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Anzeiger für (das früher kurhefsische) Sberhefsen - Berkündisunsshlatt für Stadt und Kreis Marburg

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öberbLssischk Zeitung

Montag, den 28. Nov. 192#

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Attentat auf Bürgermeister Seitz

deren Wien Auf-

etrbaftet

Die sozialdemokratische Partei, Vorsitzender der Bürgermeister von ist, hat an die Arbeiterschaft einen

als er unter den augenblicklichen Umstän­den haben kann.

Wie derKursier P o r a n n n" aus Wilna berichtet, hat die litauische Regie­rung gestern ein Kommuniqö ver­öffentlicht, in dem er heißt:

Die Absichten Polens auf Litauen beun­ruhigen die Bevölkerung und die gesamte Oeffentlichkeit aufs schwerste. In Kowno spreche ein Teil der Bevölkerung von einer beabsichtigten Bombardierung der Stadt und verlange den Rücktritt der Regierung Dieses Verlangen habe aber kernen Zweck, da der Rücktritt der Regierung Litauen in den Augen des Völkerbundes schaden und nur für Polen günstig sein würde. Polen wolle seine Annexionspläne mit Rücksicht auf den Völkerbund nicht durch einen offenen Krieg, ionbetn- mit Hilfe der sog. Emigranten erreichen. An-

Die russische Delegation in Genf eingetroffen.

Genf, 26. Nov. Die sowietrussische Dele­gation für die Konferenz der Vorbereitenden Abrüstungskommission ist beute nachmittag in Genf eingetrofkn. Es waren Maßnahmen ge­troffen worden zum Schube der Dele­gierten und um iedem Zwischenfall zuvor- zukommen. Der Bahnsteig war.abaesperrt und es wurden nur Presievertreter gegen Vorzei­gung ihrer Ausweiskarten zugelasien. Die Sicherheitspolizei führt bei Tag und Nacht einen lleberwachungsdienst durch. Das Sotel- oersona! ist photographiert und mit Identi­tätskarten versehen worden. Vor dem öotel ist ein besonderer Postendienst eingerichtet.

Der polnisch litauflche Konflikt

Ruhe in Kowno Gin litouWes Kommun-yus

Kowno, 27. Nov. Die im Ausland «rbreiteten Nachrichten über c:itn Putsch hi Litauen entbehren, wie die «L'täustchr Kurp schau" meldet, jeder Grundlage. Es herrscht in Kowno «nd im Lande nach »ie vor vollkommen Ruhe. Die Berhand- Inr.Rcn der Regierung mit den Pa-tt'- fihtern find oestern sor ge'ebt worden. Mo, hr Ergebnis liegen b eher noch bitte Nachrichten vor. Von einem Schritt

Gesandten Frankreichs, Englands und Stellens in Kowno ist offiziell n'cksts be- feent. llebrigens ist der englische Ge- fendte Vaughan vor einiger Zeit ab, berufen und bisher durch einen Nachfolger tetf) nicht ersetzt worden.

»Liberte" stellt heute die Frage. Mches von den drei E.eignissen: der Allientsch-albanische Vertrag, der Tod ^kalianus oder die Rote der Sowjet- Werung an Polen das ernsteste sei. In terer Gesamtheit seien sie geeignet, eine beunruhigende Lage zu schaffen, die die l^üfite Aufmerksamkeit und die größte ^orsicht empfehlen.Temps", der sich ähn- ; äußert, bespricht jedoch im Einzelnen

den russischen Schritt in Warschau und Weibt: Moskau bemüht sich mit allen Mitteln, die öffent iche Meinung der ?fe't zu interessieren in der Hoffnung, da- °urch Hix Mächte zu zwingen, mit der ^wjetregierung über cu.gemeine Frag. ~ verhandeln, von denen die Sowjet- Werung nicht nur Kredite, sondern, die Stellung ihrer eigenen so ernstlich ^tevromittierten Lage erwar et. Man ?urde den Diktatoren des Kremls in die Z?"d spielen, wenn man ihrem £cf><itt_in Erschau mehr Bedeutung beimesien Zollte, als er in Wirklicheit hat und.

Dr. Svieckernagel znm Beigeordneten des Städtetages gewählt.

Duisburg, 26. Nov. Auf der Duis­burger Dorstandsfltzung wurde der Landtags­abgeordnete Dr. Svieckernagel einstimmig zum Beigeordneten des Deutschen und Preutz.schen .Städtetages gewählt.

Set Silit

Wien, 26. Nov. (WTB.) In Wien wurde heute nachmittag auf den Wiener Bürgermeister Karl Seitz ein Attentat ver­übt, das glücklicherweise ohne Folgen blieb. Bürgermeister Seitz hatte der Eröffnung einer Wintersporthalle im ehemaligen Nordwestbahnhofs-Gebäude be. gewohnt. Als der Bürgermeister gegen 18 Ahr das Gebäude verlieh und sein Auto bestteg, gab ein junger Bursche drei Revolver­schüsse auf ihn ab, die jedoch ihr Ziel ver­fehlten. Der Chauffeur des Bürgermeisters fuhr mit dem Auto in rascher Fahrt davon.

Zu dem Anschlag des Mechanikers Sttö- bitiger auf Bürgermeister Seitz wird weiter gemeldet: Als Bürgermeister Seitz sein Auto bestieg, trat aus dem Dunkeln ein Mann hervor und gab aus einem alten Trommelrevolver, neben dem langsam an­fahrenden Auto herlaufend, vier Schüsse auf das Auto ab, dessen Scheiben zum Teil zertrümmert wurden. Seitz, der sich im Innern des Auto­mobils, das nun rasch davon fuhr, duckte, blieb unverletzt. Der Täter, auf den sich mehrere Polizeibeamte und mehrere Leute aus dem Publikum stürzten wollten, entfloh nach dem dunkelen Gelände des alten Güterbahnhofes. Die Wache feuerte ihm mehrere Schüsse nach. Gr überkletterte dann einen Zaun und sprang auf die Platt­form eines Straßenbahnwagens, wo er fest­genommen wurde. Der Verhaftete ist in Temesvar geboren, aber nach Gutenstein in Niederösterreich zuständig. In letzter Zeit will er als Hausdiener in Salzburg tätig gewesen sein. Er wird zur Zeit verhört.

Der Eröffnung des Schneepalastes in der Haupthalle des alten Nordwestbahnhofes hatten außer Bürgermeister Seitz ein Ver- tteter des Bundeskanzlers, Mitglieder meh­rerer Gesandtschaften und die Spitzen der städtischen Behörden beigewohnt.

Wien, 26. Nov. Sttöbinger erklärte bei feiner Vernehmung, er sei früher Arbeiter gewesen und sei jetzt . Schau­spieler. Nach dem Grunde der Tat be­fragt, sagte er, wenn er das erzählen wollte, wurde das Verhör sehr lange dau­ern. Bürgermeister Seitz hält es für aus­geschlossen, daß dem Attentat ein poli­tisches Motiv zu Grunde liegt. Dem Bür­germeister sind Glückwünsche des Bundes- Präsidenten, des Bundeskanzlers, des Po­lizeipräsidenten, zahlreicher Diplomaten und anderer Persönlichkeiten zugegangen. Die Polizei konnte den Täter nur mit Mühe vor der Lynchjustiz der erregten Volksmenge schützen. . .. . _ .

ruf erlassen, in dem der Freude Ausdruck gegeben wird, daß das versuchte Attentat auf den Bürgermeister Seitz mißlungen ist, und die Arbeiterschaft aufgefordert wirb, sich zu keinerlei Demonstrationen und An­besonnenheiten hinreißen zu lassen.

Sieber die Person des Attentäters er­fährt dieNeue Freie Presse" fol- gendes: Der Täter soll in früheren Jah­ren sowohl der sozialistischen, als auch ber kommunistischen Bewegung angehört ha­ben, aber vor etwa 4 Jahren schloß er sich rechtsgerichteten Kreisen an. Er hatte in der letzten Zeit keine Beschäftigung, besuchte aber regelmäßig die Versamm­lungen einer Frontkämpfervereinigung. Sttöbinger erregte in diesem Jahre in Salzburg dadurch Aufsehen, daß er sich auf dem Flugplatz an ein abfliegendes Flug­zeug anklammerte. Als Grund für diese Tat gab Sttöbinger an, daß er sie unter­nommen habe, damit man von ihm spreche. Bei seinem heuttgen Verhör versicherte, er, daß er die Tat allein und ohne Komplizen begangen habe. Bei einer in seiner Wohnung vorgenommenen Durch­suchung wurde nichts wesentliches zu Tage gefördert. Er gibt weiter an, daß er nicht die Absicht hatte, den Bürgermeister zu töten, sondern daß er die Tat beging, um dadurch auf sein Elend und auf das des ganzen österreichischen Volkes aufmerksam zu machen, welches durch den Frieden von St. Germain ins Anglück gestürzt wor­den ist.

- Die gestern hartnäckig umlaufenden Ge- | cüchte über einen Sturz der Woidema- I ras-Negierung und einen Putsch in ß Ko w n v haben sich als unbegründet j erwie'en. W:e als einwandfrei feststeht, herrschte gestern in Kowno Ruhe. Gestern fanden eingehende Beratungen aller Par- iectwrstände statt. Die gesamte litauische Prege verlangt die Bildung einer natio­nalen Einheitsfront in Anbetracht der 'ernsten außenpolitischen Lage. Die Wolde- maras-Regierung hat Fühlung mit den Cbristlich-Temokraten und den Volkssozia­llisten ausgenommen, um eine Koalition berbelzuführen. Vorläufig stößt jedoch die Bildung einer Koalition auf Schwierig- i leiten.

Der aus Rußland eingetroffene litaui­sche Gesandte in Moskau teilt mit, daß Rußland alles tun werde, um Litauen zu schützen, doch erwartet man hier, daß Rußland sich auf Prote st noten beschränken und selbst im Falle e:neS polnischen Angriffes nicht zum letzten Mittel, des bewaffneten Ein'chreitens. greifen werde. Dessen unbeachtet erregt hier großes Aufsehen, daß der russische Militärvertreter für die baltischen Staaten Kowno eingetroffen ist und mit den zuständtten Stellen Verhandlünoen führt, s Die Vertreter Englands und Frank­reichs begaben dich in Automobilen aus Kowno nach Wilna. Man erwarten da- ldurch eine Entspannung der Lage. Die ,litauische Gesandtschaft bestätigt der Tel- :Union, daß die Gerüchte über Unruhen in Kowno ganz unbegründet seien. Wolde- maras verhandelt außer mit den ange­gebenen Parte en noch mit der Bauern- ijartet über die Bildung einer Koali - itlonsregierung. Die Verhau,blun- ecu ständen bereits vor einem günstigen Abschluß. Alle Parteien hätten erklärt, 'M ffe für dte litauischen Landesverräter, die ach in Wilna versammelt hatten, nur Abscheu empfänden. Die Gerüchte, daß Letztere unter den Generalstabsoffizieren in Kowno Gesinnnng-genos'en hätten, fe en lunbegründet. Der Ernst der Lage habe stile Parteien zusammengeschlossen.

gebüd) werde der Führer der von Polen unterstützten Emigranten, Pletschkai- t i 5, auch zur Völkerbundstagung nach Eens kommen.

Das KommuniguS endete mit folgenden Worten:Es wird bei uns über die Not­wendigkeit, sich mit Polen zu versöhnen, viel gesprochen. Wir stehen auf d:m Standpunkt, daß weder Litauen an Polen, noch Polen an Litauen den Krieg erklärt hat. Da bisher keine formelle Kriegser­klärung vorliegt, kann auch kein Frieden geschlossen werden. Polen wiederholt stän­dig seine freundlichen Absichten und gleich, zeitig macht es Pläne. Litauen zu an­nektieren. Litauen hat nicht die Ab­sicht. Polen zu überfallen. Aber das li­tauische Volk ist bereit, seinen Staat bis zum letzten Blutstropfen, zu verteidigen."

Nos KMrzed.iIS In Staunidneelfl

Dir Mandatsverteilung im braunschweigischen Landtag.

ft. Berlin, 28. Nov. Nach dem vorliegen­den amtlichen Ergebnis verteilen sich die Sitze im neuen braunschweigischen Landtag wie folgt:

Sozialdemokraten 24 (19)

Kommunisten 2 (2)

Demokraten 2 (2)

Deutschnationale 5 (10)

Deutsche Bolksvartei 8 (9)

Wirtschaftsoerband 4 (4)

Saus- und Grundbesitzer 2 (0)

Braunschw-niedcrs. Partei 0 (1)

Nationalsozialisten 1 (1)

Zentrum und Bolksrechtsvartei bekomme« ebenso wie die Braunschweigisch-nirdersächstsch« Partei keinen Sitz.

Die Stadtverordnetenwablen in Mecklenburg» Strelitz.

ft. Neustrelitz, 28 Nov. Die gestern in Mecklenburg-Strelitz vorgenommenen Stadt­verordnetenwablen lasten ein Steigen der Stimmen der Linken erkennen. Gegenüber den letzten Landtagswahlen vom 3. Juni ds. I». haben die sozialistischen Stimmen um 26 Pro­zent zugenommen.

Qbttiitbl

librr die ÄrMklimchnun

Berlin, 26. Nov. Nach den Derössent- lichungen des Ne.chsf'manzministeriuinS be­trugen im ordentlichen Haushalt Im Septem­ber die Einnahmen 600,8 Millionen Mark die Ausgaben 618,7 M.llionen Mark, sodaß sich eine Mehrausgabe von 17,9 Millionen Mark ergibt. Für d.e Zeit vom April bis September, also für die erst« Hälfte des laufenden Finanzjahres stellen sich die ent­sprechenden Zahlen auf 4322 Mcllwnen Mark bei den E.nnahmen und 4112,3 Mill. Mark bei den Ausgaben, sodaß sich eine Mehremnahme von 239,7 Mill. Mark er­gibt. 3m außerordentlichen Haushalt be­laufen sich im September di« Ccnnahmen auf 0,2 und die Ausgaben aus 57,8 Millionen Mark, sodaß sich hcer eine Mehrausgabe von 57,6 Millionen ergibt. Für die Zeit von April bis September betragen dte Ziffern in der Einnahme 102,7 Millionen und tr. der Ausgabe 279,5 Millionen, sodaß eine Mehr­ausgabe von 176.8 Millionen Mark vor­handen ist. Unter Einrechnung der aus dem Finanzjahr 1926 übernommenen Bestände von 548 Millionen Mark in dem ordentlichen und 290 Millionen Mark in dem außerordentliche« Haushalt ergibt sich mithin für beide Haus­halte zusammen für das erste Halbjahr deS kaufenden Finanzjahres eine Mehreinnahme» von 290.9 Millionen Mark. Der S'and der gesamten Neichslchrild wird für den 30. Sep­tember aus 7918,6 gegen 7 927,6 Millionen am 30. 6. angegeben. Die schwebende Schuld bleib' mit 120,3 Millionen am 30 9. gegen» üb r dem 31. 8. unverändert. 3n längeren, zu dieser Ueberfichi gegebenen Erläuterungen wird zum Schluß zufammenfafsend bemerkt, daß das bisherige Ergebnis erkennen läßt, daß für das ganze Finanz''ahr auf der Etn- aohmeseite etwa 3 0 0 b i s 3 5 0 Millionen Mark mehr auskommen werden und auf der Ausgabefette eine Ersparnis von 200 Millionen eintreten wird. Meter Verbesserung von rund 500550 Millionen Mark sieben erhebliche tnt Nachttagshaushalt zu berücksichtigende Mehrausgaben für die Erhöhung der Besoldung, der Pensionen und der Kriegsbeschädigtenrenten, ferner für Liquidationsgeschädigte und Hochwasserschäden entgegen.

Der itattenfsck,--'sh<rntsckie Bündnisvertrag von der Kammer ratifiziert-

fk. T i r a n a . 28 Nov. Die Kammer ra- tistzierte den ttalienisch-albcrnischen Bünd­nisvertrag unter größter Begeisterung Der Sitzung wohnten alle Minister und die Gesandten des diplomatischen Korps bei. Der Annahme des Vertrages ging eine Rede des albanischen Außenministers voraus, der den Defensio-Ebaratter, des Vertraaes betonte-