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ten L M 1927
Die «Oberdrssisch« Zeitung" w fedxmal wöchentlich. Ve pafftet« monatlich 2 GM. «u<* ftblitil. Zustellunqeqebübr, durch ht«P»st2-2S GM.Mr etwa infolge Anetk«. Maschinendefekte »der jlnnfliiar« Ereignisse auStallend« -kümmern wird kein Lrsa» qe» Irifttt- Verlag v. De 5 Httzerotb. Druck der Univ.-Buckdruckerei e, geb- 9luq. Koch. Markt 21/23. brrnsvrecher: Nr. 54 u. Nr. 55. ^»stscheckkonl»: Amt Frankfurt € W. Nr 51)15. — Sprechzeit btt Redaktion von 10—11 and ',,1—1 Uhr.
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Anzeiger für «das früher kurhessischef Oderhessen - Aerkündigungsblatt für Statt und Kreis Marburg
SWlmir fettet in M MWnSjgr Abrßstung
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Der Genfer Sonderkorrespondent des Reu« t«7Hen Büros hatte gestern abend eine Unterredung mit dem britischen Haupldele» gierten Lord Eushendun, der u. a. er» Bärte, Litwinow habe sich nicht an die Tagesordnung gehalten. Der ganze Sowjet» Vorschlag habe mit den Verhandlungen nichts zu tun gehabt. Er, Cushendun, stimmt mit der allgemeinen Auffassung überein. das) der Sowjet-Borschlag zurückgestellt werden sollte, bis die gesamte Frage der Abrüstung viel weiter forigefchritten sei.
Der diplomatische Korrespondent des .Daily Telegraph" schreibt zu den Dorschlägen Litwinows: Es bleibt jetzt ab« -uwarten, ob die Sowjet-Deleoation, wenn die Kommission es schließlich a b l e h n t, sich mit den Vorschlägen zu befassen, (was sie bestimmt tun wird) ihre Drohung, abzu- teisen, wahr machen w rd, oder ob ihre Führer einen Abänderungsplan, stall der 100 pro- Etigen eine SO prozentige Abrüstung, vor» agen werde.
Ter gestern in Genf von Litwinow vor- aebrachte Abrüstungsplan wird von der tzre'se nicht als ernst gemeint angesehen. Das Arbeiterblatt „Daily Hera ld" führt au3: Die Absicht der Sowjer- Kegierung dürfte gewesen sein, die anderen Mächte zu veran7assen, deutlich zu erklären, wie weit es ihnen mit dem Gerede über Abrüstung ernst ist. — Die übrigen Blätter bezeichnen die Vorschläge als grotesk. „Daily News" bedauert eS, daß die Hoffnung, die Sowjet-Negierung werde bereit sein, an dem schwierigen Werk bet Abrüstung praktisch mitzuheifen, zwar sticht zerstört, aber geschwächt sei. „Da llh Ehronie le" sogt, der russische Scherz verdiene keine Antwort. Das Blatt klagt über die Fortdauer des Abbruches der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Nutzland. „Westminster 6 a $ e 11 e" sagt: Der russische Vorschlag dringe keinen Frieden und sei nur ein «ersuch, die anderen Großmächte in ein falsches Licht zu setzen. „Daily Mail" »eint, durch Annahme des Planes Litwinows würde die zivilisierte Welt in den Zustand her Scheinzeit zurückgebracht werden und die Unzivilisierten würden dann in dec Welt das Uebergewicht haben.
Zu dem Vorschläge Litwinows in der borbereitenben Abrüstungskonferenz schreibt das „Echo b e Pari s", man kann ben Vorschlag der Sowjets kaumernst nehmen, zumal er von Leuten an^eht, bte «ne intensive MilitSrbienstpflicht einge- sührt haben und über 1 264 000 Mann verfügen. „I o u r n a l" sagt: Litwinow 'ehre die Reihenfolge der Faktoren um, menn er den Grundsatz aufste le, daß die «enbarmen mit ben Verbrechern zugleich »er schwinden müßten. „Journal Jn- dnstriel" meint, Rußlanb habe in Genf ein neues Beispiel bet Kunst gegeben, vrit der seine Vertreter auf internationa- sen Versammlungen, zu benen sie zu erscheinen geruhten, ihre persönlichen Ge- iüh-e verhöhnten. „Oeuvre" meint, bie Jfbe Litwinows sei Wohl ein schlechter scherz, vestlmmt für einen nur prtmi- ’tben Gedankenkrels. „<S r e Nouvelle" erklärt: Die Leiter beS Kreml haben ein i» starkes Heer zur Verfügung, als daß 6ihr Programm ernst nehmen könnte, w 6 e n t r" lagt, Litwinows Rebe wolle M an alle Völker wenden. DaS fei bas bemagogische Spiel von MoS-
Sie Sritfer SttbonNungtn
Berlin. 30. 2lov. (TU.) Die Tagung vorbereitenden Abrüstungs-Kommission ®urbe heute vormittag durch den Präst» “Wen Loudon eröffnet. Don den 26 Staaten sind, wie bereits bei der letzten ~Qgung, Brasilien, Spanien und Uruguay Kleber nicht vertreten; die 23 anwesenden Maaten umfassen 14 Ratsstaaten (davon n?u Kanada und Kuba) und noch Argentt- Belgien, Bulgarien. Griechrnlanö, '.chweden, Tschechoslowakei, Südslawien. ®ni> als Aichlmitglieder des DölkerbundeS
Bereinigten Staaten von Amerika und Sowfetrußland.
Der Vorsitzende Loudon.
Mündischer Gesandter in Paris, gedachte ' * keiner Eröffnungsrede der neuen und
der ausgeschiedenen Vertreter. Er fchil- derte dann den augenblicklichen Stand der Arbeiten. Die Hauptaufgabe der Kommission sei daher, entsprechend den Beschlüssen, die
Einsetzung eines besonderen Sicherheitsausschusses. Dieser werde die Aufgabe haben, die durch den Pakt von Locarno eingcleitete Schaffung neuer Sicherhcitsgarantien auszubauen.
Die Arbeiten des Abrüstungsausschusses werden langwierig sein. Sie sollen aber auf jeden Fall öffentlich erfolgen.
Die Kommission wählte sodann den griechischen Delegierten P o l i t i S zum Vizepräsidenten der Kommission. Hierauf trat die Kommission in die Diskussion der Tagesordnung ein. Gleich zu Beginn ergriff der deui-sche Delegierte
Gras Bernstorfs
das Wort zu einer kurzen Mitteilung. Er wies darauf hin, daß der am 12. November an Loudon gerichtete Brief viel
fach in der Oeffentlichkeit und auch vom Prüfidenten mißverstanden worden sei. Er habe
keineswegs beabsichtigt, eine 2. Lesung des Konventionsentwurfes bereits in dieser Sitzung zu beantragen.
Er habe mit seinem Schreiben lediglich bezweckt, auf dieser Tagung eine Diskussion der bisherigen AbrüstungSverhand» lungen herbeizuführen mit dem einzigen Ziel, den neuen Delegationen die Möglichkeit zu geben, die allgemeinen Ansichten ihrer Regierungen über das AbrüstungS- Problem näher ju präzisieren. Graf Dernstorff erklärte, es habe nicht in seiner Absicht gelegen, den Brief an den Präsidenten Loudon, der so weitgehende Mißverständnisse ausgelöst habe, zu Der- öffentlichen. Er sei jedoch durch eine Indiskretion bekannt geworden.
Alsdann gab der russische Delegierte Litwinow
eine kurze Erklärung ab, er schließe sich
Der Abwehrkampf der GtlidentensKaft
MrrwS't grnbr RebrW gtgtn St. Stder
fk. Berlin, 1. Sei. Das neu« preußische Stubentenrrcht wurde von sämtlichen preußischen Hochschulen mit großer Mehrheit abgelehnt. Lediglich die vhiloso- phisch-theologifch-katftokischr Akademie Braunsberg hat die neue Verordnung angenommen. 3« Brauneberg gibt es 33 Studierende.
Berlin.
Die Wahlbeteiligung betrug 80 Prozent Für Annahme stimmten 2575,- für Ablehnung 4461 Studierende.
Cbarlottenburg.
An der Technischen Hochschule und Berg- Akademie betrug die Wahlbeteiligung 88 Prozent. Für Annahme stimmte« 541, für Ablehnung 2475 Studierende.
Hannover.
Die Abstimmung über die Verordnung des preußischen Kultusministers vom 23. Eevember d. Is. batte bei der Technischen Hochschule folgendes Ergebnis: Wahlberechtigt waren 1959 Studierende, abgestimmt haben 1513. Die Wahlbeteiligung betrug 81,4 Prozent. Ee gen die Verordnung stimmten 1 337, dafür 167, ungültig waren 9 Stimmen. — Bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben gewählt 94,2 Prozent. Segen die Verordnung stimmten ?04 Stgdierende, dafür 4, ungültig waren 4 Stimmen.
Son«. Münde«.
An der Forstakademie stimmten von 129 Wahlberechtigten 112 mit Nein und 1 mit Ja.
Göttingen.
Gege« die Verordnung stimmten 1866, für die Verordnung 291. Die Wahlbeteiligung betrug etwa 75 Vrozent. — Sofort »ach Be- kanntwerden des Ergebnisses wurde eine Freie iöött'nger Studente"°^;aft e. B. gegründet, de auf die staatlich« Anerkennung, verzichtet und im freie« ^»»•mirWui! die seit 7 Üahren er rett« Arb-it der Deutschen Studen^-nschast 'orts ,en wird. Sie baut auf den Satzungen auf, der der frühen Zwangsorganisation zugrunde lagen. Mitglied kann feder deutsche Staatsangehörige ebne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit und Religien und AuslLndrr deutscher Abstammung und Muttersprache werden.
Münster.
An der Universität Münster gaben von 3158 Stimmberechtigten 987 ihre Stimmen ab. 73 stimmten mit Stein, 902 mit Ja, 13 ungültig. Die Verordnung gilt auch hier als abgelehnt, da sich nicht die Hälfte der Stimmberechtigten an der Stimmabgabe beteiligt haben.
Kiel.
An der Kieler Universität betrug die Zahl der Wahlberechtigten 1572. abgegeben wurden
1251 Stimmen, davon 1054 mit Nein und 187 mit Ja.
Königsberg.
Die Abstimmung über das neue Studenten- recht ergab folgende» Resultat: Stimmberechtigt waren 2113 Studenten. Bon diesen nahmen etwa 68 Prozent an der Abstimmung teil. E» stimmte« 1255 gegen die Verordnung, 168 dafür, 12 Stimmen waren ungültig.
Greifswald.
Bei der Abstimmung über das neue Studen- tenrecht wurden von 1195 Stimmberechtigten 872 Stimmen abgegeben, 55 waren für, 815 gegen das neue Studeutenrecht.
Halle.
Lei einer Watt5«t»"'""nn non 71,6 Rrorent (1622 Stimmen von 2371 Stimmberechtigten) wurden 1513 Stimmen auf Rein, 98 auf Ja abgegeben. 11 Stimmen waren ungültig.
Breslau.
Bei der Abstimmnng in der Technischen Hochschule wurden 101 Stimmen für und 555 Stimmen gegen den Erlaß abgegeben. Wahlberechtigt waren insgsamt 829 Studierende. — Bei der Abstimmung an der Friedrich-Wil- hrlm-llnivrrsität wurden 691 Stimmen für und 1740 Stimmen gegen den Erlaß abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug 75 Probat.
Marburg.
Bei der Abstimmung über die Bildung von Studentenschaften an preußischen Hochschulen wurden 1955 Stimmen abgegeben. Davon stimmten 1737 gegen die Verordnung und 179 für die Verordnung. 39 Stimmen waren ungültig.
Frankfurt.
Bei einer Wahlbeteiligung von etwa 53 Prozent wurden insgesamt 1553 Stimmen abgegeben, von denen 1101 auf Wein, 420 auf Ja lauteten und 32 ungültig waren.
Köln.
Abgegeben wurden 2800 Stimmen, was einer W hlbeteiligung von 67 Prozent entspricht. 22^0 Stimmen lauteten aus Rein, 563 auf 3a und 37 waren ungültig.
Lonn-Povvelsdorf.
Bei der Abstimmung an der Landwirtschaftlichen Hochschule wurden von 526 Studierenden 384 Stimmen abgegeben. Davon stimmten 3 3 3 für Ablehnung «nd 42 für Annahme. 9 Stimmen waren ungültig.
Düsseldorf.
Bon den 86 wahlberechtigten Studierenden der Medizinischen Akademie in Düsseldorf waren 26 für die Bildung einer Stu» denenschaft gemäß der Verordnung de» Minister», 46 dagegen.
voll dem Standpunkt der deutschen Delegierten an, 8u na cf) ft die Debatte über den gegenwärtigen Stank der Arbeiten vorzunehmen.
Präsident London stimmte hierauf der von Deutschland und Rußland gewünschten Aenderung der Tagesordnung zu und erteilte Litwinow nochmals das Wart zu einer allgemeinen und eingehenoen Darlegung der russischen Haltung zum gesamten Abrüstungsproblem. Das sowjetrussische Programm verlangt:
Die vollständige Abschaffung der Rüsb ungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft und zu ihrer stufenwetsen Verwirk- lichung innerhalb von vier Jahren u. a.
die Entlassung der gesamten stehenden Streitkräfte aller Iruppcnarten;
die Zerstörung aller Waffen- und Mu» nitionsbestände und sämtlicher chemischen Kriegsmittel;
den vollständigen Abbau der See- unb Lustflotten:
die Schleifung der Festungen;
die Abschaffung der Flotten- und Lust- flottenstützpunkte;
die Aufhebung aller besonderen Waffenfabriken und
gesetzliche Maßnahmen, die Berstöß« gegen diese Maßnahmen unter Strafe stellen.
Die sowfetrusiische Delegation wollt unter Währung ihres Standpunkte« an allen Erörterungen ausnahmslos teilneh. men, soweit es sich um praktische Maßnahmen handelt, die zu einer Derwirk- lichung der Abrüstung führen. Die russische Regierung sei außerdem bereit, s o • fort ein Staatenabkommen über da« Verbot de« chemischen und bakteriologischen Kriege« zu unterzeichnen. Litwinow verlas bann einen Resolutions-Antrag, durch den beantragt wird:
1. Die sofortige Ausarbeitung eine« detaillierten K onv en t i o n»en t- wurfes zur allgemeinen Abrüstung auf Grund der von der russischen Delegation dargelegten Richtlinien, und
2. die Einberufung einer allgemeinen Abrüstungskonferenz für den März 1 928 zur endgültigen Annahme eine» entsprechenden Staatenabkommens.
In seiner Erklärung betonte Litwinow, daß die Delegation Sowjet-Rußlands an Besitze sämtlicher Vollmachten fei, um dieses Abrüstungsprogramm vorschlagen zu können. Das von der Sowjetregierung vorgeschlagene Programm könne in kürzester Frist durchgesührt werden. Ferner unterstrich er, daß der Ansicht der Sowjetregierung nach der vorgeschlagene Plan der zweckentsprechendste sei, um den Frieden sicherzustellen. Die Sowjetregierung habe die Einladung zm Teilnahme an der gegenwärtigen Tagung der Abrüstungskommisiion angenommen, um Klarheit dariiber z u schaffen, welche „kapitalistischen Regierungen" ehrlich den Frieden wollen. Er behauptete, daß seit Ende des Weltkrieges die militärischen Rüstungen der kapitalisttschen Länder sich ständig erhöht hätten, und daß man nirgends auch nur teilweise Durchführung der übernommenen Av- rüstungsverpslichtungen feststellen könne. Auch der Völkerbund habe bisher keinerlei Drahtliche Maßnahmen zur Adrub-ug