Anzeiger für ftas früher kurhessische) Sberhesfrn - AeekünöigunssAatt für GtaA und Kreis Marburg
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StenAag, ten 25. Ott. IM
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Äbechkssische
Eine Wamuns Llotzö Georges
Ser SMIhingliMnlimi der Cwrltaaten führt zur Wietertelmg der MM von 1914
ff. London, 26. Oft. Lloyd George führte in einer Versammlung von DölkerbundS- freunden u. a. aus:
Als der Friedensvertrag ausgearbeitet war, erfannte man, daß eS später notwendig sein werde, Berichtigungen daran vorzunehmen. Allein der Völkerbund kann diese Berichtigungen vornehmen, aber an jeden Versuch einer Revision mutz mit Geduld und' Behutsamkeit herangetreten ; werden. Die Gefahr rührt von der zu rigorosen Auslegung der Der» ■ träge oder der Nichterfüllung ihrer Verpflichtungen durch die Siegernativnen her, i insbesondere von der Nichtanwendung der Vertragsbestimmungen zum Schutze der Minderheiten und ebenso von der Fortdauer der Rheinlandbesetzung, auch nachdem Deutschland bemüht ist, seinen Verpflichtungen aufrichtig und wirksam nachzu- fommen.
Lloyd Georg« erklärte weiter noch, er empfinde' Beunruhigung über die Folgen für den Fall, daß sich die französisch« Regierung zugunsten einer Verlängerung der Ahein- landbesetzung entscheide. Ferner wies Lloyd George doch darauf hin, daß die Streitig» Wen und Kriegsvvrberei tungen in Europa taS Gefühl aufkommen ließen, Latz eS zu einer Wiederholung der Kata - -flrophe von 1914 kommen werde, wenn nicht die Vernunft daS Liebergewicht erlange. Der Völkerbund allein könne die vorhandenen Schwierigkeiten beseitigen, ohne einen Konflikt hervorzurufen. Der Hauptgrund zur Unruhe bestehe in der flagranten Mitzach- ;tung der hinsichtlich der Abrüstung gegebenen Versprechen. Die Diegerstaaten hätten insgesamt 10 Millionen Soldaten, die besiegten Nationen dagegen nur 250 000, und bas werde Sicherheit genannt. Europa könne feinen Frieden haben, solange die Abrüstung nicht überall durch- geführt sei. Wenn nicht diejenigen, delche die Friedens Verträge erzwangen, abrüsteten. würden sie einen groben Vertrau ensbruch begehen. Lloyd George sagte beiter, er lege großen Wert auf die Rück- dhr Rußlands in die brüderliche Gemeinschaft der Nationen. Lieber den Mißerfolg der Genfer Marinekonferenz sprach Lloyd George sein Bedauern aus.
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Neginn her SMunoSm- minteMg
Baris 24. Okt. Havas meldet «us Die Verminderung der stärke der Besatzungstruppen löt gestern begonnen. Sechs Ma- schinengewehrbataillone haben das 6e° letzte Gebiet verlassen und find auf eine gewisse Anzahl französischer Armeekorps Erteilt worden. Zwei Maschinengewehr, Bataillone find aus Worms» Neustadt, Epeqer und Landau zurückgezogen worbe«. Die Truppenvermiuderung wird fortgesetzt. Zwei Bataillone
52. Eisenbahnregiments haben Trier *’t Bestimmung Toul veNafien.
$*r rod des Äx»»6erget Feldhüter».
Kronberg, 24. Okt. Der Kronber- ?er Zwischenfall, bei dem am 9. Oktober r-t Feldhüter HaaS bei einem Zusammen» m>tz mit drei englischen Soldaten den Tod ?nd, endete, wie die „Boss. Ztg." meldet, gute vor dem englischen Kriegsgericht in «tesbaden mit einem Freiipruch des. ^«geklagten Soldaten Gar litt, dem ?«.twehr zugebilligt wurde. Garlitt, °et mit seinen Kameraden unbefugterivsija
den Weg durch einen Garten eingeschlagen hatte, erklärte, er habe sich von dem Feldhüter bedroht gefühlt und ihm einen Stoß gegeben. Als Todesursache hat der deutsche Arzt festgestellt, daß der Feldhüter durch den Stotz in den Leib ohnmächtig wurde und beim Fallen einen tödlichen Schädelbruch erlitt.
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SaS unruMse floreffe
ff. Paris, 25. Okt. Nach einer Meldung aus Rabat wurde ein französischer Lebensmittelzug südlich der Aufständigen- Zone von E l Ä b i b, der von einer bewaffneten Patrouille begleitet war, von Aufftändigen überfallen. Drei Le- g i o n ä r e der Begleitung wurden getötet. 3H e Gewehre blieben in den Händen der Angreifer. Ein vierter Legionär konnte sich in die französische Linie flöchten.
Der rumänische Ministerrat Kegen Carol.
Bukarest, 25. Okt. .^ber den Mi- nisterrat, der gestern abend um 8 Uhr beendet wurde, wird folgender amtlicher Bericht veröffentlicht: Die in der ausländischen Pres'e veröffentlichten Nachrichten über, eine Bewegung für Carol in Rumänien sind falsch. -D:e ganze Bewegung beschränkt sich auf eine Einladung, die der ehemalige Kronprinz an die verschieden«»!. Parteiführer einschließlich den Premierminister zu richten versuchte, um das rumänische Volk zu einer Stellungnahme über seine RücLbcrufung auf den Thron zu veranlassen. Ta eine derartige Handlung einen direkten Anschlag auf die Verfassung und die Sicherheit des Staates darstellt. wurde der Ueberbringer der Briefe, Manoiesro, verhaftet und dem Gericht überliefert. Die Regierung ist fest entschlossen, die gesetzliche Ordnung des Staates zu festigen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um alle derartige Versuche zu verhanderu.
Schweres Grd- oder Seebeben
Ser Serd Ist «H atbtfannl
fft Prag, 25. Okt. Da» staatliche Zft- ftitut für Geophqfik Prag meldet: Der Seismograph dcs Staatlichen Instituts für Geophqfik verzeichnete gestern um 18.80 Uhr ein katastrophales Erdbeben in größerer Entfernung.
Der Herd de, Erdbrben».
ff. Seattle. 24. Oft. Hier wird angenommen. daß der Herd der überall in Amerika verzeichneten Erdstöße sich in A l a s f a oder in einem Gebiet nabe bei Alaska befindet. In verschiedenen Teilen Alaskas wurden heftige Erdstöße verspürt. Bis jetzt wurde jedoch kein erheblicher Sachschaden gemeldet. In Iuneai) wurden zahlreiche Einwohner durch dreißig Sekunden währenden Erdstöße morgens um 7 Uhr aufgeweckt. Auch in Sitka waren zwei heftige Erdstöße zu verzeichnen. In Juneau liefen zahlreiche Einwohner aus ihren Wohnungen auf die Straße.
Das Erdbeben auf Alaska.
ff. Petersburg (Alaska), 24. Okt. Der Nabelbetrieb mit Wrangen ist gestört. Der Umfang des Erdbebens und de» Sachschadens be? Wrangest ist noch nicht bekannt. Alle«
Anschein nach handelt es sich um cm Erdbeben. wie es seit langen Zähren nicht »erspürt wurde.
ff. Petersburg (Alaska), 25. Okt. Ein Erdstoß, der 2 Minuten dauerte, erschütterte die Gebäude der Stadt Petersburg um 6.51 Uhr morgens. Viele Fensterscheiben wurden zerschlagen. Aus der Umgebung wird schwerer Sachschaden gemeldet. Einzelheiten fehlen immer noch.
Der Erdstoß in Newyork.
ff. Newyork, 25. Oft. In Newyork wurde ein starkes Erdbeben auch von den Seismographen in Newhanen. Annarbar Cleveland Denon und Berkley (Kalifornien) registriert. Die Erdstöße waren so stark, daß die Registriernadel verschiedener Seismographen von der Registrierrolle a b s p r a n g. Die Newyorker Kabelgesellschaft berichtet jedoch keiner» lei Störungen des Kabelnetzes in irgend welcher Richtung.
Anmerkuna des W.T.B.: Nach Mitteilung des Geodätischen Instituts in Potsdam könnte es sich etwa um ein Erdbeben im Stillen Ozean oder vielleicht im Karibischen Meer (Antillen) handeln.
So$ €*N teS SrauntMnttrtlN
ff. Halle, 25. Oft. Bon dem Deutschen Braunkohlen-Industrie-Verein wird mitgeteilt: Die Wiederaufnahme der Arbeit im Mitteldeutschen Brannkohlcnberg- bau holizog sich in den verschiedenen Revieren durchweg reibungslos.
Im Kasseler Revier zeigten die Arbeiter eine große Zurückhaltung. So fuhren auf der Grube „Müncheberg" nur 30 Prozent der Belegschaft am Montag in der Frühschicht ein. Auf anderen Gruben machten die Belegschaften die Aufnahme der Arbeit von der Erfüllung zweier Bedingungen abhängig. Sie bezogen sich meist auf die Entlohnung oder Eingruvpierung. Die Bergwerksleitungen lehnten abe-r Verhandlungen ab.
Teilweise waren die Werk« auch nicht in der Lage, alle Arbeiter wieder ainzu- stellen, weil während des Stilfstandes Grubenbauten durch Rutschungen und Zubruchgehen z e r ft ä r t jparen. In anderen Fällen verbot stch die Wiederaufnahme der Arbeit wegen gänzlicher Unrentabilität, besonders im Grimma-Kreise. Sier handelt eS sich affo um dauer »de tillegungen.
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Reichtzschulungswoche der DrukschnatLormlen Studentenschaft.
Die Deutschnationale Studentenschaft veranstaltet vom 23. bis 30. Oktober im Johannisstift Bet Spandau ihre 7. Schulungswoche, an der etwa 45 deutschnationale Studenten aus allen Hochschulstädten des Reiches teilnehmen werden.
Tas Programm der Tagung sieht grundlegende Borträge über die wichtigsten Fragen der Außen- und Innenpolitik, sowie der Wirtschafts- und Sozialpolitik vor. Unter den Referenten befinden sich bekannte Namen deutschnationaler Parlamentarier und Hochschullehrer, wie Professor Dr. toetzfch, Professor Dr. Spahn, Professor r. Brunstäd, ferner Frau Annagrete Lehmann, Dr. Rademacher, Geheimrat Thomsen, Hauptmann Schmidt-Hannover, Abg. Studienrat Rose-iAuttgart und Abg. Hülser. Außerdem sprechen: Chefredakteur Hack, Dr. Schellhorn, Regierunasassessor Hüter, Dr. Dähnhardt, Dr. von Lölhöffel, Dr. Ehrenfort, Dr. Freiherr von Bissiva, Dr. Luther, stud. rer. pol. Zieh und ettno. jur. Westermayer.
WaSlreKlSkrfmn
Man mag 311 dem Zentrum grundsätzlich stehen, tote man will, das eine wird man zugeben müssen: die Politik, die es macht, ist von feinem Standpunkt klug. Das zeigt auch die soeben von ihm eingebrachte Wahlrechtsinterpellation. Die meisten der anderen Parteien sträuben sich, das Wahlverfahren abzuändern, dem sie ihre parlamentarische Stellung verdanken. ES ist im Reichstag, wie vor den unglücklichen Mandatsbesitzern vorgehalten, daß eine Wahlreform notwendig sei, und daß man ihr Ausmaß selbst bestimmen könne, wenn man sie rechtzeitig vornehme. Vergebens, der Parteiegoismus war stärker als der Staatsgedanke. Da kam der Wetterschlag, der alles niederwarf.
Man weiß, daß vor noch nicht allzu langer Zeit einflußreiche Kreise, die an dem guten Willen des Reichstages verzweifelten, nahe daran waren, den Weg der Notverordnung zu empfehlen, weil anders das Ziel unerreichbar erschien. Der Minister Koch legte, als er die Zügel des Reichsministeriums des Innern führte, dem Reichstag gleich drei Reformvorschläge zur « Auswahl vor. Mit keinem drang er durch. Der nachmalige Innenminister Jarres faßte feine Reformgedanken in einem scharf umri^enen Entwurf zusammen, der dem Reichstag im August 1924 zuging. Auch seine Mühe war umsonst. Nach ihm versuchte Dr. Luther das Verhältnis zwischen Wähler und Gewählten besser zu gestalten und dadurch wieder Vertrauen zu der Leitung zu schaffen. Der einzelne Wühler sollte nicht mehr für eine Liste, sondern für eine Persönlichkeit seinen Stimmzettel abgeben. Vergebens, die Parteien verharrten in ihrem stumpfen Widerstand. Dr. Külz war überzeugt, daß nur eine Aende- rung des Wahlrechts eine beffere Struktur und Funktion des Parlaments herbeiführen könne, und stellte dahinzielende Entwürfe fertig. Ihm gelang es nicht einmal, sie vor das Kabinett zu bringen, und so blieb alles beim Alten.
Nun endlich kommt ein Vorstoß aus dem Reichstag selbst. Man darf annehmen, daß das Zentrum nicht ohne das Einvernehmen mit dem Aeichskabinett oder doch mit dem Reichskanzler handelte. ES fängt damit die Welle auf, die durch die ganze deutsche Oessentlichkeit geht.
Jedermann ist wie die Interpellanten, davon überzeugt, daß durch die Listenwahl das Recht der Wählerschaft wesentlich beeinträchtigt wird und daß die Größe der Wahlkreise die notwendige enge Verbindung zwischen Wählerschaft und Abgeordneten unmöglich macht und jedermann fragt mit dem Zentrum die Reichs- regierung, ob sie bereit sei, einen Gesetzentwurf einzubringen, der das Wahlverfahren entsprechend umgestaltet, und zwar noch vor den nächsten Reichstagswahlen. Eine Beschleunigung ist in der Tat nötig. Denn keine Wahl Bringt eine Besserung der trostlosen Patteiverhältnisse zu Wege, wenn nicht zuvor daS Wahlverfahren ah» geändert wird.
(Gewiß, ein ideales Whlrecht gibt es nicht. Keines bietet die Bürgschaft dafür, daß jedes Mal der Tüchtigste den Sieg davon ttägt. Indes der Abstand von dem Ideal kann sehr verschieden fein. Bei der Listenwahl haben sich Mißstände her- ausgebildet, die nicht länger ertragen werden können. Die großen Interessengruppen sowohl in den Wahlverbänden, wie bei der Festhaltung der Reichsliste tteten an ixe Parteien, mit dem oreisten Verlangen heran, ihren Vorsitzenden ooer Geschäftsführern einen sicheren Platz einzuräumen, widrigenfalls sie mit einer Entziehung der Stimmen und der Gelder drohen. Anter solchem Druck stellen dann die Patteivor- stände, meist ganz enge Kreise, die Listen zusammen und machen sich damit vielfach Sonderinteressen dienstbar. DaS hört bei der Rückkehr zum VnerwahlkreiS in der Regel auf. Allerdings kann «ich da noch der Geldsack eine Rolle spielen, die Kandidatur und Has Mandat gxkaust we^dtzr.