Einzelbild herunterladen
 

6onnaW, des 7. Samar ISA

sechsmal wöchentlich, ve- nigsviels monatlich 2 GM. ans» ti^iegL Zustevnngsgebühr, durch ht«Post2^5 C®> etwa befolg« Streik«, Maschlnendefekt« oder «keottetn Ereignisse anssallende -dmonern wird kein Ersatz ge- leistet. Verlag ». ®r. 5. Hitzrrottz, der Unw.'Guchdrucke«» d. g* «ug. Koch, Markt 21/23. Aeoisprecher: Kr. M. «. Rr. 56. «astscheckkonto: Amt Frankfurt «, «. Vir. 6015. Sprech »eit IH Kedaktto» von 1011 **>

^11 Uhr.

ÄbechMsche

martntctt 0 OD Ä w»

wk ^p^llltiiO towiw

Anzeiger für (das frühere kurhessischs) Oberhessen

Kk.v 63.rorg/ Marburg a. Lada

Da Au^igeupreis ktrdgt ffc bai 10 gespalt. Zeklenmillinreter 0.08 SM, kleine Saranzeigen 0.06 SM, amtlich« und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bd Platz- Vorschrift 60*1« Aufschlag. Sammelan,eigen 1001» Auf­schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM Zeder Rabat« gilt als lvarradatt. Ziel 5 Tag«. Belege werden berechnet, ebenso An«kauft durch die Geschäftsstelle «rd Zusendung da Angebote. Ct füllunqsort Marburg.

t Goldmark = Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Frankreich will keine Achtung -es Krieges

LrlmdS Aniwort an Kellogg Rar der NngrMrleg soll vrrleml sein SraakreW Bündnisse als wahrschrinlichtt SintemnsSkwnd

gßa|6ittflto«, 6. Jan. Brrands Lchreiben an Kellogg, in dem er Kelloggs Sntmurf eines Vertrages zur Aechtung des Krieges auf Angriffskriege z« be« schränken wünscht, wurde heute dem Staatssekretär von Botschafter Claudel iberreicht. Die Aufnahme dieses Segenvorschlages im Staatsdepartement war durchaus ungünstig. Man wies darauf hin, daß Briand jetzt plötzlich seinen eigeuen vorschlag vom 6. April 1927 erheblich einenge, und datz. wie in Washington wiederholt betont wor, den fei, bisher eine allgemein befriedi« «ende Definition des Begriffes »Angriffs­krieg" nicht gefunden werden konnte. Wen» Briaud, dessen Vorschlag mit dem Kelloggs identisch war, jetzt sein Anerbie­ten zurückziehe und auf das ve r s ch w o m- atene Erbiet der Angriffs­kriege beschränken wolle, so sehe man hier wenig Aussicht für den Abschluß eine» wirklich brauchbaren Vertrages zur Aechtung des Krieges.

Heber die lleberreichung der Antwort in Washington wird berichtet, datz sie in Abwesenheit Kelloggs vom Un» terstaatssekretär Castle entgegengenom- men wurde. Wie über den Inhalt der Kote bekannt wird, spricht die französische Regierung darüber ihre Genugtuung aus, daß die Bereinigten Staaten den Weg be­treten, der seit geraumer Zeit von den Mitgliedern der Staaten des Völkerbun­des eingeschlagen wurde. Briand gebe in­dessen zu verstehen, daß der ameri­kanische Paktentwurf dahin verbessert werden könnte, dah nur der Angriffskrieg als Mittel inter­nationaler Politik, aber nicht jeder Krieg, restlos verurteilt werde.

Dem offiziöse» »Petit Parisien" zufolge geht aus der Antwort des Quai d'Orsay hervor, datz Frankreich zu einer, wenigstens dem Sinn nach, analogen Er- klärung zu gelangen hoffe, wie sie der von der letzten Völkerbundsversammlung an, genommene polnische Antrag zur Verur, triluug eines Angriffskrieges darstellt. Das Blatt gibt der Anschauung Ausdruck, datz zweifellos lauge Unterhandlungen zwischen Amerika und Frankreich nötig sei« »erden.

In einem der französischen Regierung Nahestehenden Blatt wird dazu gesagt, datz Frankreich nicht zugeben könne, daß durch den amerikanischen Vorschlag seine bereits abgeschlossenen Friedenssicherungs- anträge geschwächt würden. Die französi­sche Presie erklärt weiter, daß man trotz aller Friedenspakte bereit sein muffe, ge, gen einen Ruhestörer bewaf nete banktionen zu ergreifen.

In einem der englischen Regierung Nahestehenden Blatte wird ausgeführt, datz Frankreich sich durch den neuen Ver­trag mit Amerika nicht der Vorteile des Völkerbundes berauben laffen wolle. Die starke Nervosität der Franzosen beweise.

| das Bestehen der französi- I scheu Bündnisse ein allge-

meines Friedensabkommen unmölich mache.

Amerika wolle sich durchaus enger an den Völkerbund binden. Wenn England den amerikanischen Vorschlägen zustimme, so gäbe es damit seine bisherigen Einwände gegen weitergehende Verpflichtungen dem Völkerbunde gegenüber nicht auf.

*

Es ist gewiß anzuerkennen, daß die Franzosen so ehrlich sind, zu sagen, daß sie nicht jeden Krieg schlechthin verurteilen. Aber diese Ehrlichkeit bekommt doch ein

anderes Gesicht, wenn man sich vergegen­wärtigt, daß Frankreich mit einer ganzen Reihe fremder Staaten Bündnisse abge­schlossen hat, die den Kriegsfall vorfehsn, ja, teilweise als reine Militärbündnisse anzusprechen sind. Da ist es also natürlich, daß die Franzosen eine allgemeine Aech­tung deS Krieges nicht aussprechen wol­len und auf ein vages Abkommen über den Angriffskrieg hinarbeiten, das jeder Staat mit gutem politischem Ge­wissen unterzeichnen kann, solange sich die Gelehrten darüber was eigentlich ein An­griffskrieg ist, noch nicht einig find. Den Angreifer stellt nämlich nach der bisheri- Praxis immer der Sieger fest das haben wir ja am eigenen Selbe erfahren.

Verschärfung im W-uftrie Konflikt

SrverkWWlA «ampWnaWn In dm nfitbfltn sagen

Berlin, 6. Jan. Wie bet »Vorwärts" aus Bochum meldet, teilt der Deutsche Metallarbeiterverband mit: »Bor dem Arbeitsgericht Bochum wurde am Donners­tag abend der Widerfvruch des Bochumer Ver­eins und der deutsche« Edelstablwerke gegen die erlaßene einstweilige Verfügung, wonach die genannten Werke gehalten sein sollten, den für verbindlich erklärten Schiedsspruch in der nordwestlichen Gruppe bezüglich der Arbeits­zeit für gewiße Arten von Walzwerken zur Durchführung zu bringen, verhandelt. Die Ver­fügung wurde aufgehoben, da das Gericht an­gesichts der Tarrfverhältniffe die Aktiv- legimation der Antragsteller and die Passtv- legimatio« der Antraggegnerin nicht als ge­geben ansah. Angesichts dieser aus formal« juristischen Gründe« ergangenen Entscheidung wurde in eine sachliche Verhandlung über den Arbeitsstreit nicht eingetreten. Die Differen­zen um die Durchführung des Arbeitszeit- schiedssvruches für die Metallindustrie und die Arbeitszeitverordnun« vom 16. Juli haben zu einer Verschärfung der Lage in der rheinisch-westfälischen Metallin­dustrie geführt. Der Deutsche Metall­

arbeiterverband kündigt infolge der Weigerung des Bochumer Vereins und der Deutschen Edel- ftahlwerke, die im Schiedsspruch vorgesehene Arbeitszeit durchzuführen, gewerkschaft­liche Kamvfmahnahmeu an. voraus­sichtlich dürften die Kamvfmabnahme« der Ge­werkschaften schon in den nächsten Tagen durchgefübrt werden. Der Schlichter Dr. Sötte«, der den Arbeitszeitschiedsspruch gefällt bat, bat es abgelehnt, eine Inter­pretation der in dem Schiedsspruch festgelegte« Bestimmungen zu geben mit der Begründung, dah er hierzu nicht bevollmächtigt sei."

Krupp führt Vie Arbeitszeit durch.

Essen, 6. Jan. Nach mehrmaligen Verhandlungen zwischen dem Direktorium der Firma Krupp und dem Be­triebsrat wurde heute nachmittag eine Einigung erzielt. Die Firma führt ab Montag, 9. Januar, die im Schieds­spruch vorgesehene Arbeitszeit durch, weshalb alle fettens der Gewerkschaften getroffenen Maßnahmen rückgängig ge­macht werden. Die Vertreter deS Chrrst- lichen und deS Deutschen Metallarbeiter­verbandes erklärten, die beim Arbeitsge­richt in Essen anhängig gemachten Kla­gen zurückzuziehen.

M ffiltren «imMlkrn

Berlin, 6. Jan. Dem Reichstage ist vom Reichsarbeitsministerrum auf Grund einer Reichstagsentschließung eine Denk­schrift über d i e Lage der älte­ren Ange st eilten zuaegangen. Gegen Maßnahmen, wie die Meldepflicht, bte Be­schäftigungsverpflichtung und die Schaf­fung eines Ablehrgeldes für entlassene An­gestellte, wird auf zahlreiche Bedenken ver­wiesen. Eine ungünstigere Sage hinsicht­lich des Umtanges der Erwerbslosigkeit sei zwar gegenüber den jüngeren Angestelltem, aber nicht gegenüber den älteren Arbeitern gegeben. Ob unter diesen Umständen er­weiterte Sondermaßnahmen zugunsten der älteren Angestellten gerechtfertigt sind, werde der Reichstag zu entscheiden haben. Der Zweck der Denkschrift sei, den gesetz­gebenden Körperschaften das Material für ihre Entscheidungen zu liefern. Eine M i l- Gerung des Notstandes hätten zweifellos die bisherigen Maßnahmen der Reichsregierung gebracht, die Umschulungsmaßnahmen, der Kündigungs­schutz, die Ausdehnung der Erwerbslosen- sürsorge und der Arbeitslosenversicherung, vie Beschäftigung bei Notstandsarbeiten usw. Mit neuen Zwangsmaßnahmen ein­zugreifen, würde erst gerechtfertigt fein, wenn alle übrigen Mittel versagen. Hierzu

gehören vor allem berufspolltische Maß­nahmen, unter denen der Ausbau der Anaestelltenvermittlung durch die neue ReichSanstalt an erster Stelle steht. Zu­gunsten der älteren Kräfte werde sich auch die Tatsache auswirken, daß der Nachwuchs in den Angestelltenberufen erheblich ge­ringer geworden sei. Die Bemühungen der Verbände auf dem Gebiete der Al­tersversorgung und den anderen Fragen vermeiden die Gefahren, die mit neuen gesetzlichen Sonderbestimmungen nvtwendig verbunden sind. Die Reichsregierung ist bemüht, die bestehenden Einrichtungen in jeder Hinsicht auszubauen.

Das Kammergericht bei der Rasputin« Vorstellung.

ff. Berlin, 7. Jan. In dem Rechtsstreit zwischen dem Exkaiser und der Piscator-Vübne, der gegenwärtig vor dem Kammeigericht steht, bat der Urbebersenat des Kammergerichts gestern der Rasputin-Vorstellung beigewobnt, um sich ein Bild darüber zu machen, ob die Darstellung des Exkaisers für diesen kränkend ist. Zu diesem Zwecke wurde gestern die Rolle der Kaisers : -tsnahmswsise gespielt, dessen Darstellung bekanntlich durch Landgerichts- beschluh verboten worden war.

WltWr MB

Die WeihnachtSstimmung der Mens chen- liebe ist verflogen. Die guten Vorsätze bei Neujahrsnacht sind wieder ins Anterbe- wußtsein hinabgesunken. Die freundlichen Worte, die am RenjahrStag zwischen den Vertretern der Rationen gewechselt wur­den, liegen in den Schreibtischen. Klar wie die ersten Tage dieses Januar stehen die Gedanken der Willensmenschen wieder auf der Wacht, den Augenblick zu er­haschen, sich durchzusetzen. Die Politik kennt keine Sentimentalität. Sie arbeitet gewiß und gerade mit den sicheren Mit­teln seelischer Erschütterung der Menschen, die von nichts wissen und doch für alles zahlen und bluten sollen. Der Wille des Politikers ist so fern von sentimentalen Regungen, wie der Sturm, der die See aufpeitscht. And er muß es sein, der politische Wille ist die Elementarkraft« von der die Menschensee bewegt wird. Ein Mensch ohne Wille ist ein totes, stures Nichts. Ein Volk ohne Wille muß zu Grunde gehen.

Das neue Jahr wird mehr als das ver­gangene ein Jahr der Willenskundgebung der wichtigsten Völker werden. Es wird ein Wahljahr in Deutschland, in Frank­reich. in England und in Amerika. Rach Ausfall der Wahlen wird das Leben der Völker für die nächsten Jahre dirigiert fein. Alle Politiker beäugen sich wachsam.

Am ruhigsten darin denkt Amerika. Es ist sich seiner Macht so vollkommen be­wußt, ist seiner selbst so sicher, es weiß so genau, chm kann keiner etwas, dah es nicht rechts noch llnks auf feine Rachbarn zu schielen braucht, sondern sich einzig und allein nach dem eigenen Interesse ent­scheidet. Sein politisches Interesse liegt auf dem amerikanischen Kontinent. Sein rnanzielles teilweise in dem Europa, das mmer mehr zu seiner Kolonie wird. Wie tolz weht Amerikas Wille Über die An­biederung des starken Frankreich hinweg! Was soll Amerika einen Vertrag schließen, wonach der Krieg zwischen ihm und Frank­reich ausgeschlossen sein soll? Eine solche Bindung an nur einen Staat würde Ame­rika für immer an Frankreichs Seite ses- Kin. Das war die Absicht Briands, als er n Vorschlag machte. Da Amerika jetzt diese Einzelbindung ablehnt, aber zu er­kennen gibt, daß es gern einen Vertrag ge­meinsam mit allen anderen großen Mäch­ten abschließen würde, ist das französische Volk nicht wenig enttäuscht. Also liegt Frankreich nichts am großen Gottesfrieden? Hat es doch anderen gegenüber noch Ab­sichten und möchte nur Amerika aus dem Spiel sehen?

Aber es wird sich im Europa des Jahres 1928 weniger um kriegerische Auseinander­setzungen handeln, als um Geld. Parker Gilbert kommt aus Amerika zurück. Sein Jahresbericht hat manchen aufgeschreckt. Hier war klar von einem Neutralen, mehr von einem Interessenten der Gläubiger­seite ausgesprochen: So geht es mit der Regelung der deutschen Zcchlungen nicht weiter. Es muß vorausgesehen werden, dah in absehbarer Zett die DaweS-Rege- lung nicht nur für die Schuldner, sondern mehr noch, für die Gläubiger, verhängnis­voll werden wird. Also: tnbeant consules! Dieses Jahr wird der Anstatt zu einer neuen Schuldregelung, die nicht Deutsch­land, sondern Gesamteuropa, Frankreich und England, mit dem Hauptgläubiger Amerika vornehmen muß.

Amerika hat kriegerische Sorgen. Der Hort deS Friedens drischt erbarmungslos auf die freiheitslüsternen Nicaraguaner. Die Amerikaner schmeiße« sicher nicht mit Knallerbsen auf die sogenannten Ausstän­digen. Oh braves Wort, mit dem Amerika vor der Wett seinen Kampf gegen bte Selbstbestimmung Nicaraguas aussicht! Kein Wehgeschrei trifft das Ohr unserer treuen Pazifisten. Nach ihrer Parole brauchten sich die Nicaraguaner garnicht zu verteidigen. Sie sollten stolz sein, in die Anne des großen Reiches ausgenommen zu j