage der Landwirtschaft in Preußen sei kata­strophal, namentlich die der Betriebe zwischen 5 und 20 Hektar. Sie sei verursacht durch die verkehrte und zu spät entsetzende Zoll» und Handelspolitik der Aachtriegszeit.

2lbg. Peters- Hochdann (Soz.) erklärte dagegen, den Landwirten sei mehr Selbsthilfe zu empfehlen.

2lbg. Milberg (Dntl.) kritisierte di« Aus­lassungen des Landwirtschaftsministers vor der Presse. Der Minister wisst anscheinend überhaupt nicht, wie der Landwirtschaft ge­holfen werden soll. Der "Redner forderte Unterstützung des landwirtschaftlichen Meliv- rationswesens und Abbau der Schuliasten.

Er polemisierte gegen di« Ernennung eines sozialdemokratischen Staats­sekretärs und gegen dessen Programm.

Abg. Rveingh (Ztr.) verwies auf

di« gewaltige Verschuldung der Land­wirtschaft in Höbe von 12,9 Milliarden und ibr Anwachsen um Ich Milliarden im letzte» Jahre.

Bon Rentabilität sei keine Rede mehr. Der Redner forderte deshalb Unterstützung des Staates für das MolkereiWe'en, Herabsetzung der Preise für Stickstoffs und Abbau der so­zialen Lasten und der Realsteuern, sowie eine staatliche Entschulungsaktion

Abg. Held (D. Dpt.) schilderte die Rot der Landwirtschaft in ähnlicher Weise und nahm besonders auf die Diehwirt schäft Bezug. Die Verschuldung der Landwirtschaft müsse durch Dauerkredite fundiert werden. Der Redner beantragte, daß während der Erntezeit Zwangsversteigerungen verboten würden, damit di« Landwirtschaft ruhig Wirt­schaften könne.

Die Beratungen werden am Dienstag fort­gesetzt.

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Gerade sind die unglücklichen Opfer der großen ExplosionSkatastrophe in der Lands­berger Straße zu Berlin endlich alle geborgen da gellt von neuem der Schreckensruf durch die Reichs Hauptstadt: „Schon wieder ein Wohnhaus in die Lust geflogen!" Diesmal ist das Unglück in einer Gegend geschehen, von der man es am wenigsten vermutet hätte: in dem schönen und ruhigen Villenort Dahlem explodiert ein zweistöckiger Hausanbau mit grauenhaftem Knall, der kilometerweit gehört wurde. Zwei Tote und acht Schwerverletzte sind zu verzeichnen. Die Ursache? Sn dem Anbau befand sich ein Laboratorium, in dem angeblich kosmetische Mittel leccestellt wurden. Sn Wirklichkeit hat es sich aber um di« Fabrikation pyrotechnischer Gegenstände ge­handelt — entgegen der polizeilichen An­meldung, weshalb jetzt, nach der Katastrophe, bereits der Staatsanwalt eingegrissen hat. Renn Fässer mit gefährlichem Sprengstoff konnten versiegelt werden. Die Besitzer des Laboratoriums waren zwei Kaufleute, deren einer den Tod gefunden hat: es steht fest, dah sie nicht im Besitz der notwendigen Dor­kenntnisse für ihr gefährliches Fabrtkations- unterfangen gewesen sind und in unverant­wortlicher Weise mit ihrem eigenen Leben wie mit dem der Hausbewohner und Rachbarn gespielt haben. Der Endeffekt ist der gleiche gewesen wie in der Landsberger Straße: ein geborstenes, zu drei Vierteln wie rasiertes Haus, zerknickte Ballen, zersprungenes Glas. Gewimmer der Opfer, Feuerwehr und Sani- tätskolonnen, Krankenwagen, Knirschen der Hacken und Schaufeln, die in den Trümmern nach zu Rettenden suchen . . .

Jahrelang ist die Reichshauptstadt von einem ähnlichen Unglück, wie es die Ex­plosion eines ganzen Hauses darstellt, ver­schont geblieben. Und nun wiederholt sich mit einem Male gleich eine derartige, immerhin seltene Katastrophe. Damit werden wir mit aller Macht und Deutlichkeit wieder einmal auf ein mystisches Gesetz gestoßen, das noch niemand ergründet hat — das zu er­gründen wohl auch niemals Menschenhirn und Menschenwissen ausreichen wird, ein Gesetz, das aber trotz allem existiert und dessen Wirkung jeder Denkende auf Schritt und Tritt beobachten kann —: das Gesetz von der Duplizität der Ereignisse.

Gerade die jüngsten Zeiten haben es auf­fallend häufig bestätigt. Erinnern wir:

Dor rund einem Vierteljahr kam die Tänze­rin Isadora Duncan auf noch nie dagewesene Weise ums Leben. Sie bestieg ihr Auto: der Wagen ruckt an; in diesem Augenblick wickelt sich der Schal der Frau um eines der Hinterräder, zieht ihr den Hals zu und er­würgt die Unglückliche. Ein ganz einmaliger Fall, nicht wahr? Sv müßte man annehmen. Aber dieser Annahme kommt das genannte Gesetz in die Quere. Wenige Tage nach dem Tode der Tänzerin durcheilt ine Nachricht die Zeitungen, daß der Bürgermeister von Rati- bor auf fast genau die gleiche — einmalige!? — Art ums Leben gekommen sei. Auch er saß im Auw: feine um den Hals geschlungene Uhrkette wickelt sich um das Steuerrad, zieht ihm die Gurgel zu — und erwürgt ihn . . .

Die Duplizität der Ereignisse. — Wie vor einigen Jahren der Fall Haarmann in die Oesfentlichkeit drang, ging eine Welle des Entsetzens durch ganz Deutschland nicht nur — durch ganz Europa! Die Menschheit Der» steinte gleichsam bei dem Gedanken, ein solches Untier hervorgebracht und in ihrer Mitte beherbergt zu haben. Rur ein Trost gewährte eme leise Beruhigung —: gottlob — solch ein Scheusal gibt es wenigstens nur ein einziges Wal auf der Welt! Man kann fast sagen, daß dieser Gedanke noch nicht einmal ganz zu Ende gedacht worden war, als der im Grunde gleiche, nur in seinen Begleiterscheinungen noch scheußlichere Fall Denke ans Tageslicht gezerrt werden mußte. Duplizität der Er­eignisse . . .

Man wird erkennen, daß sich vieles Gesetz bet fast allen Katastrophen ungewöhnlicher Art betätigt. Gerade die Einmaligkeit des großen Strahenbahnunglücks in Kassel, bei dem neun Menschen int vergangenen Jahr den Tod fanden und fünfzehn schwer verletzt wurden, erregte damals di« Gemüter. Ein­maligkeit —? Roch im gleichen Jahre er­eignet sich das gleiche Unglück abermals, und zwar wiederum ausgerechnet in Kassel. Dein« Ausmaße find allerdings nicht ganz so schlimm —: vierzehn Kinder werden schwer verletzt. Einmaligkeit —: Das Schicksal wiederholt den gleichen tückischen Streich kurz darauf noch einmal —: einundzwanzig Tote