Srnmrstas, len 27. Ott 1927
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Anzeiger für (das früher kurhessischef Oberhessen - Berküntigungsblatt für Stadt und Kreis Marburg
Dr. Köhler über -re Rerchsfmarrzen
Sie RewtnWeil der Beseldunsdresorm — SaS Remermdum Barker Nlbertt
rren,
und
Berlin, 26. Okt. Im HauShaltsauS- tzhuß deS Reichstages führte Reichsfinanz- Ninister Dr. Köhler im Rahmen der Beratung der Besoldungsvorlage folgendes
sticht erfüllt werden konnte. Nach -läge werde aber eine wesentlich« <g des Haushaltes nicht eintreten, Deckung durch die Verwertung der rnsvb^ekte de- Reiches erfolgen soll. 4aS Schulgesetz sei nach der ersanung eint unabweisbare Auf- Die Kosten seien noch nicht zu über
1 sprechen, bet der eS sich nicht um eine ftre Mehrbelastung, sondern um eine achholung der unrerlassenen rhöhung in den vergangenen Jchi
^Erhaltung der ArbeitSkevst l.._ Mdigkeit des Beamtentums und y eine Wiederaufbauaufgabe von fi staatSvolitischer Bedeutung han- Auch daS LiquidationSschä- ^lußgesetz sei efne Frage, die . Bedingtheit unserer Finanzlage
Die Einbringung der BesoldungSvorlag« Iltbe ihm Veranlassung, in großen Zügen in Bild über die gesamte Finanzwirtschaft e» Reicher zu geben. Er könne das nicht un, ohne einen
«ückvlrck auf die Entwicklung der Ftnauze» feit 1925.
ir halte das umso notwendiger, als in [reifen des Inlandes wie des Auslandes iesorgniS wegen der steigenden Denen; unserer Ausgaben geäußert •erbe. Er wolle die Gründe darlegen, ie zu dieser Ausgabesteigerung geführt eben und stelle schon jetzt fest, daß sie S Ergebnis einer zwangsläufigen in tw i ckl u ng zu erklären sei. Die Ent- •ickelung zeige, daß von 1924 bis 1927 hnsere
Ausgaben um rund 1,5 Milliarden
S gestiegen
en, wobei der stärkste Sprung mit rund 0 Millionen sich von 1925 auf 1926 llzogen hat. Der Minister wies darauf l, daß wir uns seit 1924 im Zeichen ! Wiederaufbaues der durch Krieg und flation zerstörten Güter befänden. Tie- Wiederaufbau habe in J)en vergangenen fahren zu zwangsläufig steigenden Aus- ßaben geführt. Auch die von der RetchS- ktgierung jetzt eingebrachten Vorlagen seien |in Teil dieses Wiederaufbaues und erst iienn diese Entwicklung zu einem Abfluß gebracht sei, lasse sich von einem vrmaletat sprechen. Der Minister gab - nn für die vergangenen Jahre eine f lersicht über die zahlenmäßigen AuSga- erhöhungen. Niemand werde behaup- können, daß angesichts der hinter uns nden wirtschaftlichen Situation diese gaben etwa unnötig gewesen seien, in die Ausgabeposten für Sozialver- rung und Erwerbslosenfürsorge, für zinsung und Tilgung der Reichsschuld, Reparationszahlungen und für Ver- wngs- und Ruhegehälter machten zu- nen über L Milliarden Mehr- astung gegen 1924 aus. Temgegen- l r stehe ein allmähliches Ab sinken der > eren Kriegslasten, die seit 1924 sich um H ad 800 Millionen vermindert haben, tkr Minister betonte weiter, daß, wenn Wrn
»en Begriff Kriegslasten
Istetwas weiterem Sinne ausfasse und ne- WM den Reparationszahlungen auch die gtiegSrenten. und Pensionen/ die mit der Besatzung und Entwaffnung zusammenhän- Pnden Ausgaben usw. berücksichtige, die A Haushalt nachgewiesenen Beträge dieser ft einen außerordentlich hohen trozentsatz der Gesamtausgaben de? s iches auSmachten. Tie Kriegslasten in • fern ©inne betrügen 1927 über 3 V, k llliarden, also mehr als die Hälfte r gesamten Reichsausgaben, auf den s der Bevölkerung gerechnet rund 57 k, wogegen die Belattung auf den Kopf h die gesamten Reichsausgaben tm -e 1913 nur 41 Mark betrug. Ter
>r kam zu dem Ergebnis, daß im & gesehen unsere AuSgabenerhühun- *e zwangsläufige Folge des . e gfe § seien.
1 Änu^iefem Rückblick kam der Minister ,««uf die vefoldungsvoplagc
sehen. ES werde aller Bestreben fein müssen, die Mehrbelastung in möglichst engen Grenzen zu halten. Jedenfalls trete aber die Mehrbelastung erst in drei Jahren ein. Die Schätzungen von 600 und mehr Millionen seien übertrieben. Die Frage, weshalb gerade das laufende Jahr mit all diesen Gesetzen, dem Finanzausgleich und dem Arbeitslosenver- sicherungSgesetz belastet werde, beantwortete der Minister dahin, daß es ihm wesentlich angenehmer gewesen wäre, wenn hier eine Lastenverteilung stattgefunden hätte. Der Minister stellte weiter fest, daß
»tc Deckung der durch die »neuen Gesetze erfaridchiichen Ausgaben ohne Erschließung neuer Stouerq,teilen allein durch das höhere Aufkommen aus den geltendem Steuern und durch Er
sparnisse ans der Ausgabrnfeite
möglich sein werde, sofern nicht eine katastrophale Verschlechterung der Wirtschaftslage eintrete. Auch die Länder und Gemeinden würden mit derselben Einschränkung in der Lage . sein, die ihnen durch die Durchführung der neuen Gesetze erwachsenden neuen Ausgaben zu decken. Es werde ferner möglich fein, weitere Ersparnisse durch eine Vereinfachung der Verwaltung zu erzielen. Angesichts der gegenwärtigen Lage des Kapitalmarktes sei die Auflegung neuer Anleihen nicht beabsichtigt.
Der Reichsfinanzminister ging nun näher auf die Finanzlage des Etatsjahres
ein und stellte fest, daß sich die finanzielle Lage I erheblich günstiger entwickelt habe als zu erwarten gewesen sei. Sei fast allen Steuerarten seien Mehraufkommen zu verzeich-
Der Sntergang der» Rafatta"
Sie meilttn Magien mellet
ff. Rom, 27. Oft. Nach den letzten hier eingegangenen Meldungen hat sich die Zahl der Geretteten des Dampfer» „Mafalda" aus etwa 1200 erhöht. Zm ganzen waren, auf dem Schiffe 9 6 8 Passagiere und 240 Mann B e - satzung. Die Zahl der Opfer ist also wesentlich kleiner als zunächst durch den amerikanischen Nachrichtendienst verbreitet wurde. Man hofft, daß fie sich «och weiter verringern wird.
ff. Montevideo, 27. Oft. Eine hiesige Agentur gibt die Gesamtzahl der Eeretteten auf 1224 an. Gerettet wurden von der „Formosa" 450, von der „Athena" 450, von der „Empiere Star" 202 und von der „Rosetti" 122. Frühere Meldungen hatten die von der „Nosetti" geretteten nicht erwähnt, sprachen jedoch von einer Rettuna von 500 Personen durch den englischen Dampfer „Avolona". Die Abweichungen in der Zahl der Geretteten der einzelnen Schiffe sind möglicherweise eine Folge des Austausches der Ueber- lebenden von verschiedenen Schiffen.
fk. Buenos A res, 27. Olt. Nach einer Kabelmeldung aus Bahia an das hiesige Büro der Dampferlinie sind alle Pasiagiere und Mannschaften d.r „Mafalda" big auf 86 festgestellt.
Direktor Vollrath unter den Geretteten.
ff. Berlin. 27. Okt. Der Verwaltungsdirektor des Zirkus Hagenbeck in Hamburg, Vollrath, befindet sich nach Mitteilung dee Blätter unter den Ee- rettet-n auf dem Holland scheu Dampfer „Eltela". Er Hai bereits an feine Mutter einen Fnnffpruch gelangen lassen.
nen. Der Minister behandelte ausführlich die einzelnen Steuern, stellte deren Eingänge im ersten Halbjahr 1927 fest und schätzte die gesamten Eingänge für das laufende Etatjahr. Er kam zu dem Ergebnis, daß man mit einer Verbesserung des voraussichtlichen Ist-Aufkommens gegen das Haushalt-Soll um rund 500 Millionen rechnen könne. Dem ständen die im Nachtragsetat anzufordernden Ausgaben genert» über, die etwa 250 Millionen betragen dürften. Selbst wenn man von der Maximalfumme von 300 Millionen ausgehe, würde das Jahr 1927 noch mit einem
Weitere Einzelheiten.
Die Katastrophe ereignete sich gegen 7 Uhr abends als die Passagiere beim Abendessen versammelt waren. Das Schiff ist anscheinend sehr schnell untergegangen, sodaß ein Teil der von Panik ergriffenen Passagiere nicht mehr in der Lage war, die Rettungsboote zu erreichen, um die sich zwischen den übrigen Passagieren ein wilder Kampf entspann. Eine ganze Anzahl Passagiere sprang mit Schwimm, gürteln versehen über Bord. Der Bordfunker versah seinen Dienst bis zum letzten Augenblick und sandte Hilfe, rufe nach allen Seiten aus, die auch von zahlreichen Schiffen aufgefangen wurden. Alle Geretteten werden nach Rio de Janeiro gebracht. Von den 968 Passagieren benutzten 52 die erste und 89 dir zweite Klaffe, die restlichen 827 waren Zwischendrckpaffagiere, vorwiegend Auswanderer nach Argentinien Gleichwohl kann die „Mafalda" nicht als Auswandererschiff angesprochen werden.
Bon dem Londoner Büro der „Raviga, zione Eensrale Ztaljana" wird erk.ärt, daß auf dem Schiff alle modernen Sicherheitsvorkehrungen getroffen waren. Vor dem Büro des Lloyd i» London wartet eine große Menschenmenge auf neu« Meldungen über die Katastrophe. Der Schiffs- oersicherungsmarkt in London erleidet durch den Untergang beträchtl.chen Schaden. Der Schiffskörper war mit 18 000 Pfund Sterling in Italien versichert. Auch die Ladung de, Dampfers ist mit einer bedeutenden Summe versichert gewesen.
Uederschutz von rund 200 Millionen abschließen. Der Minister besprach darauf den Etat für 1928, der in den Ausgaben ein Mehr von rund 500 Millionen ergeben werde, wovon auf Reparationslasten 400 Millionen entfielen. Die Balanzierung des Haushalts werde sich trotzdem «reichen lassen. Eine starke Einschränkung der Ausgaben sei vorgesehen. Außerdem ließen die tatsächlichen Steuerergebnisse des lausenden Jahres es gerechtfertigt erscheinen, das Gesamtaufkommen für 1928 um rund 300 Millionen gegenüber dem Ist-Auskom-
(SortkSuna sieh« Seite 2J
SchMiltaNroMtl
Von Ernst Pillau-Sander.
Der Dampfer „Principeffa Mafalda" bei italienischen Lloyd ist an der Küste Südamerikas, auf der Höhe von Bahia, gesunken. Die Zahl der Toten ist noch ungewiß. Damit stehen wir vor einer Schifsskatastrophe, die zu den größten ihrer Art zählt, wenigstens was das vergangene Vierteljahrhundert anbetrifft. Im allgemeinen ist man der Ansicht, daß heute Schiffsunfälle längst nicht mehr so hataftro» phal verlaufen wie ehedem; man pocht hier auf den Schottenbau der modernen Schiffskörper, auf den vervollkommneten Rettungsdienst auf den einzelnen Dampfern und vor allem auch auf die Funkanlagen und Schallsignalvorrich- tungen. Und dennoch hat sich die „Princi- peffa Mafalda", die, wie man annimmt, auf ein Riff aufgelaufen ist, nicht retten lassen, sondern hat eine große Zahl von Opfern mit sich in die Tiefe gerissen, obschon mehrere Dampfer sofort zu der Unfallstelle geeilt und dem sinkenden Schiff und feinen Passagieren zu Hilfe gekommen sind.
Schon einmal, vor ungefähr sieben Jahren, durcheilte übrigens das Gerücht von einem furchtbaren Unfall dieses Schisses die Welt. Damals hieß es, daß die „Prineipeffa Mafalda", die sich auf der Fahrt von Buenos Aires nach Italien befand, auf eine Mine aufgelaufen und in die Luft gesprengt worden sei. Siebenhundert Menschen sollten damals angeblich den Tod in den Wellen gefunden haben. Dies Gerücht stellte sich jedoch als unwahr heraus. Immerhin wirkt es nunmehr wie ein böses Omen —: heute ist es um das Schiff wirklich und endgültig geschehen!
Damit ist die an und für sich schon nicht geringe Liste der schweren Schiffsunfälle aus den letzten siebenundzwanzig Jahren um eine erschütternde Katastrophe vermehrt worden.
Beginnt man diese Liste mit dem Jahr« 1900, so wäre zunächst zu erinnern an den Untergang des deutschen Schulschiffes „Gneise- nau". Es lag damals zu Schießübungen vor dem Hafen von Malaga. Am 16. Dezember wurde es von einem furchtbaren Sturm überrascht, gegen die Ostmole des Hafens gefchmet». tert und zerstört. 38 Mann fielen der Katastrophe zum Opfer, darunter der Kommandant.
Sieht man von kleineren Katastrophen ab, fo ließe sich die Lifte erst wieder mit dem 20. Juli 1902 fortfetzen. An diesem verhängnisvollen Tage stießen zwei Vergnügungsdampfer auf der Unterelbe bei Blankenese zusammen; annähernd hundert Ausflügler ließen damals ihr Leben. Zwei Jahre später geschehen gleich zwei furchtbare Katastrophen kurz hintereinander. Am 15. Juni 1904 bricht bei Newyork auf dem Ausflugsdampfer „General Sloeum" eine gewaltige Feuersbrunst aus, die binnen kurzem das Schiff vollkommen vernichtet — mit ihm verbrennen 780 Menschen. Am 4. Juli des gleichen Jahres scheitert das dänische Auswandererschiff „Norge" an einem Riff und reißt 637 Menschen mit sich in die Tiefe de, Ozeans. Im nächsten Jahre läuft am 19. No. vember der englische Passagierdampfer „Hilda" bei Schneesturm an der nordfranzösischen Küste auf — 75 Menschenleben sind zu beklagen.
Das Jahr 1906 bringt gleich drei schwer, Schiffskatastrophen. Gleich im ersten Monat, am 23. Januar, fliegt durch Explosion da» brasilianische Linienschiff „Aauidaban" in di, Luft; mit dem Marineminister sterben 223 Personen. Am Tage darauf geht der Dampfer „Valencia" an der Westküste der Insel Van. couver mit 98 Menschen unter. Am 2. März endlich sinkt der Dampfer „Thor" bei Berge» mit 35 Menschen.
1907 — zwei erschütternde Unglücksfällel Am 21. Februar strandet der englische Paffa. gierbampfer „Berlin" im Sturm; 129 lote sind zu beklagen. Im nächsten Monat, am 18. März, explodiert das französische Kriegsschiff „Jena" im Hafen von Toulon — tausend Tote....
Das nächste Jahr vergeht ohne Unfälle. Aber am 24. August 1909 kollidiert der argentinische Dampfer „Columbia" in der Hafeneinfahrt bet Montevideo mit dem Dampfet „Schlesien" de» Norddeutschen Lloyd und versinkt mit hundert Menschen.