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Anzeiger für (das früher kurheffischef Sberheffe» - Berkünrigungsdla« für Stadt und Kreis Marburg

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Marburg

SonmrStag, itn 17. Rov. 1927

Der An,eignch«tt betrLgl fftt bea 10 gestalt. SeUenmtatmdtt 0.08 SM^ kleine Baranzttgen 0.06 EM., amtliche und «u* vürtige Anzeigen 0.10 SM. Sei schwierigem Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50«/. Aufschlag. Sammelanzeigeu 100 */ Auf­schlag. Reklamen der Milli». 0,40 SM. Zeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werde» berechnet, ebenso Au«kunft durch dl« Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

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Elm Ansprache Sr. StresemannS in Men Sie Srnndlagrn einer wahren Frieben-tzelitik

Mt ^Vberhesstsch« Zeitung" er- yLut sechsmal wöchentlich. De- ^«mreiS monatlich 2 DRk. aus- Meßl. Zustellungsgebühr, durch ^ePost2.25 GM-Für etwa infolge Atrriks, Maschinendefekte »der ^ementarrr Ereignisse ausfallend« gyamttn wird kein Ersatz ge- ^jget. Verlag d. Dr. §. Hiheroth. gatt der Untb.-Buchdruckerei v. Zob- Aug- Koch, Markt 21/23. »«»sprecherr Rr. 54. u. Nr- 55. «ostscheckkonto: Amt Frankfurt 7<SL Rr. 5016. Sprechzeit mx RedaNiou von 1011 mrd T 1,1-1 Uhr. V

Heftung

Wieg. 15. Nov. Anschließend an den Empfang der reichsdeutschen Kolonie fand «in Empfang der Vertreter der in- und sansländischen Presse statt, bei welchem Rei^außcnminister Dr. Stresemann u.a. ausführte:

Das, was politisch über die Empfindun­gen. von denen wir bei diesem Besuche ausgegangen sind, darzul^en ist, ist gestern in den zwischen dem Bundeskanzler und dem deutschen Reichskanzler gewechsel­ten Ansprachen zum Ausdruck gekommen. Es ist schließlich ganz selbstverständlich, daß. wie die Staatsmänner z. B. in Genf jebe Gelegenheit benutzten, um ihre An­sichten über jene Fragen, die sie speziell an­gehen, auszutauschen, daß naturgemäß auch dies hier geschehen ist. Wir sind Nach­barländer, wir sind Länder derselben Kul­turgemeinschaft. Niemals hat das Feuer der deutschen Kulturgemeinschaft alle, die deutschen Blutes sind, so stark erwärmt wie in der Zeit, seitdem der große Krieg neue Erenzen geschaffen und die alte Stellung, die wir in der Welt hatten, Herabgemin­dert bat.

Gerade Not, Drangfal und Trübnis haben das Gemeinschaftsgefühl nicht

- nur zwischen Oesterreich und Dewtsch- . land, souder« in allen Länder« hell «ntsachf.

Deshalb ist es wohl selbstverständlich, daß die beiden Nachbarländer, die durch Sprache und Blutsgemeinsaaft verbunden sind, auch die Beziehungen ihrer Regierun- gen pflegen. Man hat entdeckt, daß wir schrittweise den Weg des Anschlußes Zehen und allerhand vorhätten, z. B. das Paß- »isum zwischen Oesterreich und Deutsch­land abgeschaffft haben. Zch persön­lich stehe auf dem Standpunkt, daß das Paßvisum zwischen sämtlichen Ländern der Erde je früher desto besser abgeschafft wird, so muß die Nervosität schon einen sehr starken Grad angenommen haben, und verlangt dringend nach politisch-ärzt­licher Abhilfe.

Wenn weiterhin davon gesprochen wird, daß wir an der

Rechtsangleichung zwischen Deutsch­land und Oesterreich

arbeiten, so hoffe ich, daß das-richt das ein» iiRe Gebiet bleibt, auf dem man.über die Erenzen hinaus für gemeinsame Verstän­digung die Hand reicht. Wer überhaupt in der internationalen Politik für Verständt- »ung eintritt, darf sie nicht angreifen, wo Ke sich aus der Theorie in die Praxis um- iusetzen beginnt. Die beste Sicherheit für die Erhaltung des Friedens ist die Be­kämpfung des Mißtrauens zwischen den Stationen. Für uns in Deutschland ist der Bedanke, daß nur eine friedliche Entwick­lung überhaupt die-Möglichkeit einer Wie- deraufrichtung Europas gibt, eine Selbst­verständlichkeit. Hinter dieser Politik steht eine so große Mehrheit des deutschen Vol­kes. daß diejenigen extremen Splttter von ltaks und rechts, die sich ihr nicht an» 'Meßen, keine Bedeutung beanspruchen können. Die ältesten Zusammenhänge in der Weltwirtschaft sind heute zerrißen und dis heute noch nicht auf den normalen vtand gebracht. Der einzige feste Boden, vllf dem die Wirtschaft gedeihen kann, ist vernichtet. Es wäre ein Verbrechen, wenn Irgendjemand auch nur den Finger dazu böte, eine Wiederholung dieser Katastrophe herbeizuführen.

Wenn ich davon spreche, daß hinter vie­ler Politik in Deutschland die ganze große Mehrheit aller Parteien steht, und wenn ttan in diesen! Zusammenhang auf die Ex­kreme hinweist, so sind diese ja erst durch »en Krieg gechaffen worden. Wir hatten b?s Extrem der äußeren Linken nicht oh-e vie. Verwirrung der Kriegs- und Nach- ."iegszeit, und wir hätten das Extrem der

äußersten Rechten nicht, wenn nicht bei uns durch den Krieg und durch die Nach­kriegszeit die gute Mittellage des Staats­schiffes, sein Bürgertum und sein Bauern­tum. das am besten die ruhige Fahrt des Staatsschiffes gewährleistet, so proletari- siert wäre, wenn nicht das, was die Men­schen als sittliche Grundlage des Volkes ansehen, so auf den Kopf gestellt worden wäre, daß der Mann, der die meisten Opfer für den Staat gebracht hat, zum Bettler geworden wäre; das darf aber nicht hindern, daß diejenigen, die sich mit der größten Energie und Tatkraft an den Wiederaufbau Deutschlands gemacht und erkannt haben, daß dieser Wiederaufbau, und der Wiederaufbau der Welt nur im friedlichen Wege geschehen kann, sich gegen alle wenden, die diese Entwicklung irgend­wie gefährden.

Die Reden, die Dr. Marx und Dr. Stre'emann gestern auf der deutschen Ge­sandtschaft hielten, finden in der Presse als bedeutende Friedenskundgebung lebhaf­ten Widerhall.

DieReichspost" schreibt: Der Besuch der deutschen Minister in Oesterreich hat das Stichwort zu neuere Anschkutzdestre» Bungen gegeben, hinter denen sich die Hoffnung versteckt, man werde aus den Kundgedungen der leitenden Staatsmän­ner neue Waffen des Mißtrauens schmie­den können. Diese Hoffnungen sinv gestern bitter enttäuscht worden.Die politische Bedeutung des Staatsbesuche» offenbarte sich als mächtige Friedenskund­gebung und zugleich als Bekenntnis zu der unzerstörbaren Kultur- und Schicksalsge­meinschaft zwischen den Deutschen dies­seits und jenseits der Reichsgrenze. Künf» *j£e Anschlußbis ku ssionen werden von den zwe: unverrückbaren Tatsachen ausgehen müssen, daß weder das große Deutschland, noch das kleine Oesterreich eine gewaltsame Zertrümmerung der Verträge plant oder irgend eine Initiative, welche den Faden zerreißen könnte, der von Locarno aus ge­sponnen wurde und zu einem großen, weltumspannenden Locarno des Ver­trauens und des Friedens führen soll, dann aber von der Tatsache, daß die Her­zen der Deutschen in Oesterreich und im Reiche immer im gleichen Takte schlagen werden und daß dadurch auch ohne Pa­ragraphen und Papier sich der allerengste Freundschaftsbund ergeben mrktz.

ImNeuen Wiener Tagblatt" heißt es: Das gestrige Ervo'e 'Dr. Ztresemanns auf der deutschen Gesandtschaft war ein an alle gerichteter Rundsvruch des Friedens­willens, des deutschen Kräftebewußtseins und des Optimismus, ein überzeugungs­kräftiger Appell an alle Staatskanzleien Europas und an alle Völker dieses Erd­teils, die Idee von Locarno zum Glau­bensbekenntnis aller zu ge­stalten.

Haager Schiedsgerichts erklärt. Aber wir sind bisher eine einzige größere Macht, die das ohne Reserve getan hat, und ich möchte auch hier der Hoffnung Ausdruck geben, daß dieser erste Schritt die Schritte anderer nach sich zieht. Wir hören in der heutigen Zeit davon sprechen, daß man den Frieden organisieren müsse. Anzweifelhaft!

Aber zur Organisierung des Friedens ge­hört auch unzweifelhaft die Bekämpfung der Organisierung des Krieges: daß auf dem Gebiete der Abrüstung diese Or­ganisierung des Friedens bisher wenig Fortschritte gemacht hat, das ist das ein­zige, was den Pessimisten recht gibt.

Ich gebe jedoch die Hoffnung nicht auf, daß die Beratungen und Besprechungen

Gegenüber den kürzlich über eine.

Differenz bezüglich der Dawesvereinbarungen, gehegten Bernmtungen weise ich darauf hin, daß bisher die feste Ordnung des Re­parationsplanes eingehalten wurde, und daß die Absicht der Reichsregierung und ihr fester Wille ist, diese Grundlage festzu­halten. Wenn einst eine Neuordnung der großen internationalen Finanzverpflich­tungen aufgrund wirtschaftlicher Erkennt­nis nötig wird, wird die Zeit gekommen sei», durch die Finanzsachverständigen der Welt zu prüfen, welche neue Form für die Lösung dieser Frage zu fordern sei.

Wir haben mit einer ganzen Reihe von Staaten Schiedsgerichtsverträge abgeschlossen und sind einen Schritt wei­tergegangen. Wir haben auf der Tagung des Bölkerbundes in Genf den Beitritt: Deutschlands zur Fakultativklausel des

Zum Besuch der deutschen Staats­männer schreibt derQ u o t i d i e n: Es wird nicht genügen, zu wiederholen, daß wtt niemals den Anschluß gestatten wer­den. auch nicht, daß die Verträge, die un- berührbare Basis der europäischen Ord­nung, den Anschluß verbieten, auch nicht, daß selbst abgesehen von den Verträgen die Notwendigkeiten des Friedens ihn ver­wehren. Diese notwendigen Worte reichen .nicht aus, man muß ihnen Taten anfügen. Unter diesen Handlungen ist unbestreitbar die dringlichste, die wirtschaftliche und juristische Annäherung zwischen Oesterreich und Deutschland durch eine wirtschaftliche und juristische Annäherung Zwischen Oesterreich und den kleinen Nationen Mitteleuropas auszugleichen. Frank­reich und England haben in dieser Hinsicht eine Initative von höchster Wichtigkeit zu ergreifen. Sie würden eine schwere Ver­antwortung auf sich laden, wollten sie sich ihr entziehen.

A v e i^i r" sagt: Um den Anschluß zu verhindern müßte man Oesterreich weiter finanziell unterstützen und ihm günstige Handelsabkommen mit seinen Nachbarn sichern. Natürlich unter der Bedingung, daß es auf seine Hintergedanken einer Ver­einigung mit Deutschland verzichtete. Aber man müßte auch die Lage ian Ungarn sehr genau überwachen und den Magyaren be­greiflich machen, daß die Gefahren der Eermanisierung für sie viel größer sind, als jede andere Gefahr. Man müßte ihren Geist beruhigen und Formeln finden, die es ihnen gestatten, in guten Beziehungen mit ihren Nachbarn zu leben. Kurz und gut, man müßte einen Zustand schaffen, der die Deutschen überzeugt, daß Ungarn sich nicht ihm zuwende, und daß Deutschland jede Hoffnung verliert, Ungarn als Mit­arbeiter zu gewinnen.

in Genf, bei denen nebeneinander einmal das Problem der Sicherheit und zweitens das Problem der Abrüstung zur Sprache kommt, von dem Gedanken der gegenseiti­gen Verständigung von dem Gedanken des Friedens eingegeben sein mögen, die die einzige Gewähr eines Resultates in sich tragen. Wir wollen unsererseits jetzt auch auf wirtschaftlichem Gebiete die 2lach- ftiegswirkungen zu beseitigen suchen und die gleichfalls notwendige wirffchaftliche Annäherung pflegen. Wir stehen mit ver­schiedenen Nachbarvölkern im Osten vor solchen Problemen und ich bin auch hier überzeugt, daß es von dem guten Willen abhängig sein wird, ob ein Resultat er-

(Fottjetzung stehe Seite L)

zur Einnahme üantmrä

Schanghai, 16. Nov. Den Nanking- ttuppen, die bereits am Sonntag zur Ber- stärkung der Borhut eingetroffen waren, besetzten heute kampflos den gesamten Stadtkomplex. Man glaubt, daß Damit der wichtigste Schritt zur Wiedervereinigung Südchinas getan ist. General Tangchenchi scheint die letzten Oppositionstruppen nach der Honanprovinz zurückgezogen zu haben, wo sie sich einstweilen behaupten können. Angesichts der kommunistischen Drohungen hat die Nanking-Regierung die schärfften Gegenmaßnahmen getroffen. Ein kommu­nistischer Versuch, die Schanghai-Nanking- Bahn zu zerstören, konnte vereitelt werden. Ein Putschversuch in Sütschau nahe Schanghai mißglückte. Die Lage bleibt jedoch unsicher.

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Du Kumps gegen die Apposition hi Rußland

Sie englisch- Pvcs'e zum Ausschluß der russischen OPP-siÄ»nKfiihrer.

Der Ausschluß der Oppositionsführer aus der kommunistischere Partei findet in den Morgenblättern starke Beachtung. Obwohl einstweilen Kommentare noch feh­len, läßt doch die Aufmachung der Nach­richten erkennen, daß der Ausschluß als eine bedeutende Aktion für das zukünftige Schicksal des Sowjetregimes angesehen wird. Trotzki und sein Anhang seien nun als wirkliche Opposition ohne jede Bin­dung gegenüber den gegenwärtigen Macht­habern anzusehen. DieDaily Mail" meint, daß der Ausschluß die erste Be­wegung gegen die Sowjetregierung dar­stelle. Die Ausgeschlossenen seien, zu po­pulär, und Ihr Anhang zu groß, um sich ihrer auf dem sonst üblichen Wege der Hinrichtung zu entledigen. Der diploma­tische Korrespondent derWestminster Gazette" ist der Auffassung, daß der nächste Parteikongreß im Dezember für die Entwicklung Rußlands von enffchei- dender Bedeutureg sein werde.

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Ser Freispruch-ManEuS

Bukarest, 15. November. Nach einem Mimsterrat gab gestern die Negierung ein Kommunique zu bem Manoilescu-Prozcß her­aus, in dem erhärt wird', daß Manoilescu vor ein Kriegsgericht gestellt wurde, um vor ähnlichen Komplottversuchen abzuschrecken. Wenn das Gesetznicht in voller Strenge" angewendet worden sei, so habe dies auf den Entschluß der Negierung keinen Einfluß, in ihren strengen Maßnahmen gegen jede Be­drohung der Sicherheit und Ordnung fortzu­fahren. Die Bukarester Presse sieht in dem Freispruch Manvilescus einen bedeutenden Prestigeverlust Bratianus. Die Nationale Bauernpartei will den Fall Manoilescu noch einmal vor das Parlament bringen. Die Prozehberichterstattung des »Dittorul" hat noch das Nachspiel, daß der Abgeordnete Poppovic, der nach Meinung des Blattes eine unwahre Aussage gemacht haben soll, den »Bittorul« wegen Verleumdung verklagen wird.

Rom und der Zreffpruch Manoilescu».

Der Freispruch Manoilescus ist hier all­gemein mit Befriedigung ausgenommen worden. Drattanu dürfte, so schreibt die »Tribun a", dieser Ausgang des Prvzeffes allerdings überraschend gekommen sein, denn man kynne nicht annehmen, daß der all­mächtige Drattanu einen solchen SensationS- prozeh eingeleitet habe, ohne mit der sicheren Verurteilung seines Gegners zu rechnen. Das Blatt zollt den Dichtern uneingeschränktes Lob für die Unparteilichkeit, die sie über alle politische Intrigen gestellt hätten. Durch die verschiedenen Enthüllungen, die der Prozeß gebracht habe, so über den Brief Königs Ferdinands an fernen Sohn und das bisher geheim gebliebene Zusammentreffen zwischen den beiden würde die öffentliche Meinung in Rumänien stark aufgeklärt und die Oppvfi- tion gegen Bratinau gestärkt wer­den, sodaß dessen Stellung als zu sehen sei.

Das Mo der Strefenialm-Me

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