Snitog, den so. Sez. ISN
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Anzeiger für (das frühere kurhesfifche) Oberheffe«
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Dis ReWon der Reparationen und KrieasfKulöen
znmkrrilb kvrdrrt na» wie »er N-rbinduag «der gleWettige Mandluug der beidea Probleme
Die Frage einer Revision des Darves- Pianes beschäftigt die französische Oef- fenllichkeit in hohem Maße. St. B r i x e erklärt im „I o u r n a l“, daß einer Revision des alliierten Schuldenproblems und der Reparationszahlungen unvermeidlich sei. P o i n c a r 6 habe wohl juristisch recht, wenn er behauptet, daß die deutsche Reparationsschuld 132 Milliarden Mark betrage, ebenso wie Staatssekretär Mellon, wenn er betont, daß eine Verbindung zwischen den alliierten Schulden und den Reparationszahlungen unmöglich sei. Aber die Tatsache widerspreche dem juristischen Standpunkt, denn
selbst wenn Deutschland andauernd 21/2 Milliarden Goldmark jährlich lei
sten würde, könnte es niemals seine Schuld von 132 Mil- liarden abzahlen, im Gegenteil, die S ch u l d w ü r d s s i ch st L n- dig trotz der Abzahlungen vermehren.
Andererseits hänge die Zahlungsfähigkeit der Alliierten von den deutschen Reparationsleistungen ab, so daß vom praktischen Standpunkt sowohl eine Reparationszahlung von 13 2"M iIIiar- den als auch dte bisher vorgeschlagene alliierte Schuldenzahlung undurchführbar seien. Das von den Bereinigten Staaten angenommene System für die Schuldenzahlungen sei übrigens
ein wirtschaftlicher Nonsens, da Amerika im Gold er st icke und für seine Ware Käufer benötige. Das alles könne auf die Dauer nicht anhalten. Führende amerikanische Persönlichkeiten hätten längst diesen Eindruck gewonnen und versuchten es auch, auf die Regierung der Vereinigten Staaten einen 4>ruck auszuüben.
Der offizielle „ExceIfior" bemerkt zu der Meldung des „N e w y o r k e r Hera! b“, daß man auf keinen Fall mit der Revision des deutschen Schuldenproblems vor dem Abschluß der Wahlen in Deutschland und Frankreich rechnen könne.
Die „Dolontö" entwickelt die Auffassung, datz die Vereinigten Staaten sich gezwungen sehen werden, das Reparationsproblem mit dem internationalen Schuldenproblem zu verbinden. Denn nur durch eine allgemeine Schuldenregelung könnten die Vereinigten Staaten in den Besitz jener Summe gelangen, die sie den Alliierten während des Krieges vorgeschossen hätten.
Der „Intransigeant" hat aufgrund der vom „Newyork Herold" verbreiteten Nachricht aus Washington über die Frage einer eventuellen Revision der Schulden- und Neparationsabkommen eine vorläufige (Enquete angestellt und glaubt, mitteilen zu können, in welcher Weise die politischen und diplomatischen Kreise in Frankreich reagieren würden, wenn diese zum mindestens verfrühte Nachricht sich bestätigen sollte. Das Blatt glaubt, mitteilen zu können, daß Frankreich einwilligen würde, wenn diese Revision nach der protokollarischen Formel und unter der Vorbedingung vorgenommen würde, daß die Revision der Frage der interalliierten Schulden zu gleicher Zeit diskutiert werden würde.
Frankreich würde dagegen seine E i n- willigung verweigern, wenn man zuerst die Ziffer der deutschen Schulden revidieren würde, sowie die durch den Dawesplan festgesetzten Annuitäten und lediglich eine spätere Revision der interalliierten Schulden ver
sprechen würde. Wenn diese Revision Platz greifen sollte, so würde Frankreich darauf bestehen, daß diese Streitfragen «leicher Zeit diskutiert werden würden.
rscheinlich würde Frankreich eine Herabsetzung z u l a s s e n. Es würde jedoch fordern, daß nach endgültiger Abrechnung ihm ein Betrag zur Verfügung bleibe, um einen Teil der Reparationen zu zahlen.
Re Sez'Mmekralie teilt eigen: Außenpolitik
Räumung und Luxemburger Konferenz.
Die Blätter veröffentlichen eine Zuschrift des Vorstandes der Sozialdemokra- tifchen Partei Deutschlands, die sich mit der Aeußerung Paul Boncours auf' dem außerordentlichen französischen Parteitag beschäftigt, daß die Luxemburger Konferenz vom 21. November 1926 im Einvernehmen mit den deutschen Sozialdemokraten die Räumung des besetzten Gebietes von der Schaffung einer Sicherheitsbedingung, nämlich der internationalen Kontrolle, abhängig gemacht hätte. Die Zuschrift gibt den Wortlaut der diesbezüglichen Luxemburger Beschlüsse wieder und erklärt weiter, es würde in der Debatte insbesondere von de Broucköre, der den Vorsitz führte, mit Zustimmung der übrigen Delegationen ausgeführt, daß
man z. B. die im Rheinland, also in Köln, ansässigen Konsuln der Völkerbundsmächte unter Zuziehung eines Vertreters der Reichsregierung als „K o n- t r o l l k o m m i s s i o n des Völkerbundes" konstituieren könnte. Von den Vertretern der deutschen Sozialdemokratie wurde mit Entschiedenheit und wiederholt zumAusdruck gebracht, daß die deutschePar- tei einem solchem Eonderregime für das Rheinland nur als Freiwillige Gegenleistung für den f r e i w i l l i g en Verzicht Frankreichs auf die volle Ausnutzung seines B e - satzungsrechts zustimmen könnte. Infolgedessen müßte diese Sonderkontrolle für das Rheinland spätestens mit Ablaus der 15jährigen Besetzungsfrist ihr Ende finden.
Hierzu schreibt die „Tägl. Rundschau: „Während die deutsche Regierung auf dem Standpunkt steht, daß wir die vorzeitige Räumung des besetzten Gebietes nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages zu fordern haben, da wir die uns aus diesem Vertrage obliegenden Verpflichtung:» freilich erfüllt haben, und daß wir das uns zustehende Recht nicht zu erkaufen brauchen twrch Konzessionen, die über den Versailler Vertrag hinausgehen, ist die Sozialdemokratie bereit, von den wenigen Rechten, die man uns in Versailles ge- lasten hat, noch einen Teil preiszugeben. Legt's zu dem übrigen!"
M Mchlvrognunm btt ftanMchen Sozialisten
Sie Sauvivimkie des neuen Wrieivregrammö
Paris, 29. Dez. Der außerordentliche sozialistische Parteitag hat heute abend feine Arbeiten durch fast einstimmige Annahme einer von der Re- folutionskommission vorgelegten Entschließung beendet, die für die kommenden Kammerwahlen folgendes vor- sieht: Im ersten Wahlgang sollen überall sozialistische Kandidaten aufgestellt werden. Für den zweiten Wahlgang wird erwartet (eine bindende Regel wird nicht ausdrücklich vorgeschrieben), daß die sozialistischen Verbände ihren Kandidaten zugunsten desjenigen, welcher politischen Partei er auch angehören möge, zurück zieh en, der die meiste Aussicht hat, den reaktionären Kandidaten zu schlagen. Des weiteren wurde einstimmig eine Kommission eingesetzt, die nach einem vom Resolutionsausschuß ausgearbeiteten Arbeitsplan das Parteiprogramm ausarbeiten soll.
Der nette Programmentwurf der französischen Sozialisten.
ft. Paris, 30. Dez. Das neue Program» der sozialistischen Partei steht n. a. vor: A b - Schaffung des Senats und sofortige Abschaffung seiner Vefugniste, Gleichstellung beider Geschlechter, wirtschaftliche Reorganisation mit Preiskontrolle, Kontrolle der Banken und Kartelle, Aufteilung de» Bodens, Nationalisierung der Bergwerke und Eisenbahnen, Uebernahwe der Monopole in staatlichen Betrieb, Militör- resor«, Regelung des Programms der Besetzung von Rheinland und Saargebiet sowie de, Programms der Sonder- »ertrngc.
Flugzeugabsturz.
ft Paris, 30. Dez. Bei Diedenhofen ürzte ein Militärflugzeug ab, wobei der lilot und sei» Begleiter getötet wurden.
MMmvM traf floriita
sk. Paris, 30. Dez. Dem „Petit P a r i s i e n" wird aus Marseille gemeldet, daß aus bisher noch unbekannten Gründen 15 Soldaten einer Strafkom» pagnie in C a l v i auf Korsika eine Revolte angestiftet hätten und mit Hilfe einer Hacke in einen Nebenraum der Kaserne eingedrungen seien, in dem sich 30 andere zur Strafkompagnie gehörige Soldaten befanden. Diese 45 Soldaten seien von Gendarmen umzingelt worden, aber niemand könne sich ihnen ohne Lebensgefahr nähern. Sie hätten zum Fenster hinausgerufen „nieder mit dem Heer!" und darauf die Internationale angestimmt. Gestern seien 50 Mann Infanterie aus Bastia eingetroffen und nach Calvi entsandt worden. Zur Zeit wird das Gebäude von Infanterie und Gendarmerie belagert. Die Aufständigen drohen alles zu erschießen, wenn ein Angriff auf sie unternommen würde.
Da» abgelechute Panzerschiff.
ft. Berlin, 30. Dez. Die Ablehnung der ersten Rat« für den Neubau eines Panzerschiffes durch Preußen Im Reichsrat haben die Deutschnationalen zum Gegenstand einer großen Anfrage im preußischen Landtag gemacht, in der unter Kritisierung des Verhalten» der preutzr- schen Staatsregierung dies« u. a. gefragt wird, wie sie ihren Antrag und ihre Stimmabgabe rechtfertige.
Ferner wird gefragt: Sieht die Staatsregierung nicht, daß der von ihr herber- gesührie Beschluß des ReichSrateS geeignet ist, im Auslands die Meinung hervorzurufen, daß die im Versailler Vertrage Deutschland zugestandene kleine Wehr bei uns selbst für noch zu groß gehalten wird? Sieht die Staatsregierung nicht, daß ihre planmäßigen Vorstöße gegen tie Reichs- reaierung, die nicht einmal vor der Sicherheit des Reiches Halt machen, das Ansehen Preußens im deutschen Volke immer mehr schädigest müssen?
teutW Stiegettenhnal In ter WrgssitM-DIAlMn
Sn der Diskussion über die Frage der Der- antwvrtlichkest am Weltkriege spielt fett einiger Zeit auch der kleine Moselort TreiS eine Dolle. Das in Paris erscheinende .Journal de Debats“ hat auf einem feinet Strelfzüge int Gebiete der Kriegsschuldfrage entdeckt, daß m Treis a. d. Mosel ein Kriegerdenkmal steht mit einer Inschrift, die den schlüssigen Beweis dafür liefere, datz Deutschland zuerst den Krieg begonnen habe. Das Pariser Boulevard-Blast überschlägt sich geradezu vor Dege.sterung. daß endlich eine .Urkunde" gefunden ist, auf die man Deutschland festlegen kann. Sn dem Dezemberheft der Berliner Monatsschrift .Die Krieg-» schuldsrage", Ine unter der Leitung von Alfred von Weg er er fett Jahren einen verdienstvollen Kampf für internationale Aufklärung auf dem Gebiete der Kriegsschuldfrage führt, werd dargelegt, welche Bewandtnis es mit dem Kriegerdenkmal in Treis a. d. Mosel hat. Alfred v. Wegerer ist den Dingen auf den Grund gegangen und hat — z. T. durch Dachfrage bet dem Bürgermeister von TreiS — folgendes festgestellt:
Sn der Tat befindet sich in TreiS a. d. Mosel e n Kriegerdenkmal, das folgende Sn» schrtft trägt:
.An dieser Stelle der Ehre traten am 31. Sult 1914, abends 8 Uhr 15 Mi», unfereerften Kämpfer an.“
Das „Soumal des DebatS“ triumphiert: .Jeder Kommentar ist überflüssig: am 31. Suh 19141 Zwei Tage vor der französischen Mobilmachung! Ein ebenso stolzes tote offenes Bekenntnis! Die deutsche Regierung spricht jetzt von einem Schiedsgericht, wohlan, aber chier ist eine Urkunde mehr für daS Dossier der Kriegsschuldfrage!“
Ein Kommentar, meint das französische Blatt, ist überflüssig. Er wäre es in der Tat, wenn das Blatt in feinen Schlußfolgerungen, die es aus dem Denkmal und seiner Snschrift zieht, nicht erkennen ließe, daß ihm die elementarsten Kenntnisse über den Kriegsausbruch fehlen. Das „Sournal des Debats" folgert nämlich, daß durch die genannte Snschrift der Beweis erbracht sei, die deutsche Mobilmachung hätte zwei Tage vor der ftanzösischen begonnen. DaS ist natürlich reiner Unsinn und widerspricht den längst festgehaltenen Tatsachen. Wie erklärt sich aber die rätselhafte Snschrift auf dem Treffer Kriegerdenkmal. „Die Kriegsschuldfrage" berichtet darüber folgendes: .
Am 31. Suli 1914 wurde bekanntlich um 1 Uhr nachmittags als deutsche Antwort auf die russische allgemeine Mobilmachung der .Zustand drohender Kriegsgefahr" angeorbnet Mit dieser Maßnahme trat automatisch die Bewachung der wichtigsten Eisenbahnkunst-' bauten, Brücken. Straßen ufto. in Kraft. So war es auch in dem kleinen Moselstädtchen Treis. Hören wir, was uns der Bürgermeister selbst hierzu mitzuteilen hat:
„Snfolge des Kriegszustandes mußten von der Gemeinde zur Bewachung der Provinzial- straßen und der Moselsähre einige Mann gestellt werden. Aus meine Bekanntmachung hin meldeten sich freiwillig 10 Mann, zumeist gediente Leute (Ae'ervisten und Wehrleute). Diese Leute traten am 31. 7. 1914 8 Uhr 15 Min. abends auf der Stelle, wo jetzt daS Kriegerdenkmal steht, behufs Uebernahme ihres Wachdienstes an. Infolge Anspruches des Krieges wurden sämtliche Wachmannschaften am 6., 7. ufto. August 1914 ein» berufen; sie sind fast alle im Kriege gefallen.“
Die Hoffnung des .Soumai des DebatS“, mit dieser Snschrift bei einem etwaigen Schlichsgerich! die Tatsache über den Haufen zu werfen, daß die deutsche Mobilmachung erst am 1. August 5 Uhr nachm., allo 20 Min. nach der ftanzösischen. angeordnet ist, dürste hierdurch wohl entschwunden sein. Wenn das .Sournal des Debats“ aber in der Bewachung einer Provinzialstrahe oder btt Moselsähre am 31. Suli trvkchem eine Mobilmachungsmaßnahme erblicken sollte, die die Sicherhe t Frankreichs vorzeüig kedrv't haft, so fei der Redaktion des Blattes empfohlen, einmal den ersten Band des ftanzöfifchen Generalstabswerkes durchzublättern. Hi« kann mit Leichtigkeit sestgestellt werden, daß ix Frankreich bereits am 28. Suli ähnliche Anordnungen des ftanzöfifchen Kriegsministeriums erlaffen worden find.
Wie mag aber die dem .Sournal bet Debats so aufschlußreich erscheinende Snschrist <m das Matt gelangt sein? Dom 8.—14, Sept.