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Nr. sei

vtzerhessisch« Zeitung. Marburg a. L. Souwabeud, de» 24. Dezember 1927

Lette 9

-eilenÄMii und Smhbargtbtett

Göttingen, 22. Dez. Ein schwerer Un- glückssall bat den Tod des beim diesigen Post­amt angestellten Kraftwageniübrers Sänger a»e Grone, berbeigefiibrt. Sänger befand sich «it »wei Postkraitwagen in Ebergötzen, von 00 aus er die Rückfahrt antreten wollte. Kurz »or der Abfahrt stand er »wischen den beiden Dagen um die Kuvvelung zu kontrollieren. Plötzlich rollten die Wagen aufeinander und ^rquetschten den Ebauffeur, der sofort tot «ar.

«ass-l. 23. Der. Bewohner eines Hauses em Lutbervlatz nahmen einen eigentümlichen Geruch wahr, der aus einer im Hinterhaus ge­legenen Wohnung drang. Als man diese öffnete, fand man die 79iährig« Wohnungs­inhaberin, ein alleinstehendes Fräulein, auf ihrer Matratze liegend tot vor. Der Arzt stellte als Todesursache Herzschlag fest. Der Tod dürfte schon in der vergangenen Woche «ingetreten sein.

Dollmarshausen, 23. Dez. Ein Hund, der nachts in eine Scheune ein­brach, in der während der großen Kälte eine Herde Schafe untergebracht war, drängte die Tiere so in einer Ecke zu­sammen, daß 8 von hinen den Tod durch Ersticken erlitten.

Gießen, 21. Dez. Ein Iubiläumssahr wird das Jahr 1929 für unsere Stadt roert :n. Im Jahre 1929 sind 800 Jahre verflossen, seitdem die Gräfin Clementine von Gleiberg das Kloster Schiffenberg ge­gründet und damit auch den Anlaß ge­geben hat, daß unsere Stadt Gießen ent­standen ist. So wurde Schiffenberg im Jahre 1129 zuerst von Augustinermöncken bezogen. Zwischen dem neuen Kloster und dem Pfahlgraben entstanden sechs neue Dörfer. Zum Schutze des Klosters Schiffenberg und der neuen Siedlungen wurde am linken Lahnufer zwischen Wieseck und Lahn die Wasserburg Gie­ßen erbaut. Diese wird im Jahre 1229 zum erstenmale urkundlich erwähnt, ein Ritter Barnhelm von Gizen tritt nach einem Schenkungsbrief als Zeuge auf. Am 16. September 1879 übernahm der Geselligkeitsverein Gleiberg die Burg­ruine Gleiberg, sodaß der Verein 1929 das 50jährige Jubiläum als Burgherr be­gehen kann. Zwecks Vorbereitung zu dieser Feier wurde dieser Tage ein Fest­ausschuß gewählt.

Lauterbach, 21. Dez. Mit der Er- bauung des städtischen Volksbades soll in aller Kürze begonnen werden. Die Pläne gnb bereits durch Stadtbaumeister raun fertiggestellt. Die Badeanstalt soll 76 Meter lang und 25 Meter breit wer­den, das Schwimmbecken erhält eine Länge von 50 Meter bei 2 bis 3,5 Meter Tiefe. Der Gesamtwasserinhalt betagt 2,782 Kubikmeter. Die Anstalt kommt an die Lauter, von der sie auch gespeist wird. Die Gesamtbaukosten sind mit 88000 Mark veranschlagt.

Geismar b. Geisa, 23. Dez. Durch dn Schadenfeuer, das im Anwesen des Einwohners Ä. Fladung ausbrach, wur­den Scheune und Stallung des letzteren, sowie ein weiteres benachbartes Stall- gebäude vernichtet. Mer Schafe und 50 Hühner, sowie größere Erntevorräte und eine Anzahl landwirtschaftlicher Geräte sind den Flammen zum Opfer gefallen. Durch den starken Frost wurden die Lösch­arbeiten erheblich behindert. Einige von den Feuerwehrleuten haben sich die Hände

3n btt MeruMarm und auf Sumimriang

Tanadische Aeifeeindrücke.

Don Obermg. Dreher- Hannover.

90 ®rab Fahrenheit in Canada! Ist das das Land des ewigen Eis und Schnees, wie man oft hört?

Der Expretzzug der E. N. R. (Canadran National Nailwah) saust durch liebliche Täler an Hunderten von Veen vorüber. Mele dieser reizvollen Süßwasserseen Kanadas sind von schönen, stilvollen, aus Holz gezimmerten, kleinen Dillen umsäumt. Di« canadische Na­tionalflagge weht überall, ja viele Bürger, besonders aber die Jugend, tragen sie dau­ernd im Knopfloch. Endlich, nach einer Tage­reise, haben wir das Meer erreicht! Es ist der Li. Lawrence-Golf. Ein großes Ferry- Qtoot nimmt den ganzen Zug an Bord. Ein weiteres, das offen« Plattenwagen führt, setzt AutoS mit Insassen über. Der Canadier liebt es nicht, seinen Wagen zu verkästen. Während der äleberfahrt erzählt mir der leitende Indenieur — ein geborener Schott« — viel vom Kartoffelbau und den Fuchssarmen auf Prince Eduard Island.

Wir haben die Insel erreicht, der Zug rollt an Land und noch zwei Stunden weiter geht die Fahrt bis nach Charlottetown. wo wir tm Dictoriahotel angemeldet find. Hier werden wir schon von einem Mitglied des .Board of trabe“, dem Sohn eines Fuchsfarmbesitzers, und einem Herrn des Propagandabütos der Insel erwartet. Dies« Insel, ein ParadieS für sich, ist eine selbständig«, aber .trocken- Provinz“.

Am nächsten Morgen bei herrlichem Gönnen schein, das Herz des Filmm annes lacht,

erfroren. Ein Mann mußte ohnmächtig vom Platz, getragen werden.

Ernsthofen, 22. Dez. Der Arbeiter Georg Keller von hier wurde beim Baum­fällen von einem stürzenden Daum ge­troffen. Er erlitt schwere innere Verlet­zungen und wurde nach dem Elisabethstist in Darmstadt verbracht, wo er seinen Ver­letzungen erlegen ist.

Wiesenfeld, 22. Dez. Auf dem Ritter­gut Helsel entstand Feuer. Die großenteils neuen Ställe und eine volle Scheune sind ver­loren. Vernichtet ist u. a. eine größere Menge ausgedrolchenes Getreide und ein Waggon Mais. Das Erotzvieb konnte gerettet werden. Es wird aber befürchtet, daß die Tiere, die bei der grimmigen Kälte längere Zeit im Freien haben stehen müssen, Schaden an ihrer Ge- undheit erlitten haben, lleber die Ent- tebungsursache läftt sich Genaues nicht sagen, doch scheint Brandstiftung nicht vorruliegen.

Gelnhausen, 23. Dez. Gestern um 18 Uhr wurde aus dem Bahnkörper bei Gelnhausen eine Schafherde von einem Güterzuge überfahren. Etwa 70 Schafe wurden getötet. Die Schafe waren trotz aller Bemühungen nicht von dem Bahnkörper herunterzubekommen.

Frankfurt a. M., 22. Dez. Der verwegene Juwelendiebstahl, den der 19- jährige Arbeiter Otto Preß am 14. Sep­tember bei einem Bankier in der Frie- drichsstratze ausführt«, hat jetzt vor dem Jugendgericht seine Sühne gefunden. In der Verhandlung, zu der mehrere me­dizinische Sachverständige geladen waren, gingen die Gutachten auseinander. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten für verantwortlich und beantragte ein Jahr Gefängnis. Das Gericht ging weit über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus und verurteilte den Angeklagten wegen schweren Diebstahls in sechs Fällen, eines einfachen Diebstahls und einer schweren Urkundenfälschung zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren Gefängnis. Ter An­geklagte war auch geständig, außer dem Juwelendiebstahl Wohnungseinbrüche in der Wiesenau, der Lindenstratze, der Beet­hoven-, Arndt- und Sophienstraße und Ginnheimer Stadtweg auSgpührt zu haben.

Darmstadt, 23. Dez. Aehnlich wie vor­gestern in Frankfurt versagte gestern 15 Ubr plötzlich die elektrische Stromzufubr auf sämt­lichen Leitungen der Heag. Die elektrischen Straßenbahnwagen blieben auf den Strecken stehen und in Darmstadts Straßen bot sich da­durch ein eigenartiges Bild. In den Geschäften mutzten Kerzen oder Lamvenlicht gebrannt werden und die Vorstellungen in beiden Häu­sern des Landestheaters mußten ausfallen. In den Betrieben, die mit elektrischer Kraft arbeiten, machte sich die lange Störung beson­ders empfindlich bemerkbar.

Groß-Umstadt, 22. Dez. Schon seit einem halben Jahrhundert pflanzt sich von Generation zu Generation das Ge­rücht von einer Millionenerbschast fort, die ein von Groß-Umstadt nach Amerika ausgewanderter Emmerich hinterlassen habe. Nach glaubwürdigen Nachrichten aus Amerika ist der Erblasser ein Johann Nikolaus Emmerich, Teilhaber des welt­bekannten Pelzgeschäfts Astor. Als er im Jahre 1916 verstarb, hinterließ er ein Testament, das die Bestimmung enthielt, daß das schon damals nicht unbedeutende Vermögen erst nach 99 Jahren an feine gesetzlichen Erben ausbezahlt werden sollte. Im Laufe der Jahre hat sich nun das Vermögen mehrfach verdoppelt, so­daß es heute zu der stattlichen Summe von 147 Millionen Dollar angewachsen

sein soll. Außer 25 Familien in Amerika kommt eine Anzahl hiesiger Familien in Betracht. Letztere haben sich nun zu­sammengeschlossen und einen geschästs- führenden Ausschuß gewählt. Zur Be­streitung der entstehenden Kosten wird ein monatlicher Beitrag erhoben. Ob etwas dabei herauskommt?

Selters (Ißeftertoalb, 22. Dez. Im hiesigen Amtsgerichtsgebäude brach heute morgen um 6 Uhr ein Vrand aus, dem sämtliche Prozeßakten des Jahres 1927 zum Opfer fielen. Als vermutliche Brand­ursache wird angenommen, daß aus dem Ofen gefallene glühende Briketts den Fuß­boden und die Wandbekleidung erfaßten und in Brand setzten. Die angestrengten Löschorbeiten der hiesigen freiwilligen Feuerwehr heuerten den ganzen Vormit­tag. Der Gebäude- und Materialschaden ist sehr erheblich.

Andernach, 23. Dez. Gestern abend gegen 9 Uhr kam ein Mietauto aus Hön­ningen, in dem der Prokurist Ferdinand Rudolph aus Hönningen saß, zwischen Andernach und Miesenheim infolge der Glätte ins Schleudern und überschlug sich. Dabei erlitt der Prokurist so schwere Ver­letzungen, daß er nur als Leiche unter dem Auto hervorgezogen werden konnte.

Andernach, 23. Dez. Gestern nach­mittag rutschte infolge der Glätte auf der Chaussee das Auto des Dr. Klein ans Kruft zwischen Andernach und Plaidt aus. Es stürzte in den Graben und über­schlug sich, wobei Dr. Klein und seine Tochter unter das Auto zu liegen kamen. Sie wurden nach Andernach in das St. ^oseph-Hofpital übergesllhrt. Klein hatte bis heute das Bewußtsein noch nicht wie­der erlangt. Seine Tochter hat Verletzun­gen am Sein erlitten.

Ludwigshafen, 23. Dez. Arn Don­nerstag »utbt der Kaufmann Wilb. Stcvban aus Müblbottn, der mit seinem Rade den un­bewachten Stratzenübergang der Nebenba'v Robrbach-Klingenmünster in Ingenbeim über­queren wollte, von einem Personenzuge ' «,r= fahren und getötet. Stephan, der aus der Richtung Apvenbofen kam und kurz vor der Vorbeifabrt des Zuger auf den llebergang ge­saugte, fiel vom Fahrrad unmittelbar vor die Lokomotive und wurde erfaßt.

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Lis fenbtrbmtr BiüemNNimm

Im Arbeiterviertel von San Diego in Kali­fornien weckte einmal in der Vorweihnachts­zeit der diensttuende Schuhmann einen schlecht­gekleideten, auf einer Bank schlafenden Mann. Da sich der „Naturfreund“ nicht genügend aus­weisen konnte, wollte ihn der Hüter des Gesetzes zur Wache bringen. Ein ebenfalls sehr licht­scheu aussehendes Individuum kam dazu und nahm den angeblichen Arbeitslosen so energisch in Schuh, daß der Polizist schließlich beide ver­haften mußte. Am andern Morgen ließ sich der „Schutzengel“ des Schlafenden, ein älterer Mann, vor den Richter führen, nannte seinen Namen, reichte dem verdutzten Beamten die Hand und begab sich in seine Wohnung, in das eleganteste Hotel der Stadt. Eine Stunde später stattete er als einwandfreier Gentleman dem Bürgermeister seinen Besuch ab und gab Aufklärung übet die nächtliche Affäre. Das lichtscheue Individuum, das den schlafenden Strolch vor dem Schutze des Gesetzes in Schutz genommen batte, war kein anderer als Edwin Brown, der in ganz Amerika bekannte Groß­industrielle. Er erzählte dem ebenfalls arg ver­wunderten Bürgermeister, daß er in feiner Ju­gend viel durchgemacht und unmenschlich viel

gelitten habe. Er hungerte oft Tage lang und lernte die Schattenseiten des Lebens reichlich kennen, gab den Kampf jedoch nicht auf, und schließlich war ihm das Glück hold: et ist beute Generaldirektor eines groben Trusts und mehr« facher Millionär. Mit rabllosen Arbeitern und ebenso vielen Vagabunden unterhält et aber immer noch ein Freundschaftsverhältnis, und et hilft den alten Freunden, wo er nur kann. Er gründete mehrere Asyle für Obdachlose und ähnliche Wobltätigkeitseinrichtungen. Um die Weihnachtszeit ergreift ihn stets der Drang, noch einmal als Heimatloser in den dunkelsten Vierteln der Stadt aufzutauchen. Denn nie sei auch in der Zeit seiner ärgsten Not jemals ein Weihnachtssest vergangen, an dem er nicht von Mitleidigen einen besonderen Liebesbeweis er­halten hätte. So gebe er jetzt zur Weihnachts­zeit in feiner Vaterstadt als „ertleibeter Weih­nachtsmann" umher, um unter den Aermsten bet Armen etwas Freude zu stiften. Der son­derbare Knecht Rupprecht sorgte dafür, daß der Glückliche, dem er jüngst begegnet, in Zukunft ein menschenwürdiges Dasein führen kann, übergab dem gerührten Stadtoberbauvt einige tausend Dollar für die Weibnachtsbescherung der Ortsarmen und verschwand.

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Aus »kN Snt'titn

Kleine Anfrage

der Abgeordneten Bayer (Kiel), Conradt. Sonnenschein und anderer Mitglieder der deutschnationalen Dolkspar» tei:

Seitens der Berufsvertrefungen mehren sich die Klagen, daß das gutachtliche Anhörungs­recht derselben bei Festsetzung der Realsteuern von den Kommunalbehörden immer mehr gegenstandslos gemacht wird.

Ist das Staatsministerium bereit, auf die Kommunalbehörden einzuwirken, bei Fest­setzung der Realsteuern das Anhörungsrecht der Berufsvertretung zu wahren und deren gutachtlichen Aeußetungen mehr Beachtung zu schenken?

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ÜttMiilnachMten

X Im Alter von 64 Jahren verschied am 19. d. Mts. der Ordinarius für Zoo­logie und vergleichende Anatomie und Direktor des zoologischen Instituts der Universität Halle a. S., Prorektor Prof. Dr. rer. not., Dr. med. h. c. Valen­tin Haecker.

X In Karlsruhe i. B. ist der ehemaligt Kuraror d«r Kaiser-Wilhelm-Univerfttät Straßburg, Wirkl. Geh. Lberregie- bbrungsrat Otto Poehlmann, im Al­ter von 79 Jahren gestorben.

Städt. Bekanntmachung

MüNabsnhr.

Wegen des WeihnachtSfesteS wird Stratzenkehricht und Hausmüll in den Straßen, in welchen Abholung sonst Mon­tags erfolgt, am Dienstag, dem 27. De­zember 1927, abgefahren. (8649

Marburg, den 23. Dezember 1927.

Stadtbauamt.

Hilmer.

Briefkasten der Schriftleitung.

R. 8. Erhalten Sie für die Abtretung Ihrer bisherigen Geschäftsräume von dem neuen Mieter eine Abfindungssumme, bann unterliegt diese Summe der Umsatz­steuer. Es liegt eine entgeltliche gewerb­liche Tätigkeit vor, so daß br; Voraus­setzungen der Steuerpslicht aus 8 1 Nr. 1 des Umsatzsteuergesetzes gegeben sind.

Bringen uns Wagen schnell zur Farm. Jeder Farmer besitzt ein Diefenkartoffelfeld und nennt ein reizendes Landhaus sein eigen. Die­ser gesegnete Landstrich liefert die Saatkar- tvsieln für die Vereinigten Staaten und eine Dominion-Experimental» Farm sorgt für deren Erprobung, Schädlingsbekämpfung und Art- züchtung. Die wissenschaftliche Behandlung der Kartoffel — nie hätte ich geglaubt, daß es so etwa- gibt — wird uns gezeigt und erflärt

Sin Schweizer, der vor zwei Jahren die Intel besuchte, ist dortgeblieben und hat eine mustergültige Silberfuchsfarm angelegt. Sie war unser erstes Ziel unb wurde im Film festgehalten. Im April hatten die Füchse ge­worfen. Die Jungen, „Bopps" genannt, waren munter und spielten wie die Katzen. Zwei ganz besonder« schwache FüchSchen hatte der Farmer der Obhut einet weißen Katze übergeben, die sie richtig bemuttert hatte und groß zog: groß im wahren Sinne de« Worte«, denn die Bopps waren ganz erheblich größer als die Ziehmutter geworden. Trotzdem spielten sie dauernd mit ihr und führten lustige Tänze auf. zu lustig fast, denn unser Kameramann Urban schwitzte, als «S ihm immer nicht gelingen wollte, die munteren Tiere „im Bilde“ zu halten. Hier sahen wir auch einen Skunks, viele riesengroße wert­volle Pelzratten unb Chinchillakaninchen, bte als Erlaß für die teuren echten Pelze ge­züchtet werden.

Eine andere noch größere Fuchsfarm imt wundervollen Silberfüchsen bildete unser Hauptarbeitsfeld. Hier nahmen wir daS Leben unb Treiben der Füchse auf: Bauten graben, Spiesen, Fresten. Vor allem aber zeigte man uns die Behandlung der T'.er«. Im Ohr- schmalz fitzt oft «in Schödling, eine LauS, die sich bi« rn« Gehirn de« Fuchse« einfressen kann. Man fängt den Fuchs mit dem Netz,

braucht zwei Zangen, mit der einen faßt man ihn im Genick, in die zweite — gummi­gepolsterte — beißt sich da« Tier fest. Zwei Hebel halten das Maul zu, da der Fuchs gefährlich und unglaublich schnell ist. Darm wird mit einer großen Spritz« eine Art Aet her in da« Ohr geträufelt und damit eine gründliche Auswaschung vorgenommen. In den Aachen preßt man eine verdauungS- fvrdernd« Pille. Das Tier ist gerettet 1

Die alten Füchse sehen im Sommer tm Pelz nicht sonderlich gut au«; nur am Kopf sieht man da« Silber schimmern. Di« Jungen sind noch ganz schwarz. Aach vielem hin und her zeigte man un« auch da« Hospital der Füchse. Zuerst konnte ich nur gar nicht denken, daß man es braucht. „68 kann doch gar nicht fo schlimm sein", dachte ich mit, „wenn wirklich ein Tier eingeft.“ aber bald wurde ich eine« bester en belehrt. AIS ich zart anfragte, was solch ein Fuchs kostet, rmt dem Hintergedanken, meiner Frau ein gutes Weihnachtsgeschenk machen zu formen, mußte ich mir dies doch vertagen. Man zahlt für einen mittleren Silberfuchs schon 800 Mark unb das beste Exemplar des letzten Jahres bracht« gar 11 200 Goldmark. Nachdem ich dies erfahren, war mein Interest« für die Farm noch er­heblich gewachsen und ich fordert« noch genaue Erklärungen. Jetzt fielen mir auch die vielen Telegraphendrähte auf, die in einer Zentrale ^ufammentiefen. Wenn die Füchse noch ganz rung sind, sitzt dort ständig eine Wache mrt Telephonkopfhörern. In jedem Aest ist em Mikrophon angebracht, so daß man daS Ticken einer Taschenuhr in der Zentrale laut und deutsich hören kann. Der Wächter kontrolliert ein Aest nach dem andern durch Abhören mit dem Telephon unb bemerkt er verdächtig« Ge­räusch«. Unruh« tm Aest oder gar Geschrei der Jungen, so geht er sofort zu dem be­treffenden Aest und schaut nach. Mit dieser

Anlage erspart man Menschen unb kon­trolliert genauer.

Nach dem Lunch fuhren wir mit einer Jacht nach Pietvu. Die Jacht war feiner Zeit für den in Sarajewo ermordeten österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand erbaut worden, kam dann in den Besitz von Pierpont Mor­gan und vermittelt heute den Verkehr zwischen Prince Eduard Island und Pictou, einer Stadt in Nowa Scotia. Pictou mit fernem weiten und schönen Hafen wurde um 1735 gegründet und war die erste französische Siedlung. Die C. N. N. besitzen hier eine Lodge, d. L ein große«, auS Tannenholz ge­zimmertes LogierhauS. Im gemeinsamen Haupthau« wird gegessen, gespielt, gefangen, getanzt. Kleine . Lodgen“ nehmen in 4—6 Schlafzimmern Gäste auf. Anlage und Ein­richtung sind erstklassig. In Pictou wurden wir von Mitgliedern der Handelskammer und einem ZeitungSverleger empfangen unb ge­radezu rührend behandelt. Man tat alles, um uns einen angenehmen Tag zu machen. Stellte Auto« zur Verfügung, ja, obwohl der Hummerfang geschlossen war, wurde von der Regierung di« Erlaubnis erbeten unb auch gegeben für un« zum Filmen den Hummer­fang zu tätigen. Drei Fangkörbe brachten uns nach einer Nacht prächtige „Filmschau­spieler“, bte die Beut« de« Kameramannes wurden, nur zum Filmen aber, beim gegessen haben wir die Hummer nicht, sondern wieder ausgesetzt. Einige Andenken von Picto» mußten Wir annehmen, und nach herzlichem Abschied von wirllich lieben Menschvr, die ihre Heimat tief und ehrlich lieben, dampften wir ab nach Monoton in Neu-Braunschweig, um am folgenden Tage die Dore — die welt­berühmte Flutwelle — tm Filmbild sestzu- halten.