SieaStag, Ito 27. Sei. 1927
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Anzeiger für (bas frühere kurhessischej Oberhessen
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Sassomw t
Paris. 26. Dez. Der ehemalige rusfi- ße Minister der auswärtigen An- Menheiten SergejDimitriewitsch Sas. s,«ow ist in der vergangenen Rächt in lizza. wo er fich seit einigen Tagen »shielt, einem Herzschlag erlegen. Sas, |Hwm. der ein Alter von 67 Jahren er, eicht hat. war als Nachfolger Iswolski» von 1910 bi» zu seinem Rücktritt im Mre 1916 Leiter des russischen Mini- siriums des Aeuheren. Seit der russischen laolutio» lebte er hauptsächlich in
Mulreich.
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Sie wenigen heute morgen erscheinenden berliner Blätter beschäftigen sich ausführlich ick der Dolle, die der vorgestern in Dizza «erstorbene Sassonow als russischer Außen- Mister gespielt hat. Der »Lokal-Anzeiger" - chl sein Urteil in die Worte zusammen: Wchst Iswolski, der in zweijähriger Ar- Sett von Paris aus Sassonow, der ursprüng- »€01 Kriegsgegner war, zu reiner Anbekehrte, und Pvincare ist Sassonow dohl derjenige Staatsmann gewesen, dessen iolitik am meisten zum Ausbruch des Welt- kieges beigetragen hat.
Die ,B o s s i s ch e Zeitung" schreibt, daß Baffonoto kein Mann von der skrupellosen 2rt seines Vorgängers Iswolski war, ist deisellos. Er sich Wohl das Unheil kommen, Laschte es zu vermeiden, fand aber weder en Weg noch die Kraft dazu, irgend einen entscheidenden Schritt zu tun. Er ließ sich j beufo treiben, wie alle die Staatsmänner. Ke damals am Duder waren. Don ihnen tüen gilt das Wort des Fürsten Lichnowski: ,Sin für einen bestimmten Zweck gewollter wd geführter Krieg, braucht kein Verbrechen K sein: ihn aber zu verursachen, ohne ihn tztvvltt zu haben, ist das schlimmste, was ton einem Staatsmann vorwerfen kamr. Der Deltkrieg aus Versehen!"
Das »Berliner Tageblatt" weist darauf hin, daß während des Krieges Sasso» toto ein entschiedener Gegner jeder Derständi- jung mit Deutschland gewesen war.
Im »Vorwärts" heißt es:
Er war kein ausgesprochener Kriegshetzer, die es Iswolski war, aber der Situation tat 1914 stand er hilflos gegenüber. Die Sun Kriege treibende Militärpartei war ßirker als er.
die Erstatt für Mrt Selbstmord
JoffeS Bnef au Trotzki.
Paris, 26. Dez. Das „Bulletin Com- Junift", das in Paris erscheint, und die »üffassung der russischen Opposition ver- titt, veröffentlicht einen langen Brief des durch Selbstmord geendeten russischen Par- ioisührers Joffe, den dieser kurz vor seinem Tode an Trotzki gerichtet hat. In diesem Brief, der niemals Trotzkt erreicht tot, da er von der G. P. U. beschlagnahmt durde, erklärt Joffe, wegen seiner Krank- toit und hauptsächlich wegen seiner Kalt- •tellung aus dem Leben scheiden zu wol- tai. Die Wühlarbeit gegen die Lpposi- üon, der auch er angehörte, sei soweit gegangen, daß ihm jede ärztliche Hilfe und Medikamente auf Staatskosten verweigert »orden seien.
Er zöge es deshalb vor, aus dem Leben 8U scheiden, obwohl er Gelegenheit gehabt fabe, sich durch Veröffentlichung seiner Er- ^nerungeit bei ausländischen Verlagen »eld zu verschaffen. Hiervon habe er ab- iesehen, da er mit der Parteileitung nicht Ur Gegensatz habe geraten wollen. Sodann wendet sich Joffe an Trotzki persön- “d>. Er bezeichnet eine Lage als unerträg- nch, in der die russische kommunistische «arrei stillschweigend den Ausschluß "vtzkis aus den Reihen ihrer Führer hrn- !>immt. Er sei überzeugt, daß früher oder väler in der Partei eine Krise ausbrechen *erbe, die sich gegen die jetzigen Machrha- richten werde. In diesem Sinne fei ain Tod als ein Protest gegen jene zu betrachten, die die Partei in eine Lage Fracht hätten, in der sie nichts gegen die Ausschaltung Trotzkis und seiner Anhänger JUn können. Zum Schluß wirft Joffe «otzki vor, zu oft im Interesse einer Per-
Segen Nolnkare's Mllllardentaumel
Smstchlmb kann hechftenö $1 Milliarden bezahlen
ff. Paris, 27. Dez. Die „Volants" setzt ihre Aufklärung über die Unhaltkeit der Behauptung Poinacrss fort, daß Deutschland nach wie vor 132 Milliarden Eoldmark schulde und der Dawesplan an den Alliiertenforderungen nichts geändert habe. Theoretisch möge das wohl stimmen, aber praktisch sei es ein Unding, denn leih vernünftiger Mensch könne glauben, dah Deutschland mehr als V4 von der ursprünglichen Summe bezahlen werde. Wie wenig Franzosen anderer Meinung seien, beweise die große lleberraschung, die fich allgemein nach der Veröffentlichung der Er- klärungen Poincarüs in der Oeffentlich- keit zeigte.
Die Wahrheit sei eben, dah Frankreich in dem Augenblick auf die Ee- s a m t s u m m e von 132 Milliarden verzichtete, als es den Dawesplan unterzeichnete.
Wenn Frankreich trotz des Protestes der Bereinigten Staate« das alliierte Schuldenproblem mit der Frage einer Revision des Dawesplanes verbinde, so müsie es viel weiter gehen und zum Beispiel die Frage einer schnellen Kommerzialisierung der Dawes-Obligation im Zusammenhang
mit den alliierten Schulden in Betracht ziehen, was aber bei einer Verminderung der deutschen Reparationsschuld nicht zu erreichen sein dürfte. Man sei wohl noch nicht so weit, aber auf keinen Fall sollte man versuchen, in den Archiven - ver. staubte Akten hervorzuziehen, an deren Wirksamkeit niemand mehr glaubt.
Neueinteilung der französischen Divisionsbezirke.
Koblenz, 26. Dez. Nach Beseitigung der Delegierten hat der französische Oberbefehlshaber — wie in den Mitteilungen des Reichskommissssars für die besetzten Gebiete mitgeteilt wird — verschiedene Befugnfise (z. B. die Gegenzeichnung gewisser Waffenscheine, die Entgegennahme von Anzeigen über politische Versammlungen u. dgl.) den Divisionsbefehls- habsrn übertragen. Gleichzeitig find die Divisionsbeizrke neu abgearenzt worden. Danach gehört auch die 37. Division in Mainz, die für Rheinhessen, Kreis Höchst a. M. und Teile des Landkreises Wiesbaden zuständig ist, zum 32. Armeekorps in Kaiserslautern. Die Pfalz bleibt ebenso wie bisher unmittelbar dem 32. Armeekorps in Kaiserslautern unterstellt. Für die vier Zonen Koblenz, Trier, Mainz und Pfalz bleiben je ein Kriegsgericht und ein Militärpolizeigericht be-
stänbrgung einem Kompromiß zugestimmt zu haben, obwohl er, Trotzki, immer recht gehabt habe, was selbst Lenin zugegeben habe. Er, Jchfe, sei überzeugt, daß Trotzki erneut zur Macht gelangen werde.
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Schwere Avlvston in Aentstn
Peking, 26. Dez. Das nordchinesische Hauptdepot der Standard Oil Companu in Tientsin ist heute , mit sämtlichen Tanks und Fabrikanlagen in die Luft geflogen. Die Explosion wurde dadurch herbeigeführt, dah ein benachbartes Munitionslager, wahrscheinlich infolge Brandstiftung, in Flammen aufging. Auch in der belgischen Konzession wurden zahlreiche Häuser zerstört. Tiensin ist in dichte schwarze Rauchwolke« gehüllt. Zn der Stadt herrscht die gröhte Panik, da man befürchtet, dah der Riesenbrand weiter um sich greift. Die Zahl der Verluste an Menschen ist noch unbekannt, jedoch wird der Materialschaden auf 50 Millionen Dollar geschätzt. Die Standard Oil Company ist genötigt, ihre Tätigkeit in Nordchina zunächst einzustellen.
Ar 896t der Rusten in 6bina
ff. London, 27. Dez. „Times" meldet aus Hongkong: Was mit den Russen in Kanton geschehen ist. steht immer noch nicht fest. Eine amtliche Erklärung besagt, 10 Russen seien während des Kampfes getötet worden. Ausländische Zeugen aber sagen, daß 5 Russen dingerichtet wurden, darunter zwei, die im Konsulat verhaftet worden waren. 2m ganzen sollen nach ausländischen Angaben 8 Russen hingericktet worden Jein, darunter der Vizekonsul und ein Konsulatsbeamter. Nur zwei seien im Kampfe gefallen.
Wie aus Schanghai gemeldet wird, hat sich dort nach der Abreise des russischen Generalkonsuls und seiner Mitarbeiter die Lage entspannt. Allerdings hegt man
nach englischen Berichten einige Befürchtungen wegen der von den Russen angekündigten baldigen Rückkehr nach China. Der Verkehr in Schanghai ist mittlerweile in vollem Ausmaße wieder ausgenommen worden. Der Streik in der britisch-amerikanischen Tabakgesellschaft ist im Abflauen. Im Europäerviertel wurde eine Weihnachtssammlung für das europäische Verteidigungskorps veranstaltet, die 30 000 Mark erbrachte. An der Aufbringung dieser Summe haben sich, wie englische Meldungen besagen, auch die Deutschen beteiligt. Auch in dem internationalen Komitee, das zu Ehren des scheidenden britischen Oberbefehlshabers Duncan im Januar ein Abschiedsbankett gibt, soll sich ein Deutscher befinden.
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London, 26. Dez. Wie die gestrigen Blätter melden, hat eine Expedition Harbour Grace (Neufundland) verlassen, um Nachforschungen nach dem Schicksal des Flugzeuges der Frau Grayson anzustellen, von dem 48 Stunden nach dem Verlassen des Flugplatzes noch keine Nachricht vorlag. Heute morgen um 7 Uhr wird aus Halifax (Neu-Schottland) berichtet, daß die Funkstation auf Sabie Island südöstlich von Halifax) mit dem Flugzeug eine Verbindung aufnehmen konnte, die iedoch durch ein Gewitter gestört wurde. Die „Dawn" teilte mit, daß „etwas nicht in Ordnung" sei.
Newyork, 27. Dez. Zwei Zerstörer und das Lenkluftschisf „Los Angeles" haben ihre Station auf Befehl des Marinedepartements verlassen, um sich an der Suche nach dem vermißten Flugzeug zu beteiligen, in dem Miß Grayson und ihre drei Begleiter sich auf dem Fluge über den Ozean nach Europa befinden. Seit der verstümmelten drahtlosen Botschaft von gestern abend ist keine weitere Nachricht eingegangen. Man nimmt in maßgebenden Kreisen auch an, daß das Flugzeug hilflos zwischen Massachusetts und Newyork im Atlant. Ozean. treibtz
Sie „ffiotctönigin-
Von einem Abgeordneten wird uns au» Berlin geschrieben:
Berlin hat mal wieder seine neue Sensation! Ein Teil der Berliner Presie füllt ihre Spalten über Berichte einer Schönheitskonkurrenz, die die. ser Tage erneut in Berlin in Anwesenheit des Oberbürgermeisters und Polizeipräsidenten stattgefunden hat. Die 3Robe» königinnen von Berlin (es sind die „Königinnen" von 1925 und 1926), sowie die aus Paris, Wien und Bukarest waren ebenfalls anwesend.
Der Kamps war heiß! Nicht inmitten des Preisrichterkollegiums, sondern im Publikum. Die „Wähler" bestanden aus den Kreisen der Maler, Modefachleute, der Modepresse usw. Die Königinnenkrone sollte nur einer Dame zufallen, die durch Anmut und Grazie im Vorführen der Mode sich besonders auszuzeichnen vermochte. Dann werden die Damen im einzelnen aufgeführt: die Photographien der „Königin" und ihrer engsten Konkurrenz erscheinen in den Zeitungen. Dazu Lebensbeschreibungen, wobei wirklich wenig imponierendes herauskommt. — Daran anschließend Ballnacht mit Berliner „Allerlei"!
Wenn das schaffende Volk in Stadt und Land diese bis ins Kleinste und Allzumenschliche gehenden Berichte zu lesen bekommen würde, würde es von Wut gepackt. Was schindet und plagt sich das Volk! Und hier wird ein L u x u s gezeigt, der wie ein Schlag ins Gesicht des schaffenden Volkes empfunden werden muß.
Statt Modeköniginnen auszurufen, wäre es an der Zeit, tüchtige Menschen, die in der Haushaltung und im Wirtschaftsleben wirklich Großes und Tüchtiges leisten, mehr hervorzuheben und zu prämiieren. Wir sind wirklich auf falscher Bahn. Boxkämpfer und Modeköniginnsn, Rennfahrer und Fußballspieler und dergleichen Persönlichkeiten mehr füllen einen guten Teil der großstädtischen Zeitungen. Wer aber auf geistigem, sozialem, wirtschaftlichem oder politischem Gebiet viel und Großes leistet, der wird zum alten Eisen geworfen. Deutschlands öffentliche Meinung befindet sich auf falscher Fährte. Mit der seitherigen Uebung geht unser Volk dem Abgrund zu. Wer Augen hat, zu sehen, der sehe. Die öffentliche Meinung muß im Sinne wirklicher W eitle i st u n e n umgestellt werden. Machen wir Schluß mit der Komödie der Modeköniginnen und all dem Geflunker, da» sich mit satter Behaglichkeit in unserem öffentlichen Leben breit macht.
Auf der anderen Seite die Not weiter Berliner Bevölkerungskreise, bittere, erschütternde Not! Zm .^Katholischen Kirchenblatt" von Berlin hat Dr. Karl Sonnenschein diese Not in Zahlen zusammengestellt; kurz und bündig. Es sind zwei verschiedene Welten, die fich da in ein und demselben Berlin gegen, übertreten. Hier Asyle für Obdachlose und dott hellerleuchtete, mit allem Luxus ausgestattete Säle; hier arme Mütter mit hungernden Kindern, dott ausgesuchtester Luxus; hier mangelnde Hemden und Unterkleider, dort durch die Mode geforderte weitgehende Nacktheit. Hier kinderreiche, hungernde Familien; dott Frauen, die keine Kinder wollen, umschwirrt von Herren der Gesellschaft. — Das Ganze ein Haufen von Elend und sittlichenAbstiegs! Traurig, aber wahr! ... -
Selbstmord.
ft. Tokio, 27. Des. Der frühere Komma» bant eines javanischen Kreuzers beging Selbstmord, weil er sich für den Untergang seines Schifies, roobet 12 Offiziere und 99 Mann den Tod fanden, verantwortlich fühlt«.