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Bayern unö -as Reich
Starr gegen die Beseitigung der bmrWen EigmltaollWelt
München, 17. Nov. Nach einem Besuch im Deutschen Museum fand sich heute vormit- tag Reichskanzler Dr. Marx im Ministerium des Aeuhern ein, wo eine Vorstellung des Gesamtministeriums erfolgte und Ministerpräsident Dr. Held und der Reichskanzler kurze Ansprachen hielten. Bei der Begrüßung des Reichskanzlers im Landtag durch das Präsidium und die Fraktionsoorstände, hielt der Landtagspräsident Königsbaur eine Ansprache, in der er erklärte, der Besuch gelte der Besprechung von Existenzfragen des bayerischen Staates.
Reichskanzler Dr. Marx erwiderte darauf u.a., daß wir alle ohne Unterschied der Par- teirichtung nur das eine Ziel hätten, nämlich dem Volke und dem Staate zu dienen, und zwar jeder nach seiner Auffassung. Dir müßten uns aber alle in dem einen Gedanken vereinen, — und er sei überzeugt, daß auch die bayerische Regierung diese Auffaflung teile, — unserem Volke vorwärts zu helfen.. Demgegenüber müsse alles Kleinliche, Egoistische und Materielle zurücktreten. Nur der eine Gedanke: „Vorwärts auf dem Wege zum Wiederaufstieg!" müsse alle beschäftigen. Die Reichsregierung beschäftige sich mehr als man annehme mit den Sorgen Bayerns, zumal der bayrische Minister- Präsident dafür sorge, daß Bayern in Berlin nicht vergessen werde. Die Reichsregierung wisse auch, welche Bedeutung ein Land wie Bayern mit seiner großen historischen Ver- F gangenheit und seinen großen staatlichen und v kulturellen Werten besitze.
Solange aber die bayrische Regierung und das bayrische Volk den festen Willep zur Eigenstaatlichkeit hätten, fei es falsch, irgendwie zu versuchen, andere Zustände herbeizuführen.
$er Reichskanzler schloß seine Ausführungen: „Ich habe persönlich darauf gedrungen, daß in die letzte Regierungserklärung bei Vorstellung der Reichsregierung vor dem Reichstag bet Satz ausgenommen wurde, daß ich es für unrichtig hielte, wenn man a u f d em U m- wege über finanzielle Maßnahmen die staatliche Selbständigkeit der Länder untergraben wolle. Hier- iwch habe ich auch stets gehandelt. Das wesentliche ist doch, daß das Reich zusamw", - hält, nicht durch äußere Machtmittel, sondern durch gemeinsames, ehrliches Streben und das Bewußtsein der Zusamm-enge- Hörigkeit. Wir müssen die Reichsfreude in den Herzen aller Reichsangehörigen stärken, und das kann nicht geschehen, wenn ein meinem politischen Ziele entgegengesetzter Veg beschr-tten wird."
Unter dem Vorsitz des bayerischen Ministerpräsidenten fand heute nachmittag im Ministerium des Aeuheren die vorgesehene B e - sprechung zwischen der .bayerischen Staatsregierung und dem Reichskanzler statt. In der Besprechung wurden die das Reich und Bayern be- steffenden aktuellen Fragen eingehend erörtert.
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Der Dank der Bayerischen Bolkspartei.
München. 17. Rov. In der Bayerischen Bolksparlei-Korrespondenz wird heute erklärt, bas ganze bayerische Volk danke dem Re.chs- kanzler für die mannhaften Worte, d.e er mitten im Ansturm auf das bayerische Bollwerk im Hause der bayerischen Volksvertretung gesprochen habe. Es liege eine Mahnung in diesem Kanzlerwort (Solange Bayern am eigenen Staate festhalle. . .), die sich das bayerische Volk zu Herzen nehmen solle. Das Bchicklal der bayerischen Frage sei in die Hände des bayerischen Bolkes gegeben. Bon der Stärke und der Dauerhaftigkeit seines r Dillens werde es abhängen, ob es leben oder sterben werde. Daß es des Kanzlers ehrlicher Dille sei, bewußt kein Peolitik mitzumachen, die auf dem Umwege über finanzielle Maßnahmen. die staatliche Selbständigkeit der Länder untergrabe werde man in Bayern mit großer Genugtuung vernehmen. Die Relchs- ttflierung, besonders das Deichsfinanz
ministerium hätten zur Zeit die beste Gelegenheit, den Willen dvs für die Grundlinien der Deichspolitik verantwortlichen Reichskanzlers zu respektieren. Die klaren und verständigen Worte, die der Reichskanzler zur bayerischen Frage gesprochen habe, und die ja nicht von der Ueberzeugung des Zentrumsführers zu trennen seien, würden sicher ihre gute Wirkung auf die bevorstehenden Verhandlungen zwischen der Bayerischen Volkspartei und dem Zentrum ausüben und hoffentlich zu einem guten Abschluß beitragen. Die Bayerische Volkspartei könne auf die Dauer nur mit einer Zentrumspartei- zusammenarbeiten, die Bayern so respektiere, wie es Reichskanzler Dr. Marx in seinen treffenden Worten tat Bayerischen Landtag getan habe.
Besprechungen über Reparationsangelegen, heilen.
Berlin. 17. Nov. Der Reichsminister der Finanzen hat heute mit den Reichstagsabge- ordneten, die er in Zukunft bei der Behandlung wichtiger Reparationsfragen heranziehen wird, eine einleitende Besprechung gehabt. Sie diente der allgemeinen Erörterung der laufen- den Fragen und der Vorbereitung der kom- menden Arbeit. Die Besprechungen, die ver- traulich sind, werden demnächst fortgesetzt.
Für -le akademische Freiheit
Segen die prenMe Serotbnung über »ns StabentenreKl
3m Landtag ist folgende große Anfrage der Abgeordneten D. Winckler. Steuer und der übrigen Mitglieder für die deutschnationale Fraktion eingebracht worden:
Die von dem Preußischen Staatsmtaisterium erlassene Verordnung über die Deurege- lung des Studentenrechts an den preußischen Hochschulen führt in ihren praktischen Auswirkungen zu einer Zerstörung der von der Frontsoldatengeneration der deutschen Studentenschaft von innen heraus unter Ueberwindung großer Schwierigkeiten aufgebauten studentischen Selbstverwaltung, die sich nunmehr Jahre hindurch vielfach bewährt hat. Damit ist diese Verordnung ein folgenschwerer u.n d bedenklicher Vorstoß einer staatlichen Instanz gegen die akademische Freiheit. Sie verursacht ferner durch die in ihr aufgestellten Bedingungen für den Zusammenschluß preußischer und außerpreußischer Studentenschaften praktisch die Loslösung der preußischen Hochschulen von der Deutschen Studentenschaft, die als Ein- heitsorganisativn heute alle Hochschulen des deutschen Sprachgebiets diesseits und jenseits der derzeitigen Zwangsgrenzen des Reiches Deiches umfaßt. Damit gehen die Dachteile, die durch diese Verordnung verursacht werden. weit über den engeren Rahmen der Hochschule hinaus: sie wird zu einer überaus bedauerlichen Schädigung der für unser ganzes Volk unantastbaren großdeutfchen Einheits
idee. Endlich bedeutet das Vorgehen des Preußischen Staatsministeriums durch dße gestellten Bedingungen für den Zusammenschluß einen mit 6er bundesstaatlichen Gleichberechtigung schwer zu vereinbarenden Versuch, auf die Gestaltung des Studenten- rechts an den außerpreutztschen Hochschulen einen bestimmten Druck ausüben. Hierbei ist vor allem zu beanstanden, daß im Besonderen sogar auf die Gestaltung des österreichischen Studentenrechts einzuwirken versucht wird, obwohl es ausschließlich Sache der österreichischen Etaats- regierung, der österreichischen Hochschulen und der österreichischen Studenten fein muß. darüber zu entscheiden, was in Oesterreich zur Wahrung des deutschen Charakters der Hochschulen notwendig und nützlich ist.
In Anbetracht dieser Umstände fragen wir an:
1. Ist das Preußische Staatsministerium bereit, die Verordnung bett. Reuregelung des Studentenrechts an den preußischen Hochschulen, wieder zurückzuziehen?'
2. Wenn das nicht der Fall fein sollte: Entsprechen die bei Durchführung dieser Verordnung zweifellos eintretenden Folgen — die Aushebung der studentischen Selbstverwaltung, die Zerschlagung der großdeutfchen Organisation der Studentenschaft, die Einmischung in die Gestaltung des außerpreußischeir Studentenrechts — den Absichten des preußischen Staatsministetiums?
Die VekenntniMick
Berlin. 17. Nov. Der Bildungsausschuß des Reichstages setzte heute die Beratung des Reichsschulgesetzentwurfes beim § 4 fort, der die Bekenntnisschule behandelt. Abg. Runkel (DVP.f setzte sich für die Bekenntnisschule ein dort, wo sie historisch geworden sei. Bei keiner Regierungspartei bestehe die Absicht, eine Kirchenschule zu schaffen. Gegen den volksparteilichen Redner wandten sich die Abg. ftrau Dr. Bäumer (Demokrats und Loewenstein sSoz.) die den Religionsgesellschaften das Recht bestritten, über Schulverhältnisic Bestimmungen zu treffen. Nach weiterer Aussprache wurde unter Ablehnung sozialdemokratischer und demokratischer Anträge ein A n t r a g d e r R e- gierungsparteien angenommen . der folgende Fassung festlegl:
„Die Bekenntnisschule dient zur Aufnahme von Kindern eines bestimmten Bekenntnisses, für dessen gemeinschaftliche Pflege eine Religionrgejellschast besteht, die in dem betreffenden Lande die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts hat. (Srtitel 137, Abs. 5 dir Rcichsverfassung). Die Schule ftebt auch Kindern eines verwandten Bekenntnisses offen. Aus be
sonderen Gründen können auch ander» Kinder eingeschult werden. Ein besonderer Grund liegt stets dann vor, wenn ohne Aufnahme in die Bekenntnisschule dir Kinder nicht oder nur mit besonderen Schwierigkeiten eingeschult werden können. Durch die Aufnahme solcher Kinder verliert die Schule nicht den Charakter als Bekenntnisschule."
Immer weitere Verhaftungen |m ungarischen . Wertpapierskandal.
Paris, 17. Nov. (TA.) Es soll nunmehr erwiesen sein, daß die Haupträdelsführer in dem ungarischen Wertpapierskandal in Frankreich der Konsul Lacaze und hauptsächlich der Industrielle Jean de Fallois waren. Ihre zu rasch erfolgte Verhaftung machte es den zahlreiichen Mitarbeitern der beiden „Chefs" möglich, die Flucht zu ergreifen. Zwei Senatoren und der Direttor einer Pariser Zeitung — die Namen werden nicht genannt — sind als Zeugen vorgeladen. Da der Untersuchungsrichter bisher' fast afte Zeugen verhaften ließ, herrscht in der Umgebung der beiden Senatoren ziemliche Beunruhigung.
SMmscd MeS
fk. Moskau, 18. Nov. Gestern erfchtch sich der ehemalige Sowjet-Botschafter in Berlin, Josse. Der Grund zur Tat is Nervenzerrüttung.
Joffe nahm an den Brest-Litowsker Friedensverhandlungen teil und war dann 1918 erster Sowjetbotschafter in Deutschland, später Sowjetgefandter in Wien. Nach feiner Rückkehr aus dem Auslande bekleidete Joffe den Posten als stellvertretender Vorsitzender des Hauptkonzessionskomitees. In letzter Zeit wirkte et als Professor am Moskauer Institut für Orientsorschung.
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Amerikas «nfgelte
fk. P h i l a d e l ph i a, 18. Nov. Eoolidge war gestern abend Ehrengast der Union Seague. Eoolidge faßte in einer Rede die Aufgaben zusammen, die der Bürger der Bereinigten Staaten harren. Hierzu zahlt Eoolidge insbesondere Ausbau der Kriegsflotte durch Vermehrung der Kreuzeu und Unterseeboote, sowie Unterstützung privater Reedereien beim Dau schneller Frachtschiffe, die als Hilfs, schiffe verwendbar sind. Ferner Förde, rung der Luftschiffahrt. Als wichtigste Aufgabe bezeichnete Eoolidge die Erhaltung der gegenwärtigen Wohlfahrt; er wandte sich energisch gegen eine Herabsetzung der Zollsätze.
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dir ÄSnNgtmg im neuen MleWchiitzgesttz
Berlin, 1. Nov. Der WohnungSauS- schuh des Reichstages beriet am Donnerstag die Novelle zum Mieterschutzgesetz und zwar den Abschnitt über die Beendigung von MietSverhültnissen durch Kündigung oder Zeitablauf.
Der Reichsrat hat diesen Teil der Regierungsvorlage gestrichen. Ein Der- tteter der sächsischen Regierung begründete diese Stellungnahme des Reichsrats. Die Durchführung der Gerichtsurteile, die nur bei Beschaffung von Ersatzräumen möglich sei, habe größere Schwierigkeiten gemacht als die Entfernung eines böswilligen Mieters au« einer Wohnung. Die Bestimmungen des Mahnverfahrens könne man auf das Räumungsverfahren nicht anwenden. Durch dieses Verfahren würde nur noch eine Verschleppung eintreten. Drr Redner sah in der Vorlage der Reichsregierung eine materielle Verschlechterung gegenüber dem Zustande vor dem Kriege uzd schlug eine Aenderung dahin vor. oaß die Räumung keine »unbillig« Härte für den Mieter" bedeuten dürfe. Das Bürgerlich« Gesetzbuch enthalte kein deutsches, sondern römisches Wiettecht. Eine Neugestaltung des Wohnrechts müsse in «Angriff genommen werden, sobald die Zeit gekommen »sei. Eine Vertagung dieser Vorlage etwa um zwei Jahre schaffe vielleicht bessere Grundlagen für eine Gesetzesänderung.
Ministerialdirettor Oegg erklärte, ■ ob die neuen Vorschriften zu einer unerttäg- lichen Vermehrung der Zahl der Derfahren führen würden, lasse sich nicht ohne weiteres annehmen. Bei der starken Belastung der großen Gerichte könne heute nicht sofort ein Termin zur mündlichen Verhandlung angesetzt werden. Demgegenüber schaffe das vorgeschlagene Verfahren Erleichterungen und unter Umständen Ersparnisse an Zeit und Ko st en für die Parteien. Der GerichtSschreiber solle keine Entscheidung haben, sondern nur prüfen, ob die formellen Voraussetzungen der Kündigungen vorliegen.
Abg. Dr. Steiniger (Dntl.) regte an, daß die F ü r s o r g e st e l l e n eine Erklärung abgeben möchten, ob sie bereit seien, für zahlungsunfähige Mieter Beihilfen zu seben. Me>