Sonnabend, kn IM 1927
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Ersatz für -re Lan-gemem-eor-nung
Der RrmMe Landlag zum zweiten Male beWafaaMig
Berlin, 2. Dez. Da der preußische Rndtag heute bet der Abstimmung über dieLandgemeindeordnung wieder- ,'M beschlußunfähig wurde, beabsichtigen, «t vdz. hört, die RegierungSpar- ttten aus ern« weitere Beratung ,u verzichten. Es soll von den Re- zierungSparteien baldigst ein Gesetzesantrag angebracht toerben, dir insbesondere die Mstebung der Gutsbezirke, ferner bleEin- «emeindungSfragen und die selbständigere Stellung des Gemeindevorstehers tn der Aheinprovinz regelt.
«ach {nee festeren Meldung ist der neue Sesttzesantras bereits dem Landtag rngegan- ßktz. Er will durch besonderes Gesetz die Be« pnmungen über Eingemeindungsfragen, über te Sulbebnng der Gutsbezirke und über die Mündigere Stellung des Gemeindevorstehers st der Rheinvrovin, regeln. Lor allem ist auch MtBestimmung enthalten, bah die Bürger- »eister bezw. AmtsmSnner gewühlt a» von der Aufsichtsbehörde bestütigt »erden müssen.
♦
. Der preußische Landtag überwies heute «nächst den Gesetzentwurf über die Auf- Kbung der Brückengelder dem Vev- NchrSauSschuß. Es folgte die erste Be- Vsttung des Entwurfes eines
| SaudeSrr ntenbaukgesctzeS,
«nach zur Förderung der landwirtfchast- Wlchen Siedlung unter der Bezeichnung ^Preußische LandeSrentenbank" in Berltio Mae öffentlich-rechtliche Bank errichtet I neben soll.
| Auf Anfrage des Aba. Stendel (D. ktipt.) erklärt LandeSwirtzchaftSminister Dr. Mterger, daß der Staat für den ersten Beil eine» Siedlungskredites Zprozen- Mig«Pfandbriefe ausgeben wolle und |k| der Rest des Kredites auf Staats» Uststen solange als „eingefrorener" Zrmschen- Wredit stehen bleibe, bis dieser erste Kredit- Al ab gelöst fei.
^Rach nochmaligen Ausführungen des Vg. Stendel '(D. Vpt.f führt ein Re- fi«ung§-Vertreter aus, daß die Regierung, Ann man die Pfandbriefe zu 6 Prozent vsterbringen könne, mit einem von ihr zu vernehmenden Betrage von zehn Millionen für das Disagio rechne. Bei 5pro- ittitigen Pfandbriefen würde sich der Be- Az auf 15 Millionen, bet 4 prozentigen Af 17,5 Millionen erhöhen.
Die Beratung wird dann unterbrochen, st» die
Abstimmungen zur Lauvgemeiuveorv-
der auf sofort anberaumten neuen Mung wurde der Entwurf über die Lan- s-rentenbank dem Ausschuß überwiesen. . Haus geht über zur ersten Bera- des Entwurfes über die weitere
Neuregelung der Aommuwalgvrnzen
im westfälischen Judustriegebi-t.
»Minister des Innern Grzesinski »'ngt die Vorlage ein. Er hob hervor, «s sich nur um eine Teillösung han-
2,:e-_ Eine Reihe weiterer Wünsche könnte 'i Ipäler ihre Lösung finden. Die Vo r- jj “eiten hierfür durften bis zum Wie- z u sa m m e n t r it t des neuen ^ndlages abgeschlossen sein. Der Knister bittet im Sinne der Regierungs- ie» ®e' Eingemeindungsfrage zu lü- ^Machdem einige Redner endlich eine Regelung gefordert hatten, ging
«orrage an den Gemeindeausschuß.
ttung
krchzuführen. Im Juni 1927 war das Mur wiederholt bei den ersten nament- ^hen Abstimmungen zu 8 1 der Vorlage Achlutzunftihig geworden, da die Rechte Ad die Kommunisten keine Stimmzettel gegeben und die Stimmen der Regiö- ^ngsparteien nicht ausgereicht hatten, ^uch heute gaben die OpPosrtionS- s^r leien — Teutschnationale, Deutsche «ütkspariei, Kommunisten, Wirtschaftliche Reinigung und Völkische — keineKar- ab. Es wurden nur 202 Stimmen Mahlt, sodaß der Landtag wieder b e * H-ußunfähig war.
ES folgt die dritte Beratung des Gesetzes, oas die
OeffeMichSeit der richterlichen Diszi» plinarverfichreu
Herstellen will.
Dabei erklärt Aba. Grzrmek (Dem.), daß seine Freunde der Vorlage, auch bezüglich des unbedingten Veto» rechts der Staatsanwaltschaft bet Ausschluß der Oeffentlichkeit zustimmen würben, da eS sich nur um eine vorläufige Regelung handele, die der Gasamtregelung deS DisztplinarrechtS nicht vorgre:fe.
Staatssekretär Hölscher führt auS, die Bestimmungen der Novelle sollten nicht präjudiziell sein für die endgültige Regelung der Disziplinarsrage. Die Oberstaatsanwälte seien auch angewiesen, den Zwang zur Oeffentlichkeit nur nach Verständigung mit den vorgesetzten Behörden anzuwenden.
Aba. Dr. D e r b e r g (Dntl.) gibt seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß die Demokraten zwischen der zweiten und dritten Lesung ihre Haltung so stark geändert hätten. Für die Deuftchnationalen seien die Bedenken gegen daS Vetorecht so stark, daß sie nicht für daS Gesetz stimmen könnten.
Bet der Abstimmung wird der deutsch- nationale Antrag auf Streichung des Vetorechts gegen die Antragsteller, die Deutsche Volkspartei und die Wirtschaftliche Vereinigung abgelehnt. Bei der namentlichen Schlutzabstimmung über daS Gesetz geben die Deutsch nationalen keine Karten ob. ES werden nur 208 Stimmen gezählt, sodaß da» HauS beschlußunfähig ist.
Präsident Bartels schließt daher die Sitzung und beraumt eine neue an aus Sonnabend 11 Uhr: Kleine Vorlagen urtb Studentenrecht.
Dr. Skrcstmanli in Nürnberg
Ist AnstitsttwM ein Mtvmften der AnßenveM
der internationalen
sk. Nürnberg, 3. Dez. Die Deutsche Volkspartei veranstaltete am Freitag abend eine öffentliche Versammlung, in der Reichsaußenminister Dr. S t r e s e - mann, jedoch nicht, wie zuerst angekündigt, über Deutschland in der Weltpolitik sprach. Im Beginn seiner Ausführung setzte sich Dr. Stresemann mit den Kritikern aus der sogenannten National- liberalen Landespartei tn Bayern und ihren Führern auseinander, indem er darauf hinwies, daß man die Außenpolitik, die er geführt habe, ablehnen oder kritisieren könne, daß aber auch brauchbare Vorschläge gemacht werden müßten, die zu besseren Erfolgen geführt hätten oder fuhren würden.
Unter stürmischen Beifallskundgebungen der Versammlung verteidigte der Reichsaußenminister die Außenpolitik der letzten Jahre und verwahrte sich gegen die Auffassung der bayerischen vaterländischen Verbände, daß denjenigen, die mit Marxisten zusammengehen, der schärfste Kampf angesagt werden müsse. Als im Jahre 1923 die Sozialdemokratie in Zeiten des Zusammenbruches die Verantwortung mitübernahm, fei man in Deutschland heilfroh gewesen.
Dr. Stresemann wandte sich gegen das
die Anleihepoljtik ein Aktiv- p o st e n in den Beziehungen zwischen Deutschland und seinen ehemaligen Gegnern
geworden fei. Hinsichtlich der Kritik des Reparationsagenten an der
Schlagwort von
Versklavung Deutschlands und unterstrich die Ausführungen des Reichsministers Dr. Curtius im Reichstage, der darauf hingewiesen hatte, daß
deutschen Finanzaebahrung führte Dr. Stresemann aus, daß diese Kritik insoweit vollkommen unberechtigt sei, als sie sich mit den in Ausführung des Friedensvertrages Deutschland aufer'egten Zahlungen beschäftigte. Dasselbe gelte auch von der Bearntenbesol- düng.
Wenn man eine gute Verwaltung haben wolle, müsse man eine entschuldete Beamtenschaft haben.
Niemand habe ein Recht, denjenigen einen Vorwurf zu machen, die nicht mit dem auskommen könnten, was ihnen gewährt würde, weil diese Gehaltssätze in einer $eii aufgestellt worden seien, in der man höchste Opfer on der Beamtenschaft verlangen mußte und man später verab- umt hat, rechtzeitig einen Ausgleich her- beizufübren.
In Bezug auf das Verhältnis von Reich und Ländern betone der Minister, daß
die Existenzberechtigung einzelner
Staaten bedroht fei.
Diejenigen Länder, die Reichsländer werden wollten, dürften daran nicht gehindert werden. Wenn alle Länder Deutschlands von dem Willen beseelt wären, ihre Selbständigkeit aufzugeben, so würde er es begrüßen, aber kein Staat dürfe dazu gezwungen werden.
?um Schluß wies Dr. Stresemann dar- hin. daß nur diejenigen Parteien eine Berechtigung hätten, die praktisch helfen wollten, daß von Deutschland eine einheitliche Außenpolitik betrieben werden könnte.
eint MM Nir 9t. Brann
Da« Reichskabinett deckt den Minister.
Berlin, 2. Dez. Zn einer Besprechung der Reichsminister, die heute vormittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Marx stattfand, legte Innen- Minister von Keudell seine Auffassung über die Affäre seines Telegramms an die Studentenschaft dar. Er hat dabei den Standpunkt vertreten, daß er das Telegramm als Staatsbürger abgeschickt habe, und daß et dazu auf Grund der Reickwverkassuns,
die jedem Staatsbürger freie Meinungsäußerung gestattet, berechtigt gewesen sei. Die ganze Angelegenheit habe mit seiner Stellung als Reichsminister nichts J« tun. Das Reichskabinett soll sich, so schreibt das „B. dieser Auffassung des Reichsmiuifters angeschlossen haben. Reichskanzler Marx werde sich darauf be- schränken, dem preußischen Ministet- prösidenten Braun von dieser Auffassung des Reichskabinetts lediglich Kenntnis zu gebe».
Ist nW Tagung des MrMistauWiM
Genf, 2. Dez. Das Sicherheitskomitee hat nach Anhören bet Dorschläge seines Präsidenten Benesch zur Ernennung der Berichterstatter und Einbringung etwaiger weiterer Anregungen zum ersten Programm seine erste Tagung heute nachmittag 13.45 Uhr geschlojsen. Der weitere Vorschlag des Präsidenten, die nächste Tagung des Sicherheitskomitees auf den 20. Februar nächsten Jahres an- zusetzen, wobei der Beginn der zweiten Sitzung des Abrüstungsausschusses im März nach der Ratstagung beginnen sollte, mutzte auf Eingreifen des deutschen Delegierten, Grafen Bernstorff, fallen gelassen werden. Graf Bernstorfs wies nachdrücklich auf die moralische Verpflichtung des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses gegenüber der Völkerbundsver» fammlung hin, eine erste Abrüstungskonferenz auf der Grundlage der gegenwärtig gegebenen Sicherheitsverhältnisse für da» geschehen, um diesen Auftrag zu erfüllen, geschehen, um diesen Auftrag zu erfüllen. Sollte die nicht möglich sein, so mützte aus jeden Fall gegenüber der Weltöffentlichkeit ein sehr guter Grund vorhanden sein. Es wurde darauf beschlossen, daß das Vorstandsbüro des Sicherheitskomitees die Festsetzung der zweiten Tagung des Komitees vornehmen soll, nachdem der Vorbereitende Abrüstungsausschuß das Datum für die zweite Sitzung bestimmt haben wird. Als letzter Redner forderte Lord Cushendun, daß der Begriff der Sicherheit nicht zu eng gefaßt werde, da er bei den einzelnen Staaten von verschiedenen Faktoren abhänge. Gegenüber neuen Vorschlägen solle sich das Sicherheitskomi». tee auf einen Fall verschließen.
♦
3n maßgebenden Regierungskreisen billigt man uneingeschränü das Verhaften be» deutschen Derrreters in der Vorbereitenden Abrüstungskommission, der sich mit Entschiedenheft gegen gewisse Tendenzen, die Abrüstungsfrage auf den St Nimmerleinstag zu vertagen, zur Wehr gesetzt und die Einberufung der nächsten Tagung der Vorbereitenden Abrüstungskommission zu einem möglichst stützen Termin gefordert hat Der deutsche Antrag hat bei den übrigen Großmächten leider wenig Gegenliebe gefunden. Wie auch auf anderen Gebieten der Außenpolitik zeigt sich auch hier, daß die nächstjährigen Wahlen bereits ihre Schatten vorauswerfen. Man möchte nicht vorzeitig Bindungen eingeh^n, solange man nicht weiß, welche Regierungen als Sieger aus den Wahlen hervorgehen werden. Möglicherweise, so <u> gumentiert insbesondere die französische Presse, kommen Regierungen ans Ruder, die in der Abrüstungsstage einen anderen Standpunft einnehmen, als die jetzigen Regierungen. Mit demselben Argument hat man Ja auch die Vertagung der spe- zifisch deutsch-französischen Fragen, insbesondere des (Rheinlandproblems begründet
Was Deutschland angeht, so spielen für die deutsche Regierung die (Rücksichten auf die kommenden Wahlen hinsichttich der Behandlung der Abrüstungsfrage keine Rolle. Die Politik der deutschen Regierung ist auch hier auf Jahre hinaus festgelegt, und sie besteht, auf eine kurze For- -mel gebracht, darin, daß die deutsche Regierung alle Bestrebungen, den Krieg als Mittel zur Lösung von internationalen Konflikten auszuschalten, tatkräftig unterstützt. Auch im Ausland kann sich keine Regierung mehr einer Lösung der Ab- rüstungsfrage entziehen. Denn mit dieser Frage steht und fällt der Völkerbund. Die Völkerbundsversammlung hat sich wiederholt, zuletzt noch auf der Septembertagung, seierlich für die baldige Einberufung der
9ie bcutioe Summet umfaSt 20 Seiten