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Marburger Lagesanzelger

SeUKe LmbeSzettung

Montag, btN 5. M1927

W, ^vbrrhrssisch« Zeitung" «- scchsmal wöchentlich. Be- 'L<gtt\6 monatlich 2 GM. au«. Sjl. Zustellungsgebühr, durch ^Post2.25 GM.Für etwa infolge Aneitt. Majchinendefekte oder ^entarer Ereigniste ausfallend« ^M«rn wird kein Ersah ge» ^jUt. Verlag d. Dr. §. Hitzeroth, fißd der Unib.-Buchdrulkerei b. Sfi. Aug. Koch, Markt 21/23. tzrnsprecher: Rr. 54. u. Rr. 55. Ptstscheckkonto: Amt Frankfurt Rr. 5015. Sprechzeit w Redaktion von 1011 und

*/,l1 Uhr.

Nr. 284 62 Mrg Marburg o. Laha

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1 Goldmark V»,,Dollar.

ÄlrevhMsche Fettung

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen

Anzeiger der amtliche» Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die -rutsche Delegation in Genf

SctWtedmiw - Rußland für die Wledtchcrilellung dn NtzMngtn zu En,/and

Erklärungen UoldmarÄ

Der litauische Ministerpräsident Wolde» raras gewährte auf dek>. Durchreise nach ^enf einem Vertreter der Deutschen diplo»

8 enf. 4. Dez. Die deutsche Delegation unter Führung von Reichsauhenminister Ir. Stresemann ist heute mittag 12.49 Uhr i, Begleitung des deutschen Gesandten in Lern. Dr. Müller, hier eingetrosfen. Zur Hegrühung waren aus dem Bahnhof er­schienen anher dem deutschen Unteroeneral- sekretär Dnsour Fronee und dem deut­sche« Generalkonsul, Aschmann, die Ver­treter der deutschen Prelle und zahlreiche litt studierende Deutsche, in deren Namen eine Studentin Dr. Stresemann einen Rosenstrauß überreichte.

st. G e n f, 5. Dez. Die 48. Bölkerbunds- tazung wird heute unter Vorsitz des chinesische« Außenministers eröffnet. Im Llnfe des Tages finde» Besprechungen Wischen BriandZaleski, BriandWol- tovares. sowie mit Stresemann. Litwinow W> Lunatscharski statt. Reichs«utzen- uinister Dr. Stresemann hatte dann eine lagere Unterredung mit Litwinow.

Die deutschen und russischen Delegierten Fr Vorbereitendem Abrüstungskonferenz

klassen heute Genf.

Litwinow hat offiziell die Be- Ikitschaft Ru hland, zur Wie, ftr a u f n ah m e der diplomatischen Be- riehongen mit England erklärt.

^mia^yrDuiem als joicyis Deirijji, jd iji e» tin nationales Problem, bezüglich dessen es Litauen nur eine'ung gibt. Was die «rächte von der bestehenden Kriegsgefahr Wischen Polen und Litauen betrifft, so Der» WeS der Ministerpräsident auf den mit Polen geschlossenen Vertrag von S u w a l k t, ohne Wen Verletzung fein Krieg begonnen werden - wnne. Dieser Vertrag stelle einen Vor» Wtrag dar, der vereinbarungsgemäß durch Sen endgültigen ersetzt werden sollte.

-u^nieitevung zur -aieuicucuyc, ^eldemaras betonte, die Schwierigkeiten ?,°er Bildung des Direktoriums hätten vor v^n darin gelegen, daß keine einzige Partei l^Memellandes ein klares Programm vor» »Fracht habe. Auf den Hinweis des Vep» »Sers der Deutschen diplomatisch»politischen ??krespvndenz. daß die zahlreichen Bedrän» °^ngen der Memelländer durch Ausweisungen

Entlassungen immer wieder große Miß» rdSntung hervorgerufen haben, antwortete ^?ldemaras, man vergesse, um was es sich jv .«Hebern handele. ES bestände noch ein ^p-wnsvertrag mit Deutschland, dessen Aus» i .»»Sing immer wieder mißverstanden weide. ' <?abe es sich seiner Zeit bei der Entlassung | $Ser Richter im Memelland lediglich um die . . usführung dieses Dettrages gehandelt.

«atisch-pvlitischen Korrespondenz eine Unter» kedung, in der er mit Bezug auf den polnisch- litauischen Konflikt unter anderem erklärte, bst haben getan, was wir tun konnten, «iem wir unsere Beschwerde beim Dölker» Md einreichten. Wir sehen der weiteren Wtwicklung ruhig entgegen. Was das Dilna-Problern als solcher betrifft, so ist «S

Der über Litauen verbäugte Kriegszustand , hi lediglich als eine Schutzmaßnahme an« zuseben.

^ber die Frage der Erweiterung der 2te» Herung seien schon seit Monaten in Kowno ^gehende Besprechungen geführt worden, «lsvlge des Putscbes von Tauroggen und der ^snutzung der Emigranten für die Unter» Polens sei die Lage immer wieder be» Wsihigi worden, und die Frage der 2te» rerungserweiterung zunächst ins Stocken ge» Inzwischen seien aber neue Dauern» Karten entstanden, die die Regierung unter»

Sitzen und auch die gesamte Armee stehe -Ster der Regierung, so daß in feiner Weise -S* irgend einer Schwächung der Regierung ?Sproch«n werden könne. Zum Schluß fütjrte 2* Unterredung zur Memelsrage, wobei

Woldemaras schloß, wir sind entschlossen, mit dem Deutschtum im Memelland Hand tn Hand zu gehen. Die Wahrnehmung der Interessen der Memelländer legen wir mit vollem Vertrauen in die Hände des neuen Direktoriums, dem doch auch drei Mitglieder der deutschen Parteien angehören. Wir find überzeugt, daß es nunmehr zu einer schnellen Erledigung der Memelfrage kommen wird. Die Deutsche dlplomatisch-politische Korre­spondenz nimmt zu diesen Ausführungen des litauischen Ministerpräs.denten keine Stellung, da der deutsche Standpunkt in dieser Frage bekannt sei. Die unterstreicht aber, daß für Deutschland gegenüber den Schwierigkeiten seiner östlichen Nachbarn nut eine Aufgabe in Frage komme: Erhaltung des Friedens und zu diesem Zwecke Wiederherstellung des Ein­vernehmens an dieser wie an allen übrigen Stellen, wo die friedliche Entwicklung bedroht scheint.

Abrüstung und Friedensvertragsrevifion.

ff. London, 5. Dez.8 unday Times" sagt in einem Leitartikel: Es ist klar, dasi die Abrüstung nur eine Folge des Vertrauens sein kann, und nicht um­gekehrt. Der Völkerbund verschwendet seine Zeit, wenn er die Abrüstung er­örtert. Er würde sie viel bester anwen­den, wenn diejenigen Teile des Ver­sailler Vertrages, die sich durch die Erfahrung als Quelle von Ungerech- tigkeit und Unfrieden erwiesen haben, b e - s e i t i g t werden würden. In einem an­deren Leitartikel derSunday Times" heisst es: Die Regelung des Wilnastreites, wenn sie erzielt werde, könne nur der erste Schritt zu einer a l l g e m e i n en Ae n de- runa der Karte Europas ein. f

M die RAketo 6aroß

An Brief König Minanto -

ff. Paris, 5. Dez. DasIourna l" veröffentlicht «inen Bericht feines Sonder­berichterstatters in Bukarest, der unter Hinweis auf den Prozeß Manoilescu, bei dem ein Dokument eine entscheidende

Fortschritt Rumäniens nicht erleichtern könne. Er hoffe deshalb, daß Bratianu als Thronberater zur früheren Regelung zu- rückfehren werde, die allein geeignet sei, dem Lande seine Entwickelung zu gewähr-

Rolle gespielt habe, erklärte, es handle sick^. ..leisten. Sein letzter Wunsch sei, daß um die Photographie eines B r i esMMME a r ol eine fruchtbare und glor- den König Ferdinand kurz * ei che Herrschaft ausüben möge, seinem Tode an den damaligen Mini^^' Bratianu habe erklärt, diesen Bries nie»

Präsidenten Bratianu geschickt habe In diesem, vom Juli 1927 datierten Schreiben, dessen Wiedergabe durch die Zensur streng untersagt worden sei, bringe König Ferdinand Bratianu gegenüber seine Beunruhigung zum Ausdruck über die neue gesetzliche Regelung, durch die Prinz Car.ol von der Thronfolge ausgeschlossen werde. Er glaube, nach l^jährigem reiflichem Nachdenken, daß dieser Beschluß die Ruhe und den

mals erhalten zu haben. Der Führer der Nationalen Bauernpartei, Maniu, glaubt jedoch, daß dieses Dokument echt sei. Er sehe Carol als eine Macht an, die für Ru­mänien notwendig werden könne. Der Berichterstatter ist der Ansicht, daß bei den nächsten Wahlen die Nationale Bauern­partei siegreich aus dem Kampf hervor­gehe und Maniu Ministerpräfwent wer­den würde.

Sic ÄoNtn in Schwerin

ff. Schwerin, 5. Der. Bei den «estrigen Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung er­hielten Stimmen:

Bürgerliche Einheitsliste 11056 (9745)

Sozialdemokraten 8940 (6628)

Mieter 2175 ( 0)

Demokraten 1140 (2699)

Völkische 1336 (1398)

Kommunisten 304 ( 649)

Angestellte , 640 ( 445)

Mittelstandsgruvne 1506 ( 41)

Die Sitze verteilen sich wie folgt:

Bürgerliche Einheitspartei 23

. Sozialdemokraten 18

Mieter 4 .,.

Demokraten 2

Nationale Einheitsliste- 2 Kommunisten o

Angestellte 1

Mittelstandsgruppe ft

Die Antwort des Reichskanzlers <m Mi- nisterprüsident Braun.

Berlin., 4. Dez. Der Antwortbries ^deS Reichskanzlers an den preußischen Mi- .nisterpräfidenleu Braun in der Hache 'Keudeil-Btaun ist am Sonnabend noch 'nicht überreicht worden. Tie Ueberreichung wird erst anfang nach,.er Woche stattftnden.

Seuhch« RkiKslag

Das Wort .Wirtschastsdebatte" hat für manchen unserer deutschen Parlamentarier einen nicht gerade anreizenden Kiang. Rur so ist eS zu erklären, daß in der Sonnabend- Sitzung bei der Schlußdebatte über die Wirt­schaftsinterpellationen das Plenum mehr als schwach besucht war. Abgeordneter Rauch (Bayer. Dpt.) beklagte die Notlage des ge­werblichen Mittelstandes und der Landwirt­schaft. Da die Selbstkosten der deutschen Landwirtschaft im Verhältnis zur Auslands­konkurrenz vorbelastet feien, so dürfe man auch den Ruf nach Zollabbau nicht generell für alle Zweige der Landwirtschaft erhebe,:. Sehr eingehend besprach im weiteren Verlauf der Atzung der d.utichnationale Qlbgcor nete Dachmann die leidigen Ve. Haltnisse der ^nd- wirtschaft. Die zur Tilgung und DerzM der Kredite von der Landwirtschaft auszä- bringenben Mittel, ständen im schreienden Mißverhältnis zu den viel zu niedrigen Prei­sen, die der Landwirt für seine Produkte er­halte. Auf Grund der hohen Steuerlasten, die für d ie Landwirtschaft kaum tragbar feien, kommt der Abgeordnete Bachmann schließlich zu der Erkenntnis, daß die meisten Forde­rungen der sozialdemokratischen Interpella­tion undurchführbar seien. Nach einem längeren Schlußwort des sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Hilfs erbing, in der noch­mals hie leidige Auseinandersetzung der Städte mit dem Reichöbankpräsidenten breitgetreten wurde, wurden sämtliche Anträge der Inter­pellanten den Ausschüssen überwiesen. Die nächste Sitzung des Reichstages wurde dann auf Montag, vier Uhr, angesetzl.

Sie Sndimiek

In ton Lmimslen Stanken

Von Dr. H. Cordes -Sidney.

Als Präsident Coolrdge im Laufe dieses Sommers durch die Vereinigten Staaten reifte, wurde er von dem Stamme der Sioue zum Ehrenhäuptling ernannt und erhell den schönen 'Beinamen «Wamble Tokahu" (führen­der Adler). 3n einer bei dieser Gelegenheit gehaltenen Rede sagte der Präsident, daß er die Abschaffung der alten Sitten und Ge­wohnheiten der Indianer nicht befürworten könne. Cs besteht nämlich das Bestreben, die feierlichen Tänze abzuschasfen, die bei mehreren Stämmen einen wichtigen Teil bet religiösen Gebräuche ausmachen. Auf Grund der erwähnten Coolidgelchen Aeußeruna hoffen die Indianer, daß in dieser Politik nunmehr eine Wendung eintritt Jedenfalls wird in der kommenden Sitzung des Äon» grelles die Jndianersrage eine gewisse Rolle spielen und zu Auseinandersetzungen Veran­lassung geben. Die Behandlung der Indianer ist zweifellos eines der schwärzesten Kapitel der amerikanischen Geschichte. Das Vorgehen der Regierung wie auch der Ein­zelnen gegenüber den .Roten" war von An­fang an durch größten Eigennutz gekenn­zeichnet. Die nach Westen vordringenden Weißen yernichten die Ureinwohner mit der gleichen Unbekümmertheit und Gründlichkeit wie den Bison und die wilde Taube. Erst um die Mitte des vergangene« Jahrhunderts trat eine Wendung ein. dadurch, daß man die Indianer in f»genannten Reservationen geschlossen ansiedelte. Selbstverständlich gab man ihnen dabei das schlechteste Land. Die. Ironie des Schicksals wollte es aber, daß gerade in diesem minderwertigen Lande, so z. B. in Oklahoma und anderen Staaten des Süd-Westens, ungeheure Petroleumvorkom­men festgestellt wurden, die den betreffenden Stämmen riesige Reichtümer in den Schoß warfen. Im Jahre 1924 wurden alle Indianer zu Bürgern der Bereinigten Staaten erklärt. Doch war ihnen damit wenig ge­holfen, denn eine Verordnung unterteilte die sogenannten .unfähigen" Indianer einer Art Vormundschaft des Jndianeramts der Regie­rung in Washington. Trotzdem nun jährlich Millionen von Dollars für die Erziehung und Bildung der Indianer ausgegeben werden, gelten heute noch 225 000 von den insgesamt 350 000 Eingeborenen als .unfähig". Diese können z. D. ohne Zustimmung des Korn« Millars weder letzwillige 'Verfügungen treifen noch Kauf- oder Pachtverträge abschließen. Man schätzt den Besitz der unter der direkten Kontrolle der Regierung stehenden .Un­fähigen auf mehr als 6 Milliarden Mark.

Entgegen einer weitverbreiteten Ansicht hat die Zahl der Indianer in den letzten Jahren nicht abgenommen. 1865 wurden in den Ver­einigten Staaten 294 574 gezählt, 1926 war die Zahl auf 349 964 gestiegen. Dieser Zu­wachs ist einer ungewöhnlich hohen Geburten­ziffer zu verdanken, die zuletzt 27.5 je Taufend betrug, während sich die entsprechende Ziffer für die Gesamtbevö ferung des Landes nur auf 22.5 je Tausend stellte. Die Zahl der Todesfälle wird mit 22,3 je Tausend angegeben, was nahezu doppelt so hoch ist wie der Satz für die Gesamtbe- völkerung (11,6 je Tausend). Der Indianer» schutzbund, ein« Gesellschaft weher Ameri­kaner. die sich die Inschutznahme der Rot­häute zur Aufgabe stellt, nennt allerdings wesentlich ungünstigere Zahlen. Danach soll die Zahl der Tuberkulosefälle unter den Indianern 71/, mal so hoch fein wie unter den Weißen, die Säuglingssterblichkeit 25/r mal so hoch, und 21 Prozent sollen an Trachoms, einer Erkrankung der Atmungs» organe, leiden. Die hohe Dterblichkeitsziffer wird darauf zurückgeführt, daß die Kinder oft schon der häuslichen Erziehung entzogen und in Regierungsschulen unter gebracht werden, wo man sie zu .Amerikanern" machen will.

Die wirtschaftliche Lage der Indianer ist infolge der oben erwähnten reichen Petrvleum- funte bei vielen Stämmen an s.ch nicht schlecht. Allein die .unfähigen" Indianer dürsten ein Durchschnittsvermögen von je 20 000 Mark je Kopf besitzen, über die anderen fehlen zu­verlässige Angaben. Manche Stämme da­gegen leiden Rot, obwohl die Reg erung dem Namen nach für sie sorgt. Diese folgt übrigens einem sehr sinnreichen System, um die Roten nach Möglichkeit auszubeuten. Es sind die sogenannten «rückzahlbaren Aus­lagen, die anfänglich vielleicht aus gan- menschenfreundlichen Erwägungen eingefuhrt wurden. Man schießt einem Stamme größere > Beträge vor, die für wirtschaftliche Zwecke be-