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VomiMag, Itn29.9ti.1927

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Marbmer rageSanstleer

WiW LaMWtung

SbecheMche Zeitung

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t Voldmark -- */«.,Dollar.

Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtliche« Beka««tmach««ge« sSr Stadt und Kreis Marburg.

VaS zenimn lerbrrl 6 ff. Nachdem bereits gestern die »Tagt, und schau- darauf hingewiefen hat. i itz der Reichstag unter allen Umstande» « Reichshaushalt verabschieden werde, rdert heute die »Germania" in i «em Leitartikel die Erfüllung einer s eiteren Reihe von Aufgaben durch das tzige Parlament. B-n der Regierung td de« Regierungsparteien könne man cht verlangen, datz sie die graste Auf-- be der Schaffung eines neuen Straf« ksetz buche« unbcendet lätzt. Einmal stehe die Gefahr, dah, wenn es jetzt nicht i stände komme, die Neuregelung der trafrechtsfrage auf den St. Nimmer- instag verschoben werde. Zum andere» Sngt die Rücksicht auf Oesterreich zur tldiaen Verabschiedung. Ferner wird in i to Artikel dem Wunsche nach Erledigung ELiquidationsfchSdengesetzes sdruck gegeben. Worauf aber, so fahrt s Berliner Zeutrumsblatt fort, die Ver­daten Frattiouen des Zentrums und s e Bäuerischen «ol'spartei und mit een hoffentlich alle übrigen Fraktionen er Koalitionsparteien, den gröstten Wert Reu. das ist die Verabschiedung des eichsschulgesetzentwurfe». Es ite eine falsche Annahme zu glauben, mtz das Zentrum etwa bereit sein könnte, Ine Zustimmung zu einet Auflösung des Reichstages zu geben, ohne dast der Reichs- fulgefetzentwurf erledigt ist. Der Artikel lieht: Unsere Parole lautet: Ruhig lutl

Der Kampf um das Schulgesetz.

Der Bildungsausschuß des Reichstages bat reits einen groben Teil der Reichsschulvor- ge erledigt. Damit ist aber noch keineswegs sagt, dast über den Charakter des endgülti- n Gesetzes zwischen den Regierungsparteien teils jetzt volle Einigkeit hergestellt ist. Das hicksal des Gesetzes ist nach wie vor noch un- . Die schwierigen Fragen des Religions- terrichles, der Limultanfchulländer und die nanzierungsfrage sind im Ausschuß über­luvt noch nicht erörtert worden. Auch von n bisher erledigten Paragraphen find einige Ulsagen nur auf Vorbehalt angenommen «den. Sv baden 8. B. die Dcutschnaiio- ilen, die Bayerische Dolksvartei und das entrum dem auf Antrag der Bolksvartei mit Aerstützung der Linien während der Aus- ubberatungen in das Gesetz neu eingefügten 12b nur mit dem Vorbehalt einer anderen irllungnabme bei der zweiten, Lesung ihre istimmung gegeben, um zunächst, einmal die Rötung des Gesetzes im Ausschuß möglich zu ichen. In diesem 6 12b wird bestimmt, daß en amtswegen einzurichtende neue schulen i Gemeinschaftsschulen einzurichten find, so­llt nicht die Erziehungsberechtigten der rhrbeit derjenigen Kinder, die der neuen hule zugefübrt werden sollen, eine andere hulform beantragen". Zentrum, Deutsch- ltionale und Bayerische Volksvartei sehen,m t|er Fassung eine Bevorzugung der Eemein- aftsschule: sie haben noch nicht darauf ver- htet, diese Bestimmung des Gesetzes in eine Ren genehmere Form umzuändern.

Ebenso haben die Regierungsvarteien nur Her Vorbehalt dem § 9 zugestimmt, der im isschuß durch die Deutsch« Dolksvartei und k Linke eine Fassung erhalten bat, die nach »sicht der Deutschnationalen, des Zentrums lb der Bayer. Dolksvartei einen die Bildung n Bekenntnisschulen benachteiligenden 3u» nitt erfahren bat. Dagegen fiebt wiederum e Deutsche Volkspartei die in den §§ 35 »her gefundene Fassung der Schulformen ib der Kennzeichnung der einzelnen schulen s wenig befriedigend an, so besonders die kstimmung des § 5, wonach in den Bekennt- irschulen der Unterricht in einer Weltanschau» *e nicht obliMtorisch. sondern nur »runelak»

edLgung des ReLchöschulVjetzes t

Jen sei und die Erteilung eines solchen Welt- anschauungsunterrichts derW.llenserklärung des einzelnen Lehrers überlasten bleiben soll

Schon hieraus gebt hervor, daß auch der be­reits vom Ausschuß erledigte Teil des Gesetzes noch keineswegs als feststehend angesehen wer­den kann. Die Möglichkeit, daß es auch über diese Paragraphen bei der zweiten Lesung des Gesetzes zu lebhaften Meinungskämpfen kom­men wird, ist durchaus gegeben. Das schwie­rigste noch zu erledigende Problem ist die Frage der sogenanntenkirchlichen Schulauf­sicht", die bei den letzten interfraktionellen Be­sprechungen kurz vor Beginn der Weihnachts­ferien des Reichstages eine große Rolle ge­spielt und u. a. zu Gerüchten Anlaß gegeben bat, daß die Regierung angesichts der völligen Unmöglichkeit, zwischen der Deutschen Volks- vartei und den übrigen Regierungsparteien

Reue Saussuchi

®afftn und ein Rsbil

ff. Paris, 29. Dez. DemQuoti- d i e n" wird aus Strastburg über die Haussuchungen in Autonomistenkreisen ge­meldet:

Infolge der bei dem protestantischen Pfarrer H i r tz e l vorgenommenen Haus­suchungen ist der Verdacht entstanden, daß Pastor Hirtzel den Führern der Äutono- mistenbewegung bedeutende, aus dem Ausland gekommene Geldsummen übermittelt habe. Jedenfalls wird sich Pastor Hirtzel, der Beamter des fran­zösischen Staates ist, über die wirkliche Herkunft der Tausende von Franken äustern muffen, die er bei der Äutono- mistenkasse eingezahlt hat.

Der frühere Abgeordnete Brogly er­klärte, als die Polizei bei ihm zur Haus­suchung schritt, während des Krieges hät­ten deutsche Beamte wegen seiner fran­zosenfreundlichen Einstellung bei ihm Haussuchungen abgehalten. Er habe nie­mals gedacht, dast französische Beamte gegen ihn in derselben Weise vorgehen würden. Gleichzeitig ritz Brogly das Band der Ehrenlegion, das er trug, a b und erklärte, er werde es n i e wieder anlegen. Schlietzlich wird dem Blatt noch berichtet, datz bei dem Abbö Z i m b im Presbyterium der von ihm verwalteten Kirche Gewehre und Patronen, ein Heliograph und ein Mobilmachungsplan für 11 Ab­teilungen von je 300 Mann, der von tüt Autonomistenliga im Einvernehmen mit den kommunistischen Jugendorganisationen ausgearbeitet worden sei, entdeckt worden seien.

Znr Bespwchnng PowareöS mit den linktz- stehende» Kabiwettsmilglicdern.

Paris, 28. Dez. Die Havasagentur nimmt zu der heute früh vomMali n verbreiteten Meldung Stellung, nach der sich Poincarö gestern mit den linksstehen­den Mitgliedern des Kabinetts über poli­tische Fragen ausgesprochen haben soll. Die offiziöse Agentur teilt mit, daß diese Besprechung, die etwa vierzig Minuten dauerte nur die Regelung gewisser Einze>l- fragen betreffend den heute vormittag ab­gehaltenen KabinetiSrat zum Gegenstand harte. DerT e m p 6" erklärt, daß in dieser Besprechung die politische Lage sowie gewisse Fragen geprüft worden seien, die unter die Zuständigkeit der vier Minister, die an ihr teilnahmen, fallen.

Der DaweSplan und die interalliierten Schulden.

R e w h o t k, 28. Dez. ,Herald and Tri­büne berichtet auS Washington: In po­litischen Kreisen wächst die Ueberzeugung, daß die Festsetzung der Reparationsjchulo, und zwar in Verbindung mit der Frage der alliierten Kriegsschulden erfolgen solle. Der Bericht Barker Gilberts, der die Not-

d btt ölwWMor-M

hier eine Verständigung zu erzielen, mit dem Gedanken umgebe, diese Frage aus dem Gesetz­entwurf überhaupt berauszunebmen und sie später in einer besonderen Vorlage zu regeln.

Die Beratungsstelle.

Berlin. 28. Dez. Entgegen einer Blättermeldung, datz auf den 6. Januar eine Sitzung der Beratungsstelle für Ausländsanleihen anberaumt fei zur Beschlutzfaffun« über die Zulassung einer Reihe von Ausländsanleihen, verlautete von unterrichteter Seite, dah nicht beab­sichtigt ist, vorderhand eine derartige Sitzung abzuhalten.

ngen im Elsaß

mibimgfokm gefunden

Wendigkeit der Festsetzung der Reparatio­nen betonte, har die hier zur Zeit staUt- sindendenErörierungen des Problems we­sentlich gefördert. Jedenfalls bricht sich die Ueberzeugung Bahn, datz die Lösung des Reparationsproblems von den günstig­sten wirtschaftlichen und politischen Folgen begleitet sein würde. Bei einer solchem Lösung denkt man an eine erhebliche Herab­setzung der deutschen Reparationsschuld als auch der amerikanischen Forderungen an die Alliierten.

Rumänische KricgSfchuldenver-handkmsr* in Paris.

ff. Paris, 29. Dez. Briand empfing gestern den früheren rumänischen Mi­nisterpräsidenten Antoneseu, der sich gegenwärtig in Sondermission in Paris aufhält. Antoneseu hat den Auftrag, mit der französischen Regierung über die Re­gelung der rumänischen Kriegsschulden in Frankreich zu verhandeln.

Goldtransport für die Bank von Frankreich.

fk. P a r i s, 29. Dez. Der Postdampfer R o ch a m p e a u", der am 28. Dezember Newyork verlassen hat, hat nach einet Meldung desEcho de Paris" 10 Millionen Dollar in Gold für die Bank von Frankreich an Bord. Das Gold ist schon vor längerer Zeit angekauft worden, wird aber erst jetzt nach Frank­reich überführt, da gegenwärtig die Eold- transportspesen nach Europa günstig find. Tas Blatt berechnet die Golddeckung der Bank von Frankreich einschliehlich der für das Schatzamt in London deponierten 1400 Millionen Goldfranken mit 6H Milliarden Franken in Gold.

Bor einer «rohen Poincarö-Rede.

fk. Paris, 29. Dez. Wie aus bet Um­gebung PoincarSs verlautet, hat der Mi­nisterpräsident die Absicht, demnächst eine große Rede über das von der Regierung ausgearbeitete Programm für die wirt­schaftliche Wiederaufrichtung Frankreichs zu halten.

Der spanische Botschafter bei Briand.

fT. Paris, 29. Dez. Briand empfing im Verlaufe des gestrigen Nachmittags den spanischen Botschafter Quino ne» de Leon. Wie von gut unterrichteter Seite verlautet, bezog sich die Unterredung auf eine baldige offizielle Wiederaufnahme der sranzösisch-fpan-ifchen Verhandlungen über ein neues Internationales Statut in Tan­ger. Zwischen England und Frankreich besteht die Vereinbarung, daß nach dem Zustandekommen einer Verständigung über diese Frage zwischen Frankreich und Spa­nien auch Italien zu Verhandlungen hin- zugezogen werden soll.

MMrmsr'MbBtomltiimM

Von einem Schulmann wird uns ge­schrieben:

Vor nicht langer Zeit hat der Minister für Landwirtschaft, S ch i e l e, in Hamburg in einer großangelegten Rede die Not­wendigkeit der Siedlung überzeugend nachgewiesen. Auf der Deutschen Schutz­bundtagung in Regensburg, auf dem Tref­fen des Vereins für das Deutschtum im Auslande in Goslar ist von berufener Seite eindringlich dargestellt, wie groß die Gefahr der Entvölkerung des deutschen Ostens sei, da Polen und Tschechen, kin­derreicher als die Deutschen, nachdrängen. In der Presse erscheinen von Zeit zu Zeit Warnrufe wegen des Rückganges der Ge­burtenziffer, Mahnungen, nicht in die Großstadt zu ziehen, Berechnungen, die be­weisen, daß sich die Zahl der deuschen Landbewohner (Gemeinden unter 2000) von 1871 bis 1925 um 4 Millionen verrin­gert, der Stadtbewohner (Gemeinden über 2000) um 25,3 Millionen vermehrt habe, daß somit die Hauptquelle der Volkser­neuerung an Kräft ständig einbüße. Aber wie tief auch unsere Gebildeten von der Wahrheit dieser bevölkerungspolitischen Gedanken durchdrungen fein mögen, wenn sie selber, etwa Beamte, Lehrer, Pastoren, vor dem Entschluß stehen: Land ober Großstadt sie wählen fast immer die Großstadt, nicht selten im Widerspruch zu ihrer inneren Neigung, aber unter dem Druck der wirtschaftlichen Vorteile.

Die freien Berufe, Arbeiter, Handwer­ker, Kaufleute werden zur Abwanderung in die Stadt durch Angebot und Nachfrage bestimmt, einem von außen schwer zu be­einflussenden Vorgang des Wirtschafts­lebens; für die Beamten und Lehrer ist die Höhe des Einkommens, und im engen Zu­sammenhang damit die Bildungsmöglich­keit für ihre Kinder entscheidend; hier könnte man also, unabhängig von Wirt­schaftsvorgängen, helfend eingreifen.

Ein Staat, der zielbewußt Siedlungs­und Bevölkerungspolitik treiben will, mutz dafür Sorge tragen, dah dem flachen Land möglichst viele tüchtige, geistig angeregte Lehrer und Beamte, tatkräftige Träger des kulturellen Lebens, erhalten bleiben; er muß den Bildungsstätten des Dorfes und der kleinen Stadt feine besondere Pflege durch Ueberweisung ausgezeichne­ter Lehrkräfte angedeihen lassen. Statt- besten förbert er burch unterschiedliche Be- folbung bie Abwanberung ber Fähigen vom Lanbe zur Stabt, kein Wunber, baß manche Kleinstabt auf einer entspre- chenb tiefen Stufe geistigen Lebens steht, wo boch bie Hechte, bie ben Karpfenteich' beleben sollten, regelmäßig in ben Ozean bes Großstabtlebens abschwimmen und oft völlig barin verschwinben.

Unser Besolbungssystem berücksichtigt in burchaus unzulänglicher Weise bie vom be­völkerungspolitischen Stanbpunkt bebeu« ungsvolle unb für ben Familienvaer unse­rer Zeit wichtiaste Frage, bie Ausbildung ber Kinber. In ber Friebenszeit ver­mochte ein Beamter, wenn er nicht schon ein kleines Vermögen befaß, im Laufe ber Jahre soviel zu ersparest, um seine Jun­gen auswärts bie höhere Schule ober bie Universität besuchen zu lassen; der Be­amte unserer Zeit ist durchweg verarmt und kann an Ersparnisse kaum denken; die einzige Möglichkeit, seinen Söhnen heute auch seinen Töchtern eine weiter- gehende Ausbildung zu geben, besteht da­rin, ihre Zahl zu beschränken ober sich' selbst in bie große Stabt versetzen zu lasten ober beibes zu tun. Und so brängt der Beamte vom Land in die Stadt hinein, und da die Tüchtigen in diesem Wettbe­werb den Sieg erringen, wird das Land' von den besten Kräften entblößt.

Im Bereich der höheren Schule,- die zurzeit an einem Mangel an Studien­assessoren leidet, wird um jeden tüchtigen Mann gleichsam gekämpst: auf der einen Seite versucht der Staat, ihn für seine An­stalten in den Landstädten zu erhalten.