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Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberhessen
Marburger raMaazelger
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marbnrg.
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Berlin, 1. Ian. Reichspräsident f v. Hindenburg empfing am Neujahrs- tage um 12 Uhr mittags die Chefs der hiesigen fremden diplomatischen Vertretungen, denen im Ehrenhof ~bes Reichspräsidiums von einer Abteilung Reichswehr die üblichen militärischen Ehrenbezeugungen erwiesen wurden.
Die Glückwünsche des Diplomatischen Korps brachte der apostolische Nuntius Monsignore P a c e l l i als Doyen zum Ausdruck. Seine Ansprache lautet in Uebersetzung:
„Das abgelaufene Jahr hat trotz immer neu auftauchender Schwierigkeiten und vielfacher Hemmungen neue Fortschritte auf dem schweren Wege der Befriedung und Zusammenschließung der Völker gebracht. Unsere Bewunderung und Hochachtung gilt den hochherzigen Männern, -die, obwohl sie die Flamme der Vaterlandsliebe nicht erlöschen lassen und in der ständigen Pflege und Wahrung der be- rechtigten Interessen ihres Landes ihre höchste Ausgabe sehen, es dennoch verstehen, ihr brachten und Bemühen auf das vohe Ideal der Brüderlichkeit unter den • M»nsch«r richten. Das Gefühl de-7 vertrauens, das die Wohltaten des Friedens und die internationalen politischen und wirtschaftlichen Uebereinkommen bei den Völkern Hervorrufen und nähern, hat dazu beigetragen, in den verschiedenen Staaten das große Werk des Wiederaufbaus auf dem Trümmerfeld, das die furchtbare Geißel des Krieges hinterlassen hat, zu fördern. Unter diesen Staaten nimmt einen wichtigen Platz die Nation ein, deren oberstes Amt Sie, Herr Reichspräsident, inne haben. Wer hinuntersteigt in das Innere der Erde, die mühevolle und ohrenbetäubende Arbeit der Bergwerke sieht oder wer die rastlose Arbeit der gewaltigen Werke mit rauchenden Schornsteinen und glühenden Hochöfen beobachtet oder wer hoch in den Lüften die kühnen Unternehmungen der modernen Luft- sckiffahrt überschaut, der ist von Bewunderung für diesen erneuten Aufwand an Geist und Lebenskraft ergriffen. Mögen diese ungeheuren Triumphe der Technik überall von einem klaren Erkennen und einer gerechten und friedlichen Lösung der großen sozialen Fragen, die sich aus den wirtschaftlichen Umwälzungen der letzten Zeiten ergeben, begleitet sein! Möge das gewaltige Wiederaufleben des menschlichen Fortschritts von dem erhabenen Lichte der Wahrheit erleuchtet und getragen werden von einem geistigen und sittlichen Emporstreben der Seelen, von dem Gefühl der Gerechtigkeit und Liebe; denn dieses ist das Band der Einigkeit, aus der Wohlstand und Ordnung fließen. In der Morgenstunde des neuen Jahres, von dem wir wünschen, daß es reich an Friede und Wohlergehen sei, ist es mir eine besondere Freude, Ihnen, Herr Reichspräsident, im Namen der hochgeschätzten Kollegen des Diplomatischen Korps, dessen Dolmetsch zu sein ich die Ehre habe, die verehrungsvollsten und heißesten Glückwünsche für Ihre Person zu überbringen, für Ihre Familie sowie für die gesamte große deutsche Nation. Möge derjenige, von dem alles Gute kommt, diesen Wünschen Erfüllung bringen und der Welt den Frieden geben, der der schönste Lohn ist für die Menschen voll guten und reinen Wollens."
Der Reichspräsident erwiderte mit folgenden Worten:
„Mit wärmstem Danke nehme ich die Glückwünsche entgegen, die Sie im Namen des Diplomatischen Korps dem deutschen Volke und mir als seinem Vertreter in so herzlichen Worten dargebracht haben. Sie haben daran erinnert, daß in dem nunmehr abgeschlossenen Jahre trotz der immer wieder sich einstelltznden Schwierig
keiten und» Hemmungen neue Fortschritte auf dem Wege der Befriedung und der Annäherung der Nationen erzielt worden sind. Ich hoffe und wünsche, daß die harten Prüfungen der Vergangenheit und die wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Nöte der Gegenwart in den Völkern, von denen jedes einzelne im Zusammenleben der Menschheit seine wichtigen und unentbehrlichen Aufgaben zu erfüllen hat, den Willen zur Zusammenarbeit und das Verständnis für die Lebensnotwendigkeiten jedes einzelnen Volkes vertiefen und verstärken werden. Opferwillige Hingabe an das Vaterland schließt den Dienst an der Menschheit nicht aus.
Die Völker aber werden sich um die Herbeiführung einer wahren Frledens- gemeinfchast der Nationen um so freudiger bemühen, wenn sie von der Ueberzeugung erfüllt sein können.
daß dieser Friede zugleich die Herrschaft der Gerechtigkeit und ihres höchsten Gutes, der Freiheit begründet.
So sehr das deutsche Volk noch von eigenen Sorgen bedrückt ist, die es weder vergessen noch zurückstellen kann, wird es sich doch an allen Bemühungen um einen echten Frieden entschlossen und aufrichtig beteiligen, in der Erwartung, daß so die Erreichung jenes Menschheitsideals der Gerechtigkeit in den Beziehungen der Völker untereinander am besten gefördert wird. Herr Nuntius! Möge das neue Jahr, dessen Pforte sich heute öffnet, unserem gemeinsamen Wunsche, daß das göttliche Gebot der Liebe und des Friedens in immer sich steigendem Maße auch für die Staaten und Nationen Geltung gewinne, Erfüllung gewähren, möge es aus der Saat die Ernte, die wir erhoffen, her-
Die französisch - amerikanischen Verhandlungen
Btt onstNMe Molt stö SZtMgrriM und AnAkksSviktrogr'
ff. London, 2. Ian. Sin französischer Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet aus Paris: Am Sonntag traf ein wichtiges Telegramm des französischen Botschafters in Washington. Claudel, ein, wonach die amerikanische Regierung anscheinend bereit ist, zwei verschiedene Vertrüge mit Frankreich abzu- fchliehen.
1. Der Schiedsgerichtsvertrag von 1908, dessen Erneuerung in diesem Jahre fällig wird, würde eine neue Form erhalten durch Einfügung einer Präambel. Frankreich und Amerika würden sich nach dem neuen Dertrtag verpflichten, alle zwischen ihnen entstehenden Differenzen schiedsgerichtlicher Entscheidung zu unterbreiten mit dem Vorbehalt, daß folgende Fragen ausgenommen bleiben: Fragen, die sich aus einer innerpolitischen Entscheidung ergeben, Fragen, die eine dritte Macht berühren und Fragen, die sich auf die Anwendung der Monroedoktrin beziehen.
Möglicherweise bestehen auch noch andere Vorbehalte.
2. Einen weiteren Vertrag, enthaltend eine Erklärung der Unterzeichner, zur Lösung internationaler Differenzen nicht zum Krieg« zu schreiten. Dieser Vertrag würde aber entsprechend einer jüngsten vom Senator B or ah abgegebenen Erklärung nicht einen rein französlsch- amerikanischen Charakter haben, sondern anderen Staaten, die auch zur Unterzeichnung bereit sein sollten, würde der Beitritt zu diesem Verttag freistehen.
Der Korrespondent fügt hinzu, in amerikanischen Kreifen werde erklärt, daß Staatssekretär Kellogg einen persönlichen Brief an Briand gesandt habe, worin er seine Idee preißt und sagt, anderen Rationen werd« ein großes Beispiel damit gegeben, und das Ergebnis würden Verträge mit vielen Derttagsteilhabern fein. Aus Amerika wird gemeldet, daß Besprechungen wegen der Angelegenheit bereits stattgefunden haben.
vorspießen lassen. In dieser Erwartung । spreche ich Ihnen, Herr Nuntius, und
Ihnen, meine Herren, zugleich für Ihre Staatsoberhäupter, Regierungen und Völker, im Namen des deutschen Volkes und im eigenen Namen meine aufrichtigsten und herzlichsten Neujahrswünsche aus."
Hierauf begrüßte der Reichspräsident die einzelnen Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger und wechselte mit ihnen Neujahrswünsche. Bei dem Empfang waren außer Staatssekretär Dr. Meißner und den anderen Herren der Umgebung des Reichspräsidenten, Reichskanzler Dr. Marx, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Dr. von Schubert sowie der Chef des Protokolls, Gesandter Köster, zugegen.
Im Anschluß hieran empfing der Herr Reichspräsident den Reichskanzler sowie die hier anwesenden Reichsminister und Staatssekretäre der Reichsregierung. Reichskanzler Dr. Marx richtete an den Herrn Reichspräsidenten folgende Ansprache:
„Es ist mir wiederum die Ehre ver-! gönnt. Ihnen, Herr Reichspräsident, die ehrfurchtsvollen, von den Gefühlen inni
ger Verehrung getragenen Glückwünsche der Reichsretzieruna zu überbringen. Wenn ich in diesem feierlichen Augenblick die Erinnerung an den Tag vor einem Jahre zurückrufen darf, so will es mir nicht als überheblich erscheinen, aus das abgelaufene Jahr mit dem Gefühl dankbarer Befriedigung zurückzublicken. Glicht als ob irgendwie besondere Geschehnisse die Lage unseres Reiches oder Volkes entscheidend geändert hätten. Wir erwarten sie nicht und wissen, daß der Wiederaufstieg unseres Volkes nur fchritt- roeife und in unablässiger Arbeit zu erringen ist. Zwar ist der Herzenswunsch des gesamten deutschen Vollres, die Befreiung des besetzten Gebietes noch nicht in Erfüllung gegangen, aber dennoch ist eine Besserung und Festigung unserer auswärtigen Lage unverkennbar. Auch das abgelaufene Jahr hat mehr und mehr die Schranken niedergelegt, die noch immer die Völker trennen; Deutschlands Stellung unter den Völkern wird sich auch in Zukunft weiter heben, wenn unser tiefer und ehrlicher Wille, an den großen Völkerfragen tatkräftig mitzuwirken, die ge-
(Fortfrvmg siehe Seit« 2.)
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Das Jahr 1927 wird in der Geschichte der österreichisch-deutschen Beziehungen denkwürdig bleiben — wenn nämlich dl« Historiker einmal die Geschichte der Völker nicht mehr nach diplomatischen Akten, sondern nach den wirklichen Ereignisse« schreiben werden, die das Leben der Menschen bestimmen. In dem verflossenen Jahre ist nämlich zum ersten Mal mit voller Bestimmtheit von allen österreichischen Klassen und Patzteien die Notwendigkeit des wirtschaftlichen Anschlusses Oester- re-.chs an das Deutsche Reich gefordert und ausgesprochen worden. Niemand kann Voraussagen, wie lange eS noch dauern wird bis zur Verwirklichung dieser Notwendigkeit aber andererseits braucht man weder „ein Prophet noch eines Propheten Sohn" zu sein, um zu verkündigen, daß die nächsten Jahre der Erörterung und Vertiefung des Gedankens dieses wirtschaftlichen Anschlusses gewidmet sein werden. Und da der Wunsch danach von Oesterreich auSgeht, so wird es auch Oesterreichs Sach« sein, den Nachweis dafür zu erbringen, daß das Land, wenn auch arm an barem Geld, nicht mit leeren Händen zum Reich kommt nicht als armer Verwandter, sondern daß es wirtschaftlich etwas zu geben hat daß es eine Aussteuer, eine Mitgift mitbringt. Daß das bloße „Denken in Geld" nicht wirtschaftlich richtiges Denken ist, fängt man ja allmählich an zu begreifen. Sogar Sozialisten müssen zugeben, daß in dem Ausspruch des alten liberalen französischen Volkswirts Frödö- rtc Bastiar Weisheit steckt: „La richess« c'est l'abondance des choses", zu deutsch: „Reichtum ist Ueberfluß an Sachgütern". Betrachtet man es so, so sind die Oester- reicher, obwohl es ihnen an Geld bedenklich fehlt dennoch reich. Sie müssen nur ihren Reichtum dem „großen Bruder", mit dem sie sich associieren wollen und der Kredit in der Welt hat, erst einmal zeigen.
Zu diesem Zweck wird in österreichischen Kreisen, die mit dem österreichisch-deutschen Volksbund in Verbindung stehen, eine Wirtschaftsausstellung geplant, die sich in Aufbau und Wesen von dem, was man sonst In Ausstellungen zu sehen bekommt, belangreich unterscheiden wird. Denn es handelt sich nicht um eine Ausstellung österreichischer Jndustrieerzeugnisse — die österreichische Industrie ist zu finanzschwach, um die Kosten einer solchen Ausstellung zu ertragen. Vielmehr soll in Plänen, Diagrammen, Bildern eine Uebersicht aller wirtschaftlichen Hilfsquellen, des genützten und noch ungenützten Bodenreichtums, der entwickelten und noch zu entwickelnden Land- und Forstwirtschaft, vor allem aber der Wasserkräfte, ihres begonnenen und zu vollendenden Aufbaues geboten werden. Die volkstümlichste, anschaulichste Form dafür soll gefunden werden, zugleich soll auch der Wirtschaftsmann, der Industrielle, der Techniker und der Finanzmann Belehrung aus diesen Bildern schöpfen. Diese AuFstellung, bei der mehr Wert auf Konzentration als auf Umfang gelegt wird, soll zunächst in Berlin gezeigt werden, dann soll sie durch alle großen Städte und Industriezentren des Reiches wandern, verbunden, wenn irgend möglich, mit Vorträgen über Oesterreich- Wirtschaft und über sein geistiges Erbe in Wissenschaft, Kunst, Dichtkunst, Musik. — „Reklame!’’ wird man vielleicht in Deutschland rufen. Aber hier können die Oesterreicher dreist und gottesfürchtig mit dem amerikanischen Sprüchlein trösten: „Woher sollen die Leute wissen, daß du ’ne gute Sache hast, wenn du zu blöd bist, es ihnen zu sagen." Die Oesterreicher haben eine gute Sache und sind gewillt, es den Seilten zu sagen. Wenn's not tut, wollen sie sogar sehr laut rufen und Europa und den Herren in Genf keine Ruhe geben, bis ie zur Einsicht kommen, daß man aus hrem Sande keine Schweiz wachen kann, andern daß sie den Anschluß an daS tammverwandte deutsche Reich — zunächst einmal den wirtschaftlichen Anschluß — notwendig brauchen, wenn sie ihre Kultur und ihre Lebenshaltung bewahren wollen.
Nota bene: Schweiz! Man führt si« den Lesterreichern immer als Muster eines kleinen, vom Seeverkehr abgeschlossenen Landes vor, das dennoch wirtschaftlich atmet und seine Selbständigkeit behauptet. Aber es ist doch sehr die Frage, wie lange die Schweiz ihre wirtschaftliche Selbstän- digkeil angesichts eines sich immer stärker